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Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 23.06.2009, 13:03
von Lilliane
Jula82 hat geschrieben:ich hab immer nur das gegenteil gehört - also dass füttern nach zeiten esstörungen fördert. so nach dem motto "jetzt muss ich mich aber vollfressen, weils erst in vier stunden wieder was gibt".
ich informiere mich bei solchen themen allerdings auch recht einseitig (lll und so). :wink:
Das würd ich mal unterschreiben.
Also ich bin komplett ungestillt im wahrsten sinne des Wortes. Und ich würde mich durchaus als essgestört bezeichnen.
Gerade so eine Nuckelflasche hat man doch in null komma nix reingezogen. Stillen, das dauert schon ein bißchen. Da wird das Kind zum Genießer und muß zwangsläufig langsam "essen".

Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 24.06.2009, 06:01
von Sonja37
@liliane: gibt auch unterschiedliche trinker. melina trank immer langsam an der brust. isst heute langsam und ist auch sehr wählerisch.
felix trank schon nach der geburt im eiltempo. der haut auch heute nur so rein. er schlingt an der brust und mit dem essen. isst auch ständig. er wird auch an der brust getröstet. allerdings nur noch wenn er sich wirklich sehr weh getan hat und nicht anderst zu beruhigen ist. puhh da hab ich immer noch das beruhigungsmittel nr.1 in der tasche :lol: .
ob er nun eine essstörung hat sag ich euch dann in 20 jahren :lol:

Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 24.06.2009, 08:27
von Lilliane
Hi Sonja,

der Kleine hat ja am Anfang auch leider Falschenerfarhung gemacht. Wir hatten teilweise bis zu 50% zugefüttert.
Und obwohl er an der Brsut schnell trinkt, ist das suuuuper langsam im Vergleich dazu wie schnell er sonne Flasche leer hatte.
Auch wennes ne Flasche mit extra kleinem Loch war ist es immer noch anders als mit Brust.
Na, dann bin ich mal gespannt, was meiner für ein Esser wird ;-)
Aber einen gesunden Appetit haben und grenzenlos fressen ohne sättigungsgefühl, sind schon noch zweierlei. leider :roll:

Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 24.06.2009, 08:40
von petra066
Essstörungen entstehen dadurch, dass Eltern ein Kind füttern obwohl es keinen Hunger hat oder Essen verweigern obwohl es Hunger hat. Denn dadurch wird das natürliche Verhältnis eigene Bedürfnisse als wesentlich zu empfinden gestört.
Das bedeutet, wenn ein Kind zum stillen gezwungen wird oder es zwanghaft am stillen gehindert wird, dann enstehen Essstörungen. Denn die Nahrungsaufnahme wird in ihrer Wertigkeit verschoben. Sie dient nicht mehr dem Überleben sondern wird zum Druckmittel. Das Kind erfährt so, dass Nahrungsaufname umgekehrt auch ein Druckmittel werden kann.
Ein Kind das nach Bedarf gestillt wird kann keine Esstörung entwickeln, wenn die Mutter nicht anfängt daraus ein füttern nach Uhrzeiten und mit Kalorientabellen zu machen.

Ich habe den Beruf der Wirtschafterin (Ausbilderin in der Hauswirtschaft) als ersten Beruf erlernt und das ist eine Stufe unter der Ökotropologin. Ich hatte jahrelang Ernährungslehre und habe Nachhilfe in diesem Fach gegeben.
Essstörungen sind eine Zivilisationskrankheit, die bei Völkern, bei denen ausschließlich gestillt wird, gar nicht entsteht.
Zeitabstände einzuhalten beim Stillen ist totaler Humbug. Vor allen Dingen da Zeit eine Erfindung des Menschen ist und in Wirklichkeit nicht naturgegeben ist. :lol:

Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 24.06.2009, 09:10
von Maja
Ich denke aber schon, dass man mit dem Thema sensibel umgehen muss. Nicht mit dem Konzept "Trost durch Stillen" sondern mit dem Konzept "Ruhe durch Dinge in den Mund befördern". Natürlich ist es eine liebvolle und natürliche Verhaltenweise, einem weinenden Baby/Kleinkind körperliche Nähe und auch die Brust oder einen Schnuller anzubieten. Aber ich finde, vorher muss man sicherstellen, dass man die Ursache des Weinens erkannt hat und versucht hat sie zu beseitigen oder zumindest dem Kind signalisiert, dass man sein aktuelles Problem erkannt hat. Wenn ein Kind bei jeder Beule/jedem Rempler sofort wie am Spieß loskreischt und die Mutter bzw. Bezugsperson ebenso sofort dem Kind die Brust oder den Nuckel oder ein Gummibärchen in den Mund stopft finde ich persönlich das schon problematisch. Ebenso wenn unvermeidlicher, lautstarker Kleinkindfrust durch Nuckeln abgeschaltet wird.
Diese Effekte bemerkt man zwar bei Schnullerkindern weitaus häufiger als bei Kindern, die "nur" die Brust zum Nuckeln haben, aber ich kenne auch einige Stillmütter, die ziemlich schnell mit dem Griff zum BH dabei sind. Ob das dann wirklich immer bedürfnisgerecht ist?

Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 24.06.2009, 09:14
von Lilliane
Hi Petra,

ja stimmt, wenn man nach Zeitplan stillt, ist es genauso fatal.
Meine Mutter hat mir neulich auch erzählt ich müsse langsam anfangen Mahlzeiten (insbesondere Nachts) hinauszuzögern, sie hätte das bei mir auch gemacht.
Fünf Minuten später meinte Sie, ich müsse mal wieder auf meine Figur achten.
Ich dachte nur DANKE! Mama, erst das Probelm verursachen und dann noch an mir rummosern :evil:
Gesagt hab ich nix. Hätte Sie eh nur verletzt. Zum Glück bin ich ja nicht soooo übergewichtig. Aber 10 - 15 Kilo könnten gerne runter.
Ob ich mich im Abnehmforum anmelde. 8)

Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 24.06.2009, 09:21
von jusl
Ob das dann wirklich immer bedürfnisgerecht ist?
Wir haben keinen Anhaltspunkt dafür, dass es das nicht sei. Auch für die Kinder, die immer sofort "die Brust in den Mund geschoben bekommen haben", ist kein höheres Risiko für spätere Esstörungen/Ersatzhandlungen bekannt. (Auch diese Kinder werden im natürlichen Abstillprozess irgendwann deutlich machen, dass das Stillen nun NICHT mehr die angemessen Reaktion auf die Signale des Kindes ist. Da wachsen Mutter und Kind doch einfach hinein.)

Letztlich kommen bei der Entwicklung von Essstörungen sicherlich mehrere Faktoren zusammen, das Nichtbeachten von Hunger/Sattsein, wie Petra so einleuchtend schrieb, PLUS eine Instrumentalisierung des Essens, sprich: Essen/Füttern als sozialer Impuls (Belohnen, Drohen, Bestrafen, Ruhigstellen, Ablenken,... aber auch kulturelle Impulse wie Gemeinsamkeit/Einheit schaffen, Zugehörigkeit zu einer Gruppe zeigen, Rituale und Traditionen pflegen,.... da ist jede Kultur voll davon.).

Letzeres ist übrigens EXTREM verbreitet. Wer von uns hat einem quengeligen Kind im Buggy, dass keinen Bock hat zu warten, bis Mama mit Quatschen fertig ist, noch keine Reiswaffel in die Hand gedrückt??...

Klar, dies allein wird wohl noch keine Essstörung auslösen, aber dennoch ist dies bereits eine Instrumentalisierung von Essen.

LG;
Julia

Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 24.06.2009, 09:46
von mayra
jusl hat geschrieben:Letzeres ist übrigens EXTREM verbreitet. Wer von uns hat einem quengeligen Kind im Buggy, dass keinen Bock hat zu warten, bis Mama mit Quatschen fertig ist, noch keine Reiswaffel in die Hand gedrückt??...
:shock: :lol: also ICH nicht!! Wir haben gar keine Buggy... :lol:

Sorry, das musste sein, hier von einem Buggy zu schreiben... ;-) Nicht übel nehmen.

Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 24.06.2009, 09:56
von jusl
oooch - da fänden sich schon noch mehr Beispiele... auch für Buggyfreie Hauhalte ;-)
Essen und Trinken beim Kinderturnen oder auf dem Spielplatz, um Langeweile zu überbrücken, Ablenkung bei Autorfahrten, Ruhigstellen in der Kirche/bei Konzerten/auf Feiern, Schokolade für trockene Höschen und durchschlafene Nächte.... dies und ähnliches scheint mir überaus weit verbreitet zu sein.

LG;
Julia

Re: Stillen fördert Essstörung?

Verfasst: 24.06.2009, 09:59
von mayra
War mir schon klar. Find ich auch immer erschreckend, zb. beim Autofahren? Und wenn es sich verschluckt? Da halte ich lieber das Meckern aus...