Entschuldige bitte die verspätete Antwort, gestern war ich verhindert.
Ich solle ihn nicht so viel stillen, da Muttermilch alleine ihm jetzt nicht mehr reiche und es dann ja klar sei, dass er nicht zunehmen kann. Ich solle ihn eher hungrig werden lassen, damit er mehr isst, das sei jetzt das Wichtigste. Meine Bedenken bezüglich Gedeihstörung wischte sie beseite, denn eine Gedeihstörung könne man nur haben, wenn man auch isst, und das täte mein Sohn ja nicht.
Das mit der Gedeihstörung ist schlicht falsch. Selbstverständlich können auch Kinder, die noch keine Beikost erhalten, eine Gedeihstörung haben, diese Diagnose ist nicht an eine Ernährungsform gebunden. Korrekt ist, dass Muttermilch allein in dem Alter nicht mehr ausreicht. Deswegen bietet man ja Beikost an, was Du ja auch tust. Ein Kind in dem Alter Deines Kindes ist ideal ernährt, wenn es Beikost UND Muttermilch erhält. Du machst diesbezüglich alles richtig und die Empfehlung zum Abstillen ist also sicherlich nicht richtig und auch nicht zielführend.
Desweiteren ist Stillen ja mehr als Ernährung, das bedeutet, es gibt über die Kalorien hinaus gute Gründe, weiter zu stillen.
Und ich habe nicht mehr so viel Milch, um ihn so oft stillen zu können. Das führt dazu, dass er ein paar Schluck abbekommt und dann erfolglos nuckelt, um sich wegzurollen und wieder das Milchzeichen zu machen.
Leg ihn ruhig an, das wird mit der Zeit die Milchbildung wieder steigern.
Sie sagte aber auch, dass er eigentlich mehr essen müsste und dafür muss ich nachts abstillen, damit er tagsüber mehr Hunger hat.
Weniger zu essen, damit man mehr Hunger hat und mehr zunimmt ist sinnfrei. Die Kalorien aus der Muttermilch sind vollwertig und gut. Er muss
zusätzlich zur Muttermilch mehr zu sich nehmen. Und Essen würdet Ihr ja sonst nachts auch nicht anbieten. Gerade die Nacht ist also ein Zeitraum, in dem man durchs Stillen zusätzliche Kalorien unterbringen kann.
Morgens ca. 7 Uhr: Stillen beide Seiten, wobei wenig Milch vorhanden, da in der Nacht alles ausgetrunken wurde.
Die Milch wird v.a. während des Stillens gebildet. "Alles austrinken" geht nicht bei Muttermilch an der Brust.
Eigentlich möchte ich nicht nachts abstillen, aber ich will ihm natürlich keinesfalls schaden, indem ich ihn quasi an meiner Brust „verhungern“ lasse. Die 200 ml Beikost werden sogar von der WHO empfohlen und das erreichen wir nie im Leben. Könnte wirklich das viele Stillen (mit nicht ausreichend Milch) daran schuld sein, dass er so klein und dünn ist? Eine reduzierte Körperlänge lässt ja auf eine chronische Unterernährung schließen.
Ein gesundes gestilltes Kind verhungert nicht vorm vollen Teller. Wenn Muttermilch und feste Kost angeboten werden, und das Kind trotzdem nicht zunimmt, muss man nach Ursachen suchen, da das Kind möglicherweise nicht gesund ist. Grundsätzlich kann das Kind einfach auch von Natur aus klein und zart sein, aber eine zugrunde liegende Erkrankung muss natürlich ausgeschlossen sein.
Er isst deshalb tagsüber so wenig, weil er weiß, „dass er sich in der Nacht eh die Milch holen kann“.
Das wäre ein erstaunlich planvolles Vorgehen für einen Einjährigen... Und mit Lust hat das auch wenig zu tun. Natürlich ist Essen auch eine lustvolle Sache, aber Kinder haben nicht "keine Lust" zum essen. Essen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Ein Kind, das dauerhaft zu wenig isst, tut dies nicht aus Bocklosigkeit, sondern weil es ein, wie auch immer geartetes, Problem hat. Ich weiß, dass das relativ hart klingt, ich meine das auf keinen Fall als Vorwurf gegen Dich! Mir ist es aber wichtig, den Blickwinkel korrekt zu haben. Und dem Kind ist keinerlei Vorwurf zu machen und die Ursache sollte keinesfalls in "keine Lust" o.ä. gesehen werden. Dies wäre auf jeden Fall falsch.
Aber da man immer im Auge behalten müsse, ob es vielleicht doch ein Kalorienproblem ist, wurden wir noch zur Diätassistentin geschickt. Auf den Blutbefund warten wir noch, außerdem wird nächste Woche ein Ultraschall der Bauchregion gemacht werden.
Gut, dass vernünftige Diagnostik gemacht wird. Das ist in dieser Situation das Wichtigste, neben weiter stillen und Beikost anbieten, Diagnostik zu machen, um Erkrankungen auszuschließen oder festzustellen, die für die geringe Zunahme verantwortlich sein können.
Dies können verschiedenste Erkrankungen sein, wie Stoffwechselerkrankungen, hormonelle Störungen, Darmerkrankungen, Unverträglichkeiten usw.
Zu Euren Mahlzeiten:
Frühstück: meist einige Löffel Porridge und ein kleines Stück Butterbrot (meist kein großer Hunger)
Wie bereitest Du das zu? Kann man das Porridge noch mehr anreichern, zB durch Mandelmus?
Wenn es sich ausgeht gibt es einen Vormittagssnack (Haferbrei mit Banane und Öl oder Mandelmus). Davon werden wenige Löffel gegessen.
Manchmal fällt der Vormittagssnack auch aus, weil wir rausgehen und er danach gleich wieder einschläft.
Ausfallen lassen ist ungünstig. Gerade eine Banane oder ähnliches ist unterwegs ja meist auch möglich. Da könntet Ihr verstärkt drauf achten.
Mittagessen: Er darf vom Mittagstisch mitessen. Je nach Laune isst er mehr oder weniger, z.B. gestern eher mehr, ca. 2-3 Babyhände Spätzle mit einigen Löffelchen Pilzpüree. Manchmal isst er nur wenige Bissen. Wir versuchen, alles mit Öl anzureichern.
Nach dem Mittagessen wird nochmal gestillt, sobald er es verlangt.
Nachmittag: wenn es sich ausgeht, gibt es einen Snack, z.B. einige Löffel Banane mit saurer Sahne oder ein Stück Butterbrot
...
Abendessen: Er darf wieder bei uns mitessen, z.B. einige Bissen Fleisch, Gemüse, Reis, Nudeln etc.
Prinzipiell klingt das gut. Ausschließlich selbst essende Kinder in dem Alter nehmen aber nachweislich weniger Energie zu sich. Mein Vorschlag wäre, hier auf jeden Fall min. eine hochkalorische Breimahlzeit einzubauen. Tipps zu hochkalorischer Beikost findest Du hier:
viewtopic.php?p=5756005#p5756005.
Nun fällt mir noch eine Frage ein. Kennt jemand von euch Studien oder eine zuverlässige Quelle, die für das Stillen bei leichten Kindern sprechen?
Die WHO hat sich da reichlich zu geäußert. Einige Quellenangaben haben Dir die Userinnen vor mir schon gegeben. Die Frage ist, wieviel Energie Du in die "Fortbildung" der Diätassistentin stecken möchtest. Wenn die an Fortbildung interessiert wäre, hätte sie das von sich aus schon leisten können. Klar, sprich es an, verteidige Dich zur Not mit Studien, aber steck nicht zu viel Energie da rein, ich fürchte, das ist vergebens.
Wie groß und wie schwer bist Du? Und der Vater?
Zusammengefasst meine Empfehlungen:
1. weiter stillen
2. zusätzlich zum selbstessen am Familientisch hochkalorischen Brei anbieten
3. Diagnostik vorantreiben
4. keine Zwischenmahlzeiten ausfallen lassen