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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 17.05.2009, 20:03
von KatjaLi
Hallo,

also ich schein ein bissel schwieriges Tragekind zu haben.

Die große habe ich viele Jahre getragen und ihr war es einfach egal wie das Tuch gebunden war.
Hauptsache sie konnte an mir hängen.
Schlecht super völlig egal.

Dann kam unsere Lucia zur Welt und wollte nicht getragen werden und ich war völlig verzweifelt.
Die Verzweiflung war so groß das ich die so viele Jahre Trageerfahrung hatte einen Trageberaterin bestellt habe.

Fakt ist mein Kind bleibt nur dann im Sling oderr im TT wenn die 100 % korrekt gebunden ist.
Ist irgendwas zu locker oder schief kann ich es dirkekt vergessen.

Ich fange dann lieber gleich von vorn an.

Selbst mein Mann hat heute 1 Stunde mit Video geübt dann die kleine wollte absolut nicht zu ihm weil er nicht super korrekt gebunden hat.

Tja so hat mich mein Kind dazu gezwungen.
Vielleicht läßt das ja irgendwann mal nach.


Liebe Grüße
Katja

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 17.05.2009, 20:16
von Dawn79
Schön, dass sich hier einige zu Wort melden!

Ich kann von einigen die Argumentation gut verstehen, aber worum es mir im Grunde ging ist, dass der Perfektionismus nicht den Spass am Tragen vermiesen darf. Mein Mann war bisher nicht zu überzeugen, es mal mit Tuch zu versuchen. Begründung: "Bis ich das gelernt habe, ist Mia zu alt fürs Tuch". Das ist sicher übertrieben, aber es trifft den Kern. Nämlich sich nicht ranzutrauen, aus Angst, dass man es nicht perfekt genug macht. Auch mir ging es es eine Weile so. Und ich beschäftige mich viel damit, das heißt, ich habe sowieso das Optimum an Information über das Tragen und wie "man es richtig macht". Das hat der Großteil der zu Beratenden gar nicht.

In einem Punkt muss ich widersprechen: Ich finde auch, dass man das Binden in der Technik und auch beim Vorbinden als Trageberaterin sehr gut beherrschen muss, wie Montanara sagte. In Beratungen achte ich auch peinlich genau darauf, das alles stimmt. Aber da hat man ja auch die Zeit dazu und eine ruhige Puppe!
Trotzdem finde ich es überheblich zu sagen, dass man immer perfekt bindet. Da lebe ich lieber mit dem Grundsatz: Wer denkt, er kann schon alles, ist noch lange nicht auf dem Weg zur Weisheit. ;-)

Ich vermittle in Beratungen eher Menschlichkeit als Perfektion und fühle mich damit besser. Sicher, man könnte jetzt sagen, wahrscheinlich binde ich nicht perfekt genug, um allein von der Perfektion leben zu können. ;-) Aber ich sehe das alles eher als Entwicklung denn als Sache, die irgendwann mit perfektem Ergebnis abgeschlossen ist. Ich weiß um meine typischen Bindefehler und kann deswegen auch den anderen so begegnen.

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 17.05.2009, 21:14
von Montanara
Ich für mich alleine halte es so wie die Jusl:
Wenn ich mit Kindern öffentlich draußen unterwegs bin, dann im einem super gebundenen Tuch, denn mir wäre es sehr unangenehm, wenn ich ich auf der Straße mit schlecht gebundenem Tuch gesehen würde und andere kundige Leute mich sähen und sagen "Ach, schau Dir mal die schlampige Bindeweise an - die kann's ja auch nicht besser als alle anderen!" - neeee danke, ich hab nen Ruf zu verlieren! Außerdem wäre DAS dann doch wenig glaubwürdig
Und als Beraterin wie Lila:
ich käme nie auf die idee 120% einzufordern und ich erlebe dieses forum auch überhaupt nicht mehr so ... ganz im gegenteil finde ich es mittlerweile etwas zu milde
nee, im ernst, bei einem neugeborenen und einem schlafenden baby kann man sehr gut die kriterien abchecken:
- rücken rund?
- beinchen angehockt?
- nicht zu stark gespreizt?
- ansicht der wirbelsäule frontal: gerade aufgerichtet, die wirbelsäule knickt nicht seitlich in irgendeinem bereich weg, sondern wie gesagt, seitlich betrachtet ist das baby rund, frontal betrachtet die wirbelsäule gerade und zwar vom lendenwirbelsäulenbereich bis zum ersten halswirbel

so und diese punkte können die eltern selbstständig kontrollieren ... es geht aber wie gesagt null um meine worte, sondern um ihr GEFÜHL ... aha, so ist tragen.

wenn man im realen leben, dann mal in deinem bereich einen abstrich macht oder in dem anderen spielt dies für mich keine rolle, wichtig ist, dass man es KANN ... ich kann z.b. theoretisch gut rückwärts einparken, es gibt aber tage an denen stehen parklücken und ich eher auf kriegsfuß (führe dies auf meinen zyklus oder die mondphasen zurück )
Danbe Euch beiden, Ihr habt das viel geschickter ausgedrückt als ich gestern!

Liebe Grüsse
Dorothea

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 18.05.2009, 11:52
von lunite
Naja, es kommt wohl auch darauf an, wofür und wie oft man nicht perfekt gebunden hat. Gehts nur zum Laden um die Ecke, ist es wohl kein Drama. Für eine längere Tragedauer sollte das Tuch aber schon gut gebunden sein, denke ich, für Mutter UND Kind. Gerade den Rucksack bekomme ich nur durch Zufall gut hin, darum trage ich meistens im MT oder Manduca, da bekomme ich es allermeistens gut hin. Und ein Tuch dreimal binden, das gefällt weder mir (völlig durchgeschwitzt) noch Justus (völlig übellaunig!).
LG
Regine

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 18.05.2009, 16:30
von Dawn79
jusl hat geschrieben: Wenn ich mit Kindern öffentlich draußen unterwegs bin, dann im einem super gebundenen Tuch, denn mir wäre es sehr unangenehm, wenn ich ich auf der Straße mit schlecht gebundenem Tuch gesehen würde und andere kundige Leute mich sähen und sagen "Ach, schau Dir mal die schlampige Bindeweise an - die kann's ja auch nicht besser als alle anderen!" - neeee danke, ich hab nen Ruf zu verlieren! :lol: :lol: :lol: Außerdem wäre DAS dann doch wenig glaubwürdig
Also hier muss ich nochmal einhaken. Was die Professionalität bei Trageberatungen angeht, davon soll hier nicht die Rede sein. Aber bei der Vorstellung, dass Du mich mal hier mit Tuch siehst (was nicht sehr wahrscheinlich ist ;-) ) und dann so über mich denkst - da fröstelt es mich, ganz ehrlich! Ist das wirklich in Ordnung, jemanden wegen einem schlampig gebundenen Tuch zu verurteilen? Das sind ja unter Umständen nur Bruchteile dessen, was dieser Mensch sonst so bindet. Ich muss ehrlich sagen, ich finde mich auch im Alltag glaubwürdig. Ich trage, weil ich tragen will, nicht wegen meines Rufes.

Und ich bestehe darauf, dass auch eine Trageberaterin ein Mensch ist. 8) Bestes Beispiel vorhin: Wir sind losgezogen zum Spielplatz. Jonah war furchtbar ungeduldig, klar. Mia war leicht müde und ist zur Zeit eh schlecht drauf, weil sie krabbeln will, aber es klappt nicht. Mia also in den Rucksack gepackt. Und der gelang nicht gut. Los zum Spielplatz, trotz allem. Es sind ja nur 5 Minuten, hoffentlich hat uns keiner gesehen. *g* Eine Stunde später, Mia ist müde und sollte schlafen. Also Baby aus dem Sand befreit, in den Rucksack. Auch nicht gut gebunden. Und da hatte ich auch noch Zuschauer. Hätte ich da vor Scham im Boden versinken sollen? Ich bin dann 5 Minuten rumgelaufen, bis Mia halbwegs ruhig war und hab dann umgebunden in einen 99% guten WKR. Zwischendrin hatte Jonah sich sein T-Shirt komplett nass gemacht und ich musste ein großes Loch graben. Das ist mein Alltag. Sorry, aber ich fand mich heute perfekt genug. 8)

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 18.05.2009, 17:30
von jusl
Also ich finde das nicht wirklich zum Frösteln.

Friseurinnen laufen mit topgestylten Haaren rum, Autohändler fahren nicht in einer alten Schrottkarre durch die Gegend, eine Bio-Bäckerin wirst Du selten bei Mc Donalds antreffen...
Meine Art zu binden ist doch für andere Leute mein erstes Aushängeschild. Find ich nicht schlimm.

LG;
Julia

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 18.05.2009, 17:37
von Millefiori
ich würd mir auch meinen teil denken, wenn ich eine trageberaterin mit einem mies gebundenen tuch sehen würde - was bei mir in der stadt ja leider unmöglich ist, da es keine gibt :(

ein sehr gut gebundenes tuch ist doch in diesem fall sowas wie die visitenkarte, finde ich...

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 18.05.2009, 18:31
von Dawn79
Ich sage nicht, dass ich dann stolz drauf bin, wenn das Tuch nicht gut sitzt. Ich sage nur, dass ich diese 100%ige Perfektion im Alltag nicht bieten kann. Wenn das bei Euch immer klappt, ist doch super. Aber morgens um halb acht sitzt die Frisur bei der Friseurin auch noch nicht perfekt. Und nachmittags mit den Kindern auf dem Spielplatz wohl auch nicht immer. Das heißt aber nicht, dass sie in ihrem Beruf schlecht ist...!

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 18.05.2009, 21:04
von xknäckebrotx
jusl hat geschrieben:Also ich finde das nicht wirklich zum Frösteln.

Friseurinnen laufen mit topgestylten Haaren rum, Autohändler fahren nicht in einer alten Schrottkarre durch die Gegend, eine Bio-Bäckerin wirst Du selten bei Mc Donalds antreffen...
Meine Art zu binden ist doch für andere Leute mein erstes Aushängeschild. Find ich nicht schlimm.
Es gibt da nur einen klitzekleinen Unterschied: Wir haben es ja mit KINDERN zu tun, nicht mit Dingen, die funktionieren, je nachdem, wie man sie bearbeitet. Ich trage auch, weil ich es möchte und es in unseren Alltag gehört. Wenn ich einen Bad-Tuch-Day habe, dann hab ich den eben und von der perfekt gezogenen Kopfkante erwarte ich mir weder auch nur eine Beratung weniger noch eine verpasste Goldmedaille.

Ich finde, der Vergleich hinkt etwas. Erwartet ihr von einer Pädagogin, dass sich ihre Kinder immer und in jeder Lebenslage spitze, freundlich, gesellschaftsadäquat, rundherum mustergültig benehmen, immer gute Zensuren nach Hause bringen und auch sonst bestens funktionieren? DAS zu erwarten fände ich gruselig.

Ich habe übrigens das Gefühl, in der "Berufsdebatte" sprechen wir hier nicht über superschlampig und achtlos rumgewickelt, sondern eher um Nuancen. Die fallen dem Laien aber wahrscheinlich ebensowenig auf, wie das nicht perfekt gelungene Friseurinnenstyling oder der defekte Scheibenwischer beim Autohändler-Privatauto, wenn wir beim diesem Beispiel bleiben würden.

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Verfasst: 18.05.2009, 21:13
von jusl
Erwartet ihr von einer Pädagogin, dass sich ihre Kinder immer und in jeder Lebenslage spitze, freundlich, gesellschaftsadäquat, rundherum mustergültig benehmen, immer gute Zensuren nach Hause bringen und auch sonst bestens funktionieren? DAS zu erwarten fände ich gruselig.
:lol: :lol: :lol: neee, von den Kindern sicher nicht - aber von der Pädagogin selbst(!) erwarte ich in der Tat, dass sie mind. in der Öffentlichkeit zeigt, dass sie in der Lage ist, "pädagogisch auf der Höhe" mit Kindern umzugehen. Danke für dieses schönes Beispiel. :D