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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 14.05.2023, 17:00
von Serafin
kroschka hat geschrieben: 14.05.2023, 15:27 Aber meinst du er macht dann freiwillig irgendwelche Hefte, vor allem in den Sommerferien? Hier hätte das nicht funktioniert. :lol: Beim Kleinen war Lesen nach der ersten Klasse auch noch sehr zäh, Mitte der zweiten Klasse hat sich dann irgendwie ein Schalter umgelegt.

Hier ist so ein ganz typischer (Brötchen)Einkaufszettel vom Sohn, 2. Klasse müsste das gewesen sein. Alles fröhlich durcheinander gemischt (Übersetzung: Weiße, Körner, Croissants, Laugen).

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Doch, das macht er dann doch. Weil das sagt die Lehrerin, das ist also eine Regel, damit wird das relativ motzfrei erledigt. Ich werde dem guten Knaben also (die Lehrerin weiß bescheid und unterstützt das) verzapfen, er muss jeden Tag zwei Seiten im Heft xy machen. Und meist macht er dann erstaunlich gut mit und bemüht sich auch, ordenltich zu schreiben. Also da vom Schriftbild gibts nix zu meckern. Da schreibt er sehr schön meint die Lehrerin, insbesondere da er nicht schreiben konnte bei Einschulung und halt doch a Bub ist.

Und: Er hat geblickt, mit Übung wird er besser. Und gut können will er die Sachen schon.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 14.05.2023, 17:29
von andallthatjazz
Seifenblasenfrau hat geschrieben: 14.05.2023, 15:20
Serafin hat geschrieben: 14.05.2023, 15:17
Seifenblasenfrau hat geschrieben: 14.05.2023, 15:15 Nur kurz dazwischen, Fibeln eignen sich nicht gar gut für diesen Zweck, weil sie die Laute nicht gerade schriftgetreu und regelhaft abbilden. Alleine schon die zwei typischen Fibelwörter Mama und Lama, die keine typischen Repräsentanten unserer Schriftsprache sind und völlig unterschiedlich ausgesprochen werden. Was sollen Kinder daraus lernen?
Ich kapier gar nix.
Wenn Kinder Wörter lesen lernen, gibt man ihnen am besten ganz zu Beginn schon Wörter, die richtig typisch für unsere Sprache sind und oft vorkommen und deren Silbenbild auch oft vorkommt, damit die Kinder direkt verinnerlichen, dass Wörter nach diesem Schema auf eine bestimmte Art und Weise gelesen und betont werden. Aber Mama und Lama sehen zb gleich aus, werden aber verschieden betont, dementsprechend gibt es keinen Lerneffekt. Das ist aber leider ein generelles Problem mit Fibeln. Deren Wörter sind auf den ersten Blick leicht zu lesen, haben aber keinen guten Lerneffekt.
Keine Ahnung warum ich als Mitglied einer reinen Kartoffelfamilie hier reinlese🙈
Aber zufällig weiß ich was dazu 😄
Basiskonzept Lesen müsste also Ansatz dafür passen.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 14.05.2023, 18:56
von Wurzel
andallthatjazz hat geschrieben: 14.05.2023, 17:29
Seifenblasenfrau hat geschrieben: 14.05.2023, 15:20
Serafin hat geschrieben: 14.05.2023, 15:17
Ich kapier gar nix.
Wenn Kinder Wörter lesen lernen, gibt man ihnen am besten ganz zu Beginn schon Wörter, die richtig typisch für unsere Sprache sind und oft vorkommen und deren Silbenbild auch oft vorkommt, damit die Kinder direkt verinnerlichen, dass Wörter nach diesem Schema auf eine bestimmte Art und Weise gelesen und betont werden. Aber Mama und Lama sehen zb gleich aus, werden aber verschieden betont, dementsprechend gibt es keinen Lerneffekt. Das ist aber leider ein generelles Problem mit Fibeln. Deren Wörter sind auf den ersten Blick leicht zu lesen, haben aber keinen guten Lerneffekt.
Keine Ahnung warum ich als Mitglied einer reinen Kartoffelfamilie hier reinlese🙈
Aber zufällig weiß ich was dazu 😄
Basiskonzept Lesen müsste also Ansatz dafür passen.
Eine Lehrerin an unserer mehrsprachigen Schule nannte uns reine Kartoffelfamilien mal „Non Language Rich Families“ 😅
*wieder rausschleich, mangels Ahnung

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 14.05.2023, 19:46
von Larala
Bei mir hat sich eine Meinung aus einem Buch über Mehrsprachigkeit eingeprägt, das ich vor Jahren gelesen habe. Eigentlich sind alle Menschen mehrsprachig, auch in reinen Kartoffelfamilien. Das Code-Switching, das mehrsprachige Menschen betreiben, wenn sie zwischen den Sprachen wechseln, machen einsprachige Menschen auch, nämlich wenn sie zwischen verschiedenen Sprachebenen wechseln. Im einen Moment sprechen sie mit dem Kind auf Kinderniveau, im anderen Moment mit der Dame von der Versicherung auf sachlich-professionellem Niveau, und dann wieder mit der alten Schulfreundin im Slang ihrer Jugend oder im Dialekt, mit dem sie aufgewachsen sind.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 22.05.2023, 22:08
von Maikäferchen19
Mein Mann hat kürzlich erzählt, dass eine Erzieherin im Kindergarten zu einem Vater gesagt habe, er solle versuchen, zu Hause häufiger Deutsch mit seiner Tochter zu sprechen. Das hat mich irritiert und beschäftigt mich immer wieder. Mein Stand war, dass Eltern, die eine andere als die deutsche Sprache sprechen, eher in ihrer Muttersprache bzw der Familiensprache mit dem Kind sprechen sollen und nicht unbedingt in (möglicherweise fehlerhaftem) Deutsch.
Liege ich da richtig oder gibt es irgendwann den Punkt, an dem die DaF-Eltern unbedingt Deutsch mit ihren Kindern sprechen sollten?

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 22.05.2023, 22:13
von kroschka
Meine Erfahrung ist, dass bei Sprachen "zweiter Klasse" (Türkisch, Arabisch, Russisch, ...) sowas gerne behauptet wird. Bei Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Französisch eher nicht. :wink:

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 22.05.2023, 22:39
von Kohlmeise
Maikäferchen19 hat geschrieben: 22.05.2023, 22:08 Mein Mann hat kürzlich erzählt, dass eine Erzieherin im Kindergarten zu einem Vater gesagt habe, er solle versuchen, zu Hause häufiger Deutsch mit seiner Tochter zu sprechen. Das hat mich irritiert und beschäftigt mich immer wieder. Mein Stand war, dass Eltern, die eine andere als die deutsche Sprache sprechen, eher in ihrer Muttersprache bzw der Familiensprache mit dem Kind sprechen sollen und nicht unbedingt in (möglicherweise fehlerhaftem) Deutsch.
Liege ich da richtig oder gibt es irgendwann den Punkt, an dem die DaF-Eltern unbedingt Deutsch mit ihren Kindern sprechen sollten?
Das wirklich Quatsch, kontraproduktiv und mittlerweile auch quasi überall so nachzulesen. Argh. Gibt aber anscheinend immer noch Kinderärzt*innen, Erzieher*innen und Stammtisch-Rolfs, die das verbreiten.
kroschka hat geschrieben: 22.05.2023, 22:13 Meine Erfahrung ist, dass bei Sprachen "zweiter Klasse" (Türkisch, Arabisch, Russisch, ...) sowas gerne behauptet wird. Bei Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Französisch eher nicht. :wink:
Das noch dazu. Erlebe ich auch so. Kind wächst zweisprachig deutsch-französisch auf? Oh, toll! Zweisprachig deutsch-rumänisch (russisch, bulgarisch, türkisch, arabisch, Tbc)? Oh, das ist ja immer so schwierig mit zwei Sprachen, hoffentlich lernt das Kind dann auch richtig deutsch!

Ich hoffe, der Vater hat sich das nicht zu Herzen genommen und spricht ohne schlechtes Gewissen in seiner Herzenssprache mit seinem Kind.

(Falls Ihr Euch mögt/ es passend erscheint, würde ich das übrigens ruhig nochmal ansprechen. Gibt zum Beispiel diesen Flyer) https://www.dbl-ev.de/fileadmin/Inhalt ... igkeit.pdf

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 23.05.2023, 02:47
von Serafin
Wir sind ja in einem Kiga mit hohem Ausländeranteil da Unikiga. Uns wurde gesagt, dass wir unsere Muttersprache sprechen sollen weil die Kinder nur so gut die Landessprache lernen können. Was ich jedoch gemerkt habe war, dass auch der große erst dann richtig zu sprechen anfing als ich auch norwegisch gesprochen habe, zumindest einigermaßen. Also nicht mit ihm sondern mit der Umwelt. Vorher hat er stur deutsch gesprochen.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 23.05.2023, 02:52
von Serafin
Wobei ich hier auch Kollegen auf der Arbeit habe (slowakisch/deutsche Eltern) die das Kind in den internationalen Kiga und Schule geben, weil man die Landessprache ja nicht brauchen würde und Englisch viel wichtiger sei. Und warum wir das überhaupt lernen würden, also wir Eltern. Klar kann man das hier problemlos. Aber fraglich finde ich es schon.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 23.05.2023, 06:26
von Teelicht
Man kann ja auch in seiner Expat-Blase bleiben und es auch den Kindern die Möglichkeit vorbehalten eine neue Sprache zu lernen, und den Kindern damit die Chance nehmen sich in ihren neuen Heimatland zu integrieren. Für Erwachsene sind ja zwei Jahre nichts, für Kinder ja eine Ewigkeit.

„Wie toll dass die kleinen Kinder schon französisch spreche !“ haben gehört. Wir werden immer gefragt, ob unsere Kinder in die französische Schule gehen (Vatersprache), weil sie es ja könnten. Aber wozu sollten die Kinder das? Sie würden die Kindheit in einer Blase von wechselnden Bekanntschaften verbringen, die alle völlig woanders in der Stadt wohnen würden. Uns war wichtig, dass sie sich gut in ihrem Umfeld integrieren.