Da hier im Thread immer wieder einiges durcheinander geht, wenn es um statistisch nachgewiesene Zusammenhänge zwischen Bindung und Stillen einerseits und diesen (nur scheinbar!) widersprechende Einzelfälle andererseits geht, möchte ich kurz diesen Artikel verlinken:
Korrelationsfalle
Das erklärt, warum es in Einzelfällen (und dazu gehören auch sehr kleine Stichproben wie "mein Bekanntenkreis", "meine Krabbelgruppe" etc.) selbstverständlich stillende Mütter gibt, deren Beziehung zu ihren Kindern wir Laien evtl. als "schlechter" einschätzen würden als bei einer anderen Mutter, die zufällig Formula per Flasche gibt. (Mal ganz davon abgesehen, dass wir über die tatsächliche Art der Bindung zwischen einem konkreten Kind und einer bestimmten Bezugsperson ohne wissenschaftliche Versuchsanordnungen, systematische Beobachtungen und entsprechende psychologische Ausbildung sowieso herzlich wenig sagen können

.)
Darum haben die Stillverbände mit einem Text wie dem folgenden nicht unrecht, nur weil wir alle (und davon gehe ich aus) auch wunderbare und herzliche Mütter mit ihren sicher gebundenen Kindern kennen, die (aus welchen Gründen auch immer) mit der Flasche ernährt wurden:
[quote]Demgegenüber steht bei einer Empfehlung für früheres Zufüttern ein Risiko für ein verfrühtes Abstillen mit dementsprechend erhöhtem Risiko für Infekte und SIDS (14), und im späteren Leben einem erhöhten Risiko für Adipositas (1,5), einer schlechteren psychomotorischen Entwicklung (7) und ungünstigeren Kieferentwicklung (5), einem erhöhten Risiko für Diabetes Mellitus und möglicherweise für kardiovaskuläre Erkrankungen beim Kind (1, 5), einem erhöhten Risiko für Mammakarzinom, Ovarialkarzinom und Osteoporose bei der Mutter (1), und einer schlechteren Mutter-Kind-Bindung mit einem erhöhten Risiko für Verwahrlosung (13).
März 2009, Januar 2010Elien Rouw, Ärztin, AFS Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Utta Reich-Schottky, AFS Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Denise Both, IBCLC, LLL La Leche Liga Deutschland
Unterstützt von:
Aktionsgruppe Babynahrung AGB Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen AFS Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen BDL Deutscher Hebammenverband DHV Europäisches Institut für Stillen und Laktation des VELB Fortbildungszentrum Bensberg am Vinzenz Pallotti Hospital La Leche Liga Deutschland e.V. LLLD Verband Europäischer LaktationsberaterInnen VELB[/quote] [Quelle]
Bindung ist eben das (zudem nicht für immer in Stein gemeißelte) Produkt vielfältiger komplexer Vorgänge in und zwischen Individuen, von denen Stillen nur EIN Faktor ist. Einer mit nachgewiesenem Einfluss zwar, ohne Frage, aber eben auch einer unter anderen, die ebenso Einfluss haben.
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Sakura hat geschrieben:
Und äh... frau kann doch ohne Körperkontakt und Zuwendung stillen. Die Große habe ich ewig nur liegend gestillt, und aufgrund gewisser anatomischer Gegebenheiten meinerseits lag sie dabei ein Stück weg von mir. Dabei habe ich meist gelesen. Wenn ich ihr die Flasche gegeben hätte, wäre das inniger gewesen.
Bei solchen Überlegungen übersiehst Du dann aber zwei entscheidende Punkte:
1. das Baby hat selbstverständlich beim Stillen IMMER Körperkontakt, und zwar mit seinen wichtigsten Sinnesorganen überhaupt: Lippen, Zunge und Nase. Das Baby leckt und schmeckt und riecht und atmet und saugt Mama in sich ein, wenn es an der Brust ernährt, also gestillt wird. (Man versucht dem z.B. auch mit Näschen-Aussparungen bei Stillhütchen Rechnung zu tragen und hinter Formula-Ernährung per BES bei Adoptivbabys steht der gleiche Gedanke).
2. Selbst wenn die Mutter im Liegen ein Stück weg liegt vom Baby, sagen ihre Brustwarzen, ihre Geruchswahrnehmung und damit auch ihre Hormonausschüttung ganz klar: Körperkontakt

! Und zwar inniger, Haut auf Haut - sonst würde das Bindungshormon Oxytocin nicht ausgeschüttet und somit kein MSR ausgelöst. Daran ändert auch Fernsehen oder Buchlesen nichts

.
Das Prolaktin tut sein Übriges... .
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Natürlich kann man auch bei anderen Gelegenheiten mit nackter Haut auf nackter Haut mit dem Baby kuscheln und auf vielfältige andere Weise die Mutter-Kind-Bindung stärken! Das ändert aber nichts daran, dass das beim Stillen ohne Aufwand und Planung durchschnittlich 8-12x pro Tag automatisch passiert.
LG, blueberry