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Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 12:55
von Lösche Benutzer 9067
Ich finde es ehrlich gesagt schwer, eure Beiträge und den Ausgangspost zu lesen. Ich wurde 1983 ein paar Wochen gestillt (ungefähr sechs Wochen sagt meine Mutter), danach auf Fläschchen umgestellt. Das war für meine Mama total schwer, weil sie mich offenbar ganz gerne stillen wollte. Sie hatte aber "zuwenig Milch" und die Flaschennahrung habe ich aufgrund einer Gedeihstörung auch dringend gebraucht. Meine Mutter hat mit mir die letzten fünf Jahre diskutiert wie "traumatisiert" sie sich fühlt von der "Stillmafia" LLL und wieso ich unbedingt stillen müsse blablba. Wir haben längstens zusammen Gründe gesucht wieso sie zuwenig Milch hätte haben sollen, sie war dann nach einer Weile überzeugt es müsse wegen des Pfefferminztees sein, den sie damals (ich bin im August geboren) literweise getrunken habe. Wenn ich mir die Unterlagen aus der Klinik anschaue, tippe ich eher darauf dass ich von von Geburt an zugefüttert worden bin und vermutlich mit einer Saugverwirrung aus der Klinik entlassen wurde. Da hat wohl das eine das andere gegeben, und ich haben noch keinen guten Weg gefunden, mit dieser Trauer von meiner Mutter (die - das merke ich jetzt wo ich das schreibe - irgendwie auch meine geworden ist) umzugehen.

Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 13:04
von Lösche Benutzer 20900
Oh nein das ist ja echt eine blöde Situation meredith, tut mir Leid für deine Mutter und dich! :(

Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 13:16
von wompi
Ich weiss nur dass ich gestillt wurde, habe aber keine Ahnung wielange. Mein Vater hat schon manchmal bloede Kommentare gemacht, als ich unseren Mittleren mit 1.5 noch gestillt hab - aber das hat nicht wirklich was zu sagen, der erinnert sich glaube ich manchmal nicht mehr so richtig wie das bei den eigenen Kindern war ;)

Die Fuetterempfehlungen sind schon gruselig... ich hab die ersten Monate immer so ca. alle 2h gestillt bei unseren dreien - 4h Rhythmus waere mir zwar lieber gewesen, aber war nicht... Ich habe im Krankenhaus auch Muetter gesehen die auf die Uhr geschaut haben bevor sie dann entweder gestillt haben oder den Schnuller gegeben wenn das Baby weint. Jeder wie er meint, aber ich weiss wie ich mich fuehle wenn ich Hunger habe und es gibt nichts!

Ich finde das ist alles ein wunderbares Argument dafuer, dass man am besten mit dem eigenen Gefuehl geht. Wenn man die 'Empfehlungen' der letzten vierzig Jahre und dann auch noch ueber einige Laender hinweg anschaut gibt es soviele Widersprueche (und wenige gute Studien), da ist der beste Massstab einfach womit man sich am wohlsten fuehlt (und das Baby natuerlich!)

Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 13:31
von blauelagune
79 in der DDR geboren. Nicht gestillt. Nach Plan gefüttert. Allerdings musste meine Mutter gleich erstmal zum Notdienst. Sie hatte die Milch dicker gemacht, damit ich schneller zunehme, und ich habe es wieder ausgekotzt. Mehrfach. Und meine Oma war sauer, weil ich dabei ihr Lieblingskissen getroffen habe.

Im Krankenhaus war ich natürlich im Babyzimmer und habe durchgeschlafen. Brei gab es so früh wie möglich. Da ich nicht wollte, wurde er reingestopft.

Meine Mutter war beim ersten Enkelkind ehrlich entsetzt, dass die Babys bei den Müttern sind im Krankenhaus. Weil mein Baby mit 5 Tagen nicht durchgeschlafen hat, empfahl sie mir, ihm Baldrian zu geben.

Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 13:37
von PinkLady123
Ich wurde 88 geboren und meine Mutter konnte mich 2 Wochen stillen, dann bekam sie einen milchstau und ihr wurde daraufhin zum abstillen geraten. Im kkh gab es Zeitpläne von allen 4 Stunden stillen, nachts gar nicht, an den sie sich aber nicht gehalten hat (meine Oma sagte ihr, das sie nach bedarf stillen/füttern solle :)) (bei meiner Schwester, 2 Jahre nach mir im gleichen kkh geboren gab es dort immerhin Rooming-in). Aber ich bekam von Anfang an fencheltee (den gesüßten Instanttee) und bekam dann mit knapp 6 Monaten aufgeweichte Löffelbiscuits als erste beikost. Ich hatte pechschwarze Milchzähne, unter denen ich zu Schulzeiten sehr gelitten habe und bin seit der Pubertät deutlich übergewichtig (von den heißhungerattacken auf süßes ganz zu schweigen). Meine Schwester wurde nur ein paar Tage gestillt, weil sie wohl soviel geschlafen hat und meine Mutter mit Milcheinschuss einen milchstau und eine brustentzündung bekommen hat.

Mein Mann ist Jahrgang 84 und in seinem Babyfotoalbum sind die Ergebnisse der stillproben notiert, die seine Mutter ab seiner Geburt durchführen musste (und natürlich müsste dann zugefüttert werden). Er bekam mit knapp 3 Monaten Möhre oder schmelzflocken mit in die Flasche gemischt.

Weil ich es gerade in der Vorschau lese: ich war ein die ersten 3 Monate ein Schreibaby und bekam ebenfalls Baldrian, irgendwann sogar höher dosiert als angegeben (erzählt mein Vater heute noch lachend). Der Kinderarzt riet damals dazu, dass mein Vater mir "den hintern versohlt" und mich dann einfach im Zimmer schreien lässt. Na wenigstens haben sie sich für die Baldrian Variante entschieden... :roll:

Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 13:51
von Giraeffchen
Meine Schwiegermutter wurde nach KS nach knapp drei Wochen an einem Freitag Nachmittag entlassen. Damit sie wegen der Babynahrung nicht noch extra zur Apotheke musste, gab man ihr eine Tasche voller Pröbchen mit die reichen sollten. Samstag ging es dem Baby plötzlich schlecht. Die Pröbchen waren weit über MdH und das Baby musste alleine zurück ins KH, zur Überwachung. Sie durften es bringen und bekamen Tage später Bescheid, dass sie es wieder holen durften. Zwischendrin keine Besuche erlaubt, nur telefonische Nachfragen mit lapidaren Antworten.
Unvorstellbar heute. Und damals quasi normal.

~mobil~

Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 13:57
von Alanna
Unfassbar was ihr da erzählt. :(

Ich würde 79 geboren. Leider hatte ich eine Starke Gelbsucht, so daß ich stationär in die Kinderklinik musste. Da meine Mama noch in der Frauenklinik 15 km entfernt) war blieb mein Papa bei mir. Selbstverständlich rund um die Uhr.
Meine Mutter hat abgepumpt, und ich würde die 5/6 Tage im KKH mit Muttermilch aus dem Fläschchen gefüttert. Als wir dann zuhause waren hat meine Mama versucht mich wieder an die Brust zu bekommen, hat aber nicht geklappt. Mangelnde Unterstützung gepaart mit Saugverwirrung...
Gepumpt hat sie aber fast 6 Monate bis zur ersten Beikost. Ob es Tee oder Möhrensaft gab muss ich sie mal fragen.

Meine Geschwister sind 81 und 84 geboren und wurden von Anfang an voll gestillt auch bis Ca. 6 Monate. Mein Bruder länger - weil er keinen Brei wollte.
Im KKH war damals schon "Rooming in" üblich. Man könnte die Kinder nachts abgegeben, musste aber nicht und bekam die Kinder zum Stillen gebracht.

Bis aufs Familienbett waren meine Eltern ziemlich sutig.

Mein Papa hat sogar mal einem Bekannten Prügel und eine Anzeige beim Jugendamt angedroht weil der erzählte sie würden nachts ne Matratze vor die Kinderzimmertüre stellen damit das Geschrei nicht so laut wäre [emoji20].


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Kurz & knapp vom Handy

Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 14:10
von kyllikki
Bei all Euren Berichten wird einem ganz flau im Bauch. :cry: Wie unglaublich schade, dass mit so vielen Müttern und Babys so respektlos und unmenschlich umgegangen wurde. Als kleinen Lichtblick kann ich erzählen wie es bei mir damals gelaufen ist. Ich bin 1987 in Ost-Berlin geboren worden. Obwohl meine Mutter sich natürlich auch anhören musste, dass sie mit ihren kleinen Brüsten nicht stillen kann, hat sie es - dickköpfig wie sie ist - doch versucht. Im Krankenhaus ist sie die ganze Nacht über wach geblieben (zwei Wochen lang bis zur Entlassung!) um sich ins Säuglingszimmer zu schleichen, wenn sie mich hat schreien hören. Da hat sie mich dann heimlich im dunkeln auf dem Fußboden gestillt. Trotz der "zu kleinen" Brüste :wink: hatte sie mehr als genug Milch. Daher hat sie das Baby der Bettnachbarin, welches nicht genug zugenommen hat, noch mit gestillt hat. Nachdem meiner Mutter dann zuhause niemand mehr etwas verbieten konnte, hat sie mich 9 Monate voll gestillt und im Tragetuch durch die Gegend geschleppt. Als meine kleine Schwester 1993 zur Welt kam, war gerade das Rooming-In auf dem Vormarsch und sie musst glücklicherweise nicht mehr heimlich stillen.

Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 14:37
von EhMibima
Ich hab hier ein Buuh hier(eigentlich ein "gute Hausfrau"-Buch) aus den 50ern. Die Fütterungsempfehlungen ähneln denen aus den 80ern, wobei viel selbst gemacht wurde: Kondensmilch mit Zucker entspräche von den Nährstoffen her der Muttermilch. NATÜRLICH sei stillen das Beste und oberste Pflicht! Aber: man käme auf 5-7 Mahlzeiten am Tag(!) und das Baby dürfe nur 15min/Brust gestillt werden weil es sonst anfänge zu spielen.
Kann ja mal Bilder machen.

Re: Empfehlungen von 1980

Verfasst: 04.07.2016, 16:00
von Oxymoron
Echt, in den 50ern wurde das Stillen empfohlen? Fotos würden mich sehr interessieren!

Hatte neulich ein Gespräch mit meiner Oma, die ihre Kinder 1965 und 1968 bekommen hat. Ihr wurde vom Stillen abgeraten, Muttermilch sei rückständig und vollkommener Dreck. Das sitzt noch heute tief bei ihr.

Ich musste auch noch an meinen Mann, Bj. 1987, denken. Sein großer Bruder bekam wohl schon früh Fläschchen und ab dem 3. Monat auch Brei (eingeführt von den Schwestern während eines Aufenthalts im KH)... Mein Freund hingegen hat Fläschchen boykottiert und Brei vollkommen verweigert. Der wurde 11 Monate gestillt und hat ab 6 Monate BLW gemacht...