Laut Aussagen meiner Mutter habe ich selbst bis 2 Jahre nur ausgewählte Hippgläser gegessen und noch dazu viiiiel zu wenig, ich war dünn, ich hatte Eisenmangel (allerdings Flaschenkind) und überhaupt Essen war ein Kampf.
Blieb es auch. Lange.
Ich habe ein relativ gestörtes Verhältnis zum essen und esse viel zu süß.
Als Kind bekam ich im weitesten Sinn das, was ich halt aß (damit ich überhaupt was esse): erst jahrelang Hipp-Gläser, süßen Grießbrei, Kakao, Striezel, Fruchtzwerge, Obstgarten, Butterbrot, Apfel. Meine Mutter war stolz drauf dass ich keine Süßigkeiten bekam (

???????).
In den Kindergarten bekam ich winzig geschnittene Birnenstückchen mit Zahnstocher zum Aufspießen mit - damit auch etwas Obst im Magen landet.
Später aß ich eine kleine Auswahl an normalen Gerichten (Spaghetti, weißen Reis mit Huhn usw.).
Mein Taschengeld wurde fein säuberlich in Süßigkeiten angelegt und zu Hause klaute ich alles Süße das ich nur finden konnte.
Meine Mutter bereut dass sie das jemals so angefangen hat mit mir, jedoch stützt sie sich darauf dass ich so dünn war und Eisenmangel hatte und die Ärztin das Vorgehen angeleitet hat.
Als ich schwanger war, war mein Entschluss dass ich das für mein Kind nicht so will. Dieses gestörte Verhältnis zum Essen, die ungesunde Ernährungsweise (ich kämpfe über 30jährig noch immer damit!).
Ich hatte das Glück dass ich ohne Probleme stillen konnte (hab mich da von Beginn an um kompetente Unterstützung gekümmert). Meine Tochter war erst spät beikostreif (schätze wie ich), erst mit über einem Jahr nahm sie so RICHTIG an was ich ihr anbot. Vorher wars zwar spannend, aber im Magen landete nix. Hätte ich wie meine Mutter begonnen sie panisch zuzufüttern als sie erst 4 Monate alt war, hätte das sicher zu demselben Machtkampf geführt wie bei meiner Mutter und mir. So blieb ich einfach ruhig.
Angestiftet von meiner Mutter gab ich ihr trotzdem hin und wieder "ungesundes" - das mögen einfach alle Kinder. Und noch heute ist es so: je mehr ungesundes umso weniger Bock auf gesundes hat sie.
Stell ihr Reis mit Gemüse hin, dann isst sie Reis und ignoriert das Gemüse. Stell ihr Gemüse hin - und sie isst es! Zumindest manchmal.
Was also MEINE Beobachtung ist (und damit will ich betonen dass ich hier jetzt keine Verbindung oder gar Unterstellung bezüglich der TE herstellen möchte!) - nicht nur an mir/meinen Kindern beobachtet sondern auch bei Bekannten oder Kindern aus dem Kindergarten meiner Tochter: komplizierte Esser werden immer komplizierter weil die Eltern das unbewusst schüren. Alleine die Aussage: Mein Kind ist ein schwieriger Esser pfercht das Kind in diese Ecke und da steht es dann und kann nicht raus.
Mir hat González "Mein Kind will nicht essen" echt sehr geholfen diesen neutral-begleitenden Stil einzunehmen. Hier gibt es überwiegend Gesundes und wer's nicht isst hat halt keinen Hunger. Alternativ gibt es immer Apfel oder Naturjoghurt.
Das klingt jetzt so Super, ich will mich aber nicht als perfekt hinstellen. Es gibt hier auch mal Süßes. Mir fällt es immer wieder schwer in meiner neutralen Haltung zu bleiben. Und Heulerei und Extrawünsche zum essen gibt's hier auch (dreimal Raten wer hier am meisten reinfunkt: genau, die Oma. Die kocht den Kindern am liebsten weißes gezuckertes Grießkoch und füttert sie mit Striezel... *seufz*).
Ich würde in dem Fall HIER jetzt ganz dringend vorschlagen etwaige körperliche Gründe auszuschließen oder detailliert diagnostizieren zu lassen (inkl. Therapieplan). Wichtig ist an erster Stelle dass das Kind gesund ist. Keine "Experimente" ohne medizinische Abklärung!
Und dann würde ich tatsächlich beinhart nur Gesundes zu Hause haben.
Das Schwierigste ist die Loslösung des Gedankens dass man ein schwieriges Ess-Kind hat. Vor allem bei so einer Vorgeschichte. Da musstest du ja schon allerhand mitmachen *dichtröstenddrück*.
Aber diese Schiene weiterzufahren macht es mMn nur noch schlimmer. Und das mein ich nicht gemein oder von oben herab sondern aus der Rolle des ähnlich betroffenen Kindes!
Ich wünsch dir alles Liebe und Gute! Du bist eine reflektierte bewusste Mutter, das finde ich toll! Und deshalb wirst du es gut machen!