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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 29.11.2015, 11:28
von Pupu
Moosgloeckchen hat geschrieben:Hej,
Wir sind ebenfalls eine mehrsprachige Familie... Mein Mann und ich zwar rein deutsch, aber da wir in Schweden leben, gehen bei unserer 2 1/2 jährigem Tochter Deutsch und Schwedisch momentan lustig durcheinander.
Gesungen wird zB:
Bruder Jakob, Bruder Jakob, sover du, sover du - hörst du nicht die klocka...
Und gezählt: eins, zwei, en till - drei!
Mit jedem sprachlichen Sprung geht es erst mal durcheinander, dann sortieren sich die Sprachen wieder auseinander, habe ich beobachten können. Momentan lernt sie von sich als "ich" zu sprechen, verwendet dafür allerdings immer das schwedische "jag" oder bei deutschen Sätzen ihren Namen. Das sagt wohl einiges darüber aus, dass das Schwedische für sie mindestens gleichrangig zum Deutschen ist. Sie ist täglich von 9 bis 14 Uhr im Kindergarten und hört dort natürlich nur Schwedisch.
Soweit so unkompliziert... Jetzt ist es allerdings so, dass wir Ende Januar in die USA ziehen (für 1 bis 2 Jahre) und danach entweder nach Deutschland oder Schweden zurückkommen. Sie wird also demnächst drei Vormittage in der Woche in einen amerikanischen Kindergarten gehen.
Ich bin grad etwas unschlüssig, ob wir versuchen sollen ihr Schwedisch über Lieder, Kontakt zu schwedischen Kindern uä aufrechtzuerhalten. Oder das Schwedische einfach durch Englisch "ersetzen"? Es geht mir dabei weniger um ein möglichst vielsprachiges Kind als darum sie in ihrer Sprachentwicklung nicht zu sehr durcheinanderzubringen. Sprachlich passiert momentan so viel und man merkt wie intensiv sie gerade Wortschatz und Grammatik ausbaut und versucht nach Sprachen zu sortieren...
Was habt Ihr so für Erfahrungen gemacht, vor allem bei Auslandsumzügen und Wechsel der Umgebungssprache? Machen die Kinder das unproblematisch mit oder hat's doch gehakt?
Liebe Grüße!
Charlotte
Ich persönlich wäre da wohl eher der Typ "einfach ins kalte Wasser springen" und hätte eher Bedenken, dass der Kindergartenwechsel und dann Umzug in so kurzer Zeit mehr durcheinanderbringen, als wenn es nur der Umzug wäre. Und dann ist ja auch noch Weihnachten dazwischen... Meine Kinder hätte das wohl aus der Bahn geworfen, aber jedes Kind ist da anders und steckt sowas anders weg und ihr wisst sicher am besten, was ihr eurem Kind zutrauen könnt.
Ich würde das Schwedische wohl etwas aufrechterhalten, indem ich schwedische Filme, Musik, Hörspiele etc laufen lasse - da kriegt man ja doch recht viel davon mit, selbst wenn es nur im Hintergrund läuft. Und am besten wäre es noch, wenn ihr in den USA eine schwedische Familie findet und eure Kinder miteinander spielen lasst. Dann wäre die Sprache zumindest ab und an präsent. Mehr würde ich da aber wohl nicht "fördern" und versuchen, aufrechtzuerhalten... das kommt dann sicher von allein zurück, wenn ihr wieder in Schweden unterwegs seid irgendwann. Die Grundlagen sind ja da.
Per Handy unterwegs durch die Tapatalk-Galaxie
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 29.11.2015, 16:47
von Moosgloeckchen
Hej,
Danke für deine Antwort.

Ich habe das etwas missverständlich ausgedrückt -sie wird in den USA in einen englischsprachigen Kindergarten gehen, hier ist sie seit über einem Jahr in einer schwedischen "Dagis" und wird dort auch bis zu unserem Umzug bleiben.
Sind eure Kinder in Finnland geboren? Sie werden dann ja neben Finnisch auch noch Schwedisch lernen, oder ist das nicht mehr verpflichtend an finnischen Schulen?
LG!
moosgloeckchen
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 10.12.2015, 21:46
von Blumee
Wie macht ihr mehrsprachigen Eltern das eigentlich mit den Büchern? Übersetzt ihr den Text in "eure" Sprache (ist das nicht später hinderlich beim Lesenlernen?) oder lest ihr was tatsächlich dort steht, auch wenn es nicht in "eurer" Sprache ist? Wir praktizieren hier ein etwas angepasstes OPOL Deutsch-Französisch-Niederländisch (haben eine Sprache als Familiensprache und passen uns meistens an die Sprache der Gesprächspartner an, da sowohl mein Mann als auch ich alle drei Sprachen beherrschen) Die Vorlesemomente mit meinem Sohn sind ja meist nur zwischen uns beiden, und dann spreche ich normalerweise Französisch mit ihm. Das finde ich aber etwas seltsam, wenn das Buch auf Deutsch oder auf Niederländisch ist. Andererseits finde ich es auch komisch, mit ihm dann (ohne Grund) eine andere Sprache zu sprechen. Euh

versteht ihr was ich meine?

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 10.12.2015, 22:07
von tania
wir machen das wie es kommt. vor allem mein mann liest viele englische buecher ins italienische uebersetzt vor. das lesen lernen zieht sich bei meinem sohn aber eh etwas hin, es sind drei sprachen und das macht es fuer ihn eindeutig schwieriger. wie viel anteil da unser simultan uebersetzen hat, kann ich nicht einschaetzen. wir machen aber eh kein besonders striktes OPOL.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 10.12.2015, 22:21
von amantedealmeria
Wir lesen in der Sprache, in der das Buch ist. Bzw. mein Mann. Ich lese nur die deutschen Bücher. Bisher sind das ja noch sehr viele Reime, da wäre das mit Übersetzen schwierig. Und unser Sohn kann die Bücher meist echt schnell auswendig und fängt jetzt schon an zu korrigieren, wenn was falsch ist. (Auch bei Liedern, ist sehr kontraproduktiv, wenn er eigentlich einschlafen soll!).
Aber da deutsch Familien- und Umgebungssprache ist, spricht der Papa eh immer auch deutsch und nicht nur plötzlich beim Vorlesen.
Ich denke, es ist eher wichtig, dass überhaupt in den verschiedenen Sprachen Bücher vorhanden sind.
Stehgreifübersetzen fände ich (glaube ich) eher seltsam, dann ist es ja kein wirkliches Vorlesen mehr, sondern eher ein Erzählen zu den Bildern? Grad Geschichten, Märchen u.ä. leben ja auch von den Wiederholungen von Phrasen und sind super wichtig fürs Sprache lernen.
von unterwegs gesendet
(mit Sohn, 10/13 und Tochter, 10/15)
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 10.12.2015, 22:33
von Baobab
Wir lesen auch in der Sprache, in der das Buch ist. Leider kommt da die Papasprache sehr kurz...
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 10.12.2015, 22:33
von Nusserl
Wir haben Mama (deutsche) und Papa (Italienische) Bücher. Wollen die Kinder was vorgelesen haben müssen sie den richtigen Elternteil fragen. Im Bücherregal sind die auch dementsprechend sortiert.
Die Grosse liest nun selber, aber bisher auf deutsch, da sie nach der Anlauttabelle lernt.
Meine drei Mädels 07/08, 11/11 und 04/14
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 11.12.2015, 19:55
von nido56
Ich lese in der Sprache, in der das Buch ist. Da ich die Vorlesebeauftragte bin, haben wir viele deutsche Bücher, aber die spanischen übersetze ich nicht.
Ich halte das OPOL-Prinzip aber ohnehin nicht zu 100% durch, und Spanisch ist ja auch unsere Familiensprache. Der Pirat ist es also gewöhnt, dass ich auch Spanisch spreche
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 11.12.2015, 20:26
von Feuerkatze
Ich lese die deutschen Bücher auch auf deutsch. Beim Stehgreifübersetzen geht der Reim verloren und ich fange voll an zu holpern. Mein Mann versucht sich auch ab und zu an den Niederländischen Büchern, aber meistens muss ich die dann lesen.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 16.12.2015, 22:59
von Lösche Benutzer 21522
Wir sind eine deutsch-türkische Familie. Ich spreche deutsch mit unserem Kind und habe türkisch gelernt aber spreche es nicht gut. So verstehe ich das meiste. Meine Frau spricht türkisch mit unserer Kleinen. Die Kinderbücher werden von uns nur in der Sprache gelesen, die wir mit ihr auch sprechen. Wenn ich ein türkisches Buch lesen soll, dann schauen wir uns einfach nur die Bilder an. Soll es gelesen werden, so muss meine Frau ran und umgekehrt. Oder sie sucht sich ein anderes Buch in der passenden Sprache aus. Aber wir haben auch ganz viele Bücher, die direkt zweisprachig sind. Da ergibt sich das Problem nicht.