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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 03.05.2013, 19:57
von Wortgewitter
Sandküste, in so einem Fall würde ich mich auch nicht einmischen. Es fällt halt schwer, aber man kann es eh nicht ändern mit herumkritteln, glaube ich.

Im Falle mit oben genannter Freundin war es so, dass ich sie nach ein paar Tagen ansprach, weil ich es verstehen wollte. Mich hatte das Ganze so beschäftigt, ich wollte da einfach reinen Tisch machen.

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 06.05.2013, 12:18
von nacre
Wortgewitter, das ist ja furchtbar! :cry:

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 06.05.2013, 13:50
von 08u11
Furchtbar, sowohl, dass was Sandküste als auch das, was Wortgewitter schreibt.
Da gibt's eigentlich nicht mehr viel dazu zu sagen :( .
Allerdings können Höflichkeitsformeln, auch wenn sie nicht anerzogen sind (zumindest ist mir das nicht bewusst) bei Kleinkindern ganz schön krotesk sein. Bei uns gestern auf dem Spielplatz: J. macht gerade die ersten Erfahrungen mit Töpfchen und Klo und war deshalb ohne Windel draußen - obwohl mir klar war, dass das vermutlich eher nicht klappt. Ist bei dem warmen Wetter und im Freien aber ja egal. Ich frage J. also mal, ob er nicht vielleicht Pipi muss. Und was antwortet unser altkluger 2jähiger prompt: "Nein, nein. Vielen Dank!" Ich habe etwa so :shock: geguckt. 5 Min später war die Hose natürlich nass :D .

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 07.05.2013, 20:44
von danat
Ich habe hier auch mal eine gruselige Szene erlebt. Ein Nachbarsmädchen (noch nicht mal 1,5 Jahre) wollte etwas von seiner Mutter haben (ich glaube es war irgendein Spiezeug oder was zu Trinken). Die Kleine sollte erst "Bitte Bitte!" machen - gemeint war, dass sie in die Hände klatschen sollte. Erst dann hat sie ihr das Erwünschte gegeben. :cry:

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 13.05.2013, 09:46
von MaareMum
danat hat geschrieben:Ich habe hier auch mal eine gruselige Szene erlebt. Ein Nachbarsmädchen (noch nicht mal 1,5 Jahre) wollte etwas von seiner Mutter haben (ich glaube es war irgendein Spiezeug oder was zu Trinken). Die Kleine sollte erst "Bitte Bitte!" machen - gemeint war, dass sie in die Hände klatschen sollte. Erst dann hat sie ihr das Erwünschte gegeben. :cry:
Ach du Schreck, dass ist ja wie bei nem Zirkushund.

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 13.05.2013, 09:55
von Wortgewitter
Krass, das ist ja erniedrigend :shock:

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 13.05.2013, 11:02
von Kristallkind
Sandküste hat geschrieben:Man muss das aber halt nicht beibringen - das tun sie ja von allein, wenn es ihnen wichtig ist.

Ich hab jetzt nur bis hierhin gelesen, wollte hier aber kurz einhaken. "Beibringen" z.B. will ich meinem Kind eigentlich gar nichts. Dass er einen freundlichen Umgangston hat, finde ich aber doch wichtig. Ihm ist es definitiv nicht wichtig, im Kiga "Guten Morgen" zu sagen oder "Danke", auch wenn ich das mache. Er ist ein Träumerlein und denkt üüüüberhaupt nicht an so profane Dinge- ich bin schon froh, wenn er sich mal allein angezogen bekommt oder nach dem Bieseln die Hose wieder hochzieht und zumacht :lol: Wenn wir dann also in Kiga kommen, sag ich meistens zu ihm : "Sagst du bitte noch `Guten Morgen, damit alle wissen dass du da bist?" Er würde einfach reinrasen und ab in die Bauecke und zu seinen Kumpels. Auch wenn man jetzt natürlich wieder diskutieren könnte ob diese Hand-Geberei im Kiga wirklich sein muss. Aber das ist ein andres Thema- und in unsrem kiga ist es halt nun so.
Was das "Danke" betrifft- wenn er es nicht von sich aus sagt, sag ichs einfach und gut ist. Wenn er was geschenkt bekommt,z.B. zum Geburtstag oder Weihnachten und er denkt nicht dran ( was ich völlig verständlich finde, weil man sich ja sofort mit den neuen tollen Sachen beschäftigen muss) dann sag ich: "Magst noch `Danke`sagen?" und das macht er dann auch. Was jedenfalls für mich gar nicht geht, sind erzwungene Danksagungen und Entschuldigungen.
Gestern hatten wir das Thema: Der Wichtel ist in Nachbars Rhabarberbeet gekrochen um sich zu verstecken. Dabei hat er eine stattliche Anzahl Stangen abgebrochen und der Nachbar war verständlicherweise not amused. Obwohl die zwei oft zusammen in der Garage werkeln und sich relativ vertraut sind, wollte er sich nicht entschuldigen. Ich hab ihm erklärt, dass der Nachbar jetzt bissel sauer ist und dass es nett von ihm wär, sich zu entschuldigen.Ich hab gemerkt, dass es ihm sehr schwerfiel, warum auch immer, und hab ihm angeboten, gemeinsam hinzugehen ( er ist oft allein bei besagtem Nachbar zum werkeln). Wollte er auch nicht. Obwohl ich erst ein wenig sauer war, hab ich dann Rhabarbersaft gemacht, dem lieben Nachbarn ne Kanne davon gebracht und mich selbst entschuldigt. Ich hab dann auch drüber nachgedacht, wie entwürdigend es ist, ein Kind vor jemanden zu zerren und zu sagen: "Jetzt entschuldigst du dich aber, und zwar sofort!" Das erleb ich sooo oft bei Kindergartenfreunden...
Fazit: Ich finde Höflichkeit wichtig, aber nicht auf Knopfdruck und mit Zwang. Ich finde es wichtig, sich entschuldigen zu können, aber nicht auf Kommando. Und ich WEISS, dass er das alles prima machen wird, je älter er wird....ein Patentrezept für "richtiges" Verhalten gibts wie immer nicht- es muss für einen passen. Und wenn jemand selbst in diesem Zwangskorsett steckt und sich selbst diese Zwänge auferlegt, klar wird er das dann auch bei den Kinder so handhaben. Würde so eine Mutter, weil sie gelesen hat, dass es "doof" ist, sein Kind zu zwingen, "Bitte" und "Danke" und "Entschuldigung" zu sagen, das dann runterwürgen, aber innerlich vor Wut und Scham platzen, wär damit auch keinem geholfen....

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 13.05.2013, 11:23
von Lösche Benutzer 1828
Aber wo ist der Unterschied zwischen einem "Sag jetzt Danke" oder "Magst Du Dich bedanken?" - wir erwarten in beiden Fällen etwas.
Wäre die Frage "Magst Du....." wirklich ernst gemeint, muss es für uns in Ordnung sein, wenn das KInd dann eben nicht mag und "Nein, mag ich nicht" sagt. Alles andere wäre dann nur eine anders formulierte Aufforderung.
Ich gebe zu, ich habe das auch schon gesagt und in 80% der Fälle meist ein "Nein" bekommen - war dann aber in Ordnung.

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 13.05.2013, 11:28
von Anlu
Wir handhaben es im Allgemeinen so, dass wir dann einfach für das Kind danke sagen. Obwohl mir auch schon oft rausgerutscht ist, dass das Danke heißt. Ich habe da so noch nicht drüber nachgedacht bzw. ist es eben ein Muster, was man so kennt. Naja, allerdings versuche ich es schon zu unterlassen mittlerweile und eben wie gesagt dann selbst "Danke", oder "Entschuldigung" zu sagen.
Ich habe auch schon zu meinem Kinde gesagt gehst du dich bitte bei XY bedanken für das Geschenk, darüber würde sich XY sehr freuen. Das finde ich nicht so schlimm, weiß auch nicht wieso.
Und was hier auch schon vorkam, wenn mein großer etwas wollte und nicht bekam, dass ich dann gesagt habe probier mal lieb gucken und bitte zu sagen, aber dann eher im Scherz, also sehr übertrieben freundlich sein, das versteht er aber denke ich auch, das ist dann eher so wie ein Spiel. ist schwierig zu erklären. Aber da steckt null Erziehungs oder Nichterziehugnsgedanke dahinter, das passt halt einfach so für uns und alle wissen wie das gemeint ist.

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Verfasst: 13.05.2013, 12:25
von Wortgewitter
Nein, ich finde, zwischen einer Bitte/Frage wie 'magst Du Dich bedanken?' oder 'Du, ich wünsche mir, dass Du Dich bedankst' und einer Forderung, die zugegebenermaßen gleich aussehen kann (aber anders klingt) oder gar 'bedank Dich!' ist ein riesen Unterschied. Bei dem einen ist der Mensch, den man bittet, frei. Und beim anderen ist derjenige gezwungen. Die Qualität des Kontaktes ist vollkommen anders, wenn man nein sagen darf.