an solchen sachen merke ich immer wieder, wie krass komplex mehrsprachigkeit ist.
ich hoffe sehr, dass für meine kinder der sprachensalat mal weniger anstrengend sein wird als er es für mich ist. also keine frage, ich bin dankbar für drei "haussprachen", aber manchmal leide ich schon etwas
ich weiß nicht, ob ich die mehrsprachigkeit für meine kinder wählen würde, waäre es eine option. so haben sie nun mal einen italienischen papa (und den würde ich definitiv wieder wählen ) und ich will auch wirklich aus vollem herzen in italien leben, aber dass wir als familie nicht eine gemeinsame hauptsprache haben, finde ich schon schwierig. und wie glücklich beide sind, wenn wir deutschen besuch haben. also vor allem der kleine. nuja is so
Ich habe nicht besonders viel gelesen, mal den ein oder anderen Artikel, aber keine Buecher oder so. In der Theorie ist es ja nicht so schwer zu wissen, wie es am besten laeuft: OPOL o Familiensprache vs. Umgebungssprache. Und dann immer schoen konsequent sein. Alles klar. Dazu muss ich nicht viel lesen, das leuchtet mir direkt ein.
Dumm nur, dass es so wenig mit unserer Realitaet zu tun hat. Familiensprache Deutsch ist wegen der eher rudimentaeren Deutschkenntnisse des gaenzlich sprachunbegabten Piratenpapas nicht praktikabel. Und OPOL bekomme ich einfach nicht hin. Von meinen 24 Jahren Erwachsenenlebens habe ich bisher 16 in Spanien verbracht. Ich rede den ganzen Tag Spanisch, ausser in bestimmten Situationen auf der Arbeit, wo ich Englisch rede, und am Telefon mit meinen Eltern und eben mit dem Piraten Deutsch. Da kommt mir einfach oft Spanisch spontaner ueber die Lippen als Deutsch. Und oft bin ich auch zu faul, lange auf Deutsch herum zu erklaeren, bis der Pirat es verstanden hat und sage es dann eben auf Spanisch, damit er es versteht (Zahlen, Uhrzeit, Tage, Monate etc. kann er z.B. bisher nur auf Spanisch). Ich mache also alles falsch, was man nur falsch machen kann, aber so ist unsere Realitaet nunmal.
Ich haette die Zweisprachigkeit nicht freiwillig gewaehlt, weil ich merke, aber ich hatte ja keine Wahl. Ich bin nunmal Deutsche. Ganz ohne meine Muttersprache wuerde es bei uns nicht funktionieren. Und dann gibt es ja noch die Grosseltern, die wenig bis kein Spanisch sprechen...
Was mir gerade noch einfaellt zum Thema "gelesen zur Zweisprachigkeit": Interessant fand ich eine Studie (weiss jetzt nicht mehr wo ich die gelesen habe, war aber serioes) zum Schreiben- und Lesenlernen bei mehrsprachigen Kindern. Normalerweise haben auch perfekt zweisprachige Kinder eine Hauptsprache, also eine Sprache, die bei ihnen einfach besser "sitzt", auch wenn man ihnen das im Alltag vielleicht praktisch nicht anmerkt. Wenn die staerkere Sprache nicht der Schulsprache entspricht, dann kommen diese Kinder meist nicht oder nur schwer mit Anlauttabellen klar. Im Kopf ist das jeweilige Bild zum Anlaut bei ihnen einfach mit dem Begriff in der Hauptsprache verknuepft. Dabei stimmt der Anlaut natuerlich meist nicht ueberein. Daher funktioniert das ganze Prinzip nicht.
Also, bei Englisch als staerkerer Sprache z.B. weiss das Kind natuerlich das es auf Deutsch "Hund" heisst. In seinem Gehirn ist das Bild eines Hundes aber zunaechst mal mit dem Wort "dog" verknuepft. Diesem Kind faellt es daher beim Anschauen einer Anlauttabelle unheimlich schwer, den Buchstaben "H" mit dem entsprechenden Laut in Verbindung zu bringen, weil sein Unterbewusstsein immer den "dog" dazwischen schiebt. Das fand ich unheimlich wichtig zu wissen. Das bedeutet naemlich nicht, dass diese Kinder sich per se schwer tun beim Lesen und Schreiben. Sie brauchen aber einen anderen Ansatz. Die lernen viel besser mit der Ganzwort- oder mit der guten alten Fibel- bzw. Silbenmethode.
Ich fand das auch spannend. Der Pirat hat das Problem eher nicht, da Spanisch klar seine dominante Sprache und auch Schulsprache ist. Aber ich! Obwohl ich wirklich absolut fliessend und praktisch auf dem Niveau eines Muttersprachlers Spanisch spreche, kann ich z.B. nicht "Stadt, Land, Fluss" spielen. Oder die spanische Version von "Ich sehe was, was Du nicht siehst" (die geht naemlich ueber Anfangsbuchstaben "ich sehe was, das mit A anfaengt"). Da schiebt mein Hirn einfach immer penetrant deutsche Verknuepfungen ein. Daher finde ich total logisch, dass das fuer Schulkinder echt ein Problem ist. Ich hatte da, bevor ich den Artikel gelesen habe, nie drueber nachgedacht.
Das ist wirklich interessant. Die Große hat damit irgendwie keinerlei Probleme. Aber ihr fällt auch alles mit Sprachen sehr leicht. Wir hatten vor zwei/drei Jahren so einen kleinen Spielcomputer, der zu jedem Buchstaben ein Tier gesagt hat, auf Französisch. Also sagte ich auch auf Deutsch "s wie Affe" [emoji23] Das war wohl eher für mich verwirrend als für sie. Geschadet hat es wohl nicht, denn sie liest ja mittlerweile auf Deutsch.
kleine Raupe mit Dezembermaus (12/11), Maikäfer (05/14) und Novemberbär (11/16)
Dezembermaus (12/11), Maikäfer (05/14) und Novemberbär (11/16)
Das war jetzt bei uns nicht das Problem, wobei NL auch die dominante Sprache ist. Meine Kleine hat zu WEihnachten einen Mini-Lük Kasten bekommen. Das gibt'S auch auf NL, und da fällt mir manchmal der Transfer schon schwer: Bild - Wort muss sich reimen - aber auf NL - Hält den Geist fit, würde ich sagen
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)
Oh je, reimen kann ich auf Niederländsich auch absolut nicht. Das gute bei Niederländisch und Deutsch ist vielleicht, dass viele Wörter doch recht ähnlich sind und oft mit dem gleichen Buchstaben oder zumindest Laut beginnen.
nido56 hat geschrieben:Ich habe nicht besonders viel gelesen, mal den ein oder anderen Artikel, aber keine Buecher oder so. In der Theorie ist es ja nicht so schwer zu wissen, wie es am besten laeuft: OPOL o Familiensprache vs. Umgebungssprache. Und dann immer schoen konsequent sein. Alles klar. Dazu muss ich nicht viel lesen, das leuchtet mir direkt ein.
Das denke ich mir eigentlich auch. Klingt ja ganz einfach. Aber manchmal gibt es eben doch praktische Hürden, an die man erst nicht denkt, und die Theorie hinter dem Sprachenlernen finde ich auch echt spannend.
Ich habe tatsächlich vorher etwas gelesen und kann empfehlen "Mehrsprachige Kinder" von Nodari. Das hat mir sehr viel gebracht in Hinblick auf das, was wir bei unseren Kindern eigentlich erwarten können, in unserer eigenen Situation ist es schwierig, da die zweite Sprache eigentlich nur über den Vater, der auch noch Vollzeit arbeitet, an die Kinder heran getragen wird.
Dass sie daher viel Passivverständnis und sehr wenig aktive Sprache haben, und warum es sich trotzdem unbedingt lohnt, es zu versuchen.
Und es gab einige Kapitel zu "was tun, wenn Probleme auftreten". Fand ich wirklich sehr gut.
Viele Grüße von
eumel
mit der großen Tochter 08/2012
und der kleinen Tochter 03/2015