Probieren einfordern ja oder nein

für die schwangere und/oder stillende Mutter (und ihre Familie)

Moderator: britje

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Elena
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Elena »

talismama hat geschrieben: Denn wir achten ja alle auf unsere Kinder und versuchen sie zu lesen und zu verstehen und zu begleiten.
Mit andern Worten: Wir reflektieren.

Das ist doch jetzt auch Wortklauberei, oder? Du nennst es nicht reflektieren, gehst aber angeblich - um mal ein ganz schrecklich modernes Wort zu verwenden - achtsam mit deinen Kindern um. Das tun andere auch. Du machst hier Threads zu Problemen mit deinen Kindern auf, andere nehmen ein Buch zur Hand, andere fragen die Schwiegermutter oder die Mütterberatung um Rat, wenn sie einen Rat von außen möchten. Wo ist der prinzipielle Unterschied?
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Lösche Benutzer 5914

Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Lösche Benutzer 5914 »

Da gibt es keinen Unterschied. Ich finde es auch nicht schlimm ein Buch zu lesen und daraus Erkenntnisse für den Umgang mit den Kind abzuleiten. Ich stolpere aber immer wieder über Kommentare, die durchscheinen lassen, dass dieses angelesene Expertenwissen zu Hochmut gegenüber anderen führt. Und das stört mich.

Die Mutter einer Freundin von mir hat, weil sie das 70er-Jahre-Expertenwissen gelesen und ernst genommen hat, bewusst entschieden, nicht zu stillen, weil das besser für ihr Baby ist. Die Muttermilch ist ja voller gefährlicher Schadstoffe. - Expertenmeinungen unterliegen dem Wandel der Zeit, vor 30 Jahren hat man einige Dinge zum Wohle des Kindes (!) gemacht, über die wir heute die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber selbst die Eltern, die heute noch einen starren 4-Stunden-Rhythmus beim Stillen einhalten, meinen es ehrlich und aufrichtig nur gut mit ihrem Kind. Die haben dann halt die falschen Bücher gelesen. Aber da wir alle mit guter Absicht handeln, nervt mich manchmal einfach die Besserwisserei und Arroganz, mit der Erkenntnisse vorgetragen und im gleichen Atemzug Andershandelnde abqualifiziert werden.

Bewusst ein Beispiel, dass NICHTS mit dem Thread hier zu tun hat, damit sich nicht wieder jemand persönlich gemeint fühlt, denn das liegt mir fern. Ich meine es auch nur gut, wenn ich meine Tochter lobe, weil ich finde, dass sie ein Bild toll gemalt wird. Über die "Schlauheit", dass ich damit mein Kind manipuliere, dass ich sie lob- und leistungsabhängig mache und ihr damit am Ende die Freude am malen nehmen könnte, finde ich halt einfach anstrengend. Denn selbst wenn es Kinder gibt, die Lob "versauen" könnte (will ich gar nicht in Abrede stellen, dass das passieren kann und dass das jemand von uns Müttern in der Kindheit so selbst erlebt hat...), so ist das meiner Meinung keine Zwangsläufigkeit und wenn in diesem Zusammenhang Worte wie "Machtmissbrauch" fallen, dann stört mich das, weil ich es ja auch nur gut meine, aber mir nicht über jeden Pups so viele Gedanken machen will.
Lösche Benutzer 1828

Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

talismama hat geschrieben:War sicher nicht meine Absicht herablassend zu schreiben. Als wenn ich das bewusst täte :lol:
Aber Du wirfst es anderen vor......dann ist es vielleicht auch nicht deren Absicht.

Ich bin wirklich traumatisiert dadurch. Kann diese schlimmen Gefühle heute noch abrufen. Gut, es war eh eine furchtbare Kindheit. Aber aus eigener Erfahrung und auch aus meiner persönlichen Sicht auf Kinder (die sind für mich eben Mitmenschen mit geringem Alter - ich zwinge auch keinen Erwachsenen zum Essen, auch nicht durch Worte), kommt es für uns eben absolut nicht in Frage, in keiner Art und Weise.
Elena
Miss SuTiversum
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Elena »

Aber "reflektieren" ist ja genau das Gegenteil von "blind irgendwelches angebliches Wissen übernehmen", sondern schließt es ein, sich eigene, kritische Gedanken zu machen. Und dass man genau das tut: Die eigene Haltung und das eigene Verhalten im Umgang mit geliebten Menschen in Konfliktsituationen ab und zu mal zu hinterfragen, ist für mich ganz klar ein Liebesakt. Die Bereitschaft, eigene Haltungen kritisch zu überdenken und das eigenen Verhalten zu ändern, finde ich ganz wichtig geliebten Menschen gegenüber - sei es Freunden, dem Partner oder den eigenen Kindern gegenüber.

Bei deinem Posting oben klang es etwas nach "Ich habe sie sehr lieb und ich denke, das reicht - ich kann mir nicht jeden Tag um alles Gedanken machen". Ich denke, so hast du es nicht gemeint, aber so konnte zumindest ich es verstehen. Meiner Ansicht nach (und mit der Ansicht bin ich nicht allein :wink: ) äußert sich Liebe nicht in schönen Worten, sondern in Taten, also im Handeln gegenüber der geliebten Person. Wer zu faul ist, dieses Handeln ab und zu zu überdenken (was du bestimmt tust, das macht sich ja auch in deinen Threads hier bemerkbar), liebt sehr egoistisch.
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Lösche Benutzer 5914

Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Lösche Benutzer 5914 »

Also, um das auf den Punkt zu bringen: ich habe nicht gegen Bücher lesen, ich habe nichts gegen reflektieren, ich habe nichts dagegen, wenn jemand schlechte Erfahrungen mit dem Erpressen mit Süßigkeiten gemacht hat und das daher mit seinen Kindern vermeidet. Ich glaube aber NICHT, dass zwangsläufig jedes unreflektierte Handeln Schäden nach sich zieht.
Letzte Woche im Krabbelkreis hatte eine Mutter Probleme mit ihrem Sohn, der sich partout nicht die Schuhe anziehen lassen wollte. Sie sagte dann auch "L., jetzt komm sofort zum Schuhe-anziehen, sonst gibt es gleich beim Edeka KEIN Überraschungsei für dich!" Mir würde es aber in so einem Moment nicht einfallen ihr zu sagen "Du C., denkst nicht nicht, dass diese Süßigkeiten-Erpressung ihn negativ prägt und am Ende zu Essstörungen führen könnte?" Im Internet kann man in so einem Fall leicht geschockt sein und sein besseres Wissen entsetzt an den Mann bringen. Im Real Life würde ich mich aber hüten, weil ich denke, dass es vermessen wäre, das zu verabsolutieren und weil ich mich blöd und auch arrogant führen würde, wenn ich da so streng mit dem Fehlverhalten anderer bin und abends selbst irgendwas Blödes zu meinen Kindern sage, was ich nicht hätte sagen sollen und was sie vielleicht sehr trifft oder kränkt. Der Ton macht die Musik! Und ich finde den Ton hier manchmal oberlehrerhaft, wenn es darum geht, Erziehungsweisheiten zum BEsten zu geben.
Lösche Benutzer 1828

Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Ich überdenke oft und lese auch sehr gerne andere Meinungen und Erfahrungen - das heisst ja nicht, dass ich das übernehmen muss. Aber es kann Anstöße geben. Niemand ist perfekt, ich denke jeder profitiert davon, ein wenig an sich zu arbeiten.
Lösche Benutzer 1828

Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Du findest den Ton Oberlehrerhaft, ich finde Deinen Ton gerade trotzig - und nun? :)

Das mit dem Ü-Ei finde ich absolut nicht schlimm.
Aber Mahlzeiten sind ein mehrfach stattfindendes, lebenswichtiges Ereignis. Ich mag meinem Kind eben da die Kontrolle selber überlassen. Sie haben schon als Säuglinge immer allein entschieden, ob sie gerade essen wollten und auch was dann dann später (aus dem Angebot heraus natürlich - sie sind nicht in den Supermarkt gelaufen ;) ) . Tochter hat mit 3 Jahren beschlossen, vegetarisch zu lesen. Als Einzige in der Familie. Sie ist durchaus also sehr bewusst, was Essen angeht. Viele haben mir damals gesagt, ich könne sie das doch in dem Alter nicht allein entscheiden lassen. Doch, kann und muss und will ich. Wer denn sonst kann über ihren Körper in dem Maß entscheiden?
So lange keine krankhafte Esstörung vorliegt oder etwas, was gesundheitlich bedenklich ist, sehe ich es als meine Aufgabe, diese Grenze meiner Kinder nicht zu überschreiten.
Was nicht heisst, dass ich nicht mal frage, ob sie etwas abhaben möchten oder ich eben weiterhin normal koche und sie dann halt selber entscheiden, ob sie was davon nehmen möchten oder eben nur die trockenen Nudeln oder halt ein Brot möchten.
Schnels
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Schnels »

Sandküste hat geschrieben:Ich möchte und ich will sind hier zwei verschiedene DInge. Und bei keinem kann ich erwarten, dass da "Folge geleistet" wird.
Das weicht jetzt hier ein bisschen vom Thema ab, aber ich bin gerade darüber gestolpert und es hat mich interessiert: wie sagst Du es denn, wenn der anderem deinem Wunsch Folge zu leisten hat, weil es nämlich um DEINE Grenzen geht? Also auf dir rumturnen, an deinem ohrläppchen fummeln/ziehen oder was auch immer dich in einem Moment nervt. Und auf vorherige normale Ansage oder Bitte hat das Gegenüber nicht aufgehört.
mit tollem April 2010-Jungen!
Elena
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Elena »

talismama hat geschrieben:Also, um das auf den Punkt zu bringen: ich habe nicht gegen Bücher lesen, ich habe nichts gegen reflektieren, ich habe nichts dagegen, wenn jemand schlechte Erfahrungen mit dem Erpressen mit Süßigkeiten gemacht hat und das daher mit seinen Kindern vermeidet. Ich glaube aber NICHT, dass zwangsläufig jedes unreflektierte Handeln Schäden nach sich zieht.
Letzte Woche im Krabbelkreis hatte eine Mutter Probleme mit ihrem Sohn, der sich partout nicht die Schuhe anziehen lassen wollte. Sie sagte dann auch "L., jetzt komm sofort zum Schuhe-anziehen, sonst gibt es gleich beim Edeka KEIN Überraschungsei für dich!" Mir würde es aber in so einem Moment nicht einfallen ihr zu sagen "Du C., denkst nicht nicht, dass diese Süßigkeiten-Erpressung ihn negativ prägt und am Ende zu Essstörungen führen könnte?" Im Internet kann man in so einem Fall leicht geschockt sein und sein besseres Wissen entsetzt an den Mann bringen. Im Real Life würde ich mich aber hüten, weil ich denke, dass es vermessen wäre, das zu verabsolutieren und weil ich mich blöd und auch arrogant führen würde, wenn ich da so streng mit dem Fehlverhalten anderer bin und abends selbst irgendwas Blödes zu meinen Kindern sage, was ich nicht hätte sagen sollen und was sie vielleicht sehr trifft oder kränkt. Der Ton macht die Musik! Und ich finde den Ton hier manchmal oberlehrerhaft, wenn es darum geht, Erziehungsweisheiten zum BEsten zu geben.
Ich glaube, darin sind wir uns alle einig!

Aber hier ging es um eine ganz allgemeine Frage, in der jeder zu seinen Gedanken dazu gefragt wurde. Es ging nicht darum, was der einzig richtige Weg ist, sondern der erste Post war explizit als Aufforderung formuliert, die eigenen Ansichten dazu zu formulieren. Ich habe das als Aufforderung zu einer regen, fairen Diskussion verstanden. Dazu gehört natürlich auch Wortklauberei, es ist eben eine Diskussion. Aber fair und sachlich, und das war sie meiner Ansicht nach auch. Was einer als oberlehrerhaft empfindet, ist dabei vielleicht gar nicht so gemeint - zumindest müsstest du das ja nicht auf dich beziehen, denn um eure Familie (oder überhaupt eine spezielle Familie) ging es hier ja gar nicht.

Ich finde das interessant hier und habe nicht das Gefühl, "meinen" Weg verteidigen zu müssen, sondern kann durchaus Anregungen mitnehmen. So wars gedacht, glaube ich.
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Lösche Benutzer 17612

Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Lösche Benutzer 17612 »

Sandküste hat geschrieben:Ich möchte und ich will sind hier zwei verschiedene DInge. Und bei keinem kann ich erwarten, dass da "Folge geleistet" wird. Immerhin sind es Menschen mit eigenem Willen und Vorstellungen. Und wenn sie das nun mal nicht probieren möchten und wollen, dann ist das halt so. Ich würde mich ja auch nie im Leben zu so was überreden lassen. Ich probiere, weil ich dann neugierig darauf bin. Würde mich jemand drängen, würde ich es NIE tun. Und es gibt Dinge, die würde ich nie, nie, nie im Leben probieren, da ekelt mich schon die Vorstellung enorm. Warum sollte das bei Kindern anders sein?
Hier muss nichts probiert werden, hier darf der Nachtisch auch vor der Hauptmahlzeit gegessen werden (wenn es welchen gibt, es gibt fast nie welchen) - alles egal. Trotzdem essen sie alle und werden satt und im Großen und Ganzen ist es wohl auch halbwegs ausgewogen. Je älter sie werden, desto mehr probieren sie auch. Ich denke, das ist ganz normal und auch zum Großteil ncoh Instinkt. Bekannte Dinge zu essen schützt halt vor Giftigem/Ungenießbarem. Sich dann überreden zu lassen, zeugt von großem Vertrauen gegebenüber dem Erwachsenen oder dem Überschreiten der eigenen Grenze.
Naja, ich erwarte schon dass Folge geleistet wird. bzw. hinter dem Nicht-Befolgen steht halt meist eine Konsequenz. Wer den Bruder haut, der muss ggf. aus dem Raum. Wer seine Schuhe nicht anzieht, kann nicht mit raus. Wer seine Zähne nicht putzt, bekommt abends nix Süßes mehr. Die Konsequenz kann auch einfach nur sein dass ich deshalb etwas angesäuert bin, das merken Kinder ja auch und es ist ihnen unangenehm.
Ebenso läuft es auch mit meinem Mann ( ich möchte dass Du den Müll rausbringst/den Fernseher leiser stellst damit die Kinder schlafen können...) ich äußere einen Wunsch und habe dabei NICHT die neutrale Sicht dass es mir egal ist, ob derjenige meinem Wunsch Folge leistet. Mir gegenüber werden ja auch solche Erwartungen formuliert.
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