Ich habe mir die Frage auch oft gestellt: Wieso haben wir, die wir total bindungsorientiert und Urvertrauens-fördernd mit unserem Kind umgehen so viele Probleme und andere Kinder schlafen mit xy Monaten durch und allein ein?!
Das Problem ist, es ein sehr komplexes Thema, Familien sind sehr unterschiedliche Beziehungsgefüge und dadurch sind Langzeit-Folgen auch schwer zu untersuchen und zu beurteilen.
Gründe können unterschiedlich aussehen, dass andere Kinder unrpoblematish ein und durchschlafen.
Zum einen ist Schlafen wie laufen und sprechen ein Reifungsprozess. Und tatsächlich: Wenn ich mein Kind mit den Superschläfern vergleiche, ist mein Schlechtschläfer bei anderen Gebieten früher dran. Die Entwicklungen sind unterschiedlich.
Zum anderen haben Kinder unterschiedlich stark das Bedürfnis nach Nähe, Stichwort High-Need-Child oder gefühlststarke Kinder.
Und es gibt unterschiedlicher Schlaftypen. Ich hab es hier schon öfter mal geschrieben: Auch viele Erwachsene schlafen nur mit Hörspiel ein oder brauchen im Gegenteil absolute Stille. Sicher zeigt sich das auch im Babyalter schon, das es manchen Babies "egaler" ist, ob sie ins Bett gelegt werden oder bei den Eltern sind.
Und es gibt sicher auch - aber hier wird es schwieriger - Kinder, die einfach spüren, dass es eh nichts nutzt, nach den Eltern zu rufen. Ob sie das "gelernt" haben, oder resiginiert sind oder ob das einfach im komplexen Zusammenspiel innerhalb der Familie so entstanden ist, darüber lässt sich nichts sagen.
Für diese ganzen Fälle gilt
Korrelation oder Kausalität: Ob bei manchen Kindern tatsächlich eine Methode wir ferbern zielführend war, oder sie einfach nur zeitgleich einen Entwicklungssprung beim Schlafen gemacht haben, ist rückblickend schwer zu urteilen.
Wieso Methoden wie ferbern funktionieren, haben hier ja schon andere gesagt. Und auch, dass sie langfristig nix bringen. Es gibt hier ja auch einen Thread zu Erfahrungen mit dem Schreien lassen und wer es aushält, kann ja mal ins reddit forum zum Ferbern schauen. Die sind alle pro ferbern, aber ein Großteil der Threads zeigt, dass mit jedem Entwicklungsschub, jeder äußerlichen Veränderung der ganze "Erfolg" wieder futsch sein kann und die Eltern sich dort Rat holen, wie sie von vorne anfangen können.
Mir hat eine Aussage von Nora Imlaus Blog geholfen, aus dem Grübeln herauszukommen:
Ja, es gibt sogar eine Studie, die einen positiven Effekt von Schlaftrainings auf die Mutter-Kind-Interaktion nachgewiesen hat.
Natürlich könnten wir uns jetzt hinstellen und sagen: Das glaube ich nicht. Und damit genau das tun, was viele Schlaftrainings-Kritiker den Befürwortern vorwerfen: Wissenschaftliche Erkenntnisse einfach zu ignorieren und stur weiter die eigene Überzeugung zu vertreten. Aus meiner Sicht ist das kein zielführender Weg. Stattdessen habe ich, als Mutter und Journalistin, im Gespräch mit Frau Kast-Zahn vor allem eins gelernt: Es gibt Themen, da führen uns wissenschaftliche Argumente nicht weiter. Weil es eigentlich um eine ethische Frage geht, und die lautet: Kann es okay sein, ein hilfloses, von mir zu 100 Prozent abhängiges Wesen weinen zu lassen, wenn ich ihm ganz leicht helfen könnte?
Hier der gesamte Blogeintrag:
https://www.nora-imlau.de/was-ich-von-a ... ernt-habe/
"Warum funktionieren traditionelle Methoden (z.B. ferbern)?" ist eine nicht beantwortbare Frage, da sie unheimliche viele Aspekte beinhaltet und aus meiner Sicht unlösbar ist, weil es unendlich viele Faktoren zu berücksichtigen gebe.
Die entscheidende Frage ist für mich: Warum verbieten sich für mich bestimmte Methoden, auch wenn sie auf den ersten Blick Erfolg versprechen?
Würde mir jemand versprechen, ich könne eine Bank ausrauben und Millionärin werden und hätte keine Strafe zu befürchten - ich würde es nicht tun. Denn es ist ethisch für mich nicht nicht vertretbar, andere zu bestehlen. Auch, wenn ich noch so gerne Millionärin wäre
