Re: Kann man Essstörungen antrainieren?
Verfasst: 08.06.2009, 08:04
Stillen nach Bedarf wird nachwievor ohne Einschränkung empfohlen. Mir ist keine Studie bekannt, in der ein Zusammenhang zwischen uneingeschränktem Stillen und späterer Neigung zu Essstörungen nachgewiesen worde wäre (allerdings gilt als sicher, dass nach Bedarf gestillte Kinder später ein viel geringeres Risiko für Essstörungen haben).
Die Theorie "Troststillen =Trostschokolade" ist nicht plausibel, denn beim Troststillen geht es um die Befriedigung originaler(!) Bedürfnisse: Stillen ist MEHR als nur die Verabreichung von Milch. Stillen dient dem Aufbau von Bindung und Kommunikation zwischen Mutter und Kind, baut Spannung ab (was das kleine Kind NICHT selbst kann!) und ist für gestillte Kleinkinder ein sicherer Hafen in einer aufregenden, verwirrenden Welt. Im Mittelpunkt steht hier der Kontakt zwischen Menschen.
Trostschokolade hingegen befriedigt als Ersatz(!) für etwas anderes: Essen kann dazu missbraucht werden, Müdigkeit, Einsamkeit, Frust, Trauer, Langeweile oder Aufregung zu betäuben. Das ursprüngliche Bedürfnis ist also etwas anderes (Schlaf, Trost, Zuwendung, eine Umarmung, sinnvolle Beschäftigung usw.). Merkmal ist hier der Kontakt zu Dingen, nicht zu Menschen.
Die Ausgangsfrage "Kann man Essstörungen antrainieren?" kann man also durchaus mit "Ja" beantworten (etwa durch ständiges Ignorieren von Hunger- und Sättigungsgefühl, oder durch Verwehren von menschlicher Zuwendung) - aber uneingeschränktes Stillen ist sicher kein Risikofaktor dafür.
LG;
Julia
Die Theorie "Troststillen =Trostschokolade" ist nicht plausibel, denn beim Troststillen geht es um die Befriedigung originaler(!) Bedürfnisse: Stillen ist MEHR als nur die Verabreichung von Milch. Stillen dient dem Aufbau von Bindung und Kommunikation zwischen Mutter und Kind, baut Spannung ab (was das kleine Kind NICHT selbst kann!) und ist für gestillte Kleinkinder ein sicherer Hafen in einer aufregenden, verwirrenden Welt. Im Mittelpunkt steht hier der Kontakt zwischen Menschen.
Trostschokolade hingegen befriedigt als Ersatz(!) für etwas anderes: Essen kann dazu missbraucht werden, Müdigkeit, Einsamkeit, Frust, Trauer, Langeweile oder Aufregung zu betäuben. Das ursprüngliche Bedürfnis ist also etwas anderes (Schlaf, Trost, Zuwendung, eine Umarmung, sinnvolle Beschäftigung usw.). Merkmal ist hier der Kontakt zu Dingen, nicht zu Menschen.
Die Ausgangsfrage "Kann man Essstörungen antrainieren?" kann man also durchaus mit "Ja" beantworten (etwa durch ständiges Ignorieren von Hunger- und Sättigungsgefühl, oder durch Verwehren von menschlicher Zuwendung) - aber uneingeschränktes Stillen ist sicher kein Risikofaktor dafür.
LG;
Julia