dieses " du machst es dir zu leicht" ist ein argument, mit dem man in unserer gesellschaft gut für ein schlechtes gewissen sorgen kann. die deutsche mutter hat es bitteschön schwer und ertrage es stoisch. dann kann sie ihr geschlepptes kreuz hinterher ihren kindern mitgeben, die dann gesenkten hauptes und zutiefst dankbar, dass ihre mutter so vieles auf sich genommen hat, durchs leben gehen.
dein kind ist es zufrieden, es bekommt, was es braucht, dann ist es doch gut. wenn es deinem tragling nicht genug wäre, auf deinem rücken durch den tag geschaukelt zu werden, dann würde der das melden. es bekommt doch so vieles beim tragen: nähe, bewegung, geruch, wärme, geborgenheit, stimmen, licht, je nachdem, was euer alltag grad so zu bieten hat. das ist deutlich mehr als es in seinem bettchen im abgedunkelten schlafzimmer mit babyphone mitbekäme.
und du nimmst dein baby ja auch aus dem tuch heraus, wenn es andere bedürfnisse anmeldet und es muss nicht vor sich hinmeckern, damit es wahrgenommen wird, oder?
gerade die älteren leute sagen mir immer wieder gern, dass die zweiten, dritten, vierten.... kinder viel freier aufwachsen können, weil mutter nicht mehr so auf sie fixiert ist und sie nicht ununterbrochen bespaßt. ich glaube, dass es in ordnung ist, wenn man nicht kindzentriert lebt sondern die knirpse machen lässt.
wichtig finde ich, dass man achtsam mit ihnen umgeht. wenn man merkt, dass es ihnen nicht gut geht, oder dass sie etwas brauchen, das sie nicht bekommen, lenkt.
und ob man dabei nun vor dem bauch oder auf dem rücken tragen mag, kann doch jeder für sich am besten entscheiden. es ist eignetlich wirklich schade, wenn hier daraus eine grundsatzentscheidung gemacht wird.

wenn es sich nicht gut anfühlt, auf dem rücken zu tragen, weil man das gefühl hat, das baby braucht den blickkontakt und die direkte ansprache oder eben weil es sich vorn anders anfühlt als auf dem rücken, dann ist das so.

und wenn eine mutter findet, dass das baby auf dem rücken gut aufgehoben ist, weil es in fahrtrichtung stimuliert wird und was sehen kann und es so leichter geht, zu tragen, dann ist das auch so. und wenn man bisher fand, das baby wäre auf dem bauch am besten aufgehoben, und merkt plötzlich, dass sich das ändert, dann soll sie, wenn sie will, doch auch auf dem rücken tragen..
kind beobachten. nicht festlegen, dass dieses oder jenes "das beste" wäre und das dann durchziehen.
btw. hab ich mir das auch schon oft anhören müssen, dass ich es mir zu einfach mache.. das hat so einen beigeschmack von fernsehen, fastfood, abgammeln..
dass baby nachts so gut schläft, ist ja auch keine leistung, die man honorieren könnte, wenn ich dafür nicht kämpfen musste, weil ich es mir so einfach mache und das baby einfach bei mir schläft und stillt, wenns mag.
und dass das baby so zufrieden mit sich ist, ist auch keine leistung, weil ich es mir ja so einfach mache, ihm einfach immer das zu geben, was es braucht (was ja nichtmal bedeutet, dass ich ihm alles abnehme)
und dass er so genügsam und aufmerksam und zufrieden umherschaut ist ja auch, weil ich es mir so einfach mache, ihn einfach immer umherzutragen.
er bekomme ja gar keine "richtige" aufmerksamkeit..
(ich finde, dass er einfach ein zufriedener kerl ist, der gut kommuniziert, was er möchte und ich versuche, das wahrzunehmen ^^)