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Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 08.07.2016, 23:11
von Peppa
Serafin hat geschrieben:Man kann nicht sagen, stillen=kein Neurodermitis, keine Allergie etc. Oder mein Kind hat die Flasche bekommen, fehlt im doch auch nix.
Man muss immer eine sehr große Gesamtheit betrachten. Und da spielt stillen dann mit rein. In dem Sinne, dass einfach ein anderer Würfel mit anderen Wahrscheinlichkeiten geworfen wird, wenns um Allergien und co geht. Also z.B. (ich greiffe jetzt aus der Luft) 6 Prozent statt 30 oder so.
Das ist wirklich so, dass der Mensch an sich statistische Zusammenhänge Shop oft falsch wahrnimmt. Eine Kollegin aus der Pflege meinte erst demletzt zu mir, sie habe ihren Sohn immerhin 4 Monate gestillt und es habe sich "gar nicht gelohnt ", er habe jetzt mit 3 "trotzdem " Allergien...das nächste bekäme gleich die Flasche. Hmmm....was soll man dazu sagen.
Ich glaube, es wäre besser, wenn es in den Köpfen ankäme, dass Stillen einfach normal ist und keine "Märtyrer-Wunderwaffe" und Pre tendenziell schlechter....aber das möchte man natürlich auch nicht so verbreiten, um eben die Mamas, die nicht stillen wollen/können etc. nicht zu vergräzen....das verstehe ich natürlich. Aber so werden auch etwas überzogene Erwartungen ans Stillen geknüpft, ich weiß nicht, ob das immer so gut ist.
Habe noch eine Geschichte aus den Anfang -80ern aufgeschnappt, aus Italien. Ich unterhielt mich letzte Woche mit der Schwägerin über Stillen (sie bekam vor 2 Tagen ihren zweiten Sohn, der erste wurde 6 Wochen mit Hütchen gestillt, weil ihre Hebamme ihr schon vor der Geburt gesagt hatte, dass ihre BW nicht so stillgeeignet seien

...und dann kam der Klassiker :"Sohn schrie abends vor Hunger, wurde laut Mutter und Hebamme nicht satt und bekam Fläschen dazu. ...daraus trank er "wie verrückt " und die Milch reichte nicht. ...das Kind War immer propper als Baby. Nun ja. ...so läufts ja oft).
Ich fragte sie also, ob sie diesmal auch stillen will (und wollte ganz behutsam ein paar Sachen wie Clustern etc. anbringen ), da mischte sich aber gleich ihre Mutter ein und meinte, es werde diesmal auch nicht klappen, man habe ihr selbst bei ihren 4 Kindern in Italien stets gesagt, dass nur die wenigsten Frauen genug Milch bilden können und für Jungs würde es eh nie reichen, schon gar nicht, wenn die Mutter schlank sei. Also wurde sie immer nach den Geburten (1978-1987) stets vom Stillen abgehalten, damit die Babys "richtige" Milch bekämen. Total traurig finde ich das.. und nun wird es quasi so weitergegeben.
(Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich mit dem Ü2-Stillen eines Jungen

das siebte Weltwunder war .... aber ich bin ja auch nicht schlank

Und außerdem ist so lange eh nicht normal. ...dass der nun bald 4jährige noch morgens und abends eine Milchflasche mit Nuckel im Bett trinkt. ...seis drum. Ich finde es nur schade, dass es nun beim frischen Baby wohl auch "nicht klappen" wird. Da hat sie ja quasi keine Chance gegen solche Ansichten der älteren Generation).
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Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 09.07.2016, 06:59
von Serafin
Ja, der Mensch kann Statistiken nicht abschätzen und sucht Zusammenhänge. Auch wenns keine gibt.
Ich bin dann wohl auch ein Weltwunder

. Dünn und Kind laut U- Heft gut gediehen. Nette Umschreibung von Buddha. Und was ich da für Blödsinn hören durfte, weil er so dick ist muss er zugefüttert werden, der wird doch nicht mehr satt. Wenn die Kinder zu dünn sind, heißts das auch. Wann darf man denn dann eigentlich stillen?
Manchmal frag ich mich echt, wie die Leute glauben, dass die Menschheit so lange existieren konnte. Ohne Onkel H. und Co.
Ich finde schon, dass man den Frauen ehrlich auch die Nachteile der Flasche sagen sollte. Das ist doch nicht MütterBashing sondern einfach eine korrekte Information. Genau so wie dass eben stillen nicht unbedingt keine Allergien heißt. Wie soll ich mich denn informiert entscheiden, wenn mir Informationen vorenthalten werden?
Unsere Nachbarin bekommt im Dezember ein Baby. Sie war ganz erstaunt, dass stillen nicht weh tun muss. Alle haben doch am Anfang wunde Brustwarzen. Ich hab ihr das dann mit de Anlegen erklärt und dass die Brustwarze am weichen Gaumen liegen muss. Da meinte sie selber, das ist ja wirklich ganz weich, da kann eigentlich nichts reiben. Und dass das ja logisch ist, dass es vorn wos hart ist weh tut.
Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 09.07.2016, 09:28
von Nuala
Wegen Stillen als Allergieprävention: ich hab das so verstanden, dass es nicht das Stillen an sich ist, sondern die Beikosteinführung NEBEN dem Weiterstillen. Deshalb wird ja heute wieder empfohlen Beikost mit 4 Monaten zu geben, weil man ja 6 Monate stillen soll und so gewährleistet ist, dass zumindest wenige Wochen parallel Muttermilch und Beikost gegeben wird. Außerdem geht es da mWn hauptsächlich um Gluten (?).
Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 09.07.2016, 10:06
von Serafin
Nuala hat geschrieben:Wegen Stillen als Allergieprävention: ich hab das so verstanden, dass es nicht das Stillen an sich ist, sondern die Beikosteinführung NEBEN dem Weiterstillen. Deshalb wird ja heute wieder empfohlen Beikost mit 4 Monaten zu geben, weil man ja 6 Monate stillen soll und so gewährleistet ist, dass zumindest wenige Wochen parallel Muttermilch und Beikost gegeben wird. Außerdem geht es da mWn hauptsächlich um Gluten (?).
Bedingt richtig. Ja, Beikost sollte unter dem Stillen eingeführt werden.
Die Durchschnittsstilldauer beträgt 6,9 Monate. Beikost eingeführt unter Stillen verringert Allergien. Folglich wurde aus zwei richtigen Fakten der falsche Schluss gezogen. Die Empfehlung ist nämlich eben mit vier Monaten anzufangen um eben Beikost unter Stillen einzuführen. Die meiner Meinung nach korrekte Empfehlung wäre gewesen, klarzustellen, dass es 6 Monate VOLLSTILLEN sind und dann Beikost unter dem Stillen gegeben. Werden soll. Denn der logische Schluss ist, dass den Kindern jetzt eben mit vier Monaten Gläschen und Flasche gegeben wird.
Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 09.07.2016, 10:08
von Sakura
Ne, auch stillen allein ist ein wichtiger Faktor fürs Immunsystem, und Allergien sind Fehlfunktionen des Immunsystem.
Stillen zur Beikost vermindert Lebensmittelallergien
Trotzdem können vollgestillte Kinder Allergien oder Krankheiten wie zB Neurodermitis etc bekommen, es gibt dafür ja noch mehr Faktoren.
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Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 09.07.2016, 10:35
von Peppa
Das mit der Beikost,ich weiß nicht, wieviele da den "wahren" Hintergrund kennen...es gibt es doch echt viele, die das Gefühl haben, sich zum Stillen zwingen zu müssen/ sich vielleicht genötigt fühlen, weil "es das Beste ist und Kinder gesünder und klüger macht" und dann, wenn der erhoffte Wundereffekt nicht eintritt, enttäuscht sind. ...habe ich mehrfach schon so wahrgenommen. Ich verstehe ehrlich gesagt immer noch nicht, wie man Flasche geben einfacher finden kann als Stillen, aber bei uns hat es ja auch nach der langen Krankenhaus -Phase gut geklappt. Schon alleine deshalb hoffe ich sehr, dass es diesmal wieder gut klappt. ...
Ich empfand z.b. eher die Empfehlung, ab dem 4ten Monat Beikost einzuführen, eher als Druck. ...meiner wollte vor dem 7ten LM gar nichts von Beikost wissen und auch danach war es eher auf molekularer Ebene, was da im Kind landete. Das hat mir ganz schön Druck gemacht. Deshalb fände ich die Empfehlung : 6 Monate voll und Beikost bei Bedarf und Wunsch des Kindes ggf. früher bzw. später, sinnvoller. Denn wenn nun in 4ten LM Beikost mit Brei-Zwangsfütterung eingeführt wird, weil es ja empfohlen ist zur Allergieprävention, dann ist es im Schnitt ja kein Wunder, dass dann rasch abgestillt wird. Irgendwie kontraproduktiv.
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Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 09.07.2016, 10:38
von Peppa
Oh man, meine Sätze sind ein Graus, sorry, schlecht geschlafen ;')
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Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 09.07.2016, 10:58
von Spessarträuberin
Ich habe gestern erst mit einer Mama eines März-Babys gesprochen, die unbedingt Brei füttern will. Jetzt sind es ja schon 4 Monate und sie will so bald wie möglich abstillen, aber halt Mumi durch Brei statt Pre ersetzen. Sachte Einwände von mir (erstes Lebensjahr usw) werden ignoriert. Steht ja überall, der Kinderarzt sagt ja und überhaupt.
Zum Thema (nicht ganz, ich weiß nicht welches Kind, ob 1967, 76 oder 81): meine Schwiemu wollte unbedingt stillen, da die Ärzte sagten, es sei das Beste. Aber sie hatte keine Milch ... 4 Stunden Pause, Kinder im Säuglingszimmer. Sie hätte sich aber gut mit der Nachtschwester verstanden und durfte nachts ins Zimmer zum Gucken. Natürlich hat sie das Kind nicht rausgenommen, das brauchte ja seinen Schlaf. Geschrien hat angeblich auch kein Baby.
Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 10.07.2016, 07:29
von deidamaus
Peppa hat geschrieben:
Ich empfand z.b. eher die Empfehlung, ab dem 4ten Monat Beikost einzuführen, eher als Druck. ...meiner wollte vor dem 7ten LM gar nichts von Beikost wissen und auch danach war es eher auf molekularer Ebene, was da im Kind landete. Das hat mir ganz schön Druck gemacht. Deshalb fände ich die Empfehlung : 6 Monate voll und Beikost bei Bedarf und Wunsch des Kindes ggf. früher bzw. später, sinnvoller.
Die offizielle Empfehlung der WHO lautet immer noch, sechs Monate voll zu stillen und danach unter angemessener Beikost bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus weiter zu stillen, solange Mutter und Kind dies möchten.
Beikost kann frühestens mit vier Monaten eingeführt werden (z.B. bei Babys mit Zufütterbedarf, Beikostreife des Babys) und sollte spätestens mit sechs Monaten angeboten werden.
Liebe Grüße von deidamaus
ModTeam-Stillberatung
Re: Empfehlungen von 1980
Verfasst: 10.07.2016, 07:38
von Peppa
Ja, ich kannte die schon. ...aber diese S3(?)-Leitlinie zur Allergieprävention ist irgendwie bekannter, oder? .Zumindest wurde das immer an mich herangetragen und auch von meiner Mutter (KiÄ).
Lustigerweise habe ich gestern zufällig beim Aufpassen auf den Wutz bei ihr eine pädiatrische Zeitschrift von Januar 2016 in die Hände bekommen, da ging es in einem Artikel genau um die Diskrepanz der Allergieprävention -Empfehlung und der der Nationalen Stillkommission (die ja der der WHO entspricht, oder?).
Fazit war tatsächlich, dass es auch aus Allergiesicht prinzipiell keinen Grund gibt, den Beikoststart vor dem Beginn des 7ten Monats zu erzwingen, da ja mindestens ein Jahr gestillt werden soll...fand ich ganz gut, dass da die Kiä Vielleicht auch umdenken (muss ich Mutter mal unter die Nase halten

).
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