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Verfasst: 10.05.2008, 21:29
von reininglady
Gwen hat geschrieben:ja, ich finds auch schade. aber was erwartet man von leuten, die ihre kinder schreien lassen und das noch als völlig normal abtun und einen als übermutter titulieren, die immer springt beim kleinsten muckser?

naja. ich sollte aufhören in solchen foren zu schreiben.
da kann ich mich nur anschließen. ich schreibe auch noch in 2 anderen foren und in dem einen fühle ich mich mittlerweile so fremd, weil ich jetzt hier bin ;) es ist wirklich unverständlich wieso die meisten mütter nicht so weit denken können. es geht um die eigenen kinder.

beim ersten kind war ich die ersten 4 monate auch nicht so weit. ich habe wohl das meiste falsch gemacht und jetzt mit meinem gewachsenen wissen und der bestätigung, dass ich bei meinem zweiten 99% richtig mache, fühle ich mich total schlecht. ich habe meiner großen so ein schlechtes gewissen gegenüber und ich frage mich, wie ich das verarbeiten soll. ich könnte grade nur heulen, echt.

oh je :cry:

Verfasst: 10.05.2008, 21:38
von wasserratte
Naja, ich finds schon auch ein bissl fragwürdig, psychische Probleme alleine auf ungestillten Bedürfnisse im Säuglingsalter zurückzuführen. Mag sein, dass das eine gewisse Rolle spielt, aber diese platte 1:1-Darstellung überzeugt mich nicht.

Trotzdem freue ich mich, dass meine Beiden, jedenfalls in dieser Hinsicht, keinen Mangel leiden.
(und allmählich werde ich auch selbstbewußter, wenn mich Leute wie meine "Vorzeigemutter"-Schwägerin neulich, fragen: "Und, hält er schon mal so 3-4 Stunden aus? :twisted:
Dann sag ich nur: keine Ahnung, ich schau nicht auf die Uhr.

Verfasst: 10.05.2008, 23:29
von reininglady
ist doch ne gut antwort ;)

genauso wie heute: ist dein kind schon sauber? (sie ist 21 monate). da sag ich nur noch drauf: das entscheidet sie selbst ;)

es ist mehr oder minder bewiesen, dass die prägendstens jahre die ersten 2 sind. und wenn da viel schief gelaufen ist kann man auch psychische probleme darauf zurückführen. das finde ich jedenfalls sehr einleuchtend. natürlich sind auch alle anderen lebensjahre prägend, aber nicht so intensiv wie die ersten 2. deswegen finde ich ja, dass alle babys gestillt und getragen gehören :D

Verfasst: 11.05.2008, 07:27
von EUfqtw
Auch in meiner Umgebung wird fleissig geferbert und schnell abgestillt/nicht gestillt. Getragen wird gar nicht und NATÜRLICH schläft das Kind direkt im eigenen Zimmer.

Auf eine Passage im Text möchte ich aber jetzt noch hinweisen:
Obwohl meine Mutter an sich nicht sehr warmherzig war, so war sie doch sehr gewissenhaft: Wäre nun damals in den Büchern über Kindererziehung gestanden, dass sie mich nach der Geburt im Arm halten und trösten, mich aufnehmen und direkt am Körper tragen solle, dass sie mich bei ihr schlafen lassen und mich dann, wenn ich hungrig sei, füttern solle anstatt mich jede Nacht acht Stunden lang hungern zu lassen, dann hätte sie das auch genau so gemacht. Ich gehe davon aus, dass dann auch in meinen weiteren Leben einiges anders gelaufen wäre.

Zumindest hier habe ich schon das Gefühl, dass die Eltern ihre Babys so "erziehen" wie sie es tun, um sie möglichst gut auf das spätere Leben vorzubereiten. Schlimm, diese Einstellung, aber ich denke schon, nicht immer aus purer Grausamkeit heraus.

Schlimm, dass so viele Eltern denken, ihr KInd durch JKKSL uä bestens auf das spätere Leben vorzubereiten. Auch wir leben wohl in einer der erwähnten "kriegerischen Gesellschaften" :(

Verfasst: 11.05.2008, 22:40
von momtotwo
Oh ja, wir leben in einer kriegerischen Gesellschaft, manchmal gehts um Land, manchmal um Geld und immer um Macht. Ich finde es aber erfreulich, dass attachment parenting mehr und mehr mainstream wird. Ich bin mir sicher, dass das Internet und Foren wie dieses viel dazu beitragen! Aber wer weiss was fuer Fehler wir stattdessen machen?!

Uebrigens ist mein erster ganz sanft gross geworden, mal von der KS Geburt abgesehen, und bisher ist er noch kein besonders selbstbewusstes Kind, er ist eher auf der sensiblen schuechternen Seite. Manchmal frage ich mich, wozu, wenn ich seine sorgenlosen anpassungsfaehigen Altersgenossen sehe. Und dann erinnere ich mich daran, dass ich ja schon wieder meine Erwartungen auf mein Kind projektiere statt ihn ihn sein zu lassen :(

Ich bin mir nicht sicher, wieviele von den Problemen unserer Gesellschaft auf Schreienlassen und Fuetterungsplaene zurueckzuschieben sind. Ich glaube das Problem ist komplexer... Kimmy ruft....Gute Nacht, morgen mehr Gedanken zu dem interessanten thema!

Verfasst: 13.05.2008, 09:41
von Sini
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, dass es so einen Artikel überhaupt geben muss....

Wenn man tatsächlich ein Wunschkind hat, dann will man doch auch stillen und dann weiß man doch "instinktiv" wann und wie oft man sein Baby stillen muss....

Aber es scheint tatsächlich unglaublich viele, man nennt es neumodisch "bildungsfremde" Menschen zu geben, die von nichts eine Ahnung haben und sich auch nicht selbst Gedanken machen....

Mir kann ein Arzt 1000mal sagen, ich solle das Baby nachts nicht füttern, daran würde ich mich nie halten wenn mir mein Gefühl etwas anderes sagt!

Gut, das mit den psychischen Problemen halte ich auch für Übertrieben, denn wenn ein Baby trotzdem die Liebe bekommt die es braucht, dann kann es sich nicht sein ganzes Leben lang so fühlen, wie es dort beschrieben wird....

Man muss sich doch einfach SEINE EIGENEN GEDANKEN machen, und abwägen, was ist gut, und was ist schlecht, und dann entscheiden. Niemand ist perfekt, aber wenn ich ein Kind liebe kann ich doch nicht so viel falsch machen, oder?

LG
Sini

Verfasst: 13.05.2008, 19:04
von momtotwo
Ja, Sini, du bist selbstbewusst genug, nur auf dich zu hoeren, aber das gilt nun mal nicht fuer alle. Und wenn Doktoren als babyexperten auftreten, kapitulieren viele Muetter!

Ausserdem ist Familienbett, Tragen und Stillen nach Bedarf auch keine garantie fuer einen spaeteren psychisch stabilen menschen, es gibt noch mehr Aspekte in der Eltern-Kind-Dynamik... Und auf der anderen Seite, schaut euch mal Japan an, da ist das Familienbett seit jahrhunderten Standard, und die Gesellschaft hat eine kriegerische, em, tendenz.

Wie ich schon sagte, die Sache ist komplex, wie alle realen Dinge im Leben...

Verfasst: 13.05.2008, 20:21
von Selene
Ich habe den Artikel noch nicht ganz gelesen (werde ich noch nachholen), aber von dem Schreienlassen halte ich auch nichts. Beim Abstillen hatte ich Glück mit meinen Kindern, der Wechsel auf die Flasche mit 9 Monaten ging gut (hatte beim Wechsel auf 2mal Stillen immer Milchstau :cry: ) und beim Kleinen hatte ich immer weniger Milch, so daß ich nicht mal mehr Abpumpen mußte. Beim zweiten hatte ich viel Milchstau, aber so ist jede SS und danach anders!

Verfasst: 28.05.2008, 12:24
von tragefee
Wenn wir uns in diese Babies und diesen Schmerz einfühlen (wie bei diesem Artikel, dem Abschnitt in Liedloffs Buch, oder wenn wir ein Baby an der Flasche sehen oder schreiend im Kinderwagen) finden wir immer auch uns selbst und unseren eigenen Schmerz wieder. Deswegen tut es auch so weh, man fühlt nicht nur mit, man leidet mit. Das ist der Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid. Mitgefühl bedeutet, ich erkenne den anderen und ich nehme seine Gefühle respektvoll und achtsam wahr, aber ich identifiziere mich nicht mit dem Schmerz des anderen. Mitleid bedeutet, ich gehe im Schmerz des anderen auf, seine Wunde erinnert mich an meine eigene, mein Mitleid bringt meine eigene Wunde zum Bluten. So entsteht immer noch mehr Schmerz.

Eckhart Tolle (ein spiritueller Meister) spricht vom Schmerzkörper, den wir alle in uns tragen. Dieser Schmerzkörper nährt sich von unserem Schmerz, um zu überleben, sucht er also Schmerz. Frauen, so Tolle, haben einen besonders großen (auch kollektiven, also einen gemeinsamen) Schmerzkörper. Ob das daran liegt, dass wir mehr unsere rechte Hirnhälfte nutzen und somit meist stärker von unseren Gefühlen gesteuert werden, oder vielleicht auch daran, dass Frauen in der Geschichte der Menschheit schon sehr viel Leid erfahren haben, ich weiß es nicht.

Als ich "frisch" Mutter war, habe ich ihn jedoch ganz deutlich gespürt, den weiblichen Schmerzkörper. Sehr oft hatte ich Träume von schmerzerfüllten Müttern, die um ihre Kinder weinten, von verzweifelten Kindern, die um ihre Mütter weinten. Immer noch sind bestimmte Situationen mit sehr viel Schmerz verbunden.

Dennoch versuche ich mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass wir "spirituelle Wesen sind, die menschliche Erfahrungen machen möchten". Zu diesen menschlichen Erfahrungen gehören eben, in unserer Welt, (noch, denn die Zeichen stehen auf Wandel) auch Schmerz und Leid. Wir sind aber immer mehr als dieses menschliche Wesen, dass Schmerz und Leid erfährt (oder auch Glück und Freude): Wir sind große, stets leuchtende Wesen. Sowohl, wenn wir Freude erleben und geben, als auch wenn wir traurig sind oder an jemandem unsere Wut auslassen, wir sind diese leuchtenden Wesen.

Ein Kind kann, noch bevor es geboren wird, bzw. bevor es sich seine Eltern aussucht, den ersten Zeitraum nach seiner Geburt überblicken. Es weiß also, was "auf es zukommt", wenn es sich bei diesen Eltern, in diesen Körper inkarniert. Ganz bewusst wählt dieses spirituelle Wesen diese menschlichen Erfahrungen - auch oder gerade wenn diese mit Schmerz verbunden sind - denn es benötigt sie für seine Entwicklung. Respekt gebührt also diesem Wesen für seine Wahl, und Respekt gebührt den Eltern, dass sie diesem Wesen seine gewünschten Erfahrungen ermöglichen - vor allem wenn es sich dabei um schmerzliche Erfahrungen handelt.

Unsere Welt befindet sich in großem Wandel, es ist kein Zufall, dass ein Forum wie dieses enstanden ist und sich darum bemüht, ein liebevolleres Miteinander zu leben, unseren Kindern eine Welt zu zeigen, wie wir sie uns wünschen. Mit (friedlichen) Bedürfnissen, die gestillt werden, mit Respekt, mit Liebe und Achtsamkeit. Bestimmt werden wir die Früchte ernten dürfen, die wir mit unserer Liebe säen. Und darauf möchte ich mich konzentrieren, dahin möchte ich meine ganze Aufmerksamkeit und damit Energie richten: auf Liebe, auf eine lebenswerte, gesunde, friedvolle Welt.
Damit erreiche ich mehr, als wenn ich meine Energie meinem Schmerzkörper zukommen lasse, der damit nur noch mehr Schmerz produziert. Also mehr Mitgefühl, weniger Mitleid.

Es fällt mir zwar oft schwer, gerade wenn ich auf solche Artikel stoße (deswegen lese ich auch keine Zeitung, gucke kein Fernsehen, höre kein Radio - bad news are good news in diesen medien) aber ich bemühe mich.
Und mein Kleiner leuchtet so hell und erinnert mich daran, dass wir alle leuchten. Er ist eine so große Hilfe. Wie schon Jesus sagte: "Gesegnet sind die Kinder, denn ihnen wird das Himmelreich gehören".

Herzliche Grüße

Ulrike

Verfasst: 28.05.2008, 23:59
von tragefee
Also auch uns selbst gegenüber: Weniger mitleidiges, schmerzvolles schlechtes Gewissen (und welche Mutter hat das nicht ab und zu), mehr mitfühlendes, respektvolles Annehmen des So-(Gewesen)Seins.