Hallo,
ich wollte mir eben die Zeit nehmen und mich bei euch allen bedanken.
Ich bin meistens nur unterwegs online bzw. habe einfach nicht den Kopf mehr zu schreiben.
Die Milch geht nur langsam zurück. Gerade habe ich die eine Brust wieder etwas abgepumpt (die rechte.. die hatte ich bestimmt schon eine Woche nicht mehr abgepumpt, aber sie fühlte sich jetzt so an als wären tausend Kieselsteine da drin und ich konnte weder auf der Seite, auf dem Rücken noch sonst wie liegen).
Ich nehme das Brompcriptin jetzt einfach wieder. Eigentlich soll man nur zwei Tabletten am Tag nehmen, ich nehme aber drei.
Gerade nachts ist es sehr schwer mit den Brüsten. Ich stehe fast stündlich auf und wechsele die Kühlkissen.
Beim Abpumpen eben kamen in 20 min nur ca 20ml, aber es tut jetzt nicht mehr so stark weh.
Gestern lief die erste Chemo.
Der Plan ist wie folgt:
Jetzt 12 Wochen jede Woche Chemo + Infusion von zwei Antikörpern. Dies ist wohl- in speziell dieser Kombination- ein recht neu zugelassenes Verfahren.
Danach folgen 8 Wochen mit jeweils 14tägiger Chemo.
Der erste Teil der chemo, also jetzt, ist wohl recht gut verträglich und quasi nebenwirkungsfrei. Auf meine Nachfrage beim Onkologen, ob nebenwirkungsfrei = wirkungsfrei ist, wurde das verneint. Es kommt mir nur halt so merkwürdig vor, dass diese Chemo kaum Nebenwirkungen hat und so gut helfen soll.
Die Chemo Teil 2 hingegen wird mich "komplett umhauen". Ein normaler Alltag wird nicht möglich sein, Kortison gegen Nebenwirkungen etc.
Wenn bis hierhin alles gut lief, erfolgt dann die OP. Die Brust wird definitiv abgenommen. Und dann die Bestrahlung.
In manchen Momenten bin ich guter Hoffnung und denke "Hey, dieses neue Therapieschema ist voll super und alles wird gut". (falls es jemanden genauer interessiert:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... beseitigen)
Dann gibt es wieder Momente, wo ich mir denke... der Krebs ist G3 (also schnell wachsend)... er ist HER2+ (also besonders agressiv).. und die Lymphknoten sind befallen...
Der Onkologe hat nichts zur Prognose gesagt, sondern nur quasi gesagt, dass Statistik ein Arschloch ist und man nie weiß, in welche Kategorie man fällt.
Manchmal wache ich morgens auf und habe vergessen, was los ist. Das ist besonders schlimm, wenn es mir dann wieder einfällt.
In Bezug auf die Kinder ist es am Schlimmsten. Den Gedanken, dass meine Kinder evtl. ohne mich aufwachsen müssen, ist so schlimm, dass ich mich gar nicht richtig in ihn hineinbegeben kann, weil es mein Herz einfach in 1000 Stücke reißt.
Ich habe Probleme, was ich wie prioritäten soll.
Soll ich weiter studieren... ist es ok, wenn ich auch mal keine Lust auf die Kinder haben (weil unsere Zeit evlt. begrenzt ist..)... also lauter Sachen,..
Das Leben lief gerade so rund. Also nicht rosarot mit Glitzer, aber so, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben dachte "So ist es gut".
Ich habe drei gesunde Kinder, die Beziehung mit meinem Mann lief, ich habe im Oktober mich mit 32 tatsächlich nochmal getraut ein Studium anzufangen. Mein Mann kam mittags immer mit meinem Sohn vorbei und ich habe ihn gefüttert.
Überhaupt... wenn das alles vorbei ist, werden sicher kleinere Baustellen bleiben, die es zu verarbeiten gilt.
Ich hätte gerne noch ein viertes Kind gehabt. Das wird nicht passieren.
Wenn ich ans Stillen denke, möchte ich mich später an die schönen Zeiten erinnern und nicht daran, wie und warum ich meinen Sohn so plötzlich komplett abstillen musste.
Mir ist es egal, dass mir die Haare ausfallen werden (habe sie vorsichtshalber schon abrasiert und eigentlich hat mein Kopf eine ganz schöne Form

und es ist mir egal, dass die Brust abgenommen werden wird. Ich will einfach nur überleben und meine Kinder aufwachsen sehen. Der Schmerz, den ich meinen Kindern zufügen würde, sollte ich sterben, bringt mich schon gedanklich um.
Ich komme mir tagtäglich vor wie im falschen Film und frage mich, was mit meinem Leben passiert ist. Vor einem Monat war noch alles in Ordnung. Und jetzt ist es ... so wie es ist. Ich kann es gerade nicht ändern. Ich versuche aber eine positive Grundeinstellung zu haben. Also nicht in dem Sinne "ich werde es mit Sicherheit schaffen", sondern in dem Sinne "es ist so wie es ist". Das ist so schwer.
Für die Kinder habe ich das Buch "Meine Mama ist manchmal müde" (oder so ähnlich) gekauft. Da geht es um eine Mutter, die Brustkrebs hat.
Amazon hat mir geraten: "Wenn Sie dieses Buch gekauft haben, könnte für Sie vielleicht auch interessant sein: "Meine Mama fährt in den Himmel". Sehr makarber, aber ich habe es mit etwas Galgenhumor aufgefasst.
Mir tun die Kinder auch jetzt leid. Dass sie es jetzt nicht unbeschwerter haben. Und das, was sie in Zukunft im Hinblick auf die Krankheit miterleben werden.
Und manchmal tue ich mir selber leid. Und frage mich, was ich falsch gemacht habe. Habe ich zuviel Zucker gegessen? Hat das Stillen dazu geführt, dass der Tumor so viele Herde in der Brust gebildet hat? Hätte ich, hätte ich nicht gestillt, diesen Tumor eher bemerkt oder vielleicht gar nicht bekommen? (wobei er nicht hormonabhängig ist).
Hätte hätte hätte... und keine Antwort.
Ich war immer sehr dankbar dafür, dass in unserer Familie jeder gesund ist. Ich habe es nie als selbstverständlich wahrgenommen. Und jetzt ist uns das genommen worden. Und auf die Frage "Warum" gibt es keine Antwort. Und die Frage wie die Zukunft wird, kann niemand beantworten.
Wenn ich dran denke, dass ich sterben könnte, denke ich primär an die Kinder und es zerreißt mich. Wenn ich aber an mich denke, bekomme ich Angst. Angst, was dann ist. Ich habe mich bisher nie damit beschäftigt. Also so richtig beschäftigt. Ich denke, aus wissenschaftlicher Sicht ist es am naheliegensten, wenn man einfach "weg" ist, wenn man stirbt. Auch wenn das die schmerzhafteste Vorstellung ist.
Ich bin nicht gläubig.
Ich habe viel Angst.
Und oft Selbstmitleid.
Und ich weiß nicht, woran ich glauben soll. Ich überlege mir, ob ich meinen Kindern Briefe schreibe. Zu jedem Geburtstag bis sie runzelalt sind. Und zu jedem Weihnachten. Und Ostern. Und ich möchte Ihnen Geschichten aufnehmen.
Aber ist es richtig damit jetzt anzufangen oder ist es ein schlechtes Omen?
Diese Woche war ich zur Perrückenanprobe. Das war nicht ich. Ich denke, ich werde Mützen tragen. Also dann, wenn die Haare wirklich ausfallen. Oder einfach keine Mützen tragen.
Ich finde die Frage schon so banal. Ich finde vieles plötzlich so banal.
Ich werde sauer, wenn andere Leute über ihre "Probleme" denken ("hach, dieser ganze Weihnachtsstress..." "hach, ich hätte so gerne 3-4 kg weniger"...) und finde das blöd von mir. Weil ich nicht verbittern will. Und weil ich niemandem seine Probleme absprechen darf. Und weil ich - bevor ich dieses Problem hatte - auch banale Probleme hatten, die mich mehr oder weniger (also eher weniger aus heutiger Sicht;) belastet hatten.
Ich weiß nicht, was ich essen soll.
Ich habe ein Buch über ketogene Ernährung bei Krebs gegessen.
Und ich habe einen Onkologen, der sagt, das sei Quatsch.
Ich kriege lauter Tipps von Leuten.. Globulis, Cannabis, innere Konflikte lösen (harhar) und weiß sie meist einzuordnen, aber werde manchmal auch unsicher.
Tut mir leid, es ist bestimmt etwas wirr geworden. Ihr habt mir immer so lieb geantwortet und ich wollte euch etwas auf den neusten Stand setzen und an meinem Gefühlschaos teilhaben lassen.
Liebe Grüße
Rosenrot