Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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mamoto
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Re: AW: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von mamoto »

AnnieMerrick hat geschrieben:Ich habe mich mit einer Freundin getroffen, die leider beim 1. Kind von ihrer Hebamme schlecht beraten wurde und wegen Stillproblemen (Milchstau, angeblich zu wenig Milch) abstillte.
Wir diskutierten, ob Stillkinder u.a. eine andere Beziehung / Bindung aufbauen als Flaschenkinder. Auch für später entwicklungsrelevant.
Speziell:
(1) Ernährung in Verbindung mit Nähe (Clusterfeeding, Kuschelstillen usw.) = spätere (Aus)wirkungen
(2) Ernährung & Schlafen = Stillen als Nähe suchen in der Nacht, ist bei Flaschenkindern wohl nicht so? Flaschenkinder würden eher durchschlafen usw.
(3) Auswirkungen auf Entwicklung Unterschiede Stillen/Flasche = gibts da Studien oder Erfahrungen

Was sind denn eure Fach bzw persönlichen Meinungen und Erfahrungen dazu?
Wir haben recht lange diskutiert (bei uns beiden das 1. Kind) und würden gerne breiteren Input haben.
Zu 1: ich hab teilweise nur angenuckelte Flaschen, dafür aber 10 Stück da stehen gehabt. Clustern geht auch mit Flasche. Ist aber stillend echt besser....
Wir kuscheln heute mit knapp zwei noch ganz viel beim Milchtrinken!
Zu2: mein Flaschenkind hält genauso wenig vom durchschlafen wie sein großer Bruder, der zwei Jahre gestillt wurde, beide trinken nachts ähnlich im gleichen alter, aktuell zwischen ein und viermal und ja, auch mit Flasche braucht er seine kuscheleinheit dabei!
Zu3: die kerlchen ähneln sich sehr, ein stillkind, ein Flaschenkind. Ich glaube bei uns gibt es da keine Entwicklungsunterschiede wegen der darreichungsform der Milch ;-)
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Teazer
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Re: AW: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von Teazer »

AnnieMerrick hat geschrieben:Flaschen gestillte Kinder finde ich einen tollen Begriff. Mein freundin ist auch davon begeistert, weil man auch mit Flasche füttern unendlich viel Zuwendung geben kann.
Aber das verneint doch niemand nur weil er "Flasche geben" sagt.

Mein Gegenbeispiel: Ich fahre Auto. Ich käme nicht auf den Gedanken "ich gehe Auto" zu sagen. Beides sind Fortbewegungsmöglichkeiten, aber dennoch nicht identisch. ;)

Stillen hat nunmal etwas mit der Brust zu tun, Formula nicht. Nur weil manche in einen völlig neutralen Begriff irgendetwas hinein projizieren, sollte man nicht einen anderen Begriff zweckentfremden.

Ansonsten kann ich kaehde nur beipflichten. Eine Mutter und ihre Bindung zum Kind macht viel mehr aus als die Frage ob sie es mit Muttermilch und/oder Formula ernährt.
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nido56
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Re: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von nido56 »

Ich denke, der einzige Unterschied ist, dass Stillen ohne Zuwendung und Koerperkontakt einfach anatomisch nicht moeglich ist. Eine Mutter, die damit, dass ihr Baby soviel Kontakt einfordert, nicht zurechtkommt, wird also wahrscheinlich auf Flasche umsteigen. Denn die bietet eben die Moeglichkeit, das Kind ohne besonders viel Koerprkontakt satt zu bekommen, siehe die oben erwaehnten Toastbrotpackungen als Flaschenhalter. Ich koennte mir daher vorstellen, dass man unter Flaschenkindern vielleicht mehr Kinder mit problematischem Bindungsverhalten findet, nicht, weil die Flasche schlecht ist fuer die Bindung, sondern weil Muetter mit Bindungsschwierigkeiten vermutlich im Schnitt eher die Flasche als die Brust geben.

Es ist bestimmt nicht so, dass die Flasche die Bindung stoert, aber vielleicht so, dass Muetter, die Probleme mit der Bindung zu ihrem Kind haben, vermehrt zur Flasche greifen.
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Re: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von sutnahpele »

Mein mittlerweile dreijähriges ehemaliges "Flaschenkind" schläft immer noch nicht durch und hat es nie getan. Auch braucht er nach wie vor viel Körperkontakt, besonders beim Schlafen.
Ich kann die Theorie also nicht bestätigen :wink:
Teazer hat geschrieben:
AnnieMerrick hat geschrieben:Flaschen gestillte Kinder finde ich einen tollen Begriff. Mein freundin ist auch davon begeistert, weil man auch mit Flasche füttern unendlich viel Zuwendung geben kann.
Aber das verneint doch niemand nur weil er "Flasche geben" sagt.
Genau, die wörtliche Bedeutung von stillen ist "(einen Säugling) an der Brust Muttermilch trinken lassen". Bei der Vorstellung, dass man durchs Stillen mehr Nähe/Zuwendung geben kann als durch Flaschenfütterung, handelt es sich um eine Konnotation. Ich will gar nicht klugscheißern, aber ich find mit der Flasche stillen echt schräg, eben weil es sich auf vermeintliche Vorteile des Stillens, bzw. auf Stereotype bezieht. Muss nochmal in mich gehen, vielleicht bekomme ich es morgen, wenn ich mehr Schlaf bekommen habe (haha, siehe oben) besser erklärt.
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Sakura
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Re: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von Sakura »

nido56 hat geschrieben:. Ich koennte mir daher vorstellen, dass man unter Flaschenkindern vielleicht mehr Kinder mit problematischem Bindungsverhalten findet, nicht, weil die Flasche schlecht ist fuer die Bindung, sondern weil Muetter mit Bindungsschwierigkeiten vermutlich im Schnitt eher die Flasche als die Brust geben.
Kann ich nicht bestätigen. Ich kenne drei Frauen, die gestillt haben, und ansonsten nicht wirklich präsent für ihre Babys waren. Die Flaschenmamas, die ich kenne, waren und sind dagegen viel liebevoller.

Und äh... frau kann doch ohne Körperkontakt und Zuwendung stillen. Die Große habe ich ewig nur liegend gestillt, und aufgrund gewisser anatomischer Gegebenheiten meinerseits lag sie dabei ein Stück weg von mir. Dabei habe ich meist gelesen. Wenn ich ihr die Flasche gegeben hätte, wäre das inniger gewesen.


Mein Handy leistet sich eine eigene Meinung zur Rechtschreibung...
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Teazer
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Re: AW: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von Teazer »

sutnahpele hat geschrieben:vermeintliche Vorteile des Stillens
Stillen hat keine Vorteile
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blueberry
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Re: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von blueberry »

Da hier im Thread immer wieder einiges durcheinander geht, wenn es um statistisch nachgewiesene Zusammenhänge zwischen Bindung und Stillen einerseits und diesen (nur scheinbar!) widersprechende Einzelfälle andererseits geht, möchte ich kurz diesen Artikel verlinken:

Korrelationsfalle

Das erklärt, warum es in Einzelfällen (und dazu gehören auch sehr kleine Stichproben wie "mein Bekanntenkreis", "meine Krabbelgruppe" etc.) selbstverständlich stillende Mütter gibt, deren Beziehung zu ihren Kindern wir Laien evtl. als "schlechter" einschätzen würden als bei einer anderen Mutter, die zufällig Formula per Flasche gibt. (Mal ganz davon abgesehen, dass wir über die tatsächliche Art der Bindung zwischen einem konkreten Kind und einer bestimmten Bezugsperson ohne wissenschaftliche Versuchsanordnungen, systematische Beobachtungen und entsprechende psychologische Ausbildung sowieso herzlich wenig sagen können :wink: .)

Darum haben die Stillverbände mit einem Text wie dem folgenden nicht unrecht, nur weil wir alle (und davon gehe ich aus) auch wunderbare und herzliche Mütter mit ihren sicher gebundenen Kindern kennen, die (aus welchen Gründen auch immer) mit der Flasche ernährt wurden:

[quote]Demgegenüber steht bei einer Empfehlung für früheres Zufüttern ein Risiko für ein verfrühtes Abstillen mit dementsprechend erhöhtem Risiko für Infekte und SIDS (14), und im späteren Leben einem erhöhten Risiko für Adipositas (1,5), einer schlechteren psychomotorischen Entwicklung (7) und ungünstigeren Kieferentwicklung (5), einem erhöhten Risiko für Diabetes Mellitus und möglicherweise für kardiovaskuläre Erkrankungen beim Kind (1, 5), einem erhöhten Risiko für Mammakarzinom, Ovarialkarzinom und Osteoporose bei der Mutter (1), und einer schlechteren Mutter-Kind-Bindung mit einem erhöhten Risiko für Verwahrlosung (13).

März 2009, Januar 2010Elien Rouw, Ärztin, AFS Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Utta Reich-Schottky, AFS Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Denise Both, IBCLC, LLL La Leche Liga Deutschland

Unterstützt von:

Aktionsgruppe Babynahrung AGB Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen AFS Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen BDL Deutscher Hebammenverband DHV Europäisches Institut für Stillen und Laktation des VELB Fortbildungszentrum Bensberg am Vinzenz Pallotti Hospital La Leche Liga Deutschland e.V. LLLD Verband Europäischer LaktationsberaterInnen VELB[/quote] [Quelle]


Bindung ist eben das (zudem nicht für immer in Stein gemeißelte) Produkt vielfältiger komplexer Vorgänge in und zwischen Individuen, von denen Stillen nur EIN Faktor ist. Einer mit nachgewiesenem Einfluss zwar, ohne Frage, aber eben auch einer unter anderen, die ebenso Einfluss haben.

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Sakura hat geschrieben: Und äh... frau kann doch ohne Körperkontakt und Zuwendung stillen. Die Große habe ich ewig nur liegend gestillt, und aufgrund gewisser anatomischer Gegebenheiten meinerseits lag sie dabei ein Stück weg von mir. Dabei habe ich meist gelesen. Wenn ich ihr die Flasche gegeben hätte, wäre das inniger gewesen.
Bei solchen Überlegungen übersiehst Du dann aber zwei entscheidende Punkte:
1. das Baby hat selbstverständlich beim Stillen IMMER Körperkontakt, und zwar mit seinen wichtigsten Sinnesorganen überhaupt: Lippen, Zunge und Nase. Das Baby leckt und schmeckt und riecht und atmet und saugt Mama in sich ein, wenn es an der Brust ernährt, also gestillt wird. (Man versucht dem z.B. auch mit Näschen-Aussparungen bei Stillhütchen Rechnung zu tragen und hinter Formula-Ernährung per BES bei Adoptivbabys steht der gleiche Gedanke).

2. Selbst wenn die Mutter im Liegen ein Stück weg liegt vom Baby, sagen ihre Brustwarzen, ihre Geruchswahrnehmung und damit auch ihre Hormonausschüttung ganz klar: Körperkontakt :D ! Und zwar inniger, Haut auf Haut - sonst würde das Bindungshormon Oxytocin nicht ausgeschüttet und somit kein MSR ausgelöst. Daran ändert auch Fernsehen oder Buchlesen nichts :wink: .

Das Prolaktin tut sein Übriges... .

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Natürlich kann man auch bei anderen Gelegenheiten mit nackter Haut auf nackter Haut mit dem Baby kuscheln und auf vielfältige andere Weise die Mutter-Kind-Bindung stärken! Das ändert aber nichts daran, dass das beim Stillen ohne Aufwand und Planung durchschnittlich 8-12x pro Tag automatisch passiert.

LG, blueberry
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
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Sakura
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Re: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von Sakura »

Blueberry, ist mir klar ;-) . Das sollte nur ein zugespitztes Gegenbeispiel sein zum Stichwort, es sei unmöglich, ohne Körperkontakt zu stillen (wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die Posterin dabei die Wiegenhaltung im Hinterkopf hatte).


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Re: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von ixcacienfuegos »

Sakura, es IST unmöglich, ohne Körperkontakt zu stillen, es sei denn, der Mund des Babys zählt nicht zu seinem und deine Brustwarzen nicht zu deinem Körper ;).
Die Flasche geben kann man aber tatsächlich ohne jeglichen Körperkontakt.
LG, ixca mit Minikind (*10/14) und Maikäferchen (* 05/18)
nido56
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Re: Bindung und Nähe: Unterschied Still-Flaschenkinder

Beitrag von nido56 »

Sakura hat geschrieben:Blueberry, ist mir klar ;-) . Das sollte nur ein zugespitztes Gegenbeispiel sein zum Stichwort, es sei unmöglich, ohne Körperkontakt zu stillen (wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die Posterin dabei die Wiegenhaltung im Hinterkopf hatte).
Nein, hatte ich nicht. Ich habe das tatsächlich darauf bezogen, dass das Baby beim stillen unweigerlich ein Stück Mama im Mund, vor der Nase und eventuell in den Händchen hat :D
nido mit dem Piraten (01/2012)
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