Waldbewohnerin hat geschrieben: 10.04.2023, 11:36
Gibt es ein Enzym in der Muttermilch, dass die Milch für Babys unverträglich macht?
Eine Bekannte hat mir das gestern erzählt. Sie hat ihr erstes Kind deswegen nach 8 Wochen abgestillt und das zweite gar nicht erst, weil es ja an ihrer Milch liegt. Ich finde so auf die schnelle nichts und eine Milcheiweißallergie war es wohl nicht ("nein, nein das hat nichts damit zu tun was ich esse, das ist immer in meiner Milch dieses Enzym").
Also, solche Sachen finde ich ja sehr spannend (ich bin Biochemikerin

) und habe jetzt mal ein bisschen gesucht, ob es da etwas gibt, das ich nicht auf dem Schirm habe. Habe aber spontan nichts gefunden. Falls es jemanden interessiert, den (populärwissenschaftlichen

) Übersichtsartikel finde ich gut:
https://www.verywellfamily.com/enzymes- ... ilk-431797
Grob vereinfacht ist die Funktion der Enzyme in der Muttermilch (a) das Baby vor Keimen zu schützen und (b) dem Baby beim Verdauen zu helfen. Die Lipase z. B. hilft beim Verdauen und macht den seifigen Geschmack in aufgetauter MuMi. Keins dieser Enzyme sollte in der Lage sein beim Baby zu Problemen zu führen, weil das Baby diese Enzyme selbst produzieren wird, wenn es etwas älter ist. Natürlich ist es denkbar, dass das Baby eine extrem seltene Autoimmunerkrankung hat, bei der es gegen irgendein menschliches Enzym vereinfacht gesagt eine "Allergie" entwickelt. Ich glaube aber nicht, dass das bei der Bekannten der Fall war, aus drei Gründen: (1) Das würde zu lebenslangen Problemen beim Kind führen und hier ist die Mutter ja überzeugt, dass das Problem "nur" auf das Stillen beschränkt ist (2) Es würde das Geschwister nicht betreffen (3) Ich glaube nicht, dass so etwas diagnostiziert werden würde, "nur" weil ein kleines Baby Bauchschmerzen hat und weint. Das tun bekanntlich fast alle Babys und die Diagnostik, die es bräuchte, um sowas zu finden wäre schon krass.
Andersherum könnte es völlig hypothetisch auch sein, dass die Mutter eine seltene Genveränderung hat, die dazu führt, dass sie irgendein merkwürdiges Enzym produziert, das in die Muttermilch übergeht und dann bei den Babys Immunreaktionen hervorruft. Aber wieder, ich wüsste nicht, wie so etwas bei ihr diagnostiziert worden sein könnte.
Ich tippe darauf, dass da irgendein sehr großes Missverständnis von ihrer Seite vorliegt oder - genau wie du vermutest - dass das Baby eine Kuhmilcheiweißunverträglichkeit hatte. Vielleicht hat der behandelnde Arzt selbst extrem wenig Plan von Biochemie gehabt (soll bei Ärzten ja durchaus vorkommen, no offence

) und ihr was von "Enzym" erzählt hat, obwohl er "Protein" meinte (alle Enzyme sind Proteine. Aber nicht alle Proteine sind Enzyme.) Und dass er außerdem der Ansicht war "Milch gehört zu einer gesunden Ernährung dazu", also den Gedanken absurd fand, der Mutter eine kuhmilchfreie Ernährung vorzuschlagen.
Dagegen spricht, dass die Kinder ja anscheinend normale Pre bekommen haben...
Vielleicht war es also auch einfach so, dass sie sich belesen hat, eine persönliche Theorie aufgestellt hat, in der "Enzym in der Muttermilch" vorkam, auf Pre umgestellt hat und auf einmal ein zufriedenes Baby hatte - Theorie bestätigt
Für den Fall, dass aber ganz einfach stimmt, was sie gesagt hat, wär ich echt wahnsinnig neugierig, um was für ein Enzym es sich da handelt und vor allem, wie das dann diagnostiziert worden ist. Ganz im Ernst! Ich weiß ja nicht, wie euer Verhältnis ist. Aber vielleicht kannst du ja doch nochmal vorsichtig nachfragen. "Du, ich interessiere mich echt fürs Stillen und für Muttermilch allgemein, darum habe mich gefragt, wie das damals bei euch genau gelaufen ist. Ich freu mich immer, wenn ich da neue Sachen dazulerne, weil manchmal Frauen mit Stillproblemen auf mich zukommen. Magst du mir erzählen, wie du damals rausgefunden hast, dass die Probleme von diesem Enzym kamen?"