Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

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Kinsale
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Kinsale »

Stimmt, das ist echt eine gute Sache. Im November habe ich das: http://www.swr.de/swr2/programm/sendung ... index.html dazu gehört, sehr interessante Frau!
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Schneekugel
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Schneekugel »

ists aber nicht auch so, dass man sich auch rein Biologisch ein Stückweit anderen Intressen widmet?
Also ganz ehrlich, egal wie man es dreht und wendet, die Mama ist immer die die stillt und somit rein vom Biologischen her mehr auf gerade die Kleinen aufpasst. Umgekehrt wäre das ja gar nicht möglich...kann es nicht sein, dass darum Frau in der Regel von Anfang an eher eine andere Sozialeart hat als der Mann, welcher somit automatisch in die Beschützerrolle kommt?

Ich selber kann mit Puppen, rosa usw nicht viel anfangen, konnte ich nie, aber unsere Tochter liebt es. Sie liebt alles das was sooo typisch Mädchen ist und ich kriege teils fast Schreikrämpfe, aber oke ist halt so. Sie ist also so en typisches Mädel in der Hinsicht. Dennoch liebt sie es auch mit mir etwas zusammen zubauen oder mit dem Papa, sie liebt auch Autos und Bagger :mrgreen: und ich werde also sicher weder das eine noch das andere unterdrücken.
Man würde aber auch mit kurzen Haaren und nur neutralen Kleidern an den Vorzügen her merken was sie ist.
Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!
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Lösche Benutzer 1828

Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Mein jüngster Sohn wird zu 90% für ein Mädchen gehalten - egal, was er tut, was er trägt (er trägt keine Mädchenkleidung, die würde er nicht anziehen, aber bunte Sachen und etwas längere Haare) - er findet das mittlerweile gar nicht mehr so lustig, denn "Ich BIN ein JUNGE!" - ihm ist das gerade sehr wichtig.
Meine Jungs haben beide zum 1. Geburtstag eine Puppe bekommen - und nie damit gespielt.
Kinderküche - doch, damit haben alle gerne gespielt, das hatten wir alles.
Tochter hat aber auch nie mit den Autos der Brüder gespielt - aber eben auch nicht mit Barbiepuppen oder Puppenhäusern.
Sie schaut mit ihrer Freundin StarWars und spielt mit den Brüdern an der WII - die spielen zwar sonst nie mit Mädchen, aber mit ihr dann Stofftierzoo.
Das Leben ist bunt und vielfältig -aber wir sind nun mal Mann und Frau. Wie ein jeder das ist und lebt, das ist halt unterschiedlich. Und das sollte man auch den Kindern zeigen oder vorleben. Aber ein Geschlecht haben sie nun mal.
AnnaKatharina
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von AnnaKatharina »

Ich glaube, wir machen uns garnicht klar, wie viel und wie oft wir Kinder/Babys in Geschlechterrollen drängen.
Freunde von uns haben Zwillingsjungs, die fast genauso alt sind wie miene Motte und ihr Sandkastenfreund von nebenan.
Letztens standen wir alle an der örtliche Baustelle und ALLE Kinder guckten begeistert Bagger.
Und was sagen die nebenstehenden uns unbekannten Eltern: "Da stehen kleine Jungs drauf, Bagger und Baustelle" Ich:"Ja, und kleine Mädchen auch"
Sie guckten etwas verwirrt. Sie hatten meine tochter wohl in blauer Jacke und brauner Hose baggerstaunend nicht als Mädchen identifiziert.
Was mir auch affällt: Wenn meine Tochter erkennbar 'weiblich' angezogen ist, bekommt sie unheimlich viel Feedback von Fremden (Verkäufer, alte Frau an der Bushaltestelle, etc) zu ihrem Aussehen: "Na, du hast aber ein schickes Kleid an" "Sooo schöne blonde Haare" "Hach, was hat ihre Tochter schöne große Augen. Und die Wimpern. Da wird man ja ganz neidisch"
Ist sie nicht erkennbar weiblich, sondern 'neutral' (was dann ja doch meist auf grün, braun, blau rausläuft, also "Jungsafarben") angezogen, und rabaukt wie immer rum, wird sie meist für einen Jungen gehalten, und entprechend kommentiert: "Du fährst aber toll Laufrad" "Oh, du bist ja ein ganz starker Junge, kannst du die schwere Tasche schon ganz alleine tragen" etc.
Mädchen werden für ihr Aussehen gelobt, Jungs für ihr Können.
Dafür hat mich unter Anderem das von mir gelesene Buch sensibilisiert, ich hab es leider gerade verliehen, und mir fällt der Titel nicht ein.
Da wurden jedenfalls Studien zu dem Thema zitiert, die im Wesentlichen das Gleiche aussagen.

Grüße,
Anna-Katharina
Mit K1 (2010) und K2 (2015)
Marilu

Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Marilu »

AnnaKatharina hat geschrieben:Ich glaube, wir machen uns garnicht klar, wie viel und wie oft wir Kinder/Babys in Geschlechterrollen drängen.
Ja! Dabei kann es sogar sein, dass wir gar nicht aktiv drängen, wohl aber Geschlechts-konformes Verhalten unterstützen, während wir anderes zwar tolerieren und möglicherweise auch gut finden, aber nicht fördern. Ich nehme mich da gar nicht aus. Mein kleiner Sohn z.B. liebt Puppen und bespielt sie ausgiebig. Er besitzt aber lediglich einen Puppenwagen und eine Puppe. Kein Bettchen, keine Bürsten, keine Wechselkleidung, keine Puppe, die Pipi macht. Ich könnte mir vorstellen, dass das ganz anders wäre, wäre er ein Mädchen. Der große Sohn liebe Prinzessinnen-Geschichten, wenn zufällig eine in einem Geschichtenbuch ist. Er leiht sich auch solche Bücher in der Bücherei aus. Wäre er ein Mädchen, hätte er sicher schon allerlei Accessoires und Püppchen und solche Dinge bekommen, Prinzessinnen-Aufkleber, ein Prinzessinnen-Hörspiel, was auch immer. Außerdem (vielleicht ursprünglich genauso viel) interessiert er sich für Raumschiffe und Planten. Und das wird aktiv von uns unterstützt - Lego-Spaceshuttle zu Weihnachten, Planetarium mit der Oma...

Ich weigere mich einfach zu glauben, dass das Interesse an Technik (als Beispiel) oder der Farbgeschmack vom X oder Y-Chromosom beeinflusst werden.

Um zum Ausgangspost zurückzukommen, ich habe da jetzt länger drüber nachgedacht...
Öfter habe ich hier gelesen, dass es gut ist, wenn manche ihre Kinder tatsächlich geschlechtsneutral aufwachsen lassen, weil das die Gesellschaft langfristig verändern kann. Das ist mE ein grundfalscher Ansatz. Denn so werden die Kinder als Mittel zur Gesellschaftskritik benutzt. Gesellschaftskritik darf mMn niemals Motivation für ein bestimmtes Verhalten von mir gegenüber meinem Kind sein!

Und wenn jemand seine Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen will, weil er meint, dass es besser ist für das Kind (nicht die Gesellschaft), weil es sich dann freier entwickeln kann und wirklich seine Interessen finden und sich selbst finden kann, dann glaube ich nicht, dass es genügt (oder überhaupt langfristig etwas bringt), in den ersten Jahren das Geschlecht zu verheimlichen oder zu ignorieren.
Dann ist dem Kind eher gedient, wenn es viele verschiedene Menschen kennenlernt, wenn zu Hause die Rollenmuster aufgebrochen sind (Papa wickelt und Mama hängt das Bild auf), wenn es darin unterstützt wird, gegen den Gruppendruck im Kindergarten seine rosa Mütze anzuziehen (Junge) oder Schlagzeug zu lernen (als Mädchen).

Je mehr ich drüber nachdenke, desto seltsamer finde ich dieses künstliche Ignorieren des Geschlechts.
Lösche Benutzer 1828

Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

[quote="Marilu
Ich weigere mich einfach zu glauben, dass das Interesse an Technik (als Beispiel) oder der Farbgeschmack vom X oder Y-Chromosom beeinflusst werden.

Und wenn jemand seine Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen will, weil er meint, dass es besser ist für das Kind (nicht die Gesellschaft), weil es sich dann freier entwickeln kann und wirklich seine Interessen finden und sich selbst finden kann, dann glaube ich nicht, dass es genügt (oder überhaupt langfristig etwas bringt), in den ersten Jahren das Geschlecht zu verheimlichen oder zu ignorieren.
Dann ist dem Kind eher gedient, wenn es viele verschiedene Menschen kennenlernt, wenn zu Hause die Rollenmuster aufgebrochen sind (Papa wickelt und Mama hängt das Bild auf), wenn es darin unterstützt wird, gegen den Gruppendruck im Kindergarten seine rosa Mütze anzuziehen (Junge) oder Schlagzeug zu lernen (als Mädchen).

Je mehr ich drüber nachdenke, desto seltsamer finde ich dieses künstliche Ignorieren des Geschlechts.[/quote]

Ja. Ich auch.

Warum nicht "vererbt"? Rein evolutionsbedingt macht das doch Sinn. Die Frauen sind die einzigen, die die Kinder gebären und auch stillen können - also war und ist es einfacher, das Kind bleibt bei der Mutter. Diese kann sich dann mit Kind um die haushaltnahen Dinge kümmern. Der Mann - der nun mal auch mehr Kraft besitzt und für das Überleben des Kindes nicht primär erforderlich ist, weil er nicht stillen kann - geht auf die Jagd und widmet sich den gefährlichen Dingen. Für mich klingt das logisch. Viele Tiere machen es doch auch so - Mutter ist bei den Jungen, Vater besorgt das Essen. Die Natur schaut einfach, wie man am besten die meisten Jungen großziehen kann. Von den Karrierewünschen einer Frau, wissen unsere Gene noch nichts 8) - und von Spülmaschinen, Kindergärten, Autos usw. eben auch noch nicht.
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Nuala
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Nuala »

Ich hab jetzt nicht alkes gelesen, aber ich hab gestern was gelesen worüber ich grad grüble, das passt ganz gut hier her, praktisch, da muss ich keinen eigenen Thread aufmachen:
http://mobil.diestandard.at/13564274408 ... -von-Angst
Ein interessanter Artikel über Geschlechtsprägung und Konsum...

Ich persönlich denke mir dass man die Kirche im Dorf lassen sollte und Extreme vermeiden sollte.
Geschlecht nicht verraten, Mädchen besonders viel Bubenkram zu schenken (egal ob Interesse da ist oder nicht), find ich irgendwie genauso unpassend wie dieser Glitzerrosa-Rausch (und Pendent) bei Kleidung und Spielzeug.
Es muss ausgeglichen sein. Und es sollte vor allem stark berücksichtigt werden was das KIND will. Gleitet das zu stark ins Extreme ab würde ich schon eingreifen (zB. den Pinkwahn etwas eindämmen usw.).
Wenn ein kleiner Bub mit Puppen spielt - kein Problem! Wenn ein großer Bub das tut und zum Spott der Mitschüler wird würde ich eingreifen. Wenn aber - wie bei meinem Neffen - sich das die Waage hält (er hat lange Locken und geht als einziger Bub voltigieren, spielt aber Schlagzeug und kommt gut mit Jungs zurecht, wie mit Mädchen, er ist ein sehr liebenswürdiges Kind), dann find ich das toll. Hier hat meine Schwägerin einfach nur unterstützt und wenn nötig ganz sanft gelenkt. Und das find ich gut, sie hat vier SEHR unterschiedliche Kinder, sehr eigenständige Persönlichkeiten. Sie hat versucht auf diese einzugehen und Extreme zu vermeiden - so wie ich das versuche.
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
Marilu

Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Marilu »

Sandküste hat geschrieben:Warum nicht "vererbt"?
So genau weiß man das ja nicht, und ein gewisser Teil meines Geschmacks und meiner Vorlieben und Fähigkeiten sind sicher genetisch bedingt und möglicherweise auch durch mein Geschlecht. Aber sicher nicht in dem Maße, wie es von vielen angenommen wird.

In der Steinzeit hat niemand Häuser konstruiert oder Schaltkreise oder sonstwas. Wie die Steinzeitaktivitäten der Männer die Legobegeisterung heutiger Jungen erklären soll, erschließt sich mir nicht.
Mit der unseligen "Das-leitet-sich-alles-aus-der-Steinzeit-ab-Argumentation" kann man auch zu ganz anderen Schlüssen zur Affinität für Technik kommen, wenn man denn will. Wenn überhaupt jemand filigran gearbeitet hat, dann doch wohl (Achtung Klischee) die Frau, die ja sicher irgendwann aus dem Faustkeil die Nadel entwickelt hat, um Kleidung zu nähen. Filigrane Arbeiten sind also für Männer gar nichts.
Überhaupt waren doch sicher die Frauen diejenigen, die daheim am Feuer saßen und dafür verantwortlich waren. Müsste dann nicht auch das Holz hacken eine ur-weibliche Fähigkeit sein?

Stichwort "rosa". Das ist jetzt nur Halbwissen, aber ich bin mir recht sicher, dass bis vor ein paar hundert (?) Jahren rosa die Farbe für die Jungen war und Männlichkeit und Stärke ausstrahlen sollte. Die Verbindung mit dem kleinen süßen Mädchen kann daher also nicht genetisch sein.
Lösche Benutzer 3486

Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Lösche Benutzer 3486 »

Marilu hat geschrieben: Um zum Ausgangspost zurückzukommen, ich habe da jetzt länger drüber nachgedacht...
Öfter habe ich hier gelesen, dass es gut ist, wenn manche ihre Kinder tatsächlich geschlechtsneutral aufwachsen lassen, weil das die Gesellschaft langfristig verändern kann. Das ist mE ein grundfalscher Ansatz. Denn so werden die Kinder als Mittel zur Gesellschaftskritik benutzt. Gesellschaftskritik darf mMn niemals Motivation für ein bestimmtes Verhalten von mir gegenüber meinem Kind sein!

Je mehr ich drüber nachdenke, desto seltsamer finde ich dieses künstliche Ignorieren des Geschlechts.
So sehe ich das auch. Ich finde es definitiv nicht gut, in welchem Maße geschlechter-Diskriminierung unsere Gesellschaft prägt. Und selbst wenn ich denken würde, das wir alle Neutren werden sollten, damit wir diesen Status überwinden - ich würde diese Bürde nicht meinem Kind überhelfen.
Es ist absoluter quatsch, dass wir damit Verletzungen vermeiden bzw. für die Kinder Freiheiten gewinnen. Im Gregenteil, man zwängt sie damit in einen Panzer der noch viel fester ist als geschlechterorientierte Erziehung.

Ich glaub, ich mag diese Extreme generell nicht: Man muss sich der Tendenzen in der Gesellschaft bewusst sein, damit man sensibel darauf reagiert. Ansonsten gehört es für mich in die abgedrehte Unerzogenen Ecke. Wenn ich mich nicht irre, war da vor einem Jahr oder so auch ein Artikel über eine in den Staaten lebende Familie, die ihr Jüngstes Kind geschlechtsneutral erziehen will. Für mich - meine ganz private Meinung - mißbrauchen die Eltern dort ihre Kinder, um sich selbst in dieser Welt zu identifizieren.
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Seerose
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Seerose »

Marilu hat geschrieben: Stichwort "rosa". Das ist jetzt nur Halbwissen, aber ich bin mir recht sicher, dass bis vor ein paar hundert (?) Jahren rosa die Farbe für die Jungen
Nee, ich glaub das ist nicht so lange her, letztes Jahrhundert noch. :wink: Wir haben ja öfter solche Threads, ich erinnere mich noch gut an den letzten.

Ich finde die Überlegungen hier spannend, aber das ist auch schon alles.
AnnaKatharina hat geschrieben: Mädchen werden für ihr Aussehen gelobt, Jungs für ihr Können.
Tja, kann ich nur bestätigen. War ja auch früher so bei Erwachsenen, na, was heißt früher? Heute zum Teil auch noch. :roll:

Nur, verhindern wird das damit, daß wir Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen?
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Liebe Grüße,
Seerose
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