luna24 hat geschrieben:
Ich habe den Artikel allerdings auch nicht als Kritik an der Krippenbetreuung verstanden (und noch weniger als Kritik an den Eltern, die diese in Anspruch nehmen), sondern als Aufruf an die Politik, die Frage der Betreuungsqualität stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Und das halte ich für DRINGEND nötig. Ich arbeite ja im Bereich der Krippenforschung, und ja, es gibt sehr gute Krippen - aber die sind doch eher selten - und neben viel Mittelmaß gibt es eben auch sehr schlechte Krippen, wo man wirklich von Kindeswohlgefährdung sprechen kann. Und so lange es keine flächendeckenden Maßnahmen zur Qualitätssicherung gibt, solange finde ich eine generelle Empfehlung pro Krippe sehr schwierig. Klar ist der Betreuungsschlüssel da kein Allheilmittel, aber doch eine wesentliche Grundvoraussetzung. Die beste Erzieherin kann nicht gleichzeitig ein Kind wickeln, ein Kind füttern und ein drittes Kind trösten ohne dabei unter Stress zu geraten... Ausbildung/Bezahlung/Anerkennung finde ich ebenfalls sehr wichtige Punkte: es ist einfach demotivierend bei schlechter Bezahlung einen sehr anspruchsvollen Job unter oft schlechte Arbeitsbedingungen zu machen. Und ich finde, es ist eine wichtige Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, nicht nur ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen, sondern ausreichend gute Plätze zur Verfügung zu stellen.
Da sagst du was...
Ich bin eine dieser Fachkräfte, nach denen so laut gerufen wird...Immerhin hört man überall "Fachkräftemangel, holt Fachkräfte in unsere KiTas!"
Ich gehe in die KiTa, ja, weil es schon immer mein Wunsch war und weil ich am Kind arbeiten will und mir das wichtiger ist, als Karriere und Verdienst.
Aber ich bin eine von in meinem Jahrgang 45. davon gehen höchstens 10% nun in die KiTa, der Rest nicht, da die Bezahlung und die Arbeitsumstände teilweise einfach zu schlecht sind.
Man kämpft als junge, studierte Kraft oft gegen Windmühlen und eingefahrene Regeln, die pädagogisch mehr als fragwürdig sind. Und hört sich dann oft an "Die jungen Dinger von der Uni, haben doch keine Ahnung, wir machen das schon immer so" usw usw Ihr glaubt nicht über was für absurde Regeln wir in Seminaren und Fallberatungen diskutiert haben, die alle aus echten KiTas aus dem Jahre 2012 stammten...
Ich sage nach meiner Erfahrung: die Fachkräfte sind da(nicht genug, bei weitem nicht, aber sie sind da), aber es gibt eben wenig Motivation auch direkt "ins feld" zu gehen, ich denke die Arbeit muss einfach besser anerkannt werden und das nicht nur finanziell.
Ich habe mich dazu entschlossen in einer Krippe zu arbeiten, eben weil ich denke dass in dem Bereich noch viel getan werden muss und teilweise noch in den Kinderschuhen steckt und ich mein mögliches dazu beitragen will die Betreuung zu verbessern.
Dafür müssen aber auch die rahmenbedingungen stimmen, damit ich nach meiner Auffassung "gut" arbeiten kann. dazu gehören ausreichende Räumlichkeiten, ein stimmiges pädagogisches Konzept, mit dem ich mich identifizieren kann und ja auch ein ausreichender Betreuungsschlüssel.
Den Blick mehr auf die Qualität als auf die Quantität zu richten finde ich dementsprechend einen wichtigen ansatz.
Denn wo werden die Fachkräfte gehen? wenn ich mein Umfeld ansehe, wir suchen uns natürlich die KiTas in denen für uns die Rahmenbedingungen stimmen, nicht nur die finanziellen, sondern die um eben pädagogisch arbeiten zu können. Das kann ich in einer Kita in der ständige unterbesetzung herrscht zB nicht, da ich dann nur dabei bin mir Müh und Not die Grundbedürfnisse der Kinder zu erfüllen...
es gibt so viele gute KiTas, so viele gute Ansätze, aber auch so viele weniger gute. Es bräuchte bessere kontrollen und qualitätsstandards...
Und bessere Ausbildungen. Ich maße mir an das zu beurteilen, weil ich eine solche Ausbildung durchlaufen habe. Mit mir haben auch einige Erzieherinnen studiert, also auch da habe ich somit einen Einblick erhalten, ebenso wie ich durch mein Studium die Studiengänge der Kindheitspädagogik kennen gelernt habe. Auch hier steckt noch vieles in den Kinderschuhen, aber es passiert einiges!
Allerdings muss man auch sagen, dass auf der einen Seite mehr studierte Fachkräfte gefordert und gesucht werden (der arbeitsmarkt ist riesig momentan), auf der anderen Seite wird es aber eben nicht anerkannt.
Man steigt als studierte Kraft mit dem selben oder sogar einem schlechteren Gehalt ein, als eine ausgebildete und dann wundern sich viele, warum die Fachkräfte nicht in die KiTas wollen?
Ich möchte damit auf keinen Fall sagen, dass Erzieher/innen schlecht sind oder schlecht ausgebildet sind und nun alle Kräfte studieren sollten. nein, aber ich denke, dass es Mischungen geben sollte, da die Ausbildungen in verschiedene Richtungen gehen und man im Austausch miteinander aus einem Erfahrungsaustausch sicher viel machen kann!
Ich habe mir während der Jobsuche einige KiTas angesehen und bei vielen geht der Trend dahin Sozialpädagogen, Kindheitspädagogen und Erzieher im Team zu mischen, was ich sehr gut und sinnvoll finde!
Allerdings ersetzt keine noch so gute Ausbildung eine gewisse persönliche Grundhaltung und Eignung.
Denn ich habe auch trotz vielen schönen und interessanten Diskussionen Sachen erlebt mit angehenden (nun fertigen) Pädagoginnen, da kann ich nur den Kopf schütteln und hoffen, dass manche einfach nie auf Kinder losgelassen werden...