Montessori

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Feuerkind
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Re: Montessori

Beitrag von Feuerkind »

Olgaga, bist du Montessori-Pädagogin?
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olgaga
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Re: Montessori

Beitrag von olgaga »

Feuerkind hat geschrieben:Olgaga, bist du Montessori-Pädagogin?
Ja! :)
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Feuerkind
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Re: Montessori

Beitrag von Feuerkind »

Ah ok, danke, brauchte ich grad um deinen Beitrag einordnen zu können. :D

Ich stimme dir zu mit dem Aufmerksamkeitsentzug, allgemein gehören ja Belohnung und Bestrafung nicht in die Montessori-Pädagogik, aber ich bin mir beim lesen von Frau Hauser manchmal nicht sicher gewesen, ob sie es einfach nur super unglücklich ausdrückt, so von ihrer Elterngrupenarbeit her. Mir zuckt ja beim Wort "tyrann" auch alles zusammen, weil das nicht mein Bild vom Kind ist.

Im Vergleich kann ich jetzt aber, vor allem für den häuslichen Kontext und für Laien, die Bücher von Claudia Schäfer mehr empfehlen.
Hab vorhin nochmal nachgeschaut, sie erklärt auch nochmal sehr gut, dass eben Belohnung und Bestrafung nix in der Erziehung zu suchen haben und legt die Betonung auf die liebe- und würdevolle Beziehung und Beachtung, das liegt mir vom lesen her auch viel mehr.

Weswegen ich die anderen Bücher aber nicht grundsätzlich schlecht finde, weil ich einige Ansätze (zB die logischen Konsequenzen und verbale Rückmeldung von Emotionen) auch sehr gut und stimmig finde, da kann ich andere Dinge dann eben auch mit nem kurzen Kopfschütteln überlesen :oops:
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Re: Montessori

Beitrag von olgaga »

Nochmal kurz zu Erziehung ;)
Ich glaub, das ist schon auch eine frage der Definition und klar ist mein Theorieordner voll von Überschriften mit Erziehung (zum Frieden, zur Achtsamkeit....).
Ich lese das trotzdem mit anderen Augen, nämlich immer unter dem Aspekt der demütigen Haltung der Erzieherin als Dienerin des Kindes...
Da sehe ich für mich den Unterschied!
Wenn-dann-Bedingungen oder gar Liebesentzug sind mir in der Ausbildung nicht über den weg gelaufen.
Regeln sehe ich als notwendig für gutes Zusammenleben. Aber eben im Hinblick auf Beziehung...
Vielleicht sehe ich das ja falsch, so jedenfalls "lebe" ich montessori, auch in der Schule.
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Re: Montessori

Beitrag von olgaga »

Huch, ich hab wohl schon geschrieben als dein Beitrag kam :lol:

Sind glaub ganz nah beieinander :)
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Re: Montessori

Beitrag von Feuerkind »

Ach so ja wir sind da ganz nah beieinander glaube ich, mir ging eben auch durch den Kopf, dass das jetzt gerade eine Frage dessen ist wie man Erziehung definiert :D

So wie du es schreibst sehe und verstehe ich es auch, allerdings ist das für mich eben schon Erziehung.
Man kann das dann auch durch Beziehung ersetzen und ist weg vom klassischen Erziehungsbegriff.

Aber gerade eben das Fehlen von Belohnung, Bestrafung, Bedrohung ist für mich eine Kennzeichnung der Erziehung nach Montessori. Ich definiere dann halt nur Erziehung anders und nicht im "klassischen" Sinn würde ich sagen. Logische/pädagogische Konsequenzen sind für mich eben doch auch Erziehung und ja weg von Bestrafung.


Und da die Frage war, was man im häuslichen Umfeld umsetzen will, diese Haltung ist natürlich auch etwas, das ich noch viel wichtiger finde als ein Angebot von Materialien.
Und da hat Frau Hauser für mich einen schönen Vergleich mit dem "Waiter" gefunden.
Wie gesagt ich lese da dann eben eher diese Sachen für mich raus (mit der Waiter-Metapher konnte ich meinem nicht-Pädagogen-Mann zB sehr gut die Haltung gegenüber dem Kind erklären) und sehe andere Dinge kritisch oder überlese sie, weil sie für mich irgendwie vorbei gehen an meiner Auffassung.
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Re: Montessori

Beitrag von jente »

Wie schön, dass hier soviel Rückmeldung kommt. Mir ist natürlich klar, dass ein Kapitel nicht gleich einen guten Überblick gibt, aber das hatte mich gestern doch sehr verwundert und weil ich in dem Moment einfach nicht zum konzentrierten Lesen des restlichen Buches kam, wollte ich schon mal nachfragen, was so die Erfahrungen sind.

Ich denke auch nicht, dass ich das Konzept hier 1:1 kopieren will, aber durch für mich ansprechende Aspekte möchte ich mich schon anregen lassen. Ich habe jetzt auch noch ein anderes Buch hier, das habe ich heute aus der Bücherei bekommen. Mal sehen, wie das so ist.
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Re: AW: Montessori

Beitrag von avalanche »

jente hat geschrieben:Wie schön, dass hier soviel Rückmeldung kommt. Mir ist natürlich klar, dass ein Kapitel nicht gleich einen guten Überblick gibt, aber das hatte mich gestern doch sehr verwundert und weil ich in dem Moment einfach nicht zum konzentrierten Lesen des restlichen Buches kam, wollte ich schon mal nachfragen, was so die Erfahrungen sind.

Ich denke auch nicht, dass ich das Konzept hier 1:1 kopieren will, aber durch für mich ansprechende Aspekte möchte ich mich schon anregen lassen. Ich habe jetzt auch noch ein anderes Buch hier, das habe ich heute aus der Bücherei bekommen. Mal sehen, wie das so ist.
Dieses wird mein nächstes Buch sein. Es liegt bereit.
Finde die Diskussion sehr spannend. Ich bin erst daran mich einzulesen und lese daher hier gerne mit.
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Re: Montessori

Beitrag von Kattirina »

Mich würde mal Eure Montessori-Meinung interessieren in folgender Situation:

Beim Abholen vom Spielplatz erzählt mir der Begleiter (Erzieher) stolz, dass mein Kind (3) sich heute alleine die Schuhe angezogen hätte. Das war auch wirklich das erste Mal, zu Hause hatte das Kind bisher nicht das BEdürfnis. Später habe ich gemerkt, dass die Schuhe FALSCH RUM angezogen waren. Es waren relativ weiche Schuhe, bei denen das sicherlich nicht total wehgetan hat. Zufällig war es aber an einem Tag, wo ich (zum ersten Mal) gebeten wurde, das Kind etwas früher als geplant abzuholen. Also ich glaube nicht, dass da ein direkter Zusammenhang besteht, aber wenn man sich so schon nicht so wohlfühlt, tragen falsch rumme ( ;-) ) Schuhe sicher auch nicht dazu bei dass es einem besser geht...

Heute habe ich den Begleiter darauf angesprochen (das Kind hat jetzt festere, härtere Herbstschuhe) mit der impliziten Bitte, dass vielleicht doch nochmal jemand schauen könnte nach dem Selber-Anziehen, ob die Schuhe denn ok sitzen. Nein, meinte der Begleiter, die Kinder sollten selbst diese Erfahrung machen. Wenn der Schuh ordentlich drückt, würden sie es schon merken und dadurch dann eben lernen, dass Schuhe richtig rum angezogen werden müssen.

Ich bin jetzt nciht sicher, ob mir das nicht ein bisschen zu weit geht. Selbst lasse ich mein Kind auch viele Erfahrungen selber machen, es darf z.B. nackt bei Eiskälte auf den Balkon oder bei allen Temperaturen selber den Fuß in den See stecken um zu merken ob es baden möchte oder nicht. Aber 1. thematisieren wir diese Erfahrungen dann sofort und es gibt gleich Abhilfe wenn das Kind mit der Erfahrung doch überfordert ist, und 2. stehe ich ja dann als direkte Ansprechpartnerin sofort zur Verfügung. Beides scheint mir in einer Kindergruppe draußen auf dem Spielplatz nicht unbedingt gegeben. Ich bin mir einfach nicht sicher, ob mein Kind a) ein "komisches Gefühl" am Fuß sofort einordnen könnte und das als Problem verstehen, welches eine Lösung hat, und b) das Problem ernst genug findet um sich zu trauen, ggf. einen der Erwachsenen anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Mein Kind geht erst 2 Monate lang da hin. Ich habe keine Zweifel daran, dass mein Kind sich bei größeren Problemen vertrauensvoll an einen Begleiter wenden würde und auch Hilfe bekommt. Aber in der Schuh-Situation habe ich die Sicherheit nicht und fürchte, dass es mit den neuen groben Herbstschuhen wirklich vor sich hin leiden könnte oder vielleicht auch stolpern oder beim Klettern damit nicht klar kommen.

Was meint Ihr?
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Re: Montessori

Beitrag von Kattirina »

PS ich finde jedenfalls schon toll, dass da nicht gleich mit "oh nein! Falsch rum angezogen! Komm wir machen das mal richtig!" reagiert wird. V.a. da es total gut eingelatschte, weiche Halbschuhe waren. Wirklich schön, dass das Kind erstmal das Erfolgserlebnis haben durfte. Aber ein Erfolg, der später vielleicht drückt oder richtig weh tut, bringt ja auch nicht lange Freude... es wäre für mich schon was anderes, wenn es später thematisiert worden wäre. Auf dem Spielplatz zum Beispiel, "oh, die Schuhe sind ja anders rum. Wenn es Dich stört, sag Bescheid." Damit wäre das Problem einfach benannt worden, ohne es zu dramatisieren oder eine "falsch gemacht!"-Botschaft zu senden, und das Kind hätte immer noch die Wahl, die Schuhe so anzulassen oder nicht. Aber so wie es gelaufen ist - einfach das Kind die Konsequenzen incl. möglicher Schmerzen spüren zu lassen? Hm...
Kattirina mit Sommersohn 2011
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