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Re: Füße/Beine zwischen Bauch und Hüftgurt - Warum?!

Verfasst: 08.05.2012, 14:38
von moselkind
Entschuldige bitte, Haennchen, ich wollte sicher nicht herablassend klingen. Ich hab mich halt echt erschrocken, als ich das Foto sah, weil ich nicht gedacht hatte, dass so etwas überhaupt möglich ist. Da sind wir dann aber wieder bei dem Punkt, dass soetwas in den Bedienungsanleitungen ausgeschlossen werden muss. Da sind wir uns ja alle einig.
Und ich bleibe dabei, dass man eigentlich merken sollte, dass das so nicht stimmen kann (vielleicht nicht sofort, aber irgendwann dann schon), allein schon, weil das doch sowohl für Träger als auch Getragenen nicht wirklich bequem sein kann, und das sollte doch bei KOMFORTtragen der Fall sein. ;)
Du schreibst ja selbst, dass du auch gemerkt hast, dass da was nicht stimmen kann, weil ihr euch nicht wohlgefühlt habt. :)

Re: Füße/Beine zwischen Bauch und Hüftgurt - Warum?!

Verfasst: 08.05.2012, 14:52
von sTanja
Das soll kein Angriff sein, aber bei dem bewußten Foto sieh das ja aus, als könnte das Kind bei Überstrecken einfach runterrutschen...sicher würde es nicht innerhalb von Sekunden rausfallen, aber ein bißchen bedenklich sieht es schon aus.
Da erschrickt man schonmal.
Davon abgesehen finde ich es aber auch schlecht, das die Anleitungen scheinbar so viel Raum für Mißverständnisse lassen. Es gibt bestimmt auch viele Eltern, die aufgrund das unsicheren Gefühls dann das Tragen aufgeben.

Re: Füße/Beine zwischen Bauch und Hüftgurt - Warum?!

Verfasst: 16.05.2012, 23:10
von Patricia77
Ich empfehle (um das Thema mit den Trägern über dem Bein aufzugreifen) als Trageberaterin immer das, was ich in der Praxis mit den Eltern getestet habe und für annehmbar empfunden habe. Vieles ist dabei gut, aber nicht perfekt, doch nicht alle Eltern sind bereit, sich für den Zeitraum von ein paar Wochen noch mal eine andere Tragehilfe anzuschaffen. ich versuche daher immer das bestmöglichste unter den gegebenen Umständen zu finden. Man kann durchaus beim Bondolino so eine gute Anhockung ohne Überspreizung erreichen wenn man die Schulterbädner unter dem Po so bindet, dass auch der Druck auf die Beine nur sehr gering ist. Beim Känguru geht man auch über die Beine. Man muss ein wenig tüfteln, aber das muss man in der Trageberatung oft. Die Kinder saßen super und ich habe noch nie jemanden weggeschickt, bei dem ich im Nachhinein dachte: mist, das saß gar nicht. Mein Wunsch wäre alle Eltern tragen im Tuch.. aber das ist unrealistisch. Ehrlich gesagt empfand ich es auch ein wenig von oben herab, aber hier gibt es keinen Ton und der macht die Musik, daher werte ich das nicht als boshaft, vielleicht war es nicht so herablassend gemeint, auch wenn es im ersten Moment des Lesens vielleicht so wirkt.

Ich habe 6 Jahre lang einen Laden gehabt, den ich nun schließe, ich werde mich nur noch auf Kurse und Beratungen konzentrieren. Ich habe am Tag im schnitt (geschätzt) 5 Trageberatungen gehabt. Damit will ich jetzt nicht angeben, sondern nur meine doch zahlreichen Erfahrungen an Aussagekraft untermauern.

Den allerwenigsten Eltern ist es wirklich egal, dass ihr Kind nicht gut getragen oder gehandelt ist (es gibt ja so viele weitere Themen, außer das Tragen). Fast alle wollen nur das Beste und so viele glauben, dass es auf dem Markt nur gutes und gesundes für Kinder gibt. Viele verrennen sich dabei völlig und teilweise hat das totale Unsicherheit auf ganzer Ebene zur Folge. Wenn jemand zu mir herein kam und falsch trug, hab ich ihn/sie sehr behutsam drauf hingewiesen und jedes mal individuell entschieden wie ich das tue. Es ist heikel, viele fühlen sich angeriffen. Manchen habe ich nur einen Flyer ind ei Tüte ihres Einkaufes gesteckt, manche direkt angesprochen. Im Nachhinein haben eigentlich alle sehr positiv reagiert, ganze viele mit dem Kauf eines Tuches. Viele Eltern beklagten sich aber auch bisher nur von oben herab angesprochen worden zu sein von anderen Müttern. Man darf einfach nich vorraussetzen, dass alle Eltern sich über das Tragen so intensiv informieren, wie wir das tun.

Wenn man sich mit etwas täglich beschäftigt, dann wird es für einen alltäglich, selbstverstädnlich, das ist es aber für andere aber nicht. Gerade heute erzählte mir eine Kundin eine Geschichte. Man sagte ihr:" ihr Kind war ja schon mehr tot als lebendig..." Sie weinte und der Arzt sagte: ach, da gibts doch nix zu weinen, alles wieder gut. Für ihn war die Austrocknung nach Gastroenteritis selbstverständlich, eine alltägliche Lapalie. Für die Mutter war es das schlimmste, was man ihr je gesagt hat. Wenn man als Trage-Insider nun sagt: mensch, das it doch total falsch und schädlich, dann muss man einfach damit rechnen, dass man denjenigen, der besten Gewissens falsch trägt sehr vor den Kopf stösst, ohne dass man es böse meint. Für das Gegenüber ist es aber heftig: Man sagst mir, dass ich meinem Kind schade und dabei wollte ich es nur bei mir tragen..

Re: Füße/Beine zwischen Bauch und Hüftgurt - Warum?!

Verfasst: 17.05.2012, 08:11
von Campanula
Ganz grosses Kino!
Ich finde diesen Beitrag - und ganz besonders die letzten Passagen - so toll und wichtig, dass ich ihn gerne komplett zitieren moechte.
Danke, dass Du Dir die Muehe gemacht hast, Deine Erfahrungen und Gedanken so ausfuehrlich zu schildern!
Patricia77 hat geschrieben:Ich empfehle (um das Thema mit den Trägern über dem Bein aufzugreifen) als Trageberaterin immer das, was ich in der Praxis mit den Eltern getestet habe und für annehmbar empfunden habe. Vieles ist dabei gut, aber nicht perfekt, doch nicht alle Eltern sind bereit, sich für den Zeitraum von ein paar Wochen noch mal eine andere Tragehilfe anzuschaffen. ich versuche daher immer das bestmöglichste unter den gegebenen Umständen zu finden. Man kann durchaus beim Bondolino so eine gute Anhockung ohne Überspreizung erreichen wenn man die Schulterbädner unter dem Po so bindet, dass auch der Druck auf die Beine nur sehr gering ist. Beim Känguru geht man auch über die Beine. Man muss ein wenig tüfteln, aber das muss man in der Trageberatung oft. Die Kinder saßen super und ich habe noch nie jemanden weggeschickt, bei dem ich im Nachhinein dachte: mist, das saß gar nicht. Mein Wunsch wäre alle Eltern tragen im Tuch.. aber das ist unrealistisch. Ehrlich gesagt empfand ich es auch ein wenig von oben herab, aber hier gibt es keinen Ton und der macht die Musik, daher werte ich das nicht als boshaft, vielleicht war es nicht so herablassend gemeint, auch wenn es im ersten Moment des Lesens vielleicht so wirkt.

Ich habe 6 Jahre lang einen Laden gehabt, den ich nun schließe, ich werde mich nur noch auf Kurse und Beratungen konzentrieren. Ich habe am Tag im schnitt (geschätzt) 5 Trageberatungen gehabt. Damit will ich jetzt nicht angeben, sondern nur meine doch zahlreichen Erfahrungen an Aussagekraft untermauern.

Den allerwenigsten Eltern ist es wirklich egal, dass ihr Kind nicht gut getragen oder gehandelt ist (es gibt ja so viele weitere Themen, außer das Tragen). Fast alle wollen nur das Beste und so viele glauben, dass es auf dem Markt nur gutes und gesundes für Kinder gibt. Viele verrennen sich dabei völlig und teilweise hat das totale Unsicherheit auf ganzer Ebene zur Folge. Wenn jemand zu mir herein kam und falsch trug, hab ich ihn/sie sehr behutsam drauf hingewiesen und jedes mal individuell entschieden wie ich das tue. Es ist heikel, viele fühlen sich angeriffen. Manchen habe ich nur einen Flyer ind ei Tüte ihres Einkaufes gesteckt, manche direkt angesprochen. Im Nachhinein haben eigentlich alle sehr positiv reagiert, ganze viele mit dem Kauf eines Tuches. Viele Eltern beklagten sich aber auch bisher nur von oben herab angesprochen worden zu sein von anderen Müttern. Man darf einfach nich vorraussetzen, dass alle Eltern sich über das Tragen so intensiv informieren, wie wir das tun.

Wenn man sich mit etwas täglich beschäftigt, dann wird es für einen alltäglich, selbstverstädnlich, das ist es aber für andere aber nicht. Gerade heute erzählte mir eine Kundin eine Geschichte. Man sagte ihr:" ihr Kind war ja schon mehr tot als lebendig..." Sie weinte und der Arzt sagte: ach, da gibts doch nix zu weinen, alles wieder gut. Für ihn war die Austrocknung nach Gastroenteritis selbstverständlich, eine alltägliche Lapalie. Für die Mutter war es das schlimmste, was man ihr je gesagt hat. Wenn man als Trage-Insider nun sagt: mensch, das it doch total falsch und schädlich, dann muss man einfach damit rechnen, dass man denjenigen, der besten Gewissens falsch trägt sehr vor den Kopf stösst, ohne dass man es böse meint. Für das Gegenüber ist es aber heftig: Man sagst mir, dass ich meinem Kind schade und dabei wollte ich es nur bei mir tragen..

Re: Füße/Beine zwischen Bauch und Hüftgurt - Warum?!

Verfasst: 17.05.2012, 14:21
von SlingingMama
vielleicht weil's der Manduca Anleitung vom Neugeborenen Einsatz nahe kommt?!?!
Aber egal wie, schön sieht anders aus :-(

Re: Füße/Beine zwischen Bauch und Hüftgurt - Warum?!

Verfasst: 04.06.2012, 20:21
von Patricia77
Hallo Campanula,

danke für Dein Kompliment und gern geschehen. Ich habe ein bißchen überlegt, ob ich das so schreiben kann, aber ich finde einfach sehr wichtig, dass man sichd as immer wieder vor Augen hält (egal in welchem Bereich).

Grüße Patricia

Re: Füße/Beine zwischen Bauch und Hüftgurt - Warum?!

Verfasst: 05.06.2012, 11:40
von kirikiri
Es gibt zum Thema Füße in einer Tragehilfe/ im Tragetuch sehr verschiedene Ansichten von den verschiedenen Schulen. Bei der Anhock-Spreizhaltung und vielem anderen hat sich inzwischen ja ein breiter und sinnvoller Konsenz gebildet, aber was das Thema "Füßchen rein" angeht, gibt es verschiedene Meinungen und das auch zu Recht. Ich persönlich habe sehr viele Trageberatungen und es kommt wenn auch sehr selten vor, dass ein Baby unbedingt eine Begrenzung an den Füßen "braucht". Ich würde das in einer fertigen Tragehilfe auch nie empfehlen (erstrecht nicht im strammen Hüftgurt) aber in einem weichen Tuch mit der richtigen Technik und einer guten Beratung macht es manchmal wirklich Sinn, vor allem bei frühgeborenen. Wir reden hier im Forum immer so viel über die natürliche Haltung... Eigentlich braucht man sich nur ein Babybauch-Bild anzuschauen... oder ein ganz ganz kleines Neugeborenes sich auf den Bauch legen und sich dann die Fußhaltung mal genau anschauen... ich finde die Natur macht das schon sehr schlau :)