Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
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Lösche Benutzer 7240
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Das einzige frz.-sprachige Forum, in dem ich es ausgehalten habe (damals noch nix Kindsbezogenes) war eins, wo man in korrekter Schriftsprache schreiben musste. Also kein ké und solche Scherze ...
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Lösche Benutzer 20986
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Ich erzähle jetzt mal wie es dazu gekommen ist:
Wir waren im Winter 2014 im Urlaub in den USA, unsere Tochter war gerade 8 Monate alt. Mein Mann hat als Jugendlicher ein Jahr in Kalifornien verbracht und es geliebt. Die Idee, mit unserer Tochter nur noch Englisch zu sprechen, war sozusagen ein Mitbringsel aus dem Urlaub. Er hat mich auch vorher gefragt, ob ich etwas dagegen hätte. In dem Moment konnte ich das noch nicht überblicken und spürte, dass es sein inniger Wunsch war, also habe ich mich einverstanden erklärt. Ich bin davon ausgegangen, dass die Idee in der Urlaubsatmosphäre entstanden ist und er es zu Hause eh nicht lange durchhält. Lieber wollte ich, dass es zu Hause von alleine ausläuft als dass es nachher heißt, ich habe mich quer gestellt und dem Kind Chancen verbaut. Da habe ich mich aber verkalkuliert! Es läuft jetzt 1 1/2 Jahr und es ist kein Ende in Sicht! Nun bereue ich es, dass ich so ganz ohne Bedenkzeit zugestimmt habe.
Gibt es denn ein Konzept, dass ich als Alternative ins Spiel bringen könnte? Eine englische Spielgruppe z.B. oder einen internationalen Kindergarten (ist nicht billig, gibt es aber bei uns in der Stadt)? Oder eine "englische Stunde", in der es englische Lieder, Reime und Fingerspiele gibt? Da könnten wir ja sicherstellen, dass es richtig ist und beide mitmachen. Gibt es da Studien, Fachartikel, Erfahrungsberichte etc.? Ich glaube, es wird schwierig für mich, jetzt noch einen Kurswechsel durchzusetzen.
Mein Mann hat selbst übrigens schlechte Erfahrungen mit mehrsprachiger Erziehung. Seine Eltern, beide keine Muttersprachler, habe zu Hause ihr gebrochenes Deutsch gesprochen, der Vater mit den Kindern nur Deutsch und die Mutter ihre Muttersprache. Mit 4 sprach mein Mann noch nicht, sodass der Kinderarzt dazu riet, nur noch Deutsch mit ihm zu sprechen. In der Schule galt er als Nichtmuttersprachler, beherrschte aber auch keine andere Sprache, praktisch nur das gebrochene Deutsch seiner Eltern. Deshalb hat das Englisch, das er in der Gastfamilie gelernt hat, auch einen "so starken Abdruck hinterlassen". Manche Begriffe hat er zuerst auf Englisch gelernt und nutzt sie deshalb heute noch. Oft fällt ihm ein Wort also zuerst auf Englisch ein oder auch nur auf Englisch.
Ist also eine kniffelige Gesamtsituation... Ich warte auf Eure Ratschläge!
Wir waren im Winter 2014 im Urlaub in den USA, unsere Tochter war gerade 8 Monate alt. Mein Mann hat als Jugendlicher ein Jahr in Kalifornien verbracht und es geliebt. Die Idee, mit unserer Tochter nur noch Englisch zu sprechen, war sozusagen ein Mitbringsel aus dem Urlaub. Er hat mich auch vorher gefragt, ob ich etwas dagegen hätte. In dem Moment konnte ich das noch nicht überblicken und spürte, dass es sein inniger Wunsch war, also habe ich mich einverstanden erklärt. Ich bin davon ausgegangen, dass die Idee in der Urlaubsatmosphäre entstanden ist und er es zu Hause eh nicht lange durchhält. Lieber wollte ich, dass es zu Hause von alleine ausläuft als dass es nachher heißt, ich habe mich quer gestellt und dem Kind Chancen verbaut. Da habe ich mich aber verkalkuliert! Es läuft jetzt 1 1/2 Jahr und es ist kein Ende in Sicht! Nun bereue ich es, dass ich so ganz ohne Bedenkzeit zugestimmt habe.
Gibt es denn ein Konzept, dass ich als Alternative ins Spiel bringen könnte? Eine englische Spielgruppe z.B. oder einen internationalen Kindergarten (ist nicht billig, gibt es aber bei uns in der Stadt)? Oder eine "englische Stunde", in der es englische Lieder, Reime und Fingerspiele gibt? Da könnten wir ja sicherstellen, dass es richtig ist und beide mitmachen. Gibt es da Studien, Fachartikel, Erfahrungsberichte etc.? Ich glaube, es wird schwierig für mich, jetzt noch einen Kurswechsel durchzusetzen.
Mein Mann hat selbst übrigens schlechte Erfahrungen mit mehrsprachiger Erziehung. Seine Eltern, beide keine Muttersprachler, habe zu Hause ihr gebrochenes Deutsch gesprochen, der Vater mit den Kindern nur Deutsch und die Mutter ihre Muttersprache. Mit 4 sprach mein Mann noch nicht, sodass der Kinderarzt dazu riet, nur noch Deutsch mit ihm zu sprechen. In der Schule galt er als Nichtmuttersprachler, beherrschte aber auch keine andere Sprache, praktisch nur das gebrochene Deutsch seiner Eltern. Deshalb hat das Englisch, das er in der Gastfamilie gelernt hat, auch einen "so starken Abdruck hinterlassen". Manche Begriffe hat er zuerst auf Englisch gelernt und nutzt sie deshalb heute noch. Oft fällt ihm ein Wort also zuerst auf Englisch ein oder auch nur auf Englisch.
Ist also eine kniffelige Gesamtsituation... Ich warte auf Eure Ratschläge!
- Pupu
- Dipl.-SuT
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- Wohnort: Finnland
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Wenn es nicht so kniffelig wäre, wäre es fast schon lustig... da wiederholt dein Mann munter die Fehler seiner Eltern. Sieht er das wirklich nicht selbst? Oder ist er der Meinung, dass das alles so super war, wie es seine Eltern gemacht haben? Hast du ihn darauf mal angesprochen?
Lg aus Finnland von Pupu mit Wildgurke
(02/09), Quatschbanane
(08/11) und zwei Minimöhrchen 
(07/17)
"I'm not procrastinating. I'm doing side quests!"
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Lösche Benutzer 20986
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Naja, seine Eltern konnten ja nichts dran ändern, dass sie kein Deutsch können. Wie hätten sie es anders machen sollen? Die jeweiligen Muttersprachen der Eltern haben mein Mann und sein Bruder ja auch nicht gelernt, obwohl die Mutter heute noch wenig und sehr schlecht Deutsch spricht und immer mal wieder Wörter und Sätze in ihrer eigenen Sprache dazwischenwirft. Auch hat sie kaum Kontakt zu Deutschen, sondern umgibt sich nur mit Landsleuten.
Mein Mann ärgert sich immer, wenn er gefragt wird, warum er die Muttersprache seiner Mutter nicht kann. Er ist der Auffassung, das sei NICHT selbstverständlich, sondern klappt nur ausnahmsweise. Ist ein sehr emotionales Thema bei ihm. Wenigstens sieht er sein Englisch als Projekt, das jederzeit auslaufen kann.
Wenn ich ein überzeugendes alternatives Konzept hätte, würde ich mich dafür stark machen.
Wie gesagt, ich habe seinen Durchhaltewillen unterschätzt und habe nun den Salat. Irgendwie finde ich, dass gleich hätte nein sagen müssen und dass es mit jedem weiteren Monat schwerer (und ihm gegenüber unfairer) wird, um den Abbruch des Projekts zu bitten.
Mein Mann ärgert sich immer, wenn er gefragt wird, warum er die Muttersprache seiner Mutter nicht kann. Er ist der Auffassung, das sei NICHT selbstverständlich, sondern klappt nur ausnahmsweise. Ist ein sehr emotionales Thema bei ihm. Wenigstens sieht er sein Englisch als Projekt, das jederzeit auslaufen kann.
Wenn ich ein überzeugendes alternatives Konzept hätte, würde ich mich dafür stark machen.
Wie gesagt, ich habe seinen Durchhaltewillen unterschätzt und habe nun den Salat. Irgendwie finde ich, dass gleich hätte nein sagen müssen und dass es mit jedem weiteren Monat schwerer (und ihm gegenüber unfairer) wird, um den Abbruch des Projekts zu bitten.
- chennai
- Prof. Dr. SuT
- Beiträge: 7506
- Registriert: 04.04.2009, 21:41
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
austriche, wie reagiert denn deine Tochter auf das Englisch? Vielleicht ist es ja nur für dich das heimelige Gefühl mehr da, wenn dein Mann deutsch mit ihr singt / spricht, für die beiden besteht das aber auch auf Englisch?
Was du über die Sprachentwicklung deines Mannes schreibst könnte man ja durchaus so deuten, dass Englisch eher Herzenssprache für ihn ist als Deutsch. Spricht er denn jetzt muttersprachliches Deutsch? Aber jedenfalls könnte es ja sein, dass er selbst bei Deutsch gerade kein heimeliges Gefühl hat...
Gegen diese Interpretation spricht, dass er Englisch mit Tochter als Projekt sieht.
Trotzdem, aus welchem Grund genau würdest du dieses Projekt lieber abbrechen? Weil er nicht ganz korrekt spricht oder weil (dir) auf der Gefühlsebene etwas fehlt?
Wenn er 1 Jahr in den USA gelebt hat, spricht er dann wirklich so schlecht (ich weiß natürlich dass so ein Auslandsaufenthalt keine Garantie für gute Grammatik etc. ist, aber meist ist das Niveau danach doch höher als nur mit Schulenglisch)?
Ich glaube, wenn ihm so viel daran liegt, würde ich eher für zusätzlichen korrekten Input beim Kind sorgen, als das Projekt abzubrechen. Oder ihm sagen, dass man OPOL nicht unbedingt rigoros durchziehen muss. Wenn du magst, kannst du mal milkshake (? - bin mir grad nicht mehr sicher) anschreiben, sie hat auch irgendwo hier geschrieben, dass sie mit ihrer Tochter regelmäßig englisch spricht, damit sie den Kontakt zum Vater in den USA und dessen Familie halten kann. Vielleicht hat sie noch Tipps und zusätzliche Infos.
Was du über die Sprachentwicklung deines Mannes schreibst könnte man ja durchaus so deuten, dass Englisch eher Herzenssprache für ihn ist als Deutsch. Spricht er denn jetzt muttersprachliches Deutsch? Aber jedenfalls könnte es ja sein, dass er selbst bei Deutsch gerade kein heimeliges Gefühl hat...
Gegen diese Interpretation spricht, dass er Englisch mit Tochter als Projekt sieht.
Trotzdem, aus welchem Grund genau würdest du dieses Projekt lieber abbrechen? Weil er nicht ganz korrekt spricht oder weil (dir) auf der Gefühlsebene etwas fehlt?
Wenn er 1 Jahr in den USA gelebt hat, spricht er dann wirklich so schlecht (ich weiß natürlich dass so ein Auslandsaufenthalt keine Garantie für gute Grammatik etc. ist, aber meist ist das Niveau danach doch höher als nur mit Schulenglisch)?
Ich glaube, wenn ihm so viel daran liegt, würde ich eher für zusätzlichen korrekten Input beim Kind sorgen, als das Projekt abzubrechen. Oder ihm sagen, dass man OPOL nicht unbedingt rigoros durchziehen muss. Wenn du magst, kannst du mal milkshake (? - bin mir grad nicht mehr sicher) anschreiben, sie hat auch irgendwo hier geschrieben, dass sie mit ihrer Tochter regelmäßig englisch spricht, damit sie den Kontakt zum Vater in den USA und dessen Familie halten kann. Vielleicht hat sie noch Tipps und zusätzliche Infos.
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)
Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
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- amantedealmeria
- ist nicht mehr wegzudenken
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- Registriert: 27.02.2014, 16:13
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Das mit dem gebrochenen Deutsch, was weitergegeben wird statt in der Muttersprache zu reden, kenne ich hier leider auch. Wir sind die einzigen im Verwandtenkreis meines Mannes, die russisch durchziehen. Alle anderen mühen sich lieber in grauselig gebrochenem Deutsch mit den Kindern ab. Irgendwo verstehe ich es ja, weil sie eben nicht wollen, dass die Kinder vor den gleichen Sprachproblemen stehen wie sie, aber es kommt einfach nicht in den Köpfen an, dass Kinder anders lernen als Erwachsene.
Jetzt nach 4 Tagen mit dem Wurm spricht meine Schwiegermutter langsam fast nur noch russisch mit ihm, es ist einfach auch immer eine Umstellung für sie. Mit allen anderen Russisch-sprechern hier spricht sie aber halt auch kein reines Russisch mehr, sondern alle schmeißen alles durcheinander. Ich glaub, es ist auch einfach ein anderes Herangehen an Mehrsprachigkeit, ob man Fremdsprachen freiwillig lernt, oder gezwungen zweisprachig aufwächst durchs Auswandern und einfach nur möglichst schnell alles "alte" hinter sich lassen und nicht auffallen will. Mein Mann steht voll hinter der Zweisprachigkeit des Wurms, hatte aber anfangs echt Probleme, in der Öffentlichkeit Russisch mit ihm zu reden, weil er nicht als Russe "abgestempelt" werden wollte.
Jetzt nach 4 Tagen mit dem Wurm spricht meine Schwiegermutter langsam fast nur noch russisch mit ihm, es ist einfach auch immer eine Umstellung für sie. Mit allen anderen Russisch-sprechern hier spricht sie aber halt auch kein reines Russisch mehr, sondern alle schmeißen alles durcheinander. Ich glaub, es ist auch einfach ein anderes Herangehen an Mehrsprachigkeit, ob man Fremdsprachen freiwillig lernt, oder gezwungen zweisprachig aufwächst durchs Auswandern und einfach nur möglichst schnell alles "alte" hinter sich lassen und nicht auffallen will. Mein Mann steht voll hinter der Zweisprachigkeit des Wurms, hatte aber anfangs echt Probleme, in der Öffentlichkeit Russisch mit ihm zu reden, weil er nicht als Russe "abgestempelt" werden wollte.
1. Kor. 10, 23-24:
Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.
Mit Sohn, 10/13 und Tochter 10/15
Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.
Mit Sohn, 10/13 und Tochter 10/15
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Lösche Benutzer 7240
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Ach das klingt aber wirklich nach einer schwierigen Situation ... also hat Dein Mann gar keine "richtige" Muttersprache? Das stell ich mir so schwer und auch traurig vor ...
Vielleicht ist das Englisch dann tatsächlich das, was am nächsten an seine Herzenssprache herankommt? So ganz laienhaft würde ich jetzt erstmal drauf achten, dass Dein Kind auf jeden Fall eine Muttersprache bekommt, und das wird ja klappen, oder, mit deutsch? Dann schauen, wie es Deinem Kind mit dem Englisch Deines Mannes tatsächlich geht, vielleicht hat es tatsächlich nur für Dich etwas trennendes? Tja und ansonsten: englische Kinderfilmchen und -serien schauen, nursery rhymes auf CD (kommen hier besser an als die deutschen oder - noch schlimmer - französischen Kinderlieder) und wenn ihr auf einem Haufen Geld sitzt, eine englisch(Mutter)sprachige Nanny
Die englischen Spielgruppen und Kigas sind durchmischt, oft besuchen Nicht-Muttersprachler die, die halt englisch lernen sollen - kommt aber bestimmt drauf an. So Sachen wie einmal die Woche zwei Stunden Spielgruppe haben aber mit einem richtigen Spracherwerb nicht viel zu tun, das ist mehr Spielerei.
Vielleicht ist das Englisch dann tatsächlich das, was am nächsten an seine Herzenssprache herankommt? So ganz laienhaft würde ich jetzt erstmal drauf achten, dass Dein Kind auf jeden Fall eine Muttersprache bekommt, und das wird ja klappen, oder, mit deutsch? Dann schauen, wie es Deinem Kind mit dem Englisch Deines Mannes tatsächlich geht, vielleicht hat es tatsächlich nur für Dich etwas trennendes? Tja und ansonsten: englische Kinderfilmchen und -serien schauen, nursery rhymes auf CD (kommen hier besser an als die deutschen oder - noch schlimmer - französischen Kinderlieder) und wenn ihr auf einem Haufen Geld sitzt, eine englisch(Mutter)sprachige Nanny
- coccolone
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Ich find's schwierig. Einerseits sollen Eltern doch bitte sehr ihre Muttersprache mit den Kindern sprechen, andererseits sollen sie aber gefälligst Deutsch sprechen, denn schließlich sind wir ja in Deutschland. Dann ist das aber auch wieder falsch, denn so geben sie Fehler weiter. Ja was denn nun? Auch gibt es bei den Fremdsprachen anscheinend "gute" und "schlechte". Ist Englisch die Zweitsprache ist alles toll. Die Vorteile, die das Kind dadurch hat, und wie klasse es ist, dass so ein kleines Kind schon Englisch kann, blah blah blah. (Alles schon gehört.) Ist die Zweitsprache aber Russisch, Polnisch, Türkisch, etc., sieht die Sache gleich anders aus und die Wahrnehmung der Außenstehenden ist viel weniger positiv.
Letztlich finde ich sollte jede Familie das machen, was zu ihr passt und was sich für jedes Familienmitglied natürlich und richtig anfühlt. Meine Eltern haben z.B. verschiedene Muttersprachen und ihre gemeinsame Sprache war die Umgebungssprache, also Deutsch. Das war dann auch unsere Familiensprache. Die Zweitsprache habe ich von meiner Oma mitbekommen. Das hat halt für unsere Familie gepasst. Übrigens war das Deutsch meiner Eltern früher auch nicht immer komplett fehlerfrei und dennoch spreche ich fehlerfreies Deutsch. Das Lustige ist, dass viel mehr Herkunftsdeutsche in meiner Umgebung grammatikalische Fehler machen und diese an die Kinder weitergeben. Da beschwert sich dann aber auch niemand drüber.
Ich finde den Austausch hier sehr gut, aber würde auf jeden Fall zu Bedenken geben, dass es eben keine "one size fits all" Lösung gibt.
Letztlich finde ich sollte jede Familie das machen, was zu ihr passt und was sich für jedes Familienmitglied natürlich und richtig anfühlt. Meine Eltern haben z.B. verschiedene Muttersprachen und ihre gemeinsame Sprache war die Umgebungssprache, also Deutsch. Das war dann auch unsere Familiensprache. Die Zweitsprache habe ich von meiner Oma mitbekommen. Das hat halt für unsere Familie gepasst. Übrigens war das Deutsch meiner Eltern früher auch nicht immer komplett fehlerfrei und dennoch spreche ich fehlerfreies Deutsch. Das Lustige ist, dass viel mehr Herkunftsdeutsche in meiner Umgebung grammatikalische Fehler machen und diese an die Kinder weitergeben. Da beschwert sich dann aber auch niemand drüber.
Ich finde den Austausch hier sehr gut, aber würde auf jeden Fall zu Bedenken geben, dass es eben keine "one size fits all" Lösung gibt.
"You can't start a new chapter in your life, if you keep re-reading the last one."
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Feuerkatze
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
@autriche: ich würde es nicht so eng sehen. Denke auch, dass Englisch seine Herzenssprache ist. Und eben mit einem Jahr Aufenthalt dort (und auch dem manche Worte überhaupt erstmal auf Englisch gelernt zu haben) sind es ja doch deutlich bessere Voraussetzungen als reines schlechtes Schulenglisch.
Meine Schwester schickt ihre Tochter jetzt einmal die Woche auf eine Deutsche Schule. Sie ist wie ich zweisprachig aufgewachsen, wohnt aber in den Niederlanden. Bei ihnen klappt die 50% Verteilung der Sprachen nicht, da sie nicht die Hauptbezugsperson ist, sondern ihr niederländischer Mann. Das heisst die Kinder bekommen tagsüber das Niederländisch vom Vater und das Niederländisch der Betreuer in der Spielgruppe/Schule/KiTa. Die Grosse (4) versteht zwar Deutsch, spricht aber überwiegend Niederländisch. Das Deutsch meiner Schwester ist in den 20 Jahren die sie jetzt nicht mehr in Deutschland lebt doch etwas schlechter geworden (so wie mein Niederländisch auch). Sie hofft mit der Deutschen Schule, dass meine Nichte sowohl merkt, dass man mit Deutsch auch mit anderen Kindern sprechen kann als auch, dass korrektes Deutsch gelernt wird.
Ich denke also, dass die Idee mit der englischen Spielgruppe nicht das Schlechteste ist.
Meine Schwester schickt ihre Tochter jetzt einmal die Woche auf eine Deutsche Schule. Sie ist wie ich zweisprachig aufgewachsen, wohnt aber in den Niederlanden. Bei ihnen klappt die 50% Verteilung der Sprachen nicht, da sie nicht die Hauptbezugsperson ist, sondern ihr niederländischer Mann. Das heisst die Kinder bekommen tagsüber das Niederländisch vom Vater und das Niederländisch der Betreuer in der Spielgruppe/Schule/KiTa. Die Grosse (4) versteht zwar Deutsch, spricht aber überwiegend Niederländisch. Das Deutsch meiner Schwester ist in den 20 Jahren die sie jetzt nicht mehr in Deutschland lebt doch etwas schlechter geworden (so wie mein Niederländisch auch). Sie hofft mit der Deutschen Schule, dass meine Nichte sowohl merkt, dass man mit Deutsch auch mit anderen Kindern sprechen kann als auch, dass korrektes Deutsch gelernt wird.
Ich denke also, dass die Idee mit der englischen Spielgruppe nicht das Schlechteste ist.
Mit Frühlingskind (05/2013) und Herbstkind (11/2014)
- emm
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1357
- Registriert: 04.09.2012, 11:11
- Wohnort: Tirol
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Ah, gerade bin ich beim Tippen eines laengeren Beitrags unterbrochen worden und coccolone hat noch viel besser formuliert, was ich auch sagen wollte. Es gibt wohl keine allgemeingueltigen Loesungen, weil Menschen und Lebenssituationen so unterschiedlich sind.
Unterschiedliche Wertigkeit der Zweitsprachen erleb ich hier auch immer, von Englisch sind alle total begeistert - aber warum um Himmels Willen spricht eine Griechin Griechisch mit ihren Kindern? Das braucht man ja quasi nie. Da schwing ich gern Linguistikkeule, weil recht gut belegt ist, dass Mehrsprachigkeit den Spracherwerb und die Verarbeitung im Hirn foerdert, voellig unabhaengig vom Prestige der Sprachen. Die Grammatikfehler, die von den Einheimischen hier standardmaessig gemacht werden, muessen auch jahrelang im Deutschunterricht abtrainiert werden...
Keine wirklich komplette "Muttersprache" zu haben, kann ich mir gar nicht richtig vorstellen, wow.
Unterschiedliche Wertigkeit der Zweitsprachen erleb ich hier auch immer, von Englisch sind alle total begeistert - aber warum um Himmels Willen spricht eine Griechin Griechisch mit ihren Kindern? Das braucht man ja quasi nie. Da schwing ich gern Linguistikkeule, weil recht gut belegt ist, dass Mehrsprachigkeit den Spracherwerb und die Verarbeitung im Hirn foerdert, voellig unabhaengig vom Prestige der Sprachen. Die Grammatikfehler, die von den Einheimischen hier standardmaessig gemacht werden, muessen auch jahrelang im Deutschunterricht abtrainiert werden...
Keine wirklich komplette "Muttersprache" zu haben, kann ich mir gar nicht richtig vorstellen, wow.
das emm mit Löwenkind (08/2012), Fräulein Igel (09/2013) und kleinem Geheimniskrämer (11/2017)