Pelufer hat geschrieben:
Obst in Rohform wird nicht gegessen, weil mag ich nicht.
Kuchen geht genau einer. Marmorkuchen. Vollkornbrot ist ihhhhh eklig. Rohes Gemüse? Ihhhhh. Was geht sind trockene Nudeln, Marmorkochen Toast mit Mortadella oder Marmelade und Fruchtzwerge. Das wird auch in die Schule mitgegeben, weil das Mittagessen mag sie da ja auch nicht. Und jetzt kommt sicher irgendwer, der mir erklären kann, dass diese kleine Siebenjährige Prinzessin sich irgendwann einmal gesund ernähren wird, weil das automatisch kommt. Dazu sollte man wissen, die Kleine ust grad mal 1,10 m mit 17kg. Immer die Kleinste immer die Zarteste. Die Eltern unterstützen das Verhalten und werden teilweise richtig biestig wenn nochmal die Nachfrage kommt, ob sie nicht doch probieren mag.
Ehrlich? Da zwinge ich mein Kind doch lieber zwei Stunden am Tag auf Süßigkeiten zu verzichten und wenigstens zu probieren, als hinterher so ein einseitig ernährtes Kind zu haben.
Und ja, da bin ich gerne die böse Mama die ihr Kind zwingt und ihre Macht missbraucht.
Meine spontanen Gedanken dazu waren die:
Ich würde, ehrlich gesagt, als Eltern auch biestig, wenn jemand von außen in eine offensichtlich bestehende und allgemein bekannte Konfliktsituation eingreift und wegen des Probierens nachfragen würde. Gerade bei so sensiblen Themen empfinde ich Einmischung von außen echt als übergriffig.
Suchen die Eltern denn diesbezüglich Input und Kontakt von außen? Oder werden sie mit 'guten Tipps' quasi ungebeten überrannt?
Was mir aber wichtig wäre, wäre mein Kind betroffen: Ich würde nach der Ursache suchen. Es gibt ja irgendwelche Gründe, aus denen das Kind so viele bestimmte Sachen ablehnt, wie du sie aufzählst.
Vielleicht hat es eine orale Überempfindlichkeit und kann die Körner im Vollkornbrot im Mund einfach nicht ertragen? Vielleicht hat es einen schwachen Muskeltonus und empfindet das Kauen von rohem Obst als übermäßig anstrengend? Vielleicht hat es mit bestimmten Lebensmitteln schlechte Erfahrungen gemacht, hat z.B. nach einem bestimmten Essen einen Virus erwischt und erbrochen und ekelt sich nun aus diesem Grund davor. Gibt es Unverträglichkeiten? Manche Kinder lehnen schon unbewusst bestimmte Lebensmittel ab, die sie nicht vertragen und leider sind oft gesunde Lebensmittel allergener als ungesunde. Und natürlich kann es auch um (unbewusste) Konflikte gehen. Da ist es aber auch die Aufgabe des Erwachsenen zu schauen, ob es irgendwo die Möglichkeit zum Einhaken gibt. Und dafür wiederum ist gute Reflektion notwendig. Es gibt soviele Gründe, die ursächlich sein können, oftmals auch mehrere, die sich vermischen.
Ist da denn mal geschaut worden bei dem Kind?
Die Suche nach den Ursachen würde helfen, das Problem eventuell lösen zu können. Reiner Machtmissbrauch, wie du es schreibst, übt eben doch nur Druck und Zwang aus und definiert das Kind als klein und den Erwachsenen als übermächtig.
Verstehst du, ich kann das auch nur aus meiner Sicht, aus meiner Warte schreiben. Anhand eigener Erfahrungen und anhand derer, die mein Großer und ich zusammen gemacht haben.
Mein Großer hat die oben erwähnten Überempfindlichkeit und Unverträglichkeiten und ein Zwang zu bestimmten Lebensmitteln hätte das Problem ja nicht beheben können. Ihm hat es gut getan, dass ich ihm zugestehen konnte, dass bestimmte Sachen für ihn einfach nicht gehen. Als er älter wurde, konnte er sogar formulieren, dass er bei Lebensmittel xy den Geschmack mag, aber die Konsistenz kaum aushalten kann.
Und wie oft habe ich mir angehört er sei verzogen, man müsse ihn mal zwingen, wir seien ja selber schuld mit unserer laxen Haltung.
Was dazu geführt hat, dass ich mir Einmischung strikt verbeten habe.
Ich kann mir vorstellen, dass es in abgeschwächter Form vielen Menschen so geht, viele haben hier ja auch berichtet von Sachen, die sie schlicht nicht runterkriegen.
Hast du Sorge, dass sich dein Sohn ähnlich entwickeln könnte wie das Mädchen, über das du schreibst?