Also ich lade zum Beispiel meine Schwiegermutter nicht mehr zum Essen ein, weil sie immer rummeckert, im essen pickt und man es ihr einfach nicht recht machen machen kann. Und das obwohl ich teilweise Stunden in der Küche gestanden habe.
Das war Weihnachten vor drei Jahren, sie war eingeladen zum Entenbrust Essen.
Es fing damit an, dass ihr die Karotten im Salat nicht klein genug waren. Das wurde natürlich lautstark mitgeteilt. Danach hat sie sich beschwert, dass das Fleisch nicht durch ist. Ok, kann ich verstehen wenn das jemand grundsätzlich nicht mag. Also hab ich ihr Fleisch nochmal gebraten (während meins kalt wurde...). Dann war es ihr aber zu zäh (ja, logisch, wird Ente halt wenn man sie durchbrät, wollte sie aber ja explizit so) , und sie hat es ernsthaft wieder ausgespuckt. Das Gemüse war ihr auch nicht recht, und am Ende hat sie sich noch über die Stärke des Kaffees beschwert und mir erklärt dass im Kuchen zu viel weißes Mehl drin ist, das wäre ungesund. Deshalb hat sie dann nur die Füllung gegessen, und den Boden liegen lassen. Hat sich aber noch ein zweites Stück genommen und es auch auseinander genommen.
Ich war am Ende nur noch sauer und frustriert über diese respektlose Art. Das gemoser an jeder Komponente des essen, das aus ausspucken und das zermatschen vom Kuchen haben mir mein Essen verdorben. Mein Fleisch und mein Kaffee waren jedenfalls am Ende kalt, weil ich damit beschäftigt war ihre Sonderwünsche zu erfüllen.
Und das, nachdem ich mit dem Kochen echt mehrere Stunden beschäftigt war. Und teuer war das Fleisch noch dazu. Hochwertige Bio Ente vom Metzger gibt es ja nicht geschenkt....
Ich wünsche mir, dass meine kinder respektvollere Gäste sind. Dass sie diplomatischer sind. Die Karotten unauffällig liegen lassen, beim rosa Fleisch einfach freundlich "nein danke" sagen, den Kaffee unauffällig mit Milch Strecken oder ihn kommentarlos stehen lassen. Und beim Kuchen über das weiße Mehl an Weihnachten hinwegsehen oder bei einer Unverträglichkeit dem Gastgeber schon bei der Einladung bescheid geben.
Ich habe einen Freund, der zB kein Roggen verträgt, und noch irgend ein Gewürz nicht. Das ist voll okay, weil er es immer vorher sagt wenn er mal wo eingeladen ist.
Ich zum Beispiel kann einfach keine bananen essen, weil die echt eklig sind für mich. Ich habe schon als Baby den brei verweigert. Wenn mir jemand Kuchen gibt und ich die Banane erst beim reinbeissen bemerke dann schaffe ich es trotzdem das nicht wieder auszuspucken. Ich versuche dann einfach unauffällig den Kuchen liegen zu lassen oder ihm meinen Mann zuzuschieben. Und wenn ich drauf angesprochen werde entschuldige ich mich und erkläre dass es einfach an der Banane liegt. Das kann man aber eben freundlich und höflich machen. Und das ist es, was ich von meinen Kindern auch erwarte.
Dass sie sagen "es tut mir Leid, aber Lauch mag ich wirklich gar nicht"
Statt da rumzupopeln zu sagen "iiih, wie eklig".
Wenn meine Tochter hier was nicht will kann sie ein Brot essen oder gar nichts, wie sie möchte.
Aber es wird nicht gemeckert und rumgejammert. Und wenn was sooo eklig ist, dass sie partout nicht runterschlucken kann darf sie kommenrarlos aufstehen und es in den Müll spucken.
Aber nicht unter lauten "bäh wie eklig" rufen zurück auf den Teller.
Mir wird hier zu viel über extremsituationen diskutiert.
Wirklicher Ekel der bei Einladung völlig überraschend kommt ist sicher eher selten. Und zwischen einen Teller gegen würgerefeflex reinzwängen und den ersten bissen unter gemeckert ausspucken liegen Welten.
Wenn jemand keinen Fisch mag (wie ich, ich finde den nicht so toll), dann soll er sich halt kein fischstabchen nehmen. Nur die panade runterpulen fände ich uncool, dann landet der Rest nämlich im Müll, statt dass ich das übrige fischstäbchen am Abend nochmal warm machen kann. Wenn es im Salat aber nur eine kleine Komponente ist (zB eben Zwiebeln), dann finde ich es wiederum ok, die DISKRET übrig zu lassen.
Mir geht's beim Essen und bekocht werden um gegenseitige Wertschätzung. Wertschätzung für die Ressource, Wertschätzung für die Mühe die sich der Koch gemacht hat und auch Wertschätzung für die Besonderheiten des Gasts oder der Kinder.
Und das kriegt man mit ein bisschen Höflichkeit und Kommunikation von beiden Seiten doch ganz gut unter einen Hut wenn man sich etwas Mühe gibt.
Ich hab als Koch bin nicht beleidigt wenn jemand prinzipiell keine Garnelen mag und mir das freundlich sagt, und ich als Gast meckere und Matsche nicht, damit nicht unnötig viel im Müll landet und ich niemanden verletze,sondern lehne entweder höflich ab oder esse eine kleine Portion.