Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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Larala
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Larala »

eumel hat geschrieben:Ich habe tatsächlich vorher etwas gelesen und kann empfehlen "Mehrsprachige Kinder" von Nodari. Das hat mir sehr viel gebracht in Hinblick auf das, was wir bei unseren Kindern eigentlich erwarten können, in unserer eigenen Situation ist es schwierig, da die zweite Sprache eigentlich nur über den Vater, der auch noch Vollzeit arbeitet, an die Kinder heran getragen wird.
Dass sie daher viel Passivverständnis und sehr wenig aktive Sprache haben, und warum es sich trotzdem unbedingt lohnt, es zu versuchen.

Und es gab einige Kapitel zu "was tun, wenn Probleme auftreten". Fand ich wirklich sehr gut.
Danke für die Empfehlung. Gerade die praktische Seite und was tun, wenn Probleme auftreten finde ich spannend.
mit der Ritterin vom "Ni" 5/17
nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

eumel hat geschrieben:Ich habe tatsächlich vorher etwas gelesen und kann empfehlen "Mehrsprachige Kinder" von Nodari. Das hat mir sehr viel gebracht in Hinblick auf das, was wir bei unseren Kindern eigentlich erwarten können, in unserer eigenen Situation ist es schwierig, da die zweite Sprache eigentlich nur über den Vater, der auch noch Vollzeit arbeitet, an die Kinder heran getragen wird.
Dass sie daher viel Passivverständnis und sehr wenig aktive Sprache haben, und warum es sich trotzdem unbedingt lohnt, es zu versuchen.

Und es gab einige Kapitel zu "was tun, wenn Probleme auftreten". Fand ich wirklich sehr gut.
Das klingt interessant. Wir sind ja auch in der Situation, dass die zweite Sprache wenig present und praktisch nur passiv da ist. Bisher fand ich alles, was ich dazu gelesen habe, sehr entmutigend. Bei einer Freundin habe ich mal in einem Buch geblaettert (Titel weiss ich nicht mehr), in dem mehr oder weniger stand, dass man es entweder von Anfang an "richtig" machen oder besser ganz lassen soll, weil eine passive Zweisprachigkeit keine Vorteile sondern nur Verwirrung und eine erhoehte Gefahr fuer Auffaelligkeiten und Schwierigkeiten in Sprache, Lesen und Schreiben bringt.

Ich kenne sonst auch fast nur Familien, bei denen es super funktioniert hat und hoere oft Kritik, weil ich es nicht hinbekommen habe (Soooo schade! Da hast Du so eine grosse Chance vertan! etc. etc.). Ich glaube, fuer die meisten Leute ist es schwer verstaendlich, dass die MUTTERsprache eben nicht die dominante Sprache ist. Bei der Vatersprache scheint das eher akzeptiert zu werden.

Vielleicht besorge ich mir das Buch mal. Ich wuerde mich ueber etwas Ermutigung echt freuen ;-)
nido mit dem Piraten (01/2012)
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tania
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

das mit dem "besser ganz lassen" hab ich noch nie gehört! selbst wenn das betreffende kind in jungen jahren nie die zweite sprache spricht, ist die grundlage für ein späteres erlernen der sprache doch eine ganz andere.

hier führte die zweitsprache dazu, dass das kleine kind mit 4.5 immer noch nur rudimentär die vater- und umgebungssprache spricht - und da hab ich noch nie etwas negatives gehört!
tania mit sohn *09 und sohn *12
nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

tania hat geschrieben:das mit dem "besser ganz lassen" hab ich noch nie gehört! selbst wenn das betreffende kind in jungen jahren nie die zweite sprache spricht, ist die grundlage für ein späteres erlernen der sprache doch eine ganz andere.
Es ging da, wenn ich mich recht erinnere, darum, dass die Zweitsprache bei Kindern, die offensichtlich Muehe mit der Zweisprachigkeit haben, dazu fuehren kann, dass sie die Zweitsprache gar nicht, die Erstsprache aber wegen der Zweisprachigkeit auch nicht altersgemaess sprechen lernen. Und dass das das spaetere Risiko fuer LRS foerdert. Mich ueberzeugt es auch nicht wirklich, aber besonders geeignet zum Mutmachen fuer Familien mit passiv zweisprachigen Kindern war es nicht.
hier führte die zweitsprache dazu, dass das kleine kind mit 4.5 immer noch nur rudimentär die vater- und umgebungssprache spricht - und da hab ich noch nie etwas negatives gehört!
Wir wohnen hier in einem ziemlich akademisch/leistungsorientiert gepraegten Umfeld (aus praktischen Gruenden, weil ich hier in der Naehe arbeite). Hier schicken praktisch alle (ausser uns) ihre 3jaehrigen bereits in den Englischkurs, weil Englisch ja so wichtig ist und man da gar nicht frueh genug anfangen kann... Ich finde das zwar alles eher bloed, fuehle mich aber oft ein bisschen allein mit unserer Herangehensweise.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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Kinsale
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Kinsale »

nido56 hat geschrieben:
Wir wohnen hier in einem ziemlich akademisch/leistungsorientiert gepraegten Umfeld (aus praktischen Gruenden, weil ich hier in der Naehe arbeite). Hier schicken praktisch alle (ausser uns) ihre 3jaehrigen bereits in den Englischkurs, weil Englisch ja so wichtig ist und man da gar nicht frueh genug anfangen kann... Ich finde das zwar alles eher bloed, fuehle mich aber oft ein bisschen allein mit unserer Herangehensweise.
Das habe ich aus Spanien auch in Erinnerung- ich habe da in einer großen Stadt mal einen Studentenjob gesucht. Ausgeschrieben war "Deutsch des Kindes fördern, wegen Aufnahme in deutsche Schule". Ich dachte, das sei vielleicht ein zweisprachiges Kind, dessen Deutsch nicht so präsent sei und vor der Einschulung ein wenig mehr üben solle. Es handelte sich dann um ein 1,5 jähriges Mädchen, der ich 3*pro Woche deutsche Begriffe, untermalt von Bildkartei, vorsagen sollte. :shock: (Ich bin dann bedienen gegangen :wink: )
nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

Kinsale hat geschrieben:
nido56 hat geschrieben:
Wir wohnen hier in einem ziemlich akademisch/leistungsorientiert gepraegten Umfeld (aus praktischen Gruenden, weil ich hier in der Naehe arbeite). Hier schicken praktisch alle (ausser uns) ihre 3jaehrigen bereits in den Englischkurs, weil Englisch ja so wichtig ist und man da gar nicht frueh genug anfangen kann... Ich finde das zwar alles eher bloed, fuehle mich aber oft ein bisschen allein mit unserer Herangehensweise.
Das habe ich aus Spanien auch in Erinnerung- ich habe da in einer großen Stadt mal einen Studentenjob gesucht. Ausgeschrieben war "Deutsch des Kindes fördern, wegen Aufnahme in deutsche Schule". Ich dachte, das sei vielleicht ein zweisprachiges Kind, dessen Deutsch nicht so präsent sei und vor der Einschulung ein wenig mehr üben solle. Es handelte sich dann um ein 1,5 jähriges Mädchen, der ich 3*pro Woche deutsche Begriffe, untermalt von Bildkartei, vorsagen sollte. :shock: (Ich bin dann bedienen gegangen :wink: )
:lol:

Ja, die deutsche Schule hat hier einen sehr elitaeren Ruf. Um das Recht zu erwerben, die 1000 Eur Schulgeld monatlich abdruecken zu duerfen, muessen aber die 3jaehrigen vor ihrer Aufnahme in den Kindergarten bereits einen Sprachtest bestehen. Da muss man natuerlich frueh anfangen, wenn man seinem Kind einen Platz sichern will...
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tania
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

ist in italien ähnlich.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von eumel »

Ich hatte auch die Vorstellung, zweisprachig bedeutet, dass die Kinder beide Sprachen fließend sprechen und dazwischen wechseln können.
Aber es gibt eben sehr viele Varianten von "mehrsprachig", so ist es in diesem Buch beschrieben, und für alle diese lohnt es sich, es zu versuchen, weil sie bereichern und den Kindern zumindest die Möglichkeit geben, ein passives Verständnis oder ein reines Sprachgefühl mit zu geben.

Es hat auch meine Erwartungshaltung an die Mädels reduziert und uns alle entspannt und jetzt freuen wir uns über ihr Verstehen und die Große ist auch manchmal schön selbst stolz darauf, noch eine andere Sprache zu "können", wenn sie es irgendwann sprechen lernen wollen wird es einfach für Sie sein.
Viele Grüße von
eumel

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julia1982
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von julia1982 »

Wir haben uns auch belesen und haben uns für die Familiensprache Spanisch (vs Umgebungssprache Deutsch) entschieden, was gut klappt. Mein Mann ist da aber auch echt ziemlich hart und "auf dem deutschen Ohr ziemlich taub". [emoji85] für ihn ist Deutsch so gar keine Herzenssprache, obwohl er auf der Arbeit und bei meiner Familie gut zurecht kommt. Aber der Große (4) spürt das sehr sehr genau und wechselt bei meinem Mann sehr schnell, wenn er mal auf Deutsch angefangen hat [emoji23]
Ich spreche Spanisch fast akzentfrei und liebe es. Der Wechsel ist für mich kein Problem [emoji4] mal gucken, wie sich der Kleine bald anstellt... bisher gab es nur Mama, Papa, Mimi und ähnlich universelles mit seinen 13 Monaten [emoji4]


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Lösche Benutzer 10310

Re: RE: Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Lösche Benutzer 10310 »

tania hat geschrieben:das mit dem "besser ganz lassen" hab ich noch nie gehört! selbst wenn das betreffende kind in jungen jahren nie die zweite sprache spricht, ist die grundlage für ein späteres erlernen der sprache doch eine ganz andere.
Da habe ich vor ein Paar Tagen mit einer Landsfrau gesprochen und sie erzählte mir, dass ihr mittlerweile Mitte zwanzig Jahre alter Sohn fleißig und mit Elan russisch lernt bzw. an der Uni entsprechenden Kurse belegt. Und als Kind hätte er die Sprache irgendwann komplett verweigert, wollte keine Filme, keine Bücher auf Russisch. Wohl gemerkt obwohl beide Elternteile diese als Muttersprache haben.
Das hat mir auch Mut gemacht und motiviert weiterzumachen.


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