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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 19:55
von Lösche Benutzer 21900
miss_undercover hat geschrieben: Und dass trotz Stilldruck so viele Frauen vorzeitig abstillen, zeigt, dass Druck die Stillraten nicht nach oben treibt.
Ist das so? Woher wissen wir denn, wie die Stillrate ohne diesen gesellschaftlichen Druck wäre? Sind das nicht die beiden Zahlen, die man vergleichen müsste (aber natürlich nicht kann weil es die zweite Zahl nicht gibt).

Oder spielt mir mein schlafmangel-geplagtes Gehirn gerade einen Streich?

Übrigens finde ich den Punkt mit der krankenkassenunterstützen Stillbegleitung total gut und wichtig!

Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 20:06
von miss_undercover
Karin Bergstermann hat da viel dazu recherchiert:

https://saeuglingspflege-blog.de/blog/stillzwang/

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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 20:21
von jente
Auch wenn mir jetzt vielleicht Emotionalität vorgeworfen wird: ich denke, wenn man die Nazizeit auf den Tisch bringt, dann hat man die Verantwortung dafür, sorgsam zu formulieren, sorgsam seine Intentionen klarzumachen, sorgsam so klar wie möglich darzustellen, warum dieses Heranziehen der Nazizeit erforderlich war.

Ich halte mich für durchschnittlich gut gebildet und durchschnittlich achtsam lesend. Ich habe den Artikel zweimal gelesen vor dem Erstellen dieses Threads, weil ich in Anbetracht des Autorinnennamens nicht glauben konnte, was ich gelesen habe. Und bei mir ist das oben Geschriebene hängengeblieben. Das kann natürlich in meiner Person und meiner Lesweise liegen - vielleicht habe ich meine eigene Matrix draufgelegt. Ich kann das nicht ausschliessen. Aber es ist ja anscheinend vielen anderen wie mir gegangen. Sind wir alles hochemotional Verunsicherte? Oder könnte da eventuell auch etwas in der o.g. Sorgsamkeit fehlen? mir fehlt in deinen posts gerade die Einsicht, dass es vielleicht von deiner Seite zumindest auch Missverständnisse gab, wie solche Sachen bei Lesern ankommen.

Deshalb mal ganz klar nachgefragt: ist es wieder meine eigene Lesart, dass laut deiner posts hier die Redaktion für das Thema und den spin darin verantwortlich sind und die Leser für das falsche Verständnis deiner Intentionen? Siehst du diesen Artikel als komplett ok? Dich als Autorin als komplett unbeteiligt an den problematischen Lesarten?

Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 20:25
von Ginevere
miss_undercover hat geschrieben:Mein Eindruck nach hunderten Leserbriefen und Kommentaren zu dem Artikel ist: das Thema ist so emotional, dass viele gar nicht lesen, was da steht. Stattdessen entstehen ganz schnell eigene Verbindungen und Assoziationsketten. So habe ich bewusst etwa mit keinem Wort gesagt, dass Pulvermilch und Muttermilch gleichwertig wären oder dass es egal ist, ob Mütter stillen. Ich sage nur: das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ist unverbrüchlich. Und ja, das gilt auch für (werdende) Mütter uneingeschränkt. Sie allein haben das Recht zu entscheiden, was sie mit ihrem Körper tun oder nicht tun wollen.

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Den Eindruck habe ich auch, daher habe ich mit inzwischen einigen Jahren Abstand zu dem Thema wohl auch überhaupt kein Problem mit dem Artikel, sondern könnte (wie so oft) jedes Wort unterschreiben.

Ist und bleibt ein emotionales Thema....


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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 20:36
von miss_undercover
Ich stehe zu hundert Prozent hinter dem Text, sonst hätte ich nicht zugelassen, dass er veröffentlicht wird. Ich rechtfertige mich auch nicht für den Spin, ich sage nur, dass das Thema 'Stilldruck' die Themenvorgabe der Redaktion war. (weil einige schrieben, ich hätte lieber gleichermaßen über den Druck gegenüber Stillenden schreiben sollen - diese Möglichkeit bestand bei diesem Auftrag nicht)

Ich denke, dass jede Leserin und jeder Leser das Recht hat aus einem Text das herauszulesen, was ihm entgegen springt. Aber mein Eindruck ist, dass bei diesem Thema sehr selektiv gelesen wird. Meine m.E. sauber und nicht polemisch geführte Argumentation, dass die Haarer'sche Härte Müttern gegenüber in unserer Gesellschaft noch fortwirkt, scheint bei vielen nicht anzukommen, stattdessen bleibt eine diffuse Empörung über unangemessene Nazi-Vergleiche. Ich bewerte das nicht, ich beschreibe nur meinen Eindruck.

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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 20:40
von Kinsale
Diesen Druck stillen zu müssen empfinden zur Zeit wohl auch viel Frauen in den USA und anderen Ländern ganz ohne Nazigeschichte. Daher halte ich das nicht für den Grund und ein wenig kurz gedacht.

Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 20:45
von miss_undercover
All diese Sachen, die Du im Eingangspost schreibst

- ist Stillen jetzt ein Nazi-Ding wie schreien lassen?
- darf man das Stillen jetzt nicht mehr empfehlen, die gesundheitlichen Vorteile nicht herausstellen?
- ist Stillen jetzt selbst irgendwie unter Nazi-Verdacht?

habe ich nie geschrieben.

Was ich geschrieben habe ist:

"Das Erschreckende: Während die kaltherzigen Babytipps der Hitler-Verehrerin ("Schreien stärkt die Lungen!") unter jungen Eltern längst als No-Go gelten, wirkt die Haarer'sche Härte Müttern gegenüber in den Köpfen fort. Sie haben in Deutschland kaum eine Wahl. Mütter müssen. 

Diese Bevormundung zieht sich durch die Geschichte des Mutterseins in Deutschland, selbst durch die Jahre, in denen das Stillen hierzulande stark rückläufig war."

Es geht um die Bevormundung. Nicht um das Stillen an sich.



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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 20:50
von miss_undercover
Ich habe nicht geschrieben: die Haarer ist der Grund für den Stilldruck heute. Das wäre ja absurd! Was ich geschrieben habe ist: dass Mütter unter Druck gesetzt werden, hat hierzulande eine besondere Tradition.



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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 20:52
von jente
Danke für die Klarstellung. Ich verbleibe dann mal gar nicht diffus empört, sondern immer noch sehr explizit und punktgenau unangenehm berührt durch einen von mir als sehr klar empfundenen Mangel an Sorgsamkeit im Umgang mit diesem Thema. Inzwischen bin ich übrigens auch milde irritiert über deine anscheinend klare Vorstellung, dass emotionale Lesart und diffuse Empörung die einzigen Probleme im Zusammenhang mit dem Artikel sind.
Wie gesagt, muss ja nicht jeder Artikel für jeden funktionieren.

Exit: du scheinst mich genauso misszuverstehen wie anscheinend ich dich. Die Fragen ergaben sich bei mir(!) nach dem Lesen des Artikels, nicht als Paraphrasierung des von dir Geschriebenen.

Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Verfasst: 22.05.2017, 20:53
von jente
Exit=edit