Hallo Leute,
auch auf die Gefahr hin, gesteinigt zu werden, möchte ich nun auch hierzu mal meinen Senf dazugeben. Vorab: Mein kleiner Sohn ist sieben Monate, wird nach Bedarf gestillt, schläft im Familienbett, wird einschlafbegleitet und auch sonst erfülle ich jedes seiner Bedürfnisse nach Möglichkeit sofort.
Trotzdem beschleicht mich, wenn ich solche Berichte lese, in einigen Fällen irgendwie ein ungutes Gefühl. Natürlich sollen Kinder nur dann schlafen, wenn sie wirklich müde sind. Natürlich sollen wir als Eltern ihnen keine Entscheidungen, die einfach nur uns in den Kram passen, aufzwingen. Kinder brauchen Bedürfniserfüllung, brauchen es, ernst und wahrgenommen zu werden, in ihren Gefühlen gespiegelt zu werden...usw.
Aber - und jetzt kommt mein ungutes Gefühl zu Wort - ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder AUCH Grenzen brauchen. Und mit GRenzen meine ich folgendes: Verantwortungsvolle Erwachsene, die wahrnehmen, was für das Kind jetzt "dran" ist (nämlich z.B. ins Bett zu gehen, weil es alle Anzeichen von Müdigkeit zeigt) und dies im Sinne des Kindes auch umsetzen - also in diesem Falle das Kind zu Bett bringen bzw. anderweitig alles dafür tun, um eine für den Schlaf förderliche Umgebung für das KInd zu schaffen. Und in einer solchen Situation werden ganz sicher dann einige Kinder eventuell zunächst protestieren, da sie nicht aufhören wollen, am wachen Leben der Familie teilzunehmen. Logisch. Aber genau dann, finde ich, greift das Verantwortungsbewusstsein der Eltern. Ich bin überzeugt davon, dass es Kinder sehr oft überfordert, wenn sie ganz alleine irgendwelche Entscheidungen treffen müssen. Sie sind einfach noch klein und bedürfen unserer Fürsorge - dazu gehört auch, FÜR das KInd Entscheidungen zu treffen. Das Kind kann die Konsequenzen seiner Entscheidung in vielen Fällen noch nicht absehen. Wir schon. Es tut einem Kind gut, das glaube ich ganz fest, wenn die Eltern ihm die Sicherheit und Geborgenheit von "Ich bestimme einige Dinge einfach für Dich, weil ich deine Mama bin und spüre, was du brauchst" geben. Es entlastet sie. Ein Kind, das alle Möglichkeiten offen hat, ist total überfordert und garantiert nicht wirklich glücklich.
Ich selber hatte eine Mutter, die mich überfordert hat. Wenn ich geweint habe oder wütend war, hat sie mich gefragt: "Was sollen wir jetzt machen?" Glaubt mir, ich hätte mir soooo gewünscht, sie hätte mich fest in den Arm genommen und gesagt: "Wir tun jetzt das und das. Punkt." Es hätte mir ein Gefühl von Sicherheit und Fallenlassen gegeben. Das habe ich oft vermisst.
Und noch ein Vorschlag im Bericht hat mir nicht so gut gefallen: Dass Eltern und Kind zur gleichen Zeit ins Bett gehen, finde ich nicht so passend. Begleiten, gern. Aber Kinder haben einfach noch ein größeres Schlafbedürfnis. Außerdem finde ich aber doch, dass die Abende der Paarbeziehung sehr gut tun können. Einem Kind seine bedürfnisse zu erfüllen, heißt ja nicht, die eigenen zu untergraben. Ich finde, ab einem gewissen Alter des Kindes gehören auch Kompromisse dazu - eben auch von seiten des Kindes. Ein Vierjähriger versteht durchaus, dass es auch Dinge gibt, die Mama oder Papa brauchen und weswegen er ab und an mal ein bisschen zurückstecken muss. Daran ist nichts Schlimmes, im Gegenteil.
Das Wichtigste ist meiner Meinung nach: Die Gefühle der Kinder ernst nehmen. Wenn sie das spüren, dann fällt es ihnen auch nicht so schwer, wenn nicht immer und sofort ihrem Gefühl entsprechend reagiert wird. Versteht ihr, was ich meine?
Ich hoffe, das war jetzt nicht zu verwirrend.
Liebe Grüße,
Mascha.