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Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 14:02
von greenie bird
ja, das nennt man nun Fortschritt...
ǝlıqoɯ ɯoɹɟ ʇuǝs
Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 14:08
von Gnom
Wahnisnn... ich dachte zuerst, dass wäre irgendeine witzige Persiflage und irgendwann kommt dann die Auflösung. Dass das real ist kam mir beim Lesen überhaupt nicht in den Sinn, so irrsinnig finde ich das.
Vor allem den Satz:
ihr habt Beraterinnen, wir NUR die Tradition.
Nur?! Tradition ist doch ein Geschenk und birgt so unendlich viele Schätze an Erfahrung und Wissen

Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 14:32
von inmediasres
Furchtbar. Aber ein bekanntes Problem, auch in Deutschland.
Vielleicht kannst du ihr ein paar Flyer der ABM (Association of Breastfeeding Mothers) besorgen. Dann sieht sie, dass es in England auch Leute gibt, die das anders sehen.
LG
Karin
Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 14:38
von chaosmami
Gnom hat geschrieben:Wahnisnn... ich dachte zuerst, dass wäre irgendeine witzige Persiflage und irgendwann kommt dann die Auflösung. Dass das real ist kam mir beim Lesen überhaupt nicht in den Sinn, so irrsinnig finde ich das.
Vor allem den Satz:
ihr habt Beraterinnen, wir NUR die Tradition.
Nur?! Tradition ist doch ein Geschenk und birgt so unendlich viele Schätze an Erfahrung und Wissen

SO ging/geht es mir auch
kann es gar nicht richtig glauben
Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 14:39
von greenie bird
Das "Problem" dabei ist ja aber scheinbar, dass es eben nicht so schnell auffällt...ich meine sogar fast, dass die Anpassung an unsere Gesellschaft(westl.) gar keinen artgerechten Umgang im Babyalter braucht. Natürlich können sich nicht geferberte, nicht frühzeitig abgestillte und sicher gebundene Kinder ebenso in diese Gesellschaft einfügen. Man formuliert ja auch selten die Ursachen für psychische Probleme lägen in dem Umgang der Eltern mit ihrem Kind in der Säuglingszeit. Ich bin auch keine Psyhologin und bin da vielleicht auch wagemutig, einen Zusammenhang zu sehen. Aber genau das, ist doch das Problem- ich kann keinen Eltern wirkliche Auswirkungen dieses Umgangs präsentieren- ich kann nicht belegen, dass es den Kindern "schadet" weil das schließlich immer Argument Nummer eins ist: es hat nicht geschadet...
Daher wird man eben belächelt, wenn man einen gewissen Aufwand betreibt um die Bedürfnisse seiner Kinder versucht zu befriedigen.
Noch besser ist es auch in diesen Ländern, dass man alle Medikamente rezeptfrei bekommt. Das führt dann manchmal dazu, dass schon Säuglinge als Mittel gegen Koliken Schlafmittel bekommen. Scheint dem Kind ja gut zu tun, es ist ja so ruhig und wer weiß schon was chloralhydrat ist...deshalb ersticken auch manche Kinder an der Brust und im FB.
ǝlıqoɯ ɯoɹɟ ʇuǝs
Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 16:04
von Bondolina
Meine Freundin lebt in England und ich habe sie letztes Jahr besucht. Dort hatte ich ein sehr positives Erlebnis:
Kind (damals 2 1/4 Jahre alt) bekommt im Supermarkt nen riesigen "Trotzanfall" (war auch müde und irgendwie mit allem überfordert) und kann sich gar nicht mehr beruhigen. Ich habe ihn auf eine Sitzgelegenheit im Kassenbereich geschleppt und gestillt, damit er sich beruhigt. Da kommt eine ca. 45-50jährige Frau auf mich zu und sagt zu mir: "How wonderful to see a young woman breastfeeding!"
Was ich ansonsten aus England mitgenommen habe:
- Durch das andere Gesundheitssystem sind die Schwangerschaftsvorsorgen sehr viel weniger technikbasiert als bei uns, es gibt viel weniger Ultraschall.
- Der Umgang mit den frei verkäuflichen Medikamenten und die Bereitschaft dem Kind diese zu verabreichen ist sehr viel lockerer als bei uns.
- In den Geschäften habe ich zu Hauf String-Tangas und Spitzenunterwäsche für kleine Mädchen gesehen...
Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 17:18
von miss_undercover
Falls mein Eingangspost missverständlich rübergekommen sein sollte: Ich wollte damit keinesfalls sagen, dass ALLE Eltern hier in England so denken oder dass hier für Bedürfnisorientierung kein Platz ist. Mich hat ganz konkret dieses Gespräch mit meiner Nachbarin hier nachhaltig beschäftigt und verstört, weil sie eben all das, was ich und viele andere sich teilweise gegen den erheblichen Widerstand unserer kulturellen Tradition wieder entdecken extra abgewöhnt hat um hier dazu zu gehören.
Von der Gesprächssituation war es ganz klar so, dass SIE MIR einen gut gemeinten Rat geben wollte. An Infos von mir hatte sie kein Interesse. Sie selbst will kein Baby mehr, für sie ist das Thema also durch. Ihr ging es auch nicht um einen Argumenteaustausch. Sie wollte mir als Neuling in England nur ihre Erfahrung weitergeben, dass man hier besser alles, was man von zu Hause kennt, über Bord wirft und das macht, was einem die Experten hier sagen (was sehr unterschiedlich zu sein scheint).
Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 20:53
von Nuala
Oh nein, das zu lesen tut mir irgendwie weh...

Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 21:03
von Schlingoline
sehr traurig zu lesen. Mich erinnert es irgendwie an die Baby Dokumentation, bei der ich , glaube gelesen zu haben, dass es den afrikanischen Müttern total unangenehm war, vor der westlichen Welt..
Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Verfasst: 19.06.2012, 21:16
von under30
Hallo,
die westliche Welt propagiert schon seit Jahrhunderten, dass sie alles besser weiß, kann, einfach fortschrittlicher ist als der Rest der Welt. Mittlerweile glaubt der Rest der Welt dies auch.
Traurig.
Theresa