Ich finde solche Themen auch immer schwierig. Es ist ja tatsächlich so, dass die meisten davon ausgehen, dass der Kinderarzt und die Hebamme sich auskennen. Dass es Stillberater überhaupt GIBT wissen auch nicht wirklich viele, wenn man mal ausserhalb von Internetforen schaut.
ICH bin übrigens eine von denen, die ein so zu bemitleidenswertes Kind haben. Meine Tochter wurde nur 12 Wochen lang gestillt und das auch IMMER nur teilweise. Es war von Anfang an Zwiemilchernährung, leider.
Angefangen hat's mit der Neugeborenengelbsucht meiner Tochter (sie war einfach zu müde zum saugen), gleichzeitig hatte ich flache Brustwarzen, einen dicken Bauch und hab' sie einfach nicht richtig angelegt bekommen. Nachdem die Geburt über 60 Stunden gedauert hatte, hatte ich schlicht nicht mehr die Kraft "Nein" zur von der Krankenschwester angebotenen Flasche zu sagen. Die ganzen 3 Monate lang haben wir JEDEN Tag geheult, alle beide, bei jeder Mahlzeit. Erst sie, weil sie hungrig war und nichts klappte und dann ich, weil ich mich wie die letzte Versagerin gefühlt habe. Eine Stillberaterin, die Englisch spricht habe ich nicht gefunden. Von der Vorsorge wurde mir eine Studentin geschickt, die mein Baby vor und nach dem Stillen wog. Die Kleine wog hinterher 20g weniger als vorher (die gute Studentin hat die "Hold"-Taste gedrückt, die ja nur den Mittelwert bei Schwankungen ermittelt). Das hat mich dann natürlich nur noch mehr verunsichert, weil ich in dem Moment einfach nicht an die Hold-Funktion gedacht habe.
Ich wollte einen Fingerfeeder --> gab's hier nicht
Ich wollte ein Brusternährungsset --> gab's hier nicht
Ich hab's mir alles andere als leicht gemacht mit der Entscheidung mit dem Stillen aufzuhören, aber aus damaliger Sicht musste ich einfach. Es hängt mir bis heute nach. Bis heute bin ich traurig und mir kommen die Tränen, weil's nicht geklappt hat und weil ich einfach heute denke, dass ich mich damals viel zu sehr verrückt gemacht habe. Aber das denk ich eben auch erst HEUTE. Damals fand ich diese "Mach dich nicht verrückt, das geht schon" - Kommentare einfach furchtbar, denn das sagte mir (auf emotionaler Ebene) ja nichts anderes als: "Hey, stillen ist doch ganz einfach, hab dich nicht so". Auch wenn's vielleicht nicht so gemeint war.
Und normalerweise, wenn mich jemand fragen würde, ob ich noch stille oder wielange ich gestillt habe, würde ich auch nicht mehr sagen als "3 Monate, dann hat's gar nicht mehr geklappt". Weil das in der Kürze einfach der Wahrheit entspricht. Möchte mir gar nicht ausmalen, wie dann hinter meinem Rücken geredet werden würde.
Ich find's verletzend zu lesen "Es ist doch so einfach und natürlich und überhaupt nur Einstellungssache". Denn MEINE Einstellung war immer: "Stillen ist das beste, praktischste und natürlichste der Welt für mein Baby" und ich habe alles mögliche versucht um irgendwie zu stillen und ihr soviel Muttermilch wie möglich zukommen zu lassen. Blöderweise hat's halt trotz allem nicht geklappt, weil die Hormone einem da durchaus auch noch übel mitspielen können.
Im Übrigen habe ich nicht den Eindruck, dass die Bindung zwischen meiner Tochter und mir in irgendeiner Weise gelitten haben könnte.
Aber was das Rauchen vor Kindern angeht, sind wir uns einig.
