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Re: Mit zur Beerdigung?

Verfasst: 05.07.2019, 20:52
von chennai
Meine Kinder waren dieses oder letztes Jahr zum ersten Mal bewusst bei einer Beerdigung. Das war die Tante meines Mannes. Sie kannten sie nicht so wirklich, halt hin und wieder mal in einer großen Menge von Leuten gesehen, mehr nicht. V.a. die Große hat trotzdem geweint bei der Beerdigung, ich auch. Die Kleine war sehr still, also man hat schon auch gemerkt, dass es in ihr arbeitet. Ich denke, es war vor allem, dass sie sich in die Trauer der anderen einfühlen konnten. Andererseits war dann aber schon beim Leichenschmaus wieder alles OK. Mir war das gerade die richtige Dosis an Drama. Hört sich zwar bissel fies an, schließlich ist eine Beerdigung keine Übungsveranstaltung, aber mir war es tatsächlich lieber, dass sie das mal mitgemacht haben, ohne eben emotional voll drin zu hängen. Wenn das gleich einer der geliebten Großeltern gewesen wäre oder gar einer von uns, wären sie in dieser Situation auch noch von den Abläufen überrollt. Andererseits wird ihnen die Erinnerung an diese eine Beerdigung vielleicht auch nicht wirklich dabei helfen, sollte so ein emotionaler Trauerfall erst in 10 Jahren oder so eintreten. Und natürlich würde ich meine Kinder auch nicht 'zu Übungszwecken' zu einer Beerdigung verpflichten, wenn sie das nicht wollen.

Re: Mit zur Beerdigung?

Verfasst: 06.07.2019, 08:25
von 08u11
mayra hat geschrieben: 05.07.2019, 17:19 Meine erste Beerdigung mit emotionaler Beteiligung war die einer Klassenkameradin während der 11. Klasse... ich glaube schon, dass es mir geholfen hat, die Abläufe in- & auswendig zu kennen.
Ja, natürlich hilft es, die Rituale zu kennen. Allerdings: Beerdigungen sind in den letzten 20 Jahren wahnsinnig individualisisert worden - da gibt's nur noch sehr wenig Abläufe, die wirklich immer gleich sind. Ähm - eigentlich sogar gar keine mehr, abgesehen davon, dass irgendwie immer jemand tot ist. Aber sonst: Es gibt kirchliche (und die auch alle unterschiedlich) und welche mit freiem Redner, Beerdigungen mit Sarg und mit Urne und und und. Es gibt solche, da wird der Sarg wirklich versenkt, aber auch welche, da bleibt er oben stehen, ... .
Die Vorbereitung ist also immer nur theoretisch. Aber stimmt natürlich, alte Großtanten oder auch ministrieren sind für eine solche theoretische Vorbereitung aber ganz praktisch - tut mir leid, wenn das jetzt makaber klingt (war als Kind selbst oft ministrieren und habe auch beruflich viel mit Beerdigungen zu tun). Es gibt übrigens eine tolle Maus-Folge zum Thema Beerdigung.

Re: Mit zur Beerdigung?

Verfasst: 07.07.2019, 12:41
von Amber
Meine Kinder waren ab Säuglingsalter immer mit bei Beerdigungen im Familienkreis. Vorher drüber reden ist gaaaanz wichtig, die Sendung-mit-der-Maus-Folge kann ich auch empfehlen("der Körper vom Opa ist verbrannt worden und ihr seht nur die kleine Urne, worin seine Asche ist"). Und danach nachbesprechen. Für meine Kinder gehört so der Tod zum Leben dazu.

Re: Mit zur Beerdigung?

Verfasst: 07.07.2019, 12:42
von Amber
Noch etwas: ich habe mehrmals erlebt, dass die Anwesenheit von (kleinen) Kindern den nächsten Hinterbliebenen die Trauerfeier erleichtert. Das Leben geht weiter.

Re: Mit zur Beerdigung?

Verfasst: 08.07.2019, 22:55
von Erinnya
Amber hat geschrieben: 07.07.2019, 12:41 Meine Kinder waren ab Säuglingsalter immer mit bei Beerdigungen im Familienkreis. Vorher drüber reden ist gaaaanz wichtig, die Sendung-mit-der-Maus-Folge kann ich auch empfehlen("der Körper vom Opa ist verbrannt worden und ihr seht nur die kleine Urne, worin seine Asche ist"). Und danach nachbesprechen. Für meine Kinder gehört so der Tod zum Leben dazu.
Mein Beileid! Ich würde die Kinder nicht mitnehmen, vor allem, wenn sie nicht wollen. Beerdigungen nahestehender Personen kann man sowieso nicht üben (meine erste Beerdigung war die meines Vaters in frühen Teenagerjahren. War nicht schön, wäre aber auch nicht besser gewesen, wenn ich vorher schonmal auf einer Beerdigung gewesen wäre.)

Vom Checker Tobi gibt es auch den Leben und Sterben Check, der ist auch nicht ganz verkehrt.