Nun zu unserer Zungenbändchen-Thematik...
Nachdem ich der zweiten Stillberaterin mehrere Videos und einen Anamnesebogen zugesandt hatte, diagnostizierte sie ziemlich schnell ein posterior verkürztes Zungenbändchen. Sie half uns, schnell einen Termin bei einer spezialisierten Kinderzahnärztin zu bekommen. Mein Partner war anfangs überhaupt nicht begeistert und meinte, es sei ja gar nicht gesagt, dass es das Stillen verbessert oder sie später Probleme durch das verkürzte Zungenbändchen bekomme, zudem schreckte ihn das aktive Wundmanagement ab, da ich mit Abpumpen, Auskochen und Stillen mit BES eh schon an meiner Belastungsgrenze war. Er glaubte auch nicht an die Diagnostik mittels Videos.
Letztlich hatte sie aber ja bereits Probleme durch das Zungenbändchen, was man an der Gewichtsabnahme sah.
Wir fuhren also über 1 Stunde zu der Kinderzahnärztin, welche die Verkürzung bestätigte. Nach einer Bedenkzeit entschieden wir uns vor Ort für die Trennung. Anders als bei Meeresleuchten wurde bei uns mittels Laser getrennt, was schonender sein soll und gleich die Blutgefäße verödet. Muss aber selbst bezahlt werden.
Die Trennung empfand ich als furchtbar und weinte mit meiner Tochter mit. Die Babys empfinden dabei maximal ein Ziehen und das Lasern dauert nur 3 bis 5 Sekunden, aber meine Tochter schrie bereits, weils sie gepuckt wurde, der Kopf festgehalten und die Augen abgeklebt (wegen dem Laser) wurden und dann die Zunge mit einem Gel betäubt wurde. Das Ganze dauerte 3 Minuten, danach durfte ich sie anlegen, aber sie wollte nur zur Beruhigung nuckeln.
Die Übungen zum AWM wurden uns vor der Trennung bereits gezeigt und klappten dort auch noch gut.
Wir sollen für 4 Wochen alle 4 Stunden, auch nachts für das AWM die Zunge dehnen und zwischendurch verschiedene Beweglichkeitsübungen, Gesichtsmassage, den Fischmund, Bauchlage und Körperübungen machen. Das ist schon ein heftiges Pensum.
Entgegen der Aussage in der Praxis, bis Sonntag habe sie sich an die AWM Übungen gewöhnt (Do wurde getrennt), wurde es von Mal zu Mal schlimmer. Wir mussten sie ebenfalls pucken und sie schrie jedes Mal aus Leibeskräften und ich fühlte mich, als würde ich mein Kind absichtlich quälen. Nach wenigen Tagen lernte sie, ihre Kiefer so fest sie konnte zusammen zu beißen und zog ihre Zunge nach hinten, dass ich nicht mehr darunter kam, um zu dehnen. Zudem müssen wir die AWM immer filmen und der Stillberaterin schicken, was einerseits eine gute Kontrolle ist, andererseits setzt es einen auch unter Druck.
Meeresleuchten hat geschrieben: 13.02.2023, 20:02
Musstet ihr die Übungen mit dem Finger oder Stäbchen machen? Wurde dir das „über Kopf“ arbeiten gezeigt? Das wäre für mich die einige Idee, warum die Dehnung vielleicht nicht gereicht hat. Ansonsten hätte ich eher die Überlegung, ob Evtl. nicht genug geschnitten wurde???
@Meeresleuchten: Meinst du mit über Kopf arbeiten, dass man sich das Kind mit dem Kopf zwischen die Beine legt, Daumen auf die Stirn, Mittelfinger ziehen das Kinn runter und Zeigefinger ziehen die Zunge nach hinten oben? War das die Übung bei euch? Das haben wir so gezeigt bekommen, nur sie hat es wie gesagt nicht toleriert. Was mich wundert ist, dass ihr nicht beim weinenden oder schlafenden Kind dehnen musstet. Da hätten wir dann quasi nie gedehnt, weil immer Zinnober war.
Die Übungen machen wir mit dem Finger.
Ob es nicht weit genug getrennt wurde, kann ich nicht beurteilen. Der Stillberaterin ist jedenfalls nichts aufgefallen.
Mittlerweile haben wir eine Dehnübung im Fliegergriff gezeigt bekommen, die sie wesentlich besser toleriert. Am Samstag, nach 9 Tagen, sagte allerdings die Stillberaterin, es sehe so aus, als ob die Zunge reattached wäre. Wir sollten uns keine Vorwürfe machen, manche Familien bräuchten einfach einen zweiten Anlauf und nach dem zweiten Trennen würden sie routinierter die Übungen machen und dann würde es auch klappen. Das hat mich erstmal sehr geschockt. Ich will eigentlich auf keinen Fall, dass sie das nochmal durchmachen muss. Und Vorwürfe mache ich mir natürlich auch.
Meeresleuchten hat geschrieben: 13.02.2023, 20:02
JuLee,
habt ihr vielleicht die Chance den Arzt (oder wen anderes) nochmal drauf schauen zu lassen? Es klingt bei euch leider sehr anstrengend und auch nicht so erfolgreich, wie man es sich wünschen würde. Was meinte denn die Stillberaterin, dass du trotzdem so lange für eine Stillrunde etc. benötigst?
Wir könnten natürlich die Ärztin nochmal drauf schauen und dann ggf. gleich nachtrennen lassen, aber wir wohnen wie gesagt über eine Stunde von der Praxis weg. Mal eben hinfahren geht leider nicht. Bei uns in der Nähe wüsste ich niemanden, der sich damit auskennt.
Die Stillberaterin meinte zu den langen Stilleinheiten, dass ich die Schläuche vom BES mal kontrollieren soll und dass der Schlauch vielleicht einfach nicht richtig im Mund liegt.
Meine Tochter schläft auch nach wie vor (heute 13 Tage nach der Frenotomie) ein beim Stillen und ich habe Mühe, sie zum Trinken zu animieren. Sie schafft es aber zumindest phasenweise zu trinken. Die Zunge streckt sie noch nicht so gut über die Unterlippe raus, Mund ist beim Schlafen auch oft offen. Freitag gehen wir wieder zur Ostepathin, vielleicht verbessert es sich danach noch.
Aktuell habe ich allerdings den Eindruck, das wird nichts mehr mit dem Vollstillen. Bei uns scheint das Zungenbändchen nicht die Lösung aller Probleme zu sein...