Latascha hat geschrieben:Ich möchte hier mal von der anderen Seite berichten. Ich bin in einem vegetarischen Haushalt groß geworden, in dem nichts was ein Gesicht hat auf den Tisch kam, es ganz selten mal Frühstückseier gab.
Zu Hause gab es kein Wurstangebot, lediglich vegetarisch und auch unterwegs hab ich von meiner Mama NIE eine Wurst bekommen oder ähnliches. Im Kindergarten hatte ich auch immer das extra Essen und fand es ziemlich blöd. Bei Oma und Opa beim einkaufen ging es halt auch immer zum Metzger und irgendwann hab ich dort eine Wurst gesehen die ich uuuuunbedingt probieren wollte und hab sie auch bekommen. Lecker war sie, auch wenn mir danach etwas übel wurde. Den Ärger hinterher hab ich heute noch im Kopf. Übernachtungsbesuche bei Oma waren erst mal gestrichen und ich hab ein langes Aufklärungsgespräch über Tierhaltung etc. erhalten.
Ich fand es nur voll blöd, dass ich nicht das essen durfte wie die anderen Kinder auch. Tja, also hab ich alles heimlich probiert, teilweise im Kindergarten, teilweise bei Freunden und bin nur aufgeflogen, wenn mir schlecht wurde und es jemand bemerkt hat.
Den Zusammenhang aus den gequälten Tieren aus Berichten meiner Eltern und dem netten Metzger bei Oma und Opa hab ich nicht verstanden, ich fand es nur weiterhin blöd nicht einfach alles essen zu können/dürfen.
Was soll ich sagen?!? ICH finde es gaaaanz wichtig den Kindern seine Ideale vorzuleben, aber ihnen auch im Punkt essen eine gewisse Freiheit zu lassen.
Irgendwann kamen wir dann überein das ich unterwegs essen darf was ich will, aber für mich daheim keine Wurst/Fleisch gekauft wird.
Das war dann echt in Ordnung. Ab und an hab ich dann halt eine Bratwurstsemmel gegessen oder so, Fischstäbchen etc.
Groß viel Fleisch gegessen habe ich nie.
Vielen Dank für Deine Erfahrung, das ist eben ja genau das was ich nicht will, bestätigt mich!
Ich finde es utopisch durchzusetzen wenn der Papa zu Hause Fleisch isst. Wie wollt ihr das den Kindern bitte klar machen, dass IHR etwas besseres vorlebt als der Papa?
Bei uns ist das ganz klar. Der Papa isst Fleisch+Wurst nur auswärts (und da dürfen die Kinder ja auch) und wenn gegrillt wird, weisen wir immer darauf hin dass es aus guter tierhaltung stammt und keinesfalls was weggeschmissen werden sollte.
Das würde ich persönlich nicht machen. Immerhin akzeptiert ihr euren Partner ja auch so und nehmt hin, dass er Fleisch isst!
Aber der Mann hat bereits genug Verstand um zu VERSTEHEN was er isst und dass er einverstanden ist damit. Das haben die Kinder eben noch nicht. Genau wie Du schreibst, Du hast den Zusammenhang als Kind nicht verstanden. Wenn es jemand VERSTEHT und sich dafür entscheidet, habe ich überhaupt gar kein Problem damit.
Und Kindern solche Horrorreportagen zu zeigen find ich auch übel. Das geht in meinen Augen auch gar nicht!
Niemand hat hier geschrieben dass er das macht.
Geht doch lieber zum Metzger oder mal auf nen Bauernhof, wo sie den Zusammenhang Tiere und Fleisch begreifen können.
Wir waren auf einem Bauernhof als eine Kuh in das Schlachthaus reingeschoben wurde. Da bin ich schnell weggelaufen weil ich nicht wollte dass sie das mit ansehen müssen. Der Große (da war er 5) hatte es aber bereits entdeckt und mich gefragt was da passiert. Ich antwortete ihm dass die Kuh geschlachtet werden soll. Sie hat gebrüllt und sie mußten hinten übel schieben (wir waren bestimmt 100m weg!) und der Große sagte dann ganz oft ganz traurig "die Kuh will nicht getötet werden!" und war traurig. Am Tag drauf wars vergessen. Einen Zusammenhang hat er da nicht verstanden. Im Metzger ist er sehr oft, er holt zb oft brötchen bei uns beim Metzger morgens - bekommt da auch seine obligatorische Lyoner. Er versteht warum wir da keine Wurst kaufen (kein Bio) aber dass seine Lyoner ebenfalls aus der konventionellen Haltung stammt versteht er nicht.
Oder aber zum Jäger aus der Gegend. Da könnt ihr euch das doch mal ansehen und dann könnt ihr nochmal ansetzen, wieso ihr kein Fleisch essen wollt und es ablehnt.
Der JÄger war bereits 2 mal zu Besuch bei uns im Wald und hat den Kindern sehr toll und gut erklärt was ein Jäger tut und warum er es tut. Sie sehen den Jäger als nützlich an und finden es spannend.
Die Entscheidung bleibt letztlich aber den Kindern überlassen, irgendwann würden sie sich auch gegen ein Verbot auflehnen, oder nicht mehr nur abschrecken lassen. Wenn sie aber vom Grundsatz überzeugt sind, dann werden sie wie in allem anderen auch dem guten Beispiel der Eltern folgen.
Ich möchte ja auch dass sie vieles selbst entscheiden, genauso wie z.b. den Glauben oder andere Dinge. Aber ich finde es in dem Fall Fleisch einfach irre schwer weil da der Verstand noch nicht so weit ist (so wie beim Glaube auch, aber da hat es auf das aktuelle Leben keinerlei AUswirkung was sie glauben).
Teazer hat geschrieben:Ich bin davon überzeugt, dass Druck überhaupt nichts bringt.
Ich auch. Sonst hätte ich hier auch nicht nachgefragt was es für andere Möglichkeiten evtl. gibt.
Meine Kinder werden jedoch nicht in einer 100%-ig carnistischen Weltvorstellung aufwachsen. Man kann doch zu seinen veg. Werten selbstbewusst stehen ohne den Papa und alle anderen Fleischesser zu dämonisieren.
Zu unserer gesellschaftlichen Situation:
Wir haben das große Glück dass wirklich alle, also sagen wir mal 95% mit denen wir im engen Freundeskreis zu tun haben, entweder Vegetarier sind oder sehr achtsam mit Fleisch umgehen. Die restlichen 5% sehen wir nicht so häufig. Meine Eltern sind auch überhaupt gar kein Problem (haben selbst 10 Jahre vegetarisch gelebt, mein Papa sogar 5 Jahre fast vegan) - und die Schwiegereltern sehen wir zu selten, und wenn dann mischen sie sich nicht ein. Wir haben im Umfeld nur absolut positive Vorleb-Familien. Ausser eben Kindi-familien zu denen sie halt auch mal nach Hause gehen ...