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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 08:17
von tabbsy83
Finde ich auch etwas abwegig den Gedanken, dass das als unhöflich aufgefasst werden könnte. Was spricht man schon für Erwachsene Wichtiges mit einem Kleinkind? Und falls anwesende Erwachsene es wissen wollen, müssen sie eben nachfragen. Ich spreche mit unserem Sohn hier in DK auch nur deutsch, unabhängig davon, ob andere Anwesende deutsch verstehen oder nicht. Ich empfinde es auch nicht als unhöflich, wenn unsere norwegische Freundin mit ihrem Sohn norwegischen Dialekt spricht und ich davon nichts verstehe.
Viele Grüße von mir mit Sohnemann 09/2013 und Bauchbewohner
Handyautokorrektur tippt mit..
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 08:39
von Joanna79
Hihi, da kommt es bei uns öfter zu lustigen Situationen... Ich bin öfter mit einer Kollegin/Freundin zusammen. Ihre Tochter wächst dreisprachig auf (Mutter schwedisch, Vater englisch, Tagesmutter dänisch), spricht allerdings noch nicht (sie ist gerade zwei geworden). Ich spreche also mit meiner Tochter deutsch, sie mit ihrer schwedisch, wir miteinander Dänisch und wenn der Vater dabei ist meistens Englisch (obwohl der eigentlich lieber sein Dänisch trainieren will, aber ehrlich, von uns sollte er es vielleicht nicht lernen

Unsere Mädels haben als gemeinsame Sprache nur Dänisch, d.h. sobald wir zu beiden gleichzeitig sprechen, müssen wir Dänisch reden. Dadurch springen wir ganz schön hin und her. Meine Freundin ist konsequenter als ich, was das Beharren auf der Muttersprache betrifft. [emoji15] Ich bin da nicht immer so gut (obwohl mein Mann findet, ICH sei "fanatisch"...OT)
Sie ist allerdings auch die einzige schwedischsprechende Bezugsperson für die Kleine, meine geht ja auch in den deutschen Kindergarten.
Wir sind jetzt beide wieder schwanger mit nur ein paar Monaten Unterschied, wir werden also in den nächsten Jahren also noch viel Zeit miteinander verbringen [emoji6]
Ich bin gespannt, ob die Kinder ein bisschen von den Sprachen der anderen aufschnappen...
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 08:50
von romina
Joanna das klingt sehr toll! Wie Schön, dass ihr beide schwanger seid und dazu diese Konstellation. Das klingt toll!
Über Schnapps für Kleinkinder musste ich auch lachen
Ich glaube nicht dran, dass man als Elternteil konsequent in einer Sprache bleiben muss. Denke vieles hängt auch am Kind und auch wieviel es generell mit der Sprache konfrontiert wird. Und im besten Fall eben nicht nur mit einer Person eine Sprache spricht sondern Kontakt zu mehreren muttersprachlern hat. Ich spreche also recht inkonsequent mit meiner Tochter spanisch und deutsch (meine Muttersprache) wir leben aber auch in D. Würde wir in einem Spanischsprachigen Land leben wäre ich vermutlich unsichrerer wegen dem Deutsch. Mein Mann spricht konsequent spanisch mit unsere großen (2 1/2) und dem Baby. Zuhaus spricht sie fast nur spanisch und es ist auch der einzige Ort wo mit ihr spanisch gesprochen wird. Bei der Tagesmutter spricht sie Witzigerweise nur deutsch. (Oder die Tagesmutter bekommt das spanische nicht mit weil sie oft noch phantasiesprache spricht). Ich versteh ihr spanisch leider auch nicht immer. Anfangs gar nicht. Weil sie noch so nuschelt. Unsere familiensprache ist meistens spanisch und manchmal deutsch.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 09:26
von seelenkind
Dass eine absolute Konsequenz nicht erstrebenswert/ möglich ist, ist klar und wurde ja auch schon ausführlich diskutiert. Deshalb schrieb ich ja von einer "gewissen" Konsequenz

Romina, du unterstützt ja quasi die "schwache" Sprache. Mein Punkt war aber vor allem, dass einem die Zweisprachigkeit des Kindes niemals peinlich sein sollte und dass das eine Sache zwischen Eltern und Kind ist, die man nicht der "Höflichkeit" wegen aufs Spiel setzen sollte.
Wir haben ja lang im Ausland gelebt und ich hab manchmal echt kämpfen müssen. inzwischen sind wir wieder hier und ich bin froh, dass ich relativ konsequent geblieben bin. Jetzt unterstütze ich meinen Mann darin, dass er in seiner Sprache weitermacht und eben nicht ins Deutsche verfällt, wenn die Maus mal auf Deutsch antwortet. Wenn er sich daran hält, springt sie auch sehr schnell zurück ins Spanische.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 09:40
von romina
Das bezog sich nicht nur auf dich. Aber so lautet ja die allgemeine Empfehlung. Das man als Elternteil konsequent bei einer Sprache bleiben muss da sonst die Kinder durcheinander kommen. Aber dafür habe ich schon zu viele mehrsprachige Kinder kennen gelernt wo dieses System nicht gegriffen hat. Oder wo eben das konsequentes separieren der Sprachen trotzdem keine komplette mehrsprachigkeit der Kinder erzeugt hat. oder die Kinder trotzdem starken Akzent sprechen in der weniger dominanten Sprache. Bei letzterem sind zB bei meinen Mann die größten bedenken.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 09:54
von seelenkind
Konsequentes OPOL ist statistisch gesehen der sicherste Weg zur Zweisprachigkeit- was ja nicht heißt, dass es für alle und jeden das richtige ist. Gefährlich wird es dann, wenn man immer inkonsequenter wird und dadurch die Zweitsprache nach und nach aus dem Leben verschwindet, oft auf Druck von außen. Wir kennen viele Familien, in denen das so War und die im Nachhinein bereuen, dem Druck nachgegeben zu haben. Besonders blöd ist es natürlich dann, wenn z.B. ein Kind in Deutschland studieren möchte- und dann merkt, dass das bisschen passive Deutsch eben nicht reicht.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 11:18
von nido56
@fliederbluete: Ja genau, passiv zweisprachig bedeutet, dass mein Sohn Deutsch zwar problemlos versteht, aber praktisch nicht sprechen kann.
Peinlich ist mir da ueberhaupt nichts, ich bin nur ziemlich faul. Was man mit Kindern spricht und was fuer Erwachsene verstaendlich sein soll? Naja, ich habe staendig solche Situationen. Ein einfaches Beispiel: Pirat ist bei seinem Freund, ich komme ihn abholen, sage ihm, dass wir jetzt gehen. Er sagt natuerlich nein, er will noch nicht. Wir verhandeln also. Da es ja die andere Mutter auch betrifft, ist es viel bequemer, gleich die ganze Diskussion auf Spanisch zu fuehren und sie einzubeziehen, als staendig in den Sprachen hin und her zu wechseln. Natuerlich geht das. Ich sagte ja bereits, das Problem ist meine eigene Faulheit und Inkonsequenz.
Schwieriger finde ich es mit mehreren Kindern. Da spricht man ja oft alle gemeinsam an. Also z.B. "Habt ihr Hunger?" (auf Spanisch fuer alle). Der Pirat (auf Spanisch): "Ja! Ich will Melone!" Ich zu ihm (auf Deutsch): "Melone haben wir gerade nicht. Moechtest Du vielleicht einen Apfel?" In dem Moment bruellt ein anderes Kind auf Spanisch "ich will auch Melone!" Ich wiederhole auf Spanisch, dass die gerade aus ist. Gleichzeitig muss ich mit dem Piraten auf Deutsch die Apfeldiskussion weiterfuehren... Ahhhh! Am Ende bekomme ich normalerweise einen Knoten ins Hirn, spreche mit den spanischen Kindern Deutsch, mit meinem eigenen Spanisch und weiss ueberhaupt nicht mehr, was ich eigentlich sagen wollte...
Auch wenn wir mit mehreren Erwachsenen und Kindern unterwegs sind und die ganze Zeit untereinander Spanisch sprechen, dann vergesse ich oft einfach, umzuschalten.
Immerhin hat heute der Pirat den anderen (spanischen) Vater auf dem Schulhof, der ihn auf Deutsch gefragt hat, wie es ihm geht, zwar leicht konsterniert angeschaut, ihm aber trotzdem mit "gut" geantwortet.
Ueberhaupt hat Deutsch hier ja ziemlich viel Prestige. Der Pirat hoert staendig von ueberall, wie toll es ist, dass er Deutsch lernt. Das Problem ist eher, dass es ihm selbst unangenehm ist, weil er ja merkt, dass es mit seinen aktiven Sprachkenntnissen nicht so weit her ist. Naja, im Sommer wird er 3 Wochen mit den Grosseltern zusammen sein (davon 2 in Deutschland). Das gibt bestimmt wieder einen kleinen Schub.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 12:13
von romina
Nido das stell ich mir auch anstrengend vor wenn man alles ständig wiederholen muss. Aber wenn er erst knapp 3 ist würde ich denken es kann sich auch noch mehr ausprägen. Hab hier schon öfters gelesen, dass es plötzlich "Klick" gemacht hat. Und wer weiß wie es wäre wenn du immer konsequent wärst. Kann man ja nicht wissen. Aber es muss ja auch alltagstauglich sein finde ich.
Meine Tochter spricht generell noch viel phantasiesprache. Die "richtigen" Worte/Sätze werden immer mehr. Bei ihr passt es, dass es, dass bilinguale Kinder später sprechen lernen.
Daheim spricht sie auf spanisch ganze Sätze aber auf deutsch eher Worte. Ihr meist benutztes deutsches Wort ist derzeit "auch". [emoji5]
Bei mir ist eher das Problem, dass ich auf deutsch nicht richtig sagen kann was ich möchte und auf spanisch fällt mir dies dann leichter. Wenn ich sie ansprechen will fließt es auf spanisch besser als auf deutsch. Das spanische ist für mich weicher und liebevoller. Auf deutsch muss ich dann immer erst nachdenken wie ich das denn jetzt genauso sagen kann während es auf spanisch ganz leicht geht.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 12:55
von nido56
Der Pirat ist fast 4.5. Deutsch spricht er nur mit den Grosseltern, weil er ja weiss, dass Mama ihn auch auf Spanisch perfekt versteht. Er hat ja auch erst sehr spaet ueberhaupt angefangen zu sprechen, und damals war ich sooo froh dass er anfing sich verbal zu verstaendigen, dass ich auch nie auf Deutsch bestanden habe, um ihn nicht zu frustrieren (denn frustriert war er wegen seiner Sprachverzoegerung ohnehin oft).
Wenn er mit der Oma Deutsch spricht, dann so etwa auf dem Niveau eines 2.5jaehrigen Muttersprachlers ("ich gehen Schwimmbad" und so), was ich aber schon ganz prima finde. Und man muss ihm dabei Zeit lassen, weil er immer erstmal nachdenken muss. Ich denke, im Grunde uebersetzt er Wort fuer Wort aus dem Spanischen.
Ich muss zugeben, dass ich schon so lange den ganzen Tag Spanisch spreche, dass mir Deutsch nicht unbedingt immer spontan von den Lippen geht, obwohl ich mich natuerlich im Endeffekt in meiner Muttersprache schon noch besser ausdruecken kann als in einer Fremdsprache. Trotzdem denke ich oft auf Spanisch und muss dann tatsaechlich erstmal umschalten. Ich habe mich auch schon dabei erwischt, wie ich spanische Ausdruecke ins Deutsche uebersetzt habe, statt den entsprechenden Ausdruck auf Deutsch zu sagen.
Eine niedliche Anekdote habe ich noch: Das Wort "Meteorit" hat der Pirat zuerst auf Deutsch gelernt, weil unser Dinosaurierbuch auf Deutsch ist. Dass er im Spanischen ein O anhaengen muss, hat er schnell herausbekommen. Allerdings sagt er "meteorito" immer mit deutschem R, obwohl er das spanische Zungen-R perfekt sprechen kann. Klingt sehr putzig und erinnert mich an ein Englisch-Deutsch aufwachsendes Maedchen, das ich mal kennengelernt habe. Sie war perfekt zweisprachig (mit Englisch als minimal staerkerer Sprache). In Deutsch hatte sie im Grunde eine perfekte Aussprache, nur sehr aehnliche Worte wie "house, mouse, garden" hat sie konsequent Englisch ausgesprochen. Das klang auch sehr, sehr niedlich.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 13.05.2016, 13:13
von romina
Ach sorry nido. Ich habe mich verlesen. Er wird im Sommer 3 Wochen bei den Großeltern sein. Ich las er wird im Sommer 3 und bei den Großeltern sein
Wir leben schon länger in D und daher ist mein Alltag auch zweisprachig. Daheim spanisch und alles was außerhalb ist auf deutsch. Ich hab öfters wortfindungsprobleme auf deutsch. Vergess Vokabeln. Oder jetzt musste ich für mich übersetzten ins deutsche "todo que es afuera de la casa". Das deutsche klingt mir dann stelzig.
Für mich klingt es aber so wie du beschreibst als wäre eure "natürliche" Sprache einfach das spanische. Vermutlich geht es euch beiden da einfach ähnlich oder?
Manchmal wenn ich hin und her Switchen muss verfalle ich auch mal ins englische. Dann gern mal mit spanischer Grammatik [emoji85] am schlimmsten wird es wenn meine Schwägerin da ist mit der ich englisch und wenig deutsch rede. Dann ist alles durcheinander deutsch, spanisch und englisch. Mein Bruder und seine Frau reden dann englisch, wir deutsch und spanisch. Mein Mann spricht aber kein Englisch. Also versuchen die beiden es dann auf deutsch. Da ist der Knoten im Kopf vorprogrammiert. Leider sind die Möglichkeiten und zu sehen aber sehr sehr selten.
Meteorito ist wirklich süß. [emoji4]
Meine Töchter waren noch nie in ihrer Heimat. Ich bin der sehr gespannt wie sie reagieren wenn alle in ihrer Umgebung plötzlich spanisch (und ihren Dialekt) verstehen. Im Moment würde die Große das vermutlich einfach ganz natürlich annehmen.