emmasmum hat geschrieben: 29.11.2017, 14:42
Hallo zusammen,
Ich bräuchte nochmal euren Rat. In der letzten Zeit waren die Schlafaktivitäten unserer Kleinen eher durchwachsen. Mal klappt es mit Einschlafstillen, meistens aber nur durch ewiges Gehopse auf dem Gymnastikball, Rückenbeschwerden inklusive. Ich habe jetzt schon öfter gelesen, dass man Babys ab 3 Monaten (unsere ist am Samstag 3 Monate alt) das alleine einschlafen beibringen könnte und auch sollte, da sie durchaus dazu in der Lage wären und die Einschlafunterstützung nicht dauerhaft erwarten dürften.
Was haltet ihr davon? Natürlich würde ich es toll finden, wenn sie mal allein einschlãft aber ich finde es auch schön, wenn sie mit mir ins Bett geht und an der Brust einschläft und nicht immer nur durch Papa's Gewippe. Da ich unsere Einschlafproblematik ja schon ausführlich geschildert habe, frage ich mich jetzt, ob ich mir die Mühe überhaupt machen soll, das alleine einschlafen "Training" überhaupt zu versuchen. Würde vermutlich eh so aussehen, dass sie entweder die ganze Zeit hellwach in ihrem Beistellbett liegt oder schreit...und das die ganze Nacht, dafür sind meine Nerven schon zu sehr strapaziert. Ich habe schon von vielen gehört, die das konsequent durchgezogen haben und es auch funktioniert hat...aber ob das bei ihr was bringt außer Theater..
Was du gelesen hast, ist halt die Theorie hinter den diversen Schlaftrainings. Die Meinungen dazu scheinen selbst in der Fachwelt stark auseinander zu gehen.
Dass es zumindest bei vielen (nicht allen) funktioniert, scheint unbestritten zu sein, die Frage ist wohl nach allem was ich so in Erfahrung bringen konnte, ob es für das Baby nun gut ist oder nicht. Die einen sagen, es lernt sich selbst zu beruhigen und erfährt dadurch Selbstwirksamkeit, die anderen erwidern, das Baby resigniere lediglich, sein Urvertrauen werde gestört und durch den Stress und die damit verbundene Hormonausschüttung nehme es auch körperlich Schaden.
Wir können die Babys schlecht fragen, wie sie es tatsächlich erleben. Und ich bezweifle, dass man zu dem Thema eine Studie mit wirklich hilfreichen Ergebnissen machen könnte.
Tatsache ist, dass sogar der berühmte Herr Ferber sagt, dass er zwar Schlaftraining empfielt, es allerdings nicht für zwingend notwendig hält. (Wenn ich nachher Zeit habe, verlinke ich dir vielleicht ein Interview mit ihm, ehrlich gesagt, schaffe ich das aber wahrscheinlich nicht. Google einfach "Ferber Interview", da kommen interessante Sachen.)
D.h. nicht mal der Profi der Pro-Seite sagt, dass wir unseren Kindern irgendwie schaden, wenn wir kein Schlaftraining machen.
So weit ich erkennen kann, ist das eine Sache, die wir für uns persönlich entscheiden können.
Ich habe mich, leider zum Unverständnis vieler Familienmitglieder und Bekannter, dagegen entschieden.
Erstens leuchtet mir die Theorie nicht ein. Wenn unsere Vorfahren ihre Babies alleine hätten schreien lassen, wären sie wohl eher erfroren und / oder vom Tiger gefressen worden als sich zu ganz toll selbstständigen Jägern zu entwickeln. Die Notwendigkeit des Alleine Schlafen Könnens scheint mir eine rein zivilisatorische zu sein, eine dieser Erziehungsmaßnahmen, die das Kind für die Umwelt / Eltern passender gestalten soll, statt ihm wirklich irgendwas Sinnvolles beizubringen.
Zweitens habe ich einen ungeheuer starken Instinkt, mein weinendes Baby zu halten und zu trösten. Diesen zu bekämpfen erscheint mir, solange mir keiner beweisen kann, dass es notwendig wäre, eine überflüssige Qual, sowohl für das Baby als auch mich selber.
Drittens litt ich selbst als Kind unter starken Ängsten und Albträumen. Ich weiß nicht, was im Kopf meines Babys vorgeht, aber solange ich nicht sicher sein kann, dass es nicht ähnliches erlebt, will ich es nicht schreien lassen.
Viertens kann mein Baby manchmal alleine wieder einschlafen, ohne dass ich irgendwas dafür getan habe. Ich konnte das schon ein paar Mal beobachten. Wenn er das also nicht tut, gehe ich davon aus, dass es ein Problem gibt - ihm ist kalt, er hat Hunger, er hat Angst, Schmerzen, was weiß ich. Ich halte schreien lassen nicht für eine angemessene Reaktion darauf.
Ich hab durchaus Verständnis für Eltern, die keine intensive Schlafbegleitung leisten können, sei es aufgrund ihrer Berufstätigkeit, Gesundheit, Geschwisterkindern, was auch immer. Da ist ein strukturiertes Schlafprogramm bestimmt besser, als einfach brüllen lassen oder sich total aufreiben. Aber ich persönlich bin in Elternzeit, fit und hab nur ein Kind. Ich kann mit diesen Weg leisten und gehe den jetzt.
Sorry, dass das so lang war. Ich hab mich nur in den Wochen, durch den Druck des Umfeldes bedingt, viel damit beschäftigt.