Moin moin,
mir ist klar, dass das Problem von kleinen Kindern mit Bewegungsdrang im gefaehrlichen Gelaende nicht wirklich loesbar ist, aber trotzdem bitte ich alle, ueber die Sache mit dem Sichern am kurzen Seil gut nachzudenken und dabei folgendes zu beachten:
a) Wenn man das Seil in irgendeiner Weise an sich einbindet und selbst stuerzt, reisst man das Kind mit. Auf dem anfangs beschriebenen Gelaende (Weg am Bach mit Durchrutsch-Gelaender) ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Erwachsener durch's Gelaender kippt, wohl ausgesprochen gering! Aber im Gebirge, wo es neben dem Pfad runtergeht, kann man selbst auch mal umknicken oder Stolpern. Genauso wie bei der Durchquerung eines Bachs auf nassen Steinen.
b) Wenn man das Seil nicht festbindet (also auch nicht ums Handgelenk), kann man es im Zweifel auch nicht halten, es rutscht einem durch die Hand, wenn das Kind wirklich irgendwo runterkullert und Fahrt aufnimmt. Einfacher Test: Man nimmt so ein Sixpack mit 1.5l Wasserflaschen, die's in jedem Supermarkt gibt. 9 kg ~ Kind mit 2.5 Jahren. Man bindet da ein Seil drum, stellt das Pack an die Tischkante und nimmt das Seil so in die Hand, dass etwa 50 cm durchhaengen. Dann schubst man das Pack den Tisch hinunter. Wenn sich das Seil nach 50 cm Fall strafft, rutscht es einem garantiert durch die Hand (am besten zieht man bei diesem Test Lederhandschuhe an).
Man kann den Test auch mit Einbinden des Wasserpacks im Klettergurt machen, wenn man einen besitzt. Wenn man auf den Sturz vorbereitet ist und sich schon entsprechend hinstellt, wird man das Pack vermutlich mit der Huefte noch halten koennen. Wenn man sich umdreht und die Ohren zuhaelt und jemand anders das Pack irgendwann runterschubst, wird man vermutlich einen deutlichen Ausfallschritt Richtung Tisch machen, sobald es am Gurt reisst.
Bei 2 Packs (= 18 kg = 5jaehriges Kind) wird man an der Tischkante haengen und froh sein, wenn man sich die Huefte nicht gebrochen hat, also nein, eher nicht probieren
Im Gebirge, wo es neben dem Weg auch mal 45 Grad oder steiler abfallen kann, kann man ein Kind, das wirklich unerwartet abstuerzt, wohl nur in den allerwenigsten Faellen halten. Eher wird man selbst das Gleichgewicht verlieren. Wir haben derartige Sicherungen z.B. am Kofel und am Stangensteig gesehen, und da ist der Hang neben dem Pfad deutlich steiler. Ein Sturz eines Kinder haette da unter Garantie den Erwachsenen mitgerissen.
In weniger steilem Gelaende wie dem beschrieben Bach duerfte das Problem weniger gross sein. Es gilt aber immer zu schauen, wie steil der Sturz waere. In der Weissbachschlucht ist die Bachboeschung an manchen Stellen fast senkrecht und 3m tief. Das reicht, damit beide reinfallen.
Die Frage "was soll man denn sonst machen?" kann ich leider auch nicht beantworten. Wir haben das damals auch lang ueberlegt, hatten aber das Glueck, dass wir (zugegeben erst nach immer wieder wochenlangem Suchen) genuegend spannende Wanderungen finden konnten, in denen das Gelaende erstmal nicht so gefaehrlich war bzw. es nur kurze gefaehrliche Stellen gab. Dort kamen die Kinder dann fuer ein paar Meter an die Hand, ansonsten konnten sie kraxeliges Gehen z.B. im Bachbett an ungefaehrlichen Stellen ueben.
Auf die ersten ausgesetzten Pfade haben wir uns erst getraut, als die Kinder schon einiges an kraxeligen Wurzel- und Steinpfaden hinter sich hatten und daher schon entsprechende Trittfestigkeit aufwiesen. Und dann haben wir sie an den kurzen ausgesetzten Stellen an die Hand genommen (=> bei diesem direkten Kontakt merkt man direkt, wenn das Kind stolpert und reagiert schneller und vor allem sicherer, als wenn ein Ruck am Seil kommt) und sind ansonsten ganz dicht hinter ihnen geblieben. Das war die ersten Male ziemlich anstrengend fuer uns, aber wir hatten nahe der Alpen eine derartige Auswahl an Bergen, dass sich die Schwierigkeit ganz langsam steigern liess und die Kinder so nach und nach genuegend Sicherheit erworben haben.
Natuerlich hat nicht jeder diese Moeglichkeiten, die Kinder derart "gestuft" lernen zu lassen, und wenn ein 2 1/2jaehriges Kind an einem Wildbach lang will, muss man jetzt was tun, das ist schon klar. Und je nach Gelaende funktioniert da die Sicherung am Seil ja eventuell auch. Ich will das auch niemandem "verbieten", denn nur die Eltern selbst koennen ja ihre Kinder einschaetzen und ich hasse diese Leute, die einen anschauen und dann den Kopf schuetteln und vor sich hinmurmeln "Wie kann man das nur mit Kindern machen...".
Und damit das auch gleich klar ist: ich will hier nicht etwa Klimbim etwas vorwerfen! Ich kenne Dein Kind nicht, das Gelaende nicht, in dem ihr unterwegs seid, und weiss auch nicht, wie erfahren Du bist (zumindest ja wohl nicht ganz unerfahren, wenn ich das mit den Klettersteigen lese). Also bitte nicht falsch verstehen, dass ich hier behaupten wollte, Du seist unverantwortlich oder sowas! Das kannst nur Du fuer Dich und Deine Kinder beurteilen und niemand sonst (na gut, ein Bergfuehrer vielleicht

).
Ich wollte nur ein paar Denkanstoesse geben, damit sich niemand leichtsinnig einem falschen Sicherheitsgefuehl hingibt, nur weil er ein Seil in der Hand haelt, sondern sich vorher ueberlegt: Passt das Gelaende von der Steilheit her? Koennte ich selbst abstuerzen? Wie schwer ist mein Kind, koennte ich das wirklich halten? Was fuer andere Moeglichkeiten gaebe es vielleicht (z.B. mit Gummistiefeln oder Barfuss durch den Bach, wenn er nicht gar zu wild ist)?
In der Hoffnung, dass sich niemand auf den Schlips getreten fuehlt!
cu,
Frank