Erst einmal Glückwunsch an alle Verlobten und So-gut-wie-Verlobten.
Ich komme mal wieder erst auf Zuruf rein.

Ich wüsste aber auch momentan nicht wirklich, was ich schreiben soll...
Seit meinem letzten Post ist mein Kinderwunsch irgendwie abgeflaut. Nicht, dass er weg ist, aber ich spüre diesen Druck nicht mehr. Eigentlich ist das was gutes, ich kann mich endlich auf mein restliches Leben konzentrieren und bin mit meinem aktuellen Leben ganz glücklich aber andererseits fühle ich mich fast schon vom KiWu "verlassen". o.O
Eine meiner besten Freundinnen, die mich immer in den ganz schlimmen Zeiten auffängt, hat mal lachend gesagt, Großer Bär und ich würden sie an eine Seifenoper erinnern. Immer wenn grade in einem Aspekt Ruhe oder Klarheit eingekehrt ist, kommt das nächste Drama.

Nun, ganz klassisch den Spannungsbogen haltend, nachdem ich ihm jahrelang in den Ohren gelegen hab und er mit einem Hibbelbeginn-Datum rausgerückt ist fange ich nun an, alles in Frage zu stellen. Ich habe jetzt einen Monat Praktikum in der Gefäßchirurgie hinter mir und habe es geliebt wie sonstwas. Gleichzeitig musste ich aber morgens früh aus dem Haus (Dienstbeginn 7:30 Uhr) und kam spät nach Hause (oft gegen 18 Uhr) und war dann einfach nur noch fertig. Welch Wohltat, da auf dem Sofa zu liegen und sich um nichts kümmern zu müssen! Und viele der tollen OPs, bei denen ich sehr viel assistieren durfte waren zum einen spät und gingen zum anderen unberechenbar lang... was, wenn ich um 16 Uhr abtreten hätte müssen, um zu TaMu/KiTa/KiGa zu kommen? Sowas ist mir in derselben Abteilung vor ca. einem Jahr mit Babysitten passiert; ich habe bei einer großen OP die erste Assistenz bekommen (etwas, worum so mancher Assistenzarzt bettelt) und musste lange vor Ende raus zum Babysitten. Sehr frustrierend!
Dazu kommen finanzielle Überlegungen: Wenn ich mit dem Kind nur ein Jahr warte macht das einen riesigen Unterschied von -- so ich es richtig verstehe -- 300€ Elterngeld auf der einen Seite und (sehr grob überschlagsweise gerechnet) 1000 - 1300€ Elterngeld plus Mutterschaftsgeld auf der anderen Seite... das ist ein
gewaltiger Unterschied!
Andererseits... dann bin ich ja wieder ein Jahr später dran. Und eigentlich möchte ich nicht die klassische Arbeitnehmerin sein, die einen Vertrag unterschreibt und ein paar Monate später *hups* schwanger ist. Zumal ich abgesehen von der Elternzeit auch schwanger viele Dinge nicht machen kann.

Und was ist, wenn ich dann, wenn ich arbeite, feststelle, dass noch ein Jahr warten ja eigentlich noch besser ist. Naja, und das Jahr danach auch noch schnell... Wie so etwas endet ist hinlänglich bekannt.
Dazu kommt immernoch, dass ich mich mit meinem Freund einfach wenig über die Zukunft unterhalten kann. Von ihm kommt *nichts* an Rumspinnerei, "stell dir vor, wenn..." oder ähnlichem und immer wenn ich so etwas anschneide muss ich befürchten, ihn unter Druck zu setzen und eine mehr oder weniger rüde Abfuhr zu kassieren. Zumal ich ja momentan (also für genau jetzt) *wirklich* nicht schwanger werden möchte und somit keine Gefahr für ihn besteht.
Wir haben ein befreundetes Pärchen, J und M. Auf wundersame Weise ähneln wir Mädels uns und die Jungs sich untereinander in vielen Persönlichkeitsdingen extrem. Wir machen auch viele gedankliche Entwicklungen ziemlich parallel durch. Die beiden haben nun zwar völlig unterschiedliche Lebenshintergründe und -grundlagen als wir, unterhalten sich aber momentan auch über Kinderwunsch. Aus finanziellen und persönlichen Gründen ist ein Kind für sie erst in zwei, drei Jahren vorstellbar. Und trotzdem sprechen die beiden in einer Offenheit und Freude miteinander über dieses Thema, dass ich manchmal (völlig zu Unrecht natürlich) heimlich ein wenig grün vor Neid werde. Vor allem M, der Mann, kommt wohl immer wieder mit so Sprüchen raus.
Vor ein paar Tagen habe ich übrigens mit jener J einen Film gesehen, "Ein Freudiges Ereignis". Hat den eine von euch schon gesehen? Wenn ja, was meint ihr dazu? Wir fanden den beide super interessant, er hat das Thema Kinderkriegen und vor allem die Änderungen im Leben, Status und Körperempfinden der Mutter sehr balanciert wiedergegeben.
Wobei ich vom letzten Drittel nicht so begeistert war. Aber absolute Empfehlung an euch!
Anrudo hat geschrieben:
@Menschenkind
Ich wollte dir einfach nur mal meine Situation schildern, da ich in einer ähnlichen Problematik steckte wie du

Ich habe unseren großen Sohn damals vor dem PJ bekommen (ein halbes Jahr ausgesetzt) und obwohl es nicht immer einfach war, konnte ich das PJ normal absolvieren, allerdings nur mit einer super Krippe in der Hinterhand. Durch die Schwangerschaft konnte ich auch meine Doktorarbeit vor dem PJ fertigstellen. Mitten im PJ hat sich dann erneut Kinderwunsch bei uns eingestellt und wir haben lange überlegt ob wir warten bis ich arbeite ect... Aber eigentlich wollte ich keinen großen Abstand zwischen den Kindern. Naja und dann haben wir doch probiert, leider erstmal ohne Erfolg. Als ich mich dann damit arrangiert hatte erstmal nach dem Examen mit Arbeiten zu beginnen hat es doch noch geklappt. Ich habe mein Staatsexamen schwanger absolviert (bei mündlicher 19. SSW) und dann die freie Zeit danach genossen. Anfang diesen Jahres habe ich mich schwanger beworben und dann in der 37. SSW Vorstellungsgespräch gehabt. War alles ganz unkompliziert, es wurde auch sehr positiv aufgenommen das ich mich schwanger beworben habe und genau wusste wie ich dann alles gestalten möchte. Ich habe die Stelle bekommen (allerdings keine Uni) und fange im Januar an mit arbeiten. Mein Mann nimmt noch 3 Monate Elternzeit für die Kleine so das sie nicht "allzu früh" in die Krippe muss. Wie du wollte ich auch keinen langen Freiraum zwischen Examen und Arbeit und denke es ist so eine gute Lösung. Wenn ich zwar die Maus anschaue wird mir jetzt schon das Herz etwas schwer wenn ich an Januar denke, aber ich denke das bekommen wir zusammen gut hin

Ich habe aber erstmal den Kompromiss geschlossen nur 80% zu arbeiten um für meine Kinder mehr Zeit zu haben. Und auch das war überhaupt kein Problem beim Vorstellungsgespräch. Mein zukünftiger Chef hat selber einen kleinen Nachzügler und ist sehr positiv auf Kinderplanung eingestellt. Ich wünsche dir das du später auch soviel Glück hast!
Auf jeden Fall wollte ich dich nur ermutigen das es immer eine Lösung gibt und wenn ihr beide gut zusammen arbeitet auch ein Kind beim Berufsstart kein probem darstellt! Egal wann es bei euch soweit sein sollte ihr bekommt das bestimmt super hin und du machst dir die entsprechende Situation dann schon für dich so gut wie es eben geht

Hallo Anja! Vielen Dank für deinen Bericht, so etwas ist natürlich willkommen! Ich habe deine Zeilen sehr gerne gelesen, es ist eine Inspiration und vor allem der letzte Satz ein Mutzuspruch, ganz besonders jetzt. Entschuldige bitte, dass ich so lange brauche, dir zu antworten.
Feuerkind hat geschrieben:Habt ihr denn schon einen Termin Menschenkind? Und was für eine Location wollt ihr?
Ja, wir werden am 12.7. heiraten. Das ist gar nicht mehr soooo lange hin.

Zum Glück ist oben genannte J im Marketing bzw. in der Werbung in der Ausbildung und meine offizielle Weddingplanerin.

Wenn einer organisieren und dekorieren kann, dann sie. <3
Als Location haben wir ein sogenanntes "Schloss", es ist eher ein Schlösschen oder ein Landhaus, aber total schön im Grünen gelegen. Unser Fotograf ist auch schon gesichert. *freu* Ich muss sagen, so stressig wie es ist, die Hochzeitsvorbereitung macht auch richtig Spaß!

Wie macht das eigentlich ihr "Kleinheirater"? (Sorry, finde grade kein besseres Wort

) Wie viel Planung geht in sowas hinein? Wie viel Geld? Und werdet ihr groß nachfeiern? Ich kann mir das schlecht vorstellen, mir persönlich würde ohne große Feier mit der ganzen Familie und vielen Freunden ja schrecklich was fehlen.
Louet, wie geht es deiner schwangeren Freundin? Und Feuerkind, ich lese immer wieder hier und da von deiner Arbeit, das klingt alles total toll! Beruflich tragen zu können ist natürlich ein Träumchen. Ich schleiche grade auf Ebay und in der KK um so einige Tücher herum... auch, wenn ich sie noch nicht brauche... aber haben... will...
