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Re: Zwillinge stillen - Milch reicht nicht

Verfasst: 11.09.2010, 00:11
von Carinha
Liebe Julia, liebe Blueberry,

herzlichen Dank für die rasche Rückmeldung!

Also zu unserem Start: Da ich "unsere" Hebamme und Freundin mit in die Klinik genommen habe und obwohl sie nicht mit in den OP durfte, haben sie und mein Mann gleich nach der Sectio darauf bestanden, dass unsere Babies zu mir in den Aufwachraum kommen dürfen, um angelegt zu werden. Also wurden sie ca. 1,5-2 Stunden nach der Geburt erfolgreich angelegt. Aber meine Milch ist nicht wie erwartet am 3. Tag reichlich gekommen und die 10% Grenze der Gewichtsverluste wurde bis auf 10 g erreicht. Geburtsgewichte waren 3080 und 3210. Nun hat das Klinikpersonal viel Druck gemacht, es sei nun Zeit, etwas dazu zu geben. Nach viel Weinen und telefonischer Rücksprache mit "meiner" Hebamme habe ich zugestimmt und mein Mann hat je ein Fläschchen (20-30 mL) in der 3. Nacht dazu gegeben. Danach wurde nach jedem Stillen etwas angeboten (30-40 ml).

Nach der Entlassung am 6. Tag haben wir die Gewichte Zuhause weiterhin täglich kontrolliert und festgestellt, dass sie wieder runter gingen (2840 und 2990). Isabel und Felipe mussten zunehmen, um kräftiger saugen zu können, deshalb haben wir Fläschchen nach dem Stillen immer angeboten. Am 15. Lebenstag wurden die Geburtsgewichte wieder erreicht. Dann haben wir 10 Tage später - als sie schon stärker waren und besser saugen konnten - mit dem BES statt Flasche angefangen. Ausnahme waren einzelne 1-2 Fläschchen in den Nächten, in denen ich aufgrund der Schmerzen nicht mehr Sitzen konnte. Hintergrund hierfür war: ich musste körperlich fit werden, damit ich das Stillen hätte durchziehen können. Zusätzlich hatte ich ca. 3 Mal am Tag abgepumpt, oder öfter, immer wenn ich noch die Kraft dazu hatte.

Mir ging es nach dem Kaiserschnitt sehr, sehr schlecht und ich hatte starke Schmerzen, auch lange noch nach der Entlassung. Noch in den 4. und 5. Wochen hatte ich nachts noch Schmerzen. Dadurch konnte ich das lange Sitzen zum Stillen nicht immer aushalten.

Um das Zufüttern zu reduzieren habe ich bisher "nur" versucht, die Mengen bzw. Häufigkeit mit BES zu reduzieren und öfter anzulegen, neben Abpumpen. Allerdings ist es vor allem gegen Ende des Tages (ab ca. 18 Uhr) nicht mehr möglich ganz ohne BES, weil sie frustriert saugen, zappeln und keine Milch kommt. Nach 2-3 Stunden Schlaf habe ich dann Nachts wieder die ausreichende Menge für die nächste Mahlzeit.

* Wie oft in 24 Stunden stillst Du?
8 bis 10 Mal
* Wie viele Milliliter fütterst Du in 24 Stunden ungefähr zu, pro Kind?
200-300 ml täglich pro Kind, hängt stark davon ab, wie wir sie "ohne" beruhigen können, bis ich wieder etwas Milch habe
* Wir oft in 24 Stunden fütterst Du zu? Nach jedem Stillen, oder manchmal auch nicht?
Vormittags kommen wir gut ohne durch und am späten Nachmittag kommen 2-3 BES dazu (je 100 mL), wobei es im Schnitt eher bei 300 mL insgesamt bleibt (ca. 150 ml täglich pro Kind). Also nicht nach jedem Stillen, nur manchmal (3-4 Mal in 24 Stunden) am späten Nachmittag.
* Wie war die bisherige Gewichtsentwicklung Deiner Babys? (bitte ALLE Daten aufschreiben):
Hier sind die wöchentlichen Daten:
Geburt 15.07: 3080 und 3210
1. Woche: 2880 und 3020
2. Woche: 3030 und 3180
3. Woche: 3300 und 3490
4. Woche: 3520 und 3730
5. Woche: 3840 und 3980
6. Woche: 4070 und 4240
7. Woche: 4320 und 4450
8. Woche: 4330 und 4510

* Hast Du ein gutes Stillbuch daheim?
Das Stillbuch von H. Lothrop
* Wie sind Deine Babys so? Schläfrige Murmeltiere, hastige Zappelkinderchen, wache Weltgucker? In welcher Schwangerschaftswoche kamen die beiden auf die Welt?
Sie sind sooo unterschiedlich :-) Isabel ist eher eine wache Weltguckerin und Felipe ein entspannter Murmeltier, das sich in den letzten Tagen zu einem willenstarken "Nimmersatt" entwickelt (hat ständig Hunger). Sie sind in SSW 38 per Sectio wegen BEL geholt worden.
* Hast Du schon mal versucht, beide gleichzeitig zu stillen? Klappt das Andocken auf Anhieb?
Ja, seit der Geburt werden sie gleichzeitig angelegt. Aber ich stille sie gerne auch nacheinander, weil ich besser auf jeden einzelnen eingehen kann. Das Andocken klappt super, sogar "im Flug", schon bevor sie richtig liegen sind sie fest angesaugt.

Dies beschreib doch bitte genauer - Du hast eine Woche lang nur 100-150ml pro Kind zugefüttert, anstatt 200-300ml, und nach dieser Woche haben beide Babys weniger gewogen als vorher?!?
Richtig, während der letzten Woche haben sie 10-20 g verloren, obwohl der Durchschnitt positiv blieb (hatten in den Wochen davor immer Gewichtszunahme > 200 g).

Ich trinke so viel, weil ich dachte, so sollte es sein - und nun bin ich diszipliniert und ziehe die Wassermengen durch. Bei jedem Stillen trinke ich locker 500 mL stilles Wasser, dazu noch Tee, 1-2 Gläser Malzbier und 1-2 Tassen Milch mit Caro. Nein, ich habe nicht jedes Mal so viel Durst. Aber warum kann sich das viele Trinken negativ auswirken? Im Milchbildungstee ist auch Brennnessel (wirkt nicht entwässernd?)...

Was ich aber wirklich nicht mehr aushalten kann, ist der ständige Eindruck, dass meine lieben Schätze wegen Hunger ständig weinen müssen und nicht zufrieden und friedlich einige Stunden am Stück ruhig und lächelnd sein können. Das ständige Stillen-und-Beruhigen-und-bis-zur-nächsten-Mahlzeit-Aushalten, wenn einige Tropfen Muttermilch wieder zur Verfügung stehen, das macht mich fertig.

Ich hoffe, Ihr habt eine Hilfestellung und ich freue mich auf Eure Antwort.
Viele Grüße

Re: Zwillinge stillen - Milch reicht nicht

Verfasst: 11.09.2010, 10:41
von joso
Nur zum Mutmachen - das fachliche überlasse ich mal jusl & co ;-)

Meine kamen knappe sechs Wochen zu früh, waren Trinkschwach und haben enormen Gewichtsverlust egehabt. von 2220g ist die Kleine auf knapp 2kg gefallen (2040g oder noch ein bischen weniger - bei uns galt, sie dürfen nicht unter die 2kg fallen) Meine Kinder haben lange gebraucht um ihr Geburtsgewicht wieder zu erreichen - un das komplette vollstillen hat auch ein bischen auf sich warten lassen, dafür aber haben wir das dann hinten dran gehängt ;-)

Wünsche Dir Kraft und Ausdauer! Und herzlichen Glückwunsch zum Doppelpack!!

Re: Zwillinge stillen - Milch reicht nicht

Verfasst: 11.09.2010, 11:13
von jusl
Hallo Carinha,

ich geh mal der Reihe nach:
Mir ging es nach dem Kaiserschnitt sehr, sehr schlecht und ich hatte starke Schmerzen, auch lange noch nach der Entlassung. Noch in den 4. und 5. Wochen hatte ich nachts noch Schmerzen. Dadurch konnte ich das lange Sitzen zum Stillen nicht immer aushalten.
Hier vermute ich den wesentlichen Grund dafür, wieso Ihr wegen des späten initialen Milcheinschusses ("IME") praktisch von Anfang an zufüttern musstest. Starke Schmerzen verzögern den IME nachweislich, ebenso können Schmerzen im Laufe der weiteren Stillzeit einen ausbleibenden oder verspätet einsetzenden Milchspendereflex ("MSR") verursachen. Deshalb ist nach Kaiserschnitt/Geburtsverletzungen eine ausreichend intensive Schmerztherapie bei der Mutter absolut angezeigt, sowohl im Frühwochenbett, als auch später noch, wenn noch Bedarf da sein sollte. Der Grund dafür liegt wenig überraschenderweise in der Hormonen: Wenn Schmerz- und Stresshormone den Körper fluten, wird weniger Prolaktin und Ocytocin ausgeschüttet (diese Hormone sind für die Milchbildung und für die Milchabgabe verantwortlich). Unter so starken Schmerzen gelingt es vielen Müttern nicht einmal, genug Milch für EIN Baby zu bilden, aus wie gesagt, rein hormonellen Gründen. Um so toller, dass Du das geschafft hast!
* Wie oft in 24 Stunden stillst Du?
8 bis 10 Mal
Das ist schon mal gut - vielleicht kannst Du noch einen Tic öfter anbieten, denn Du willst ja Deine Milchmenge noch etwas steigern. Junge Babys trinken durchschnittlich mind. 8-12 Mal. Es wäre also gut, wenn jedes Baby mind. 10-12 Mal in 24 Stunden trinken könnte. Beim gleichzeitigen Stillen wird mehr Prolaktin ausgeschüttet als beim nacheinander Stillen, also 12x im Tandem ist "besser" als 24 mal einzeln. Vermutlich wird sich im Alltag eine Mischung aus gleichzeitigem und einzelnem Stillen ergeben - und das ist auch bestens.
Beachte den wichtigen Stillgrundsatz: "Die Nachfrage bestimmt das Angebot." Wenn Du häufiger stillst, bildest Du mehr Milch (vorausgesetzt natürlich, körperlich ist bei Dir alles in Ordnung, und es gibt keinerlei Grund, dies nicht anzunehmen!..). Häufiger - nicht länger! In der Praxis könnte das so aussehen, dass Du spätestens nach 2 Stunden BEIDEN Babys im Tandem eine Stillrunde anbietest (wenn einer nun gerade superfest schläft oder mal aus anderen Gründen keine Lust hat, ist das gar kein Problem, dann stillst Du eben EINZELN)
* Wir oft in 24 Stunden fütterst Du zu? Nach jedem Stillen, oder manchmal auch nicht?
Vormittags kommen wir gut ohne durch und am späten Nachmittag kommen 2-3 BES dazu (je 100 mL), wobei es im Schnitt eher bei 300 mL insgesamt bleibt (ca. 150 ml täglich pro Kind). Also nicht nach jedem Stillen, nur manchmal (3-4 Mal in 24 Stunden) am späten Nachmittag.
Das ist schon mal sehr gut! 150ml Zufüttermenge ist "wenig genug", so dass man sagen kann: Eure Chancen auf VOLLES Stillen sind wirklich sehr gut. Ein Faustregel sagt, dass man (bei EINEM Baby) das Füttern dann einstellen kann (und stattdessen entsprechend häufiger stillen), wenn nur noch einmal täglich zugefüttert wird und/oder die tägliche Zufüttermenge unter 100ml liegt. Da seid Ihr ja schon kurz davor.
Hier sind die wöchentlichen Daten:
Geburt 15.07: 3080 und 3210
1. Woche: 2880 und 3020
2. Woche: 3030 und 3180
3. Woche: 3300 und 3490
4. Woche: 3520 und 3730
5. Woche: 3840 und 3980
6. Woche: 4070 und 4240
7. Woche: 4320 und 4450
8. Woche: 4330 und 4510
:D Erlaube mir an dieser Stelle ein freudig-fröhliches Grinsen. :D Also zunächst folgende allgemeine Informationen zum Thema Gewichtszunahme:

Die normale, durchschnittliche Gewichtszunahme pro Woche beträgt von 0-3 Monate: etwa 115-225 g, 4-6 Monate: etwa 85-140 g, 6-12 Monate 45-85 g.
Die Betonung liegt dabei auf "durchschnittlich" - denn Gewichtszunahme findet ebenso wie das Längenwachstum meist in Schüben statt: zwei Wochen NIX und in der nächsten Woche 300 g zugenommen ist der NORMAL-Fall.
Deine Babys haben jeweils über 200g durchschnittliche, wöchentliche Gewichtszunahme. Bis letzte Woche betrug dieser Wert noch rund 240(!) g. Das ist sehr sehr viel - und damit ist auch völlig klar, dass es jetzt in der kommenden Zeit eine Menge Wochen geben dürfte, in denen Deine Babys deutlich weniger oder auch mal gar nix zunehmen werden. (Denn würden sie weiterhin so zunehmen wie bislang, wiegen sie an ihrem zweiten Geburtstag soviel wie meine Tochter, die gerade in die dritte Klasse gekommen ist (und dort zu den größten Kindern gehört) ;-))
Richtig, während der letzten Woche haben sie 10-20 g verloren,
Nein. Wenn die Waage diese Woche 20 g weniger anzeigt als letzte Woche, dann kann man daraus NICHT den Schluss ziehen, sie hätten abgenommen. Allein eine große Windelportion kann gut und gerne 200g ausmachen, muss also als methodische Wägeungenauigkeit ersteinmal berücksichtigt werden! Auch wenn die Waage 20g weniger anzeigte, ist es absolut möglich, dass Deine Kinder zugenommen haben. Korrektes Wiegen ist die eine Sache (und methodisch und praktisch eine Kunst für sich!), die Interpretation(!) solcher Gewichtsdaten ist dann aber NOCHMAL eine Kunst für sich. Dafür unbedingt notwendig ist ein MEHRWÖCHIGER Beobachtungszeitraum, sonst kann man nämlich keinen aussagekräftigen Durchschnitt bilden ;-). Und aus dem gleichen Grund ist unter normalen Umständen auch die Aussage "Mein Baby hat in der letzten Woche 30 g abgenommen!" oder "Es hat 50 g zugenommen!" quasi bedeutungsfrei, denn EINE Woche ist als Zeitraum einfach zu kurz. 30 g ist oft weniger(!) als die tatsächliche Wägegenauigkeit einer Waage. (Für extreme Frühchen, die mit 800g im Brutkasten liegen, gelten selbstverständlich noch mal andere Werte, andere Toleranzen. Aber für gesunde reifgeborene Kinder, die abgesehen davon auch noch derart überdurchschnittlich kräftig zunehmen, ist eine EINZELNE Woche, so lange dort nicht irgendwas heftig Einschneidendes wie Salmonelleninfektion oder sowas vorgefallen ist, wirklich vollkommen bedeutungslos.)
Ja, seit der Geburt werden sie gleichzeitig angelegt. Aber ich stille sie gerne auch nacheinander, weil ich besser auf jeden einzelnen eingehen kann. Das Andocken klappt super, sogar "im Flug", schon bevor sie richtig liegen sind sie fest angesaugt.
Das ist super. Es gibt dementsprechend also keinerlei Hinweis auf Saugprobleme bei Deinen Babys. Kein Therapiebedarf, wunderbar, sondern lediglich etwas Milchmengesteigerung. (darüber freut sich dann jede Stillberaterin ;-))
Ich trinke so viel, weil ich dachte, so sollte es sein. Nein, ich habe nicht jedes Mal so viel Durst. Aber warum kann sich das viele Trinken negativ auswirken?
Regelmäßiges Trinken ÜBER den tatsächlich vorhandenen Flüssigkeitsbedarf kann die Milchmenge tatsächlich verringern, Stichwort "Antidiuretisches Hormon". Der Körper wird mit den Wassermassen dann kaum fertig und "entwässert". Dehalb: nur soviel trinken wie Du gerne möchtest. Wenn Du sehr wasserhaltig isst (viel Obst, Gemüse, Salat, Suppen), sinkt der Trink-Bedarf entsprechend weiter. Ich persönlich esse sehr gerne frisch, und auch in der Vollstillzeit mit meinen Zwillingen hab ich dementsprechend selten mehr als einen Liter täglich getrunken (ohne jedes Zeichen von Dehydrierung und ohne jegliche Milchmengeprobleme), meistens tagsüber gar nix (wenn ich "Durst" hatte, aß(!) ich ne Gurke/Apfel/Melone/Erdbeeren...allein schon um auf meine Vitamine und Kalorien zu kommen), und abends auf der Couch dann eine Kanne Lieblingstee ;-)).
Informationen zu "Stilltee" und Bockshornkleesamen (nicht Bockshornklee! ;-)) findest Du hier.
Was ich aber wirklich nicht mehr aushalten kann, ist der ständige Eindruck, dass meine lieben Schätze wegen Hunger ständig weinen müssen und nicht zufrieden und friedlich einige Stunden am Stück ruhig und lächelnd sein können. Das ständige Stillen-und-Beruhigen-und-bis-zur-nächsten-Mahlzeit-Aushalten, wenn einige Tropfen Muttermilch wieder zur Verfügung stehen, das macht mich fertig.
Wichtig erscheinen mir hier zwei Punkte:
1. Das Verhalten der Babys. Unzufriedenheit und Quengeligkeit kann mit Hunger zusammenhängen, muss aber natürlich nicht! Es gibt eine Menge Babys, die stillen absolut problemlos, deren Mütter haben Milch ohne Ende, aber sie sind leider niemals "friedlich einige Stunden am Stück ruhig und lächelnd".
2. Die Brust ist keine Flasche, die sich zwischen zwei Stillmahlzeiten erst wieder auffüllen muss, bis wieder genug Milch da ist für die nächste Runde. Der Hauptteil der Milch wird immer WÄHREND DES STILLENS gebildet. Das ist, neben dem zentralen Satz "Die Nachfrage bestimmt das Angebot", der Still-Grundsatz Nr.1. Ob die Milch auch "herauskommt" steht sozusagen noch mal auf einem anderen Blatt - heraus kommt die Milch nur über den MSR. Bleibt dieser aus, ist zwar viel Milch da, aber das Baby kommt nicht dran. Das zügige Auslösen des MSR lässt sich begünstigen: ruhige Kinder (nicht erst anlegen wenn eins oder gar beide weinen!), bequeme Stillposition, absolute Schmerzfreiheit, das Wissen(!) das genug Milch für die Kinder da ist - das sind die wesentlichen Voraussetzungen. Und dann kannst Du auch ruhig eine halbe Stunde nach dem letzten Stillen WIEDER stillen - es wird in der Tat genug Milch da sein.

Ich hoffe, diese ersten Hinweise waren hilfreich für Dich - Rückfragen immer gerne.

LG,
Julia

Re: Zwillinge stillen - Milch reicht nicht

Verfasst: 12.09.2010, 21:54
von Carinha
Liebe Joso,
Danke für die mutmachenden Worte!
joso hat geschrieben:das komplette vollstillen hat auch ein bischen auf sich warten lassen, dafür aber haben wir das dann hinten dran gehängt ;-)
Aber wie lange hat das Vollstillen auf sich warten lassen?
Unsere 8 Wochen kommen mir schon soooo lange vor! In den letzten Nächten, in denen ich versuche die zusätzliche Milch ganz weg zu lassen, stille ich fast stündlich, wenn ein Baby gerade fertig ist, wacht das andere Baby auf... Ich würde sehr gerne wieder (irgendwann) 3-4 Stunden am Stück schlafen. Oder ist das wirklich nicht realistisch?

Viele Grüße!

Re: Zwillinge stillen - Milch reicht nicht

Verfasst: 12.09.2010, 23:08
von Carinha
Liebe Julia,

mir sind einige Beobachtungen aufgefallen, die ich gerne mit Dir /Euch teilen möchte:

1. Trotz des "erfolgreichen" Andockens kann ich keine Aussage über das Trinkverhalten machen, oder? Sie schlafen oft beim Stillen ein, wachen nach einigen (5-15) Minuten auf und merken, dass sie nicht genug getrunken und Hunger haben. Letzteres ist meine Interpretation, weil sie weinen und beim erneuten Anlegen ruhig sind. Dabei könnte das erneute Anlegen auch "nur" als Beruhigung sein. Und so ziehen sich die Still-Runden durch... Ich kann auch nicht eindeutig das "laute" Schlucken identifizieren, obwohl die Halsbewegungen da sind. Auch denke ich, dass sie das Saugen aufgeben und einschlafen, weil wenig Milch rauskommt.

Seit gestern habe ich verhärtete Stellen an der Brust, erst nur rechts und seit dem Nachmittag auch auf der linken Seite. Milchstau??? Wie kann ich einen Milchstau haben, wenn ich zu wenig Milch habe?

2. Häufiger - nicht länger!
jusl hat geschrieben:"Die Nachfrage bestimmt das Angebot." Wenn Du häufiger stillst, bildest Du mehr Milch (vorausgesetzt natürlich, körperlich ist bei Dir alles in Ordnung, und es gibt keinerlei Grund, dies nicht anzunehmen!..). Häufiger - nicht länger! In der Praxis könnte das so aussehen, dass Du spätestens nach 2 Stunden BEIDEN Babys im Tandem eine Stillrunde anbietest (wenn einer nun gerade superfest schläft oder mal aus anderen Gründen keine Lust hat, ist das gar kein Problem, dann stillst Du eben EINZELN)
*
Ops, dann habe ich ein Problem entdeckt: Weil ich den Eindruck habe, sie bekommen nicht genug Milch, lege ich sie immer wieder an, und lasse sie dann längere Zeiten dran... Im Tandem-Stillen 20, 30, 45 Minuten, bis sie sich von sich lösen oder eben einschlafen. Dann bis zur nächsten Still-Runde. Und so arbeiten wir uns durch den Tag durch, bis es gegen späten Nachmittag (17-18 Uhr) nicht mehr ohne Kunstmilch geht.

3. Gewichte: Wir wiegen sie täglich und ich beobachte die Gewichtsentwicklung in einer schönen, steigenden Kurve aus Sternchen und Herzchen :-)
Für die Übersicht hatte ich allerdings nur die Gewichte an den Stichtagen aufgelistet. Ich denke schon, dass in der 7. Woche - in der ich die Kunstmilch deutlich reduziert habe - eine Stagnierung zu erkennen ist.

Zur 6. und 7. Woche sind diese die einzelnen Werte:
6. Woche: 4240 4320 4320 4340 4420 4470 4450
"Reduzierung" der Kunstmilch in der 7. Woche:
4450 4390 4450 4400 4490 4500 4510

und
6. Woche: 4070 4050 4140 4100 4140 4190 4240
"Reduzierung" der Kunstmilch in der 7. Woche:
4320 4230 4280 4200 4200 4260 4330

Trotzdem ist Deine Aussage eindeutig: Die Gewichtszunahme von durchschnittlich 240 g wäre ja nicht so weiter gegangen... Aber wie lange ist eine Stagnierung "erlaubt"? Anders gefragt: Wie viele Wochen kann ich die Kunstmilch noch reduzieren und eine Stagnierung der Gewichtsentwicklung in Kauf nehmen?

4. Stillen während der Nacht: Ist es so, dass Babies längere Schlafzeiten in der Nacht einlegen, wenn sie satt gestillt sind? Werden meine Babies so häufig in der Nacht noch wach, weil sie noch nicht genug bekommen? Ich würde mich sehr auf das baldige Einpendeln eines Rythmus freuen...

Und nochmals DANKE für weitere Anregungen!
Viele Grüße

Re: Zwillinge stillen - Milch reicht nicht

Verfasst: 13.09.2010, 13:14
von zwieback
Carinha hat geschrieben: Aber wie lange hat das Vollstillen auf sich warten lassen?
Unsere 8 Wochen kommen mir schon soooo lange vor! In den letzten Nächten, in denen ich versuche die zusätzliche Milch ganz weg zu lassen, stille ich fast stündlich, wenn ein Baby gerade fertig ist, wacht das andere Baby auf... Ich würde sehr gerne wieder (irgendwann) 3-4 Stunden am Stück schlafen. Oder ist das wirklich nicht realistisch?

Viele Grüße!
Hi ich finde es super das du so kämpfst und noch nicht aufgegeben hast.

(wochen sind die normele Wochenbett Zeit.
Eigentlich sagt man das es diese zeit braucht bis Mutter und Kind und Milch sich auf einander eingespielt haben. Aber da geht man von gesunden kinder, von einem Baby und ohne zufüttern aus.

Auch vollgestillte einlinge stillen nachts stündlich.
einige sogar noch wenn sie schon 1 oder 2 jahre sind.

Ich weiß es ist schwer, und schlafmangel macht es nicht leichter.

setzt dich nicht zu sehr unter druck.
bei zwei kinder ist es sicherlich noch anstrengender als bei einem.
aber eben auch mit einem kind kann es zu 24std dauer stillen kommen über längere zeit.

kannst du es dir gemütlich machen, mit beiden kindern auf der ausgezogenen couch oder im schlafzimmer. mit ein paar schönen bücher, musik oder ein paar filmen?
lass dich von freundinne, tanten, oma verwandten. bekochen. versuch einfach mit den kinder zu schalfen wenn sie es auch tun.

wenn ich richtig gesehen habe habt ihr keine größeren Kinder.
lass den haushalt haushalt sein
oder bitte jemand anderen dir mal ne maschine wäsche zu waschen
etwas einzukaufen oder eben etwas essen vorbei zu bringen.

damit du mit den babys einfach kuschel und stillen könnt was das zeuch hält.

ich weiß das in den muslimischen kulturen das so im koran steht.
sobald mutter und kind zu hause sind dürfen sie 40tage nicht besucht werden.
die tanten habe nix anderes zu tun als die mutter zu verwöhnen und dafür zu sorgen das sie sich in ruhe ums baby und das stillen kümmern kann.

alles liebe
ihr seid super

Re: Zwillinge stillen - Milch reicht nicht

Verfasst: 13.09.2010, 13:27
von jusl
Und noch mal der Reihe nach :D :
1. Trotz des "erfolgreichen" Andockens kann ich keine Aussage über das Trinkverhalten machen, oder? Sie schlafen oft beim Stillen ein, wachen nach einigen (5-15) Minuten auf und merken, dass sie nicht genug getrunken und Hunger haben. Letzteres ist meine Interpretation, weil sie weinen und beim erneuten Anlegen ruhig sind. Dabei könnte das erneute Anlegen auch "nur" als Beruhigung sein. Und so ziehen sich die Still-Runden durch... Ich kann auch nicht eindeutig das "laute" Schlucken identifizieren, obwohl die Halsbewegungen da sind. Auch denke ich, dass sie das Saugen aufgeben und einschlafen, weil wenig Milch rauskommt.
Grundsätzlich hast Du Recht - vom korrekten Andocken allein kann man noch nicht 100% sicher auf eine korrekte Stilltechnik schließen, allerdings: die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein korrekt angelegtes Baby auch korrekt stillt, ist sehr hoch (einfach weil es mit Zunge, Kiefer usw. in diesem Zustand kaum etwas anderes machen kann ;-)).
Bei Euch gibt es einen überzeugenden Hinweis dafür, dass Deine Babys auch korrekt und effektiv saugen: und zwar ihre bombige Gewichtszunahme, bei nur geringer Zufüttermenge. Würden sie falsch/ineffektiv/erfolglos saugen, dann hättest Du sehr wahrscheinlich Schmerzen beim Stillen und müsstest außerdem ERHEBBLICH mehr zufüttern.
Sie schlafen oft beim Stillen ein, wachen nach einigen (5-15) Minuten auf und merken, dass sie nicht genug getrunken und Hunger haben. Letzteres ist meine Interpretation, weil sie weinen und beim erneuten Anlegen ruhig sind.
Es könnte aber auch gut sein, dass sie einfach sehr gerne saugen beim Schlafen. Diese Vorliebe teilen sie mit unzähligen Babys, und das Verhalten als solches ist keinesfalls als sicherer Hinweis auf Hunger zu werten.

3. Gewichte: Wir wiegen sie täglich und ich beobachte die Gewichtsentwicklung in einer schönen, steigenden Kurve aus Sternchen und Herzchen :-)
Für die Übersicht hatte ich allerdings nur die Gewichte an den Stichtagen aufgelistet. Ich denke schon, dass in der 7. Woche - in der ich die Kunstmilch deutlich reduziert habe - eine Stagnierung zu erkennen ist.
Sicher, in der letzten Woche haben sie deutlich weniger zugenommen. Aber einen ursächlichen(!) Zusammenhang zwischen dem Gewichtsverlauf und der verringerten Zufüttermenge halt ich für sehr unwahrscheinlich. Ich kann auch begründen wieso ;-):
Deine Babys trinken täglich jeweils etwa 800 ml Milch (ungefähr 2/3 aller Stillbabys trinken in dem Alter täglich zwischen 600 und 950 ml, knapp 800 ist der Mittelwert). Du fütterst ca 150ml (etwa 20% der gesamten Trinkmenge) davon zu, vor der Verringerung der Zufüttermenge waren es ca 250ml (etwa 30% der gesamten Trinkmenge). Das bedeutet, dass Deine Babys im "schlechtesten" Falle (nämlich wenn Du Deine Milchmenge leider GAR NICHT im Zuge der verringerten Zufüttermenge erhöhen konntest) nur ca 10% weniger Milch erhalten haben als sonst. Dieser geringe Unterschied verursacht GANZ SICHER KEINEN dramatischen Einknick in der Gewichtskurve oder gar einen Gewichtsverlust. Vielmehr liegen Trinkmengenschwankungen von 10% im Bereich des absolut normal-Alltäglichen.

Abgesehen davon: es gibt gar keinen Grund anzunehmen, dass der "schlechteste" Fall, also dass Du Deine Milchproduktion gar nicht hast erhöhen können, bei Euch eingetreten ist, im Gegenteil.
Anders gefragt: Wie viele Wochen kann ich[...] eine Stagnierung der Gewichtsentwicklung in Kauf nehmen?
Dies kann man nicht allgemein beantworten. Wenn ein Baby innerhalb einer Woche 2 cm wächst, oder anfängt zu robben, zu krabbeln oder zu laufen, dann nimmt es häufig gar nichts zu - sämtliche Energie wird für Wachstums- oder neue Bewegungsprozesse eingesetzt.
In der Phase, in der eine Familie vom Teilstillen zurück zum Vollstillen findet, ist eine Gewichtskontrolle ratsam, und zwar EINMAL WÖCHENTLICH. Manche Mütter fühlen sich mit häufigem Wiegen sicherer. Die Erfahrung zeigt aber, dass viele Mütter mit häufigerem Wiegen, z.B. täglich oder sogar mehrmals täglich, sowohl in der Durchführung als auch mit den "psycho-mäßigen" Auswirkungen nicht so gut zurechtkommen. Zahlen gaukeln oft eine Genauigkeit vor, die real gar nicht da ist. Wenn das Kind am Montag 10 g mehr hatte als am Sonntag, und am Dienstag 40 g mehr, dann war der Montag "ein schlechter Tag". Da kann die Gewichtszunahme von Sonntag zu nächstem Sonntag völlig unauffällig sein, der Montag war "schlecht". In solche logischen Fallen tappt man sehr leicht, und dann kann das häufige Wiegen faktisch mehr schaden als nützen. Um medizinisch aussagekräftige Daten zu bekommen (so dass man sinnvolle Aussagen über das Gedeihen der Kinder machen kann), ist das Wiegen EINMAL WÖCHENTLICH ausreichend.
Wie viele Wochen kann ich die Kunstmilch noch reduzieren
Hier ist eine konkretere Aussage möglich: Du kannst einfach erstmal so weitermachen wie bisher, also täglich ca 150 ml pro Kind zufüttern. Ab nächster Woche (oder zu einem sonstigen gewünschten Zeitpunkt) verringerst Du die Zufüttermenge weiter, z.B. auf maximal 120ml pro Kind. Eine Woche später auf maximal 100ml pro Kind und wieder eine Woche später auf maximal 50ml. Einige Tage danach kannst Du das Zufüttern dann ganz sein lassen - VORAUSGESETZT: die Gewichtszunahme Deiner Babys war die ganze Zeit über UNAUFFÄLLIG. Und dass mal eine Woche gar keine Zunahme dabei ist, ist in der Tat völlig unauffällig - auch problemlos vollgestillte und künstliche ernährte Babys zeigen sehr oft dieses Zunahmeverhalten.

4. Stillen während der Nacht: Ist es so, dass Babies längere Schlafzeiten in der Nacht einlegen, wenn sie satt gestillt sind?
Nein, da gibt es keinen zwingenden ursächlichen Zusammenhang. Hunger ist nur einer von vielen Gründen für Babys, nachts häufig aufzuwachen. Nähebedürfnis, Wärmebedürfnis, generell leichter Schlaf - Babys und Kleinkinder(!) wachen in der Regel nachts mehrmals auf, das ist völlig normal.
Werden meine Babies so häufig in der Nacht noch wach, weil sie noch nicht genug bekommen?
Das ist unwahrscheinlich. Nachts ist der Prolaktinspiegel am höchsten (möglicherweise ein Grund dafür, warum Stillkinder offenbar sehr gerne nachts trinken - das REICHLICHE Angebot ;-)), es ist also bestimmt mehr als genug Milch "da".
Ich würde mich sehr auf das baldige Einpendeln eines Rythmus freuen...
:wink: Ja, wer nicht... :wink: aber realistische Erwartungen können vor Enttäuschungen bewahren, von daher: wie gesagt, Babys und Kleinkinder wachen nachts mehrmals auf normalerweise. Und mindestens so lange wie sie nicht die Uhr lesen können, sind ihnen Uhrzeiten dabei ziemlich egal... ich kann Dich - insb. Dich als Zwillingsmutter - da nur ermutigen, es Dir mit Deinen Mäusen nachts so bequem wie möglich zu machen, so dass Du die kommen Monate/Jahre diesen Zustand als Dauerzustand gut hinnehmen kannst. Nimm Deine Babys mit ins Bett (dabei auf sichere Schlafumgebung achten!), eins rechts, eins links, und wenn sich eins regt, dann drehst Du Dich hin und stillst. Ich fand es übrigens immer gut, wenn meine Kinder NICHT gleichzeitig aufwachten, denn einzelnes Stillen fand ich im Liegen schon deutlich bequemer als Tandem im Liegen, oder gar Hinsetzen :shock: :lol: (nee, lieber im Liegen und dabei selbst weiterschlafen!..). Oft hat das ganz gut geklappt; eins war gerade fertig und schlief weiter, während das andere sich schon muckste... mich schnell zu anderen Seite gedreht und weiter gestillt. Unsere Nächte waren sehr weitgehend durchaus ruhig auf diese Weise. ;-)

LG,
Julia