Hmh, also die Mutter hat in ihrer Sprache mit ihm gesprochen, der Vater in gebrochenem Deutsch, und er hat beides nicht gelernt? Das finde ich kurios. Wenn man von Geburt an mit einem Kind in einer Sprache redet, lernt es die doch? Das wundert mich irgendwie.autriche hat geschrieben:Naja, seine Eltern konnten ja nichts dran ändern, dass sie kein Deutsch können. Wie hätten sie es anders machen sollen? Die jeweiligen Muttersprachen der Eltern haben mein Mann und sein Bruder ja auch nicht gelernt, obwohl die Mutter heute noch wenig und sehr schlecht Deutsch spricht und immer mal wieder Wörter und Sätze in ihrer eigenen Sprache dazwischenwirft. Auch hat sie kaum Kontakt zu Deutschen, sondern umgibt sich nur mit Landsleuten.
Mein Mann ärgert sich immer, wenn er gefragt wird, warum er die Muttersprache seiner Mutter nicht kann. Er ist der Auffassung, das sei NICHT selbstverständlich, sondern klappt nur ausnahmsweise. Ist ein sehr emotionales Thema bei ihm. Wenigstens sieht er sein Englisch als Projekt, das jederzeit auslaufen kann.
Wenn ich ein überzeugendes alternatives Konzept hätte, würde ich mich dafür stark machen.
Wie gesagt, ich habe seinen Durchhaltewillen unterschätzt und habe nun den Salat. Irgendwie finde ich, dass gleich hätte nein sagen müssen und dass es mit jedem weiteren Monat schwerer (und ihm gegenüber unfairer) wird, um den Abbruch des Projekts zu bitten.
Der Kinderarzt war sicherlich mit Zweisprachigkeit unerfahren und wusste sich nicht anders zu helfen, als zu sagen, es wäre besser, sich auf eine Sprache festzulegen. Dass die Eltern den Rat des Arztes befolgt haben ist dann tatsächlich nicht ihre Schuld, das kann ich nachvollziehen. Wahrscheinlich war er einfach generell ein Spätzünder beim Sprechen und das würde dann auf die Zweisprachigkeit gemünzt. So viel wird da ja mit Logopädie und co noch nicht gewesen sein, wie da heutzutage gemacht wird...
Das ist tatsächlich ganz arg kniffelig, da dein Mann zu Sprache ein ganz anderes Verhältnis hat. Ein Umzug in ein englischsprachiges Land ist, vermute ich, keine Option? Dann würde ich stattdessen versuchen, mit englischsprachigen Kindern in Kontakt zu kommen. Mit solchen, die hauptsächlich englisch sprechen, englisch als Muttersprache. Und dann schauen, wie es sich entwickelt.
Ich bin im Übrigen der Meinung, dass das mit der Mehrsprachigen Erziehung bei den meisten ganz hervorragend klappt, dass die Kinder da aus mehreren Sprachen was mitnehmen, aber in mindestens einer Sprache doch recht sattelfest sind. Hat er denn noch andere Gegenbeispiele als sich selbst? Aber vor allem: hat er denn POSITIVE Beispiele im Bekanntenkreis? Solche, wo OPOL von Muttersprachlern praktiziert wird und es GUT klappt? Vielleicht merkt er dann den Unterschied?
Ein Bisschen seltsam finde ich es übrigens, dass er einerseits der Meinung ist, Zweisprachigkeit würde nur zufällig manchmal klappen, er andererseits aber konsequent versucht, eure Tochter zweisprachig zu erziehen. Macht er sie damit nicht irgendwie zu einem Versuchskaninchen? Seiner Auffassung nach wäre das dann ja mit gewisser Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt, und er setzt sie dem Risiko aus, dass es ihr so ergeht wie ihm auch - und dennoch setzt er es durch. So richtig nachvollziehbar finde ich seine Motivation dahinter irgendwie noch nicht.