Kurze Aussage vorweg:
Nach sämtlichen Narkosen und Sedierungen kann gestillt werden, sobald die Mutter wach genug ist, ihr Kind zu halten.
Konkret für Dein Mittel gilt sogar laut Deutscher Hebammenzeitschrift (Ausgabe 06/2021):
Zur Prämedikation ist etwa das Benzodiazepin Midazolam besser geeignet als Diazepam. Es wirkt kürzer und ist weniger fettlöslich.
Du kannst also ganz beruhigt stillen.
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Da das Thema aber immer wieder mal aufkommt und man dann doch ins googlen und grübeln kommt, hier die ausführliche Fassung:
Solina hat geschrieben: 07.01.2023, 13:41
Ich habe noch eine Quelle:
http://www.gifte.de/Antidote/dormicum.htm
Ich persönlich würde die dort empfohlenen vier Stunden schon warten, weil
die Nebenwirkungen von Dormicum bei Kindern können sehr unangenehm sein (Mein Neffe war mit 2 Jahren völlig neben sich und hat geschlagen und gebissen, und er hatte nur eine sehr geringe Dosis. Mein Großer hat es hingegen mit einem Jahr sehr gut vertragen.).
Danke für Deine Erfahrungen, ich bitte aber darum, hier besser zu differenzieren:
Die eventuell auftretenden
Nebenwirkungen von Dormicum bei Kindern beziehen sich auf Kinder, die SELBST Dormicum in wirksamer, sedierender Dosierung verabreicht bekommen haben - NICHT nur Spuren des Mittels über die Muttermilch!
Selbst in der von Dir zitierten Quelle steht zur Stillzeit:
Midazolam geht aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit nur in geringen Mengen in die Muttermilch über. Bis zu 4 Stunden nach Anwendung von Midazolam sollte nicht gestillt werden. Midazolam sollte in der Stillzeit nicht in hohen Dosen und nicht über einen längeren Zeitraum angewendet werden.
Von "hohen Dosen" oder "über einen längeren Zeitraum" kann hier ja in keiner Weise die Rede sein.
Wir haben zudem keine Ahnung, worauf sich diese Quelle stützt bzgl. Stillzeit und wie sie auf "vier Stunden nach Anwendung" (hieße übrigens: nach Verabreichung des Mittels vor dem Eingriff, nicht vier Stunden nach dem Eingriff) kommt.
Embryotox, als relevante Quelle schreibt:
Stillzeit
Es liegen publizierte Erfahrungen zu 19 Mutter-Kind-Paaren vor.
Pharmakokinetik
HWZ: weniger 1,5- 2,5 h; Proteinbindung: bis zu 98%; molare Masse: 325; relative Dosis: 0,63%; M/P-Quotient: 0,15; orale Bioverfügbarkeit: 40- 50%.
Klinik
In einer Studie mit 19 Müttern, die Midazolam (wahrscheinlich oral) einnahmen, wurde nicht von Sedierung bei den Säuglingen berichtet.
Empfehlung
Einzeldosen erfordern wahrscheinlich keine Stillpause. Zum Stillen bei Langzeitbehandlung lassen die bisherigen Erfahrungen keine differenzierte Risikobewertung zu.
Embryotox muss "wahrscheinlich" schreiben, weil die 19 beobachtete Einzelfälle, auf die es sich hier stützt, natürlich keine große Menge an offiziell in Studien(!) beobachteten Fällen sind.
(Irgendeins von zehntausenden Babys könnte u.U. ja durchaus mal ein winziges Frühgeborenes mit einer Stoffwechselstörung sein, die evtl. schon gegen mit der Nahrung aufgenommene Spuren von Sedativa überempfindlich macht. Wer weiß das schon. Es ist aber eben nicht "wahrscheinlich".)
Die Erfahrung mit üblichen Narkosemitteln (und dementsprechend auch den verwendeten Sedativa) ist aber
in der Praxis sehr hoch.
Es gilt, dass die Mutter wieder stillen kann, sobald sie selbst wieder wach genug dazu ist. Denn zu diesem Zeitpunkt ist das verwendete Mittel aus ihrem Blut wieder raus und entsprechend auch aus ihrer Milch, die nämlich keine Medikamente "speichert", sondern in direktem Rückaustausch mit dem Blut steht.
(Frühere Empfehlungen zu mehrstündigen Stillpausen oder gar zum "Abpumpen und verwerfen der ersten Portion" Milch nach Anwendung von Mittel XY basieren auf der irrigen Annahme, Milch würde auf Vorrat produziert und dann quasi unabhängig vom Blutkreislauf der Mutter irgendwo in der Brust gespeichert: enthielte also Stoffe, die zum Zeitpunkt des "Abfüllens" der Milch in den "Vorrat" im Blut der Mutter waren...
Man weiß längst, dass das Quatsch ist. Eine wache Stillende hat keinen über den im Blut nachweisbaren Spuren liegenden "Vorrat" von Sedativa o.ä. irgendwo in ihrer "alten" Milch gespeichert
)
Hier noch ein Link zum entsprechenden
Aufklärungsblatt der AFS als PDF-Datei:
Narkosemittel und Lokalanästhetika in der Stillzeit (AFS 2010)
Im frei zugänglichen Beginn dieses
Ärzteblattartikels auch nochmal ganz aktuell die Aussage,
dass nach dem Aufwachen aus Narkosen OHNE Pause direkt weitergestillt werden darf:
Stillen nach einer Narkose in der Regel sicher für den Säuglng
(Ärzteblatt 2020)
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Und falls es jemand ganz ausführlich und aktuell möchte, empfehle ich diesen
Fachartikel aus der Deutschen Hebammenzeitschrift (06/2021):
Stillen nach Narkose?
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Ich weiß, dass eine Googlesuche verunsichern kann, aber:
deviouz hat geschrieben: 07.01.2023, 12:28
Google sagt: 24 Stunden nicht stillen.
"Google" ist KEINE Quelle. Google ist eine Suchmaschine und bezieht sich auf irgendwelche Quellen, die es dann vom Recherchierenden zu prüfen gelten würde. In diesem Falle kannst Du Dir das aber sparen, da sie offenbar veraltet sind und die relevanten (!), medizinischen Quellen anderslautende Aussagen machen.