Hallo,
ich finde solche Situationen auch schwierig... aber ich finde es vor allem überhaupt nicht ok, bei so kleinen Kindern schon in "TÄTER" und "OPFER"-Kategorien einzuteilen und hier Parallelen zu späterem Schul-Bullying zu ziehen!
Ich halte es für eine relativ normale Entwicklung, dass Kinder sich Dinge wegnehemn lassen, ohne sich zu wehren - und dann irgendwann drauf kommen, dass sie auch widersprechen dürfen, an wichtigen Sache festhalten dürfen, NEIN sagen dürfen. Nur machen das eben nicht alle im gleichne Alter, manche sind schon früh energischer, andere brauchen eine Weile. Ich halte Kinder, die das noch nicht können/wollen, nicht automatisch für schwach und hilfebedürftig! Mein Kleiner ist als jüngerer Bruder schon immer damit konfrontiert, dass es andere Kinder gibt, die ihm mal was wegnehmen. Lange Zeit hat er sich das auch gefallen lassen, manchmal auch jetzt noch - aber ich habe nicht immer den Eindruck, dass er es schlimm findet: manchmal möchte er einfach auch sehen, was das andere Kind (der große Bruder) mit dem Spielzeug interessantes anstellen kann (vielleicht hat der ja eine gute Idee?), manchmal ist das Spielzeug nicht so interessant, dass sich das verteidigen lohnt, und er sucht was anderes (vielleicht hat der andere je gerade auch ein Spielzeug fallen lassen??). Ich greife zuhause nur deshalb ein, weil ich möchte, dass der Große lernt, erst zu erklären und zu fragen bevor er etwas einfach wegreisst. Unter Gleichaltrigen beobachte ich durchaus mal länger, bevor ich eingreife - ich beobachte va mein Kind, ob es traurig ist oder hilflos, oder ob er sich schnell umorientiert (dann erscheint es mir wenig sinnvoll, aus erzieherischen Gründen dem anderen Kind etwas wegzunehmen). Wenn ich merke, jetzt ist er sauer, er möchte das Ding wiederhaben, versuche ich ihm zu erklären, was er selbst tun kann, um es wieder zu bekommen.... zum Beispiel sage ich, dass er laut NEIN sagen soll, wenn jemand was nimmt, mit dem er spielt, oder ich gehe mit ihm zusammen hin und wir sagen, dass es seins ist - er kann noch nicht so gut sprechen, daher ist das noch etwas schwierig

...ich denke, ich würde nicht zu einem anderen Kind hingehen, und versuchen, ihm was wegzunehmen, aber vielleicht ansprechen, dass er das gerade hatte oder so und wenn es nicht rausgegeben wird, dann suchen wir uns eben was neues, es ist eben nicht immer so, dass man bekommt, was man will...
In der Krippe versuchen sie auch sehr stark drauf hinzuwirken, dass die Kinder lernen, ihre Wünsche deutlich zu artikulieren - und seit einiger Zeit wird er auch dem Bruder gegenüber wehrhafter und sagt ganz klar NEIN, MEINS wenn er was nicht hergeben will. Das war aber ein langer Prozess....
Ich sehe im Gegenzug auch gelegentlich, das mein Kind etwas nimmt, was ein anderes gerade hat. Und ehrlich - wenn das andere Kind nicht reagiert, nicht weint, nichts sagt, nur guckt - dann würde ich mich auch nicht berufen fühlen, einzugreifen

weil ich nicht reingucken kann in die kleinen Köpfe und nicht weiß, ob ich den beiden damit einen Gefallen tue - und weil ich mir denke, dass jedes Kind irgendwann von sich aus deutlich macht, dass ihm etwas nicht passt, und wenn es gar keine Reaktion zeigt, dann wird es nicht soooo schlimm sein... besonders blöde finde ich es nämlich, wenn man eingreift und dem einen Kind etwas wegnimmt (dieses heult natürlich) und es dem anderen zurückgibt, aber der andere möchte es garnicht mehr haben und starrt bloß erschrocken auf den Spielkumpan der jetzt so furchtbar weinen muß und das Spielzeug liegt am Boden, keines der Kinder will es mehr haben und am Ende weinen beide

(Habe ich jedenfalls schon häufiger auf Spielplätzen so beobachtet..)
Gut, wenn der andere "Wiederhaben" sagen würde, dann würde ich schon dafür sorgen, dass die Sache zurückgegeben wird, das ist ja eine klare Aussage, aber ansonsten....
LG Muli