Hmm...wie so vieles im Leben ist da eine schwarz-weiß Aussage schwierig, finde ich.
Vorweg : bei einer Impfung/Blutentnahme oder ähnlichem beim KiA würde ich im Leben nicht rausgehen und kenne da auch keinen Arzt, der dies tatsächlich wollen würde. Meine Mutter impft auch immer auf dem Arm/Schoß der Mutter (oder des Vaters)...warum mehr Stress machen?
Ich kenne es aus dem Rettungsdienst auch quasi nur so, dass ein waches Kind möglichst auf dem Elternteil behandelt/transportiert wird. Das spart Stress, Medikamente und ist nur natürlich, finde ich.
Jetzt kommt das ABER: hier im SuT herrscht vielleicht eine selection bias....aber "draußen " sind nicht alle Eltern in der Lage, dies so umzusetzen.
Ich War mal als Notärztin bei einem Kind (4 Jahre), welches sich den Arm gebrochen hatte. Es War ein komplizierter Bruch und wir wurden zur Schmerztherapie und Schienung dazu gerufen. Der Junge selbst War recht ruhig (wahrscheinlich einfach auch etwas geschockt ), aber der anwesende Vater schrie und zeterte, die Mutter wälzte sich förmlich weinend am Boden. Es War in dem Lärm absolut unmöglich, dem Kind engen Zugang zu legen oder sonst etwas zu tun, es War komplett fertig durch die Reaktion der Eltern...ich habe den Zugang erst beim zweiten Mal positioniert bekommen (das ist, auch wenn hier es manche besser wissen, nicht immer so easy, schon gar nicht bei Kindern oder in solchen Situationen)....was mir wütende Drohungen des Vaters einbrachte. Dieses Kind wurde ohne Eltern transportiert und war dadurch deutlich entspannter und weinte gar nicht, wir haben eine Teddybär -Aufführung veranstaltet und das Schmerzmittel tat sein übriges. Das ist jetzt ein Extrembeispiel...das weiß ich auch. Und ich sage es mal politisch unkorrekt rein aus meiner Erfahrung heraus: solche Situationen treten deutlich häufiger in Umgebungen mit anderem kulturellen Hintergrund auf (das o.g. Kind auch). Ich habe auf der ITS Situationen erlebt, wo sogar die Polizei kommen musste (zuletzt arabische schwer kranke Patientin, die intubiert werden mußte. ..Dur Angehörigen ließen sich nicht raus schicken, als ich anfing mit Einleitung und Intubation rastete die Tochter komplett aus und versuchte mir, in den Arm zu fallen, weil es für sie den Eindruck machte, ich brächte ihre Mutter um. ..und diese Tochter hatte sehr gut verstanden, was passiert War. ...es wurde vorab alles erklärt, die sprach sehr gut Englisch und hatte in Europa studiert. ..aber die Reaktionen bei solchen Dingen lassen sich manchmal schwer abschätzen ).
Das wäre so, um mal beim Gerichtsverhandlungstermin zu bleiben, wenn der Mandant mitten drin anfangen würde, seinen RA oder den Richter zu beschimpfen und die Unterlagen zu vernichten.
Dazu möchte ich etwas zu: wenn er/sie es ohne Beobachtung nicht kann, dann ist er/sie eh falsch im Beruf.
Man wird (leider) nicht als supererfahrener Facharzt mit göttlichen Fähigkeiten geboren oder aus dem Studium entlassen. Es ist wichtig und notwendig, dass da neue, junge Menschen nachkommen. ...und die müssen lernen. Jeder Operateur hat einmal seine erste OP, jeder Anästhesist seine erste Kinder-Narkose, jeder Arzt seine erste Reanimation. Das geht doch gar nicht anders. Natürlich wird dabei von Oberärzten begleitet. ...aber es muss so sein. Und es ist eine enorme Stresssituation, wenn es dabei noch um ein Kind geht. ...klar, die Verantwortung ist ungleich größer. Mir ist regelmäßig der kalte Schweiß ausgebrochen, wenn auf dem Notarztmelder stand: Kind, Notfall xy. Das ist purer Horror. Egal, wie oft man übt, es ist einfach anders.
Und das würde jedem hier so gehen. Klar, man wünscht sich für sein Kind den allererfahrensten Arzt im KH...aber ganz ehrlich, da ist dann auch der Gedanke dabei: soll doch ein anderes Kind den jungen Arzt bekommen, hauptsache nicht meins. Und so denken (natürlich und berechtigt) alle Eltern! Aber das geht nun mal nicht...die Erfahrung MUSS wachsen. ..damit diese obererfahrenen Ärzte (oder Pfleger/Schwestren/ Hebammen etc.....betrifft ja viele Berufsgruppen! ) auch irgendwo her kommen. Und in dieser Situation (junger Arzt, sehr aufgeregte Eltern, die an der medizinischen kompetent zweifeln und lieber den Chefarzt da hätten...und das auch transportieren)...da kann es tatsächlich dazu kommen, dass Dinge schlechter laufen, weil dies so einen Druck macht. Das ist doch menschlich. D.h nicht, dass da "geübt " werden soll (ich denke, jeder Mensch in dieser Situation ist sich seiner Verantwortung bewusst...), aber ich wollte nur da lassen, dass es nicht immer unprofessionell ist, wenn man sich von Eltern /Angehörigen unter Druck gesetzt fühlt. Es wird immer weniger und man kann immer besser mit solchen Situationen umgehen. ...aber es fällt nun mal nicht vom Baum.
Auch das Einschätzen der "Belastbarkeit " der Eltern ist etwas, was Erfahrung braucht und selbst dann nicht immer einfach ist, kann ich mir denken. Ich hätte z.b kein Problem, bei einer OP am Kind/mit selbst etc. zuzuschauen. ...der Mann meiner Schwester ist dagegen mal am Eßtisch kollabiert, weil ich sie etwas medizinisches gefragt habe
So. ...lange Rede , kurzer Sinn: es gibt durchaus verschiedene Dinge im Ablauf, die man von außen nur schwer beurteilen kann und die nicht nur auf Bequemlichkeit beruhen. ...
Jetzt kommt noch ein ABER: viele Dinge tun es leider doch. Je mehr ich darüber nachgedacht habe und auch, sei ich Mutter bin und auf der "anderen " Seite stand, desto mehr denke ich, dass das Wesentliche wäre, auf mehr Flexibilität und Kommunikation im Klinikalltag zu achten. Oft ist es nämlich wirklich :"Das War schon immer so, das haben wir schon immer so gemacht etc.". Das aufzubrechen ist echt sehr sehr mühsam (ich erinnere mich noch an bitterliche Proteste gegen die Besuchszeitfreigabe auf unserer ITS...von Pflege und Ärzten. ...so könne man sich nicht arbeiten etc.etc.)....nach kurzer Zeit War das alles kein Ding und die Angehörigen so viel zufriedener...was auch das Arbeiten erleichterte!).
Und so wäre es bei vielen Dingen. ..die Wahrheit sagen: " Ich weiß, sie wären gerne dabei, aber ich benötige noch Anleitung vom Oberarzt und absolute Ruhe, das kommt auch ihrem Angehörigen zugute, das nächste mal versuchen wir, es möglich zu machen. .."...so in der Art. Und eben Flexibilität. ...und das letzte ABER: die bekommt man immer schwerer hin. ..leider. Hinter den Operateuren und Anästhesisten stehen "OP-Manager", die teils sklavisch und penibel auf kürzestmögliche Ein- und Ausleitzeiten achten. ..die Taktung ist auf DRG-Vorgaben optimiert....das einfühlsame Gespräch mit 30 Minuten Dauer ist da nicht vorgesehen...wer es führen will. ...bitteschön außerhalb der Arbeitszeit

Hinter Stationsärzten/Pflegenden schwingen die "Case manager" und die "Kodierassistenten" die Belegungsdauer- und DRG-Keule...in der häuslichen Pflege gibt es teils Vorgaben im halbe-Minuten -Bereich!
Da findet normaler, zugewandter menschlicher Umgang immer weniger Platz. Und genau das ist es, was zunehmend vor allem junge Menschen frustriert, die mit anderen Zielen angetreten sind. Nicht der Verdienst, nicht der Stress. ...sondern diese Fremdbestimmung und "Benutzung " der Patienten und des Personals.
Das wäre mal die andere Seite, die ich euch da lassen wollte
(Sitze gerade beim OGTT....deshalb die zeit für Romane

).
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