lala hat geschrieben: 11.11.2022, 23:21
Ich bin total fasziniert. Das klingt irgendwie so locker bei Dir mit „eben mal ein Pferd gekauft“

Aber gut, wenn Du selber eines Mal hattest. Ich hab da immer nur von geträumt (bzw. war das finanziell so abwegig bei uns, dass ich eher total froh war überhaupt Reiten zu dürfen.).
Nee, so locker ist das für mich auch nicht. Mir ist schon etwas mulmig! Aber viel weniger als meiner Mutter damals, glaube ich - wir hatten damals in meiner Jugend das Pferd nämlich bekommen, obwohl mein Vater eigentlich dagegen war. Meine Eltern hatten beide mit Pferden nichts am Hut. Aber mein Bruder und ich ritten beide schon einige Jahre und wollten so gerne ein eigenes Pferd, da hat sie sich irgendwann durchgerungen. Das finde ich ziemlich mutig. Ich hatte etwas bessere Bedingungen: selbst Erfahrung mit Pferden und die Zustimmung meines Mannes.

Aber ein großer Schritt und eine Riesenverantwortung ist es für mich auch.
Wie oft wart Ihr denn vorher da? Ausbildungsstand? Werdet Ihr dann vor Ort von einer Reitlehrer:in unterstützt? Ist Beritt geplant oder reiten Deine Mädels so gut? Habt Ihr vor ihn dann für immer zu behalten? Schränkt das Pferd Eure Urlaubskasse ein? OP- oder Krankenversicherung? Kleine oder große Ankaufuntersuchung? Das sind so Fragen, die mir (aus aktuellem Anlass natürlich) so durch den Kopf gehen (musst Du natürlich nicht beantworten). Mit nur meinen 8 Jahren Erfahrung aus der Jugend (davon 4 recht eigenverantwortlich mit RB) würde ich mir keinen Pferdekauf zutrauen. Ich habe in den letzten Jahren so unglaublich viel dazu gelernt…
Wir waren zweimal da und haben dazu viele Videos von dem Pferd gesehen. Vor allem hatten wir beim zweiten Mal Probereiten die Reitlehrerin dabei, die selbst geritten ist und sowohl mit als auch den Verkäufer hat vorreiten lassen. Ohne ihr Urteil hätte ich das Pferd nicht gekauft, denn sie macht selbst viel Beritt und kennt meine Kinder. Sie wird uns auch weiter mit Unterricht und in der ersten Zeit Beritt unterstützen. Ich werde selbst auch wieder Unterricht nehmen. Das Pferd springt mit dem Vorbesitzer A-Parcours und geht Dressur auf L-Niveau. Es kann also mehr als meine Kinder.

Und ehrlich gesagt auch mehr als ich im Moment. früher bin ich selbst bis L-Niveau Dressur geritten, aber ich bin schon ziemlich eingerostet und brauche auf jeden Fall erstmal wieder Unterricht. Das Pferd ist charakterlich so, dass ich es uns zutraue, ihn nicht zu versauen, wenn wir entsprechend Hilfe haben.
Ich habe das Pferdethema ausgiebig mit meinem Bruder diskutiert, der selbst drei Pferde hat und Fachtierarzt für Pferde ist. Er hat mir auch geholfen, die Versicherungsentscheidung zu treffen. Die Reitlehrerin riet nämlich zur Krankenversicherung, eine Kollegin von mir, die auch ein Pferd hat, zu "nur" OP-Versicherung. Ich habe mich jetzt für letzteres entschieden. Wir können das finanzielle Risiko tragen und ich bin nicht so sicherheitsbedürftig, dass ich jedes Risiko bestmöglich absichern muss. Ich möchte auf gar keinen Fall in die Situation kommen, mich für oder gegen eine Erfolg versprechende Behandlung entscheiden zu müssen, weil das Geld knapp ist. Solange die finanzielle Lage so ist, dass wir da im Sinne des Pferdes frei entscheiden können, passt es für mich. Sonst würde ich das Risiko absichern.
Das Pferd schränkt unsere Urlaubskasse nicht direkt ein, aber es ist schon so, dass ich das Gefühl habe, mir da richtig was geleistet zu haben jetzt und gerne an anderer Stelle sparen möchte. Das Pferd führt sicher dazu, dass im Jahr weniger Geld übrig bleibt und wir unseren Immobilienkredit langsamer abzahlen (nicht, was die monatlichen Raten angeht, aber die Sondertilgung).
Wovor ich aber mehr Bammel habe, ist, dass ich selbst viel Zeit ins Pferd investieren muss und meine Arbeit darunter leidet.

Ich investiere ja gerne Zeit ins Pferd, aber da ich selbständig und zeitlich flexibel bin, ist theoretisch die Möglichkeit da, jederzeit zum Pferd zu fahren und die Arbeit darüber liegenzulassen. Das will ich natürlich nicht.

Insgesamt werde ich mich gut organisieren müssen, damit ich die zeitliche Mehrbelastung schaffe.
Ich schreibe später weiter...