Ich habe zum Glück Renz-Polster und vor allem Gonzalez: "Mein Kind will nicht essen" gelesen, als die Große noch ein Baby war (und Brei komplett verweigert hat). Seither bin ich beim Thema essen entspannt. Ja, auch manchmal genervt, aber grundsätzlich entspannt. Vor allem, weil ich mich gut erinnere, wie ich selbst war. Ich habe auch nichts bis gar nichts gemocht. Einmal war ich krank, und hatte total Appetit auf gedünstete Karotten. Meine Mutter hat diese dann zum Mittagessen gemacht, und ich saß vor dem Teller, und fand schon den Gedanken an Karotten eklig. Meine Mutter hat mit mir geschimpft, aber ich habe die nicht runter gekriegt. Ja, ich hatte sie mir explizit gewünscht, und ja, als Essenszeit war, fand ich sie eklig. In späteren Jahren habe ich übrigens alles gegessen. (Und mit alles meine ich alles. Gehirn und Bratkartoffeln beim Schweineschlachten auf dem Dorf. Das Fett vom Eisbein. usw.)
Ich koche zu Hause meist doppelt. Einmal Nudeln mit Tomatensauce für die Kinder, weil die das immer essen. Das geht so schnell, dass ich es nicht als kochen betrachte, das läuft nebenher. Für uns koche ich nach Gusto. Das, was ICH gern mag. Oft scharf, exotisch, würzig... Dann stelle ich das Essen kommentarlos auf den Tisch, die Kinder schauen es sich an, und entscheiden dann, ob sie das Alternativessen wollen. Die Kinder dürfen gern sagen, dass es eklig AUSSIEHT. Dass es eklig SCHMECKT, können sie aber erst beurteilen, nachdem sie es gekostet haben

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Sehr oft haben wir die Situation, dass die Kinder ein paar Nudeln mit Tomatensauce essen, und dann neugierig DOCH unser Essen probieren und feststellen, dass Gräupcheneintopf oder gebratener Tofu oder oder oder ja DOCH lecker sind, und verdrücken dann noch eine gute Portion von unserem Essen. Wir sagen nichts dazu, essen einfach unser Essen mit Genuss, und die Neugier der Kinder kommt von allein. Oder die Kinder probieren als erstes unser Essen, stellen fest, dass es ihnen doch nicht schmeckt / zu scharf ist, und essen dann ihr Alternativessen.
Wir haben auch einige Gerichte, die allen schmecken: Blumenkohl mit Kartoffeln und weißer Sauce, Kartoffelpuffer mit Apfelmus, Crêpes, Gnocchi mit Spinatsauce, Würstchen mit Sauerkraut, diverse Spaghettigerichte. Eher überschaubar. Das koche ich auch ab und zu, dann ohne Alternative weil ist ja schon Kinderessen. Aber das koche ich nur, wenn und weil ich Bock drauf habe. Denn es kann eben doch passieren, dass es dann nicht gegessen wird. Und wenn ich das dann nur für die Kinder gekocht habe, und selbst gar nicht essen will, dann ärgere ich mich auch.
Dass Kinder in Betreuung mehr und "besser" essen, ist ein bekannter Effekt und hat nichts mit dem Essverhalten zu Hause zu tun @ Kinderpflegerin