Ich mag mich hier auch einmal mit meiner Erfahrung mitteilen.
Für mich war immer klar, dass ich den Kleinen nicht schreien lassen würde. Nicht damit gerechnet habe ich, dass ich nach der Geburt auf das Thema wahnsinnig emotional reagieren würde - sobald jemand erzählt, dass er sein Baby schreien gelassen/ geferbert habe, bekomme ich Herzklopfen und ich rege mich so auf, dass ich aufpassen muss, dass ich keine unangemessen harsche Antwort gebe. Solche Begegnungen gehen mir immer lange nach.
Auf der anderen Seite fiel mir auf, dass ich das Schreien und Weinen unseres Kleinen, der wahrlich kein Schreibaby war, aber mit 8/9 Wochen abends seine Schreistunde hatte, häufig kaum ertrug. Ich blieb zwar bei ihm und schuckelte und trug ihn, aber das ging manchmal nur, wenn ich mich emotional davon abkoppelte, also quasi als menschliche Wippe funktionierte (mittlerweile hat sich das Gott seid dank gegeben und ich kann auch psychisch bei ihm bleiben und für ihn da sein, wenn er weint).
Nach und nach habe ich in den letzten Monaten dann für mich zusammengesetzt, dass das an meinen Erfahrungen in meinem ersten Lebensjahr begründet liegt.
Ich bin per Kaiserschnitt und einen Monat zu früh geboren, musste für 3 oder 4 Wochen vorsorglich im Brutkasten im Krankenhaus liegen. Sicherlich habe ich kleiner Wurm da gebrüllt... Das alleine wäre sicher nicht so schlimm gewesen und hätte aufgefangen werden können, aber hinzu kam, dass meine Mutter mich aufgrund einer Wochenbettdepression etwa 3 Wochen kaum sehen wollte und mich (aufgrund dessen vermutlich) auch nicht gestillt hat. Die ersten Wochen meines Lebens müssen ziemlich einsam gewesen sein.
In einem Tagebuch meiner (vor 8 Jahren verstorbenen) Mutter musste ich dann leider, als ich es vor ein paar Monaten entdeckte, erfahren, dass es dann auch zuhause nicht gut weiterging. Sie war der festen Überzeugung, dass es mir nach dem blöden Start ins Leben am besten helfen würde, wenn ich einen festen Tagesablauf (mit festen Schlafzeiten etc.) hätte. In der Konsequenz steckte sie mich immer zur gleichen Zeit zum Tag- und Nachtschlaf ins Bett - und, ich muss es wahrscheinlich nicht erwähnen in diesem Thread, aber ich brüllte mich in den Schlaf, nachdem ich manchmal bis zu einer Stunde allein im Bettchen gespielt hatte. Sie dokumentierte manchmal verzweifelt, dass ich manchmal bis zu einer Stunde brüllte (und fragte sich, was ich wohl haben könnte, wenn das "Wehgetöse" oder "Protestgetöse" mal wieder besonders lange dauerte....

. Leider kann ich sie nicht mehr fragen, warum sie meinte, das durchhalten zu müssen und wie sie auf die aus meiner Sicht wahnwitzige Idee kam, dass mir das helfen würde.
Hinzu kommt, dass ich offenbar zu den Kindern gehörte, die nicht einfach schnell aufgeben. Ich weinte auch mit 9 und 10 Monaten noch regelmäßig vorm Einschlafen.
Nachdem ich mich durch das Büchlein gekämpft hatte, bestätigte mir mein Vater die ganze Sache auf meine Nachfrage. Er schilderte, dass er sich erinnere, dass meine Mutter, wenn er abends von der Arbeit kam, auf dem Balkon saß, damit sie mich nicht hören musste. Wenn er dann zu mir reinging, stand ich mit hochrotem Kopf an den Gitterstäben meines Bettchens und weinte. Er nahm mich hoch und begrüßte mich, meine Mutter setzte aber durch, dass ich dann wieder ins Bett musste (weil, wie gesagt, das müsse so...). Mein Vater bedauert, dass er sich nicht durchgesetzt hat, was das angeht und ist der (ich denke zutreffenden Meinung), dass ich ein unsicher gebundenes Kind war.
In der Konsequenz ist mir auch einiges andere klar geworden. Ich glaube, dass diese Umstände in der Gesamtschau (meinen Charakter hinzugenommen), dazu geführt haben, dass ich das liebe, brave, angepasste Mädchen geworden bin, dass ich dann war. Ich habe sehr früh gelernt, wie ich mich verhalten muss, damit meine Mutter sich um mich kümmert und bei mir bleibt, und dass Wut oder Trauer nicht dazu führten.
Also, ein ganz klares Votum gegen Ferbern!