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Re: trageberaterin sein: trotzdem tips auf der straße geben

Verfasst: 18.10.2010, 10:18
von sabine27
amimama hat geschrieben:
Irgendwie stört mich der Satz "Keine Beratung ohne Auftrag." Das klingt für mich als ob man nur gegen Geld sein Fachwissen über's Tragen weitergeben soll.
Das hat damit überhaupt nichts zu tun. Vielleicht könnte ich ja über das Ansprechen auf der Straße, über das Neugierig-Machen ja eine bezahlte Trageberatung an Land ziehen. Aber das ist nicht der Punkt. Wie minalusch schon schrieb, ist es nur so, dass es übergriffig rüberkommen kann, wenn man ungefragt seine gesammelte Weisheit über vermeintlich Unwissende ausschüttet. ;) Wenn ich jemanden auf der Straße sehe, der sein Kind trägt, hat er oder sie mich noch lange nicht damit beauftragt, ihn/sie zu beraten, egal zu welchem Thema. Da ist es doch egal, ob dir jemand erzählt, dass dein Auto aber zu viel Benzin verbraucht, die Farbe nicht gut für deine Haare ist, deine Haltung unweigerlich zu Rückenschmerzen führen wird oder dein Kind reizüberflutet ist, weil es mit dem Gesicht nach vorne getragen wird. In den meisten Fällen wird sich der Angesprochene angegriffen fühlen und sich nicht gerade dankbar für den tollen Tipp zeigen. Auch Ratschläge sind Schläge, hieß es mal in einem Vortrag bei den Tragetagen. Etwas anderes ist es, wenn man ins Gespräch kommt, wie auch oben beschrieben. Wenn man dahin kommt, dass die Mutter sagt, die Trage ist so unbequem oder gar fragt, wie du das machst, DANN hast du einen Beratungsauftrag und darfst diesen auch ausleben. ;)

In der Bekehrer-Phase bin ich übrigens schon seit fast 5 Jahren, aber ich habe inzwischen gelernt, mich zurückzunehmen und es zu akzeptieren, wenn ich keinen Beratungsauftrag habe oder bekomme. Das muss man eben aushalten.

Und zur ursprünglichen Frage: ob ich jemandem (kostenlos) einen Tipp gebe, hängt für mich nicht davon ab, ob ich Trageberaterin bin oder nicht, ob ich dafür Geld bekomme oder nicht. Tipps gebe ich immer mal wieder. Ob ich allerdings eine Bindeweise "mal eben" zeige und somit mein erworbenes Wissen weitergebe, ist eine andere Frage...

Re: trageberaterin sein: trotzdem tips auf der straße geben

Verfasst: 18.10.2010, 15:34
von amimama
minalusch hat geschrieben:Dein Wunsch nach übersichtlichen Seiten auf die verwiesen werden könnte, da würde mich persönlich interessieren was du damit genau meinst.
Mit übersichtlichen Seiten meinte ich sowas wie Wear Your Babyoder WrapYourBaby. Es gibt mehrere Solche Seiten auf Englisch, die ich richtig gut finde, auch wenn die zum Teil auf etwas verkaufen wollen. Auf SuT verweise ich immer, aber viele kennen Forums nicht und die Information ist so nicht übersichtlich genug. Auf dem Homepage sind hauptsächlich Infos zum im Tuch Tragen. Die Tuchhersteller Seiten sind recht umfangreich, vor Allem von Didymos, aber mir fehlt da auch den Vergleich zwischen verschiedenen Tragehilfen. Information zum Selbstnähen sowie bei Sleeping Baby Productions fände ich auch super toll. Es liegt vielleicht nur an mir, dass ich nicht genug ins deutsche Netz rumsurfe. Wenn ihr da Tipps habt, wäre ich wirklich dankbar.
minalusch hat geschrieben:Fachlich qualifiziertes Wissen kann deswegen so ungefragt schnell einen negativen Beigeschmack bekommen.
Wir brauchen einfach andere Wege um in den Dialog zu kommen. Dein Tatendrang in deiner Bekehrerphase könntest du ja nutzen um theoretisches Grundwissen an VerkäuferInnen, Ärzte, Ergotherapeuten etc. zu vermitteln. Frag ob du dein Informationsmaterial gerade an diesen Plätzen hinterlegen kannst. Wissen, dass dort Preis gegeben wird hat gleich einen anderen Stellenwert.
Du hast recht, dass man sich leicht angegriffen fühlt, wenn man mit Ratschlägen bombardiert wird. Wenn jemand keine Interesse hat, dann lasse ich es auch sein, aber wer Interesse zeigt kriegt gleich einen richtigen Vortrag. Ich kann nicht anders. Ich denke schon eine Weile darüber nach wie ich mein Wissen effektiv mit anderen Teilen kann, und den Weg über Verkäuferinnen, Ärzte, Krankenhäuser, usw. liegt , glaube ich, in meiner Zukunft. Ich möchte gerne nächstes Jahr eine Trageschule besuchen, damit ich auch "offiziell" Trageberaterin bin. Sowas ist in Deutschland wichtig.

Im Eingangsposting ging's darum wie man sich anders verhält wenn man Trageberaterung (auch) gegen Geld macht. Ich glaube, man muss sich nicht zwangsmäßig anders verhalten wie vorher, weil man eigentlich nicht "mal eben" zeigen kann was man in einem individuellen Beratungsgespräch vorführen kann.

Re: trageberaterin sein: trotzdem tips auf der straße geben

Verfasst: 18.10.2010, 21:20
von minalusch
Ja, gute Informationen zusammenfassen ist auch noch mal ein Vorhaben, aber ich persönlich finde, dass die geeignete Tragehilfe besser in einem persönlichen Gespräch gefunden werden kann, als rein im Internet.

Re: trageberaterin sein: trotzdem tips auf der straße geben

Verfasst: 19.02.2011, 14:52
von froeschli
also ich bin aus eigener Erfahrung total Pro Ansprechen auch auf der Strasse. ABER: das ist NIE eine Beratung. So jemandem gebe ich auch NIE einen Ratschlag (tu dies nicht oder mach es so). Ich seh es eher informativer Art und es kommt sehr auf die Umstände an.
z.B. quatsch ich andere Eltern nicht an, wenn ich ohne meine Tochter unterwegs bin. :arrow: Kind im MT schlummernd auf dem Rücken macht einfach glaubwürdig!
ich halte niemanden an. Wer auf der Strasse an mir vorbei läuft der trägt halt nach vorn im BB und ICH muss damit zurecht kommen dass mir dabei die Haare zu Berge stehen.
Im Babyladen (ein sehr guter Ort, aber vorsicht, Verkäufer sehen das manchmal nicht gern), an der Bushaltestelle, am Bahnhof, im Park, im Café, etc. kann man ruhig mal einen "Hinweis" da lassen.
WAS man sagt ist dann sehr entscheidend. Man muss sich bewusst sein, dass man die Entscheidung der Person überlassen muss und nicht missionieren darf. Also z.b. eine Visitenkarte überreichen, etwas mit dem Kind plaudern ("gell, du möchtest jetzt doch die Welt sehen? Ja, da wärs jetzt wohl Zeit, dass du auf den Rücken kommst..." :wink: ) und einfach das Angebot (oder nur Andeutungen) machen, dass man Informationen hat. Wenn es diese Person interessiert, dann wird sie sich diese Informationen bei mir holen (sofern ich einen Flyer/Visitenkarte dabei hab). Wenn nicht, dann nützt es auch nichts, wenn ich ihr diese Informationen ungefragt gebe.
Man kann auch ganz frech fragen, ob man was dazu sagen darf: "Entschuldigen Sie, ich sehe, ihr Kind sitzt da etwas schief. Darf ich Ihnen helfen?" So kommt man ungezwungen ins Gespräch und die wenigsten Leute trauen sich dann, nein zu sagen.