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Re: Montessori
Verfasst: 08.02.2014, 22:55
von EmiliasGini
Hmm, ich kann ja nicht beurteilen ob es zu frei ist. Das ist nur mein Gefühl dazu nach lediglich 2 Probetagen in einem Kindergarten, nicht in einer Schule.
Ich kann nur von meiner Tochter sagen, dass sie überfordert ist, wenn sie nicht weiß, was sie als nächstes tun soll. Wenn ich alle drei Kinder mal einen Tag in Ruhe zu hause habe und mich wenig mit ihnen beschäftige, dann spielen Kind 1 und Kind 3 den ganzen Tag. Sie wechseln das Spiel, sie machen etwas zwischendurch aber sie entscheiden was sie tun und arbeiten dann an etwas. Zum Beispiel ein Legohaus bauen.
Die mittlere kann das nicht. Es ist nicht so, als könnte sie sich nicht konzentrieren oder nicht spielen. Sie braucht aber immer eine gewisse Anleitung. Wenn ich ihr sage "bastle doch etwas" dann sagt sie "oh jaaa, was denn?" und wenn ich ihr sage, sie könne sich ja was einfallen lassen, tigert sie stundenlang ergebnislos durch Haus und Garten, weil sie nicht weiß, was sie tun könnte.
Wenn ich ihr sage "klebe doch Blätter auf ein Papier" dann beginnt sie damit begeistert und entwickelt dabei Ideen was man noch machen könnte. Baut Kastanien dazu und erschafft ein wirklich kreatives Werk. Ohne "Starthilfe" kommt da aber nichts. Die Hilfen von mir werden immer kleiner.
Was ch jetzt so aus Montessorischulen gehört habe, wird aber gefordert, dass viel Arbeit selbst gesucht wird.
Hier gab es doch auch mal einen Thread zu:
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 9&t=176133
Das ist eben so ein wenig das, was ich auch im Bekanntenkreis teilweise höre. Ich muss dazu sagen, ich kenne wenig Monterssorikinder und hab daher auch wenige Erfahrungsberichte. Mein Eindruck war, dass es für Kinder die sich gut selbst beschäftigen toll ist, für andere schwierig.
Re: Montessori
Verfasst: 08.02.2014, 23:03
von meredit
Hier gibt es nochmal was zum Thema, "Montessori für zuhause", da lese ich sehr gern
http://elternvommars.blogspot.co.at/
Re: Montessori
Verfasst: 08.02.2014, 23:28
von Talgaro
@ Emilias Gini: Ich kenne es aber so, dass dann durchaus kleine Anstöße gegeben werden. Grad neue Materialien stellen die Erziehrinnen oft vor, wenn sie an anderen Dingen merken, dass Kind könnte sich dafür jetzt interessieren. Neulich gabs das Material " Der Urknall" als Vorführung für die ganze Gruppe. Meine Kleine ist immernoch ganz begeistert und erzählt immerwieder in passenden Situationen davon. Es kommt also schon auch Input auf Initiative der Erzieher.
Ein Beispiel zur Schule: mein Großer konnte vor der Schule rechnen und alle Buchstaben. Aber Lesen konnte er nicht und wollte es auch nicht lernen. Rechnen liebte er er aber sehr und wählt dies auch in jeder Freiarbeit. Aber er wollte auch Mathesachaufgaben und Rätsel lösen, da ist er sehr ehrgeizig. Nun hatte die Lehrerin aber irgendwann "keine Zeit"

mehr, ihm immer die Aufgaben vorzulesen, so als kleinen Anreizversuch. Und es hat geklappt, innerhalb kürzester Zeit konnte er lesen und liest heute gern und sehr viel, auch dicke Schinken. Von zuviel Freiheit kann ich wie gesagt aus dem Alltag nicht berichten.
Re: Montessori
Verfasst: 08.02.2014, 23:53
von EmiliasGini
Das klingt gut.
Für die Mittlere kommt es erstmal definitiv nicht in Frage. Die ist sehr glücklich in der Regelschule und hat dort ihre Freunde. Für den Großen klingt das aber wirklich ganz interessant.
Was mich mal interessiert, ist es wirklich so, dass ALLE Kinder von sich aus, alles lernen wollen? Ich meine, meine Schulzeit war ganz lustig aber Ferien waren mir schon lieber. Ich hätte NIE!!! freiwillig Latein, Russisch, Spanisch etc. gelernt.
Außerdem war meine Lust immer schnell weg, wenn es mir zu anstrengend wurde.
Da frage ich mich, wie damit umgegangen wird, wenn die Kinder das nicht lernen wollen? Klar, Lesen lernen will jedes Kind irgendwann, das hilft ja auch weiter. Ich habe aber nie den Sinn verstanden warum ich zu Gedichten irgendwelche Interpretationen schreiben musste die auch eher Vermutungen sind, da man den Autor meist eh nicht fragen kann. Andere fanden Kurvendiskussion völlig sinnfrei. Was macht Montessori da?
Tut mir leid für die Unwissenheit aber ich finde immer nur was zur Philosophie. Fragen zur konkreten Umsetzung finde ich meist nur so bis Klasse 2.
Re: Montessori
Verfasst: 09.02.2014, 09:58
von Nuala
Talgaro hat geschrieben:Ich finde Montessori - so wie ich es in der Praxis erlebe - in künstlerischen Bereichen als sehr viel freier. Bei Waldorf gibt es sehr restriktive Vorgaben, wann welches Stiftart dran ist, wie man etwas zu malen und was genau. Das habe ich bei meinem Kinder so nie erlebt. Klar sehen Aquarelle und gelauges Holz für uns schön aus - aber wenn man genau hinschaut, ist es keine echte Freiheit. Übrigens steht ein Werk der klassichen Waldorfarbeitsweise mit dieser gedellten Außenfläche bei Holz auch bei uns im Ökogarten der Schule. Man kann also auch woanders mit einem Stechbeitel umgehen

. Und Jahreszeitentische sind hier im Montessorihaus in jeder Gruppe Standard - nur das sie eben nicht nur aus Filzpüppchen bestehen, sondern in Zusammenarbeit mit den Kindern eben auch andere Dinge, wie Sonnenbrillen im Juli.
Nur weil Montessori für die Materialien bekannt ist, heißt das ja nicht, dass es nichts anderes gibt. Hier wird natürlich ebenso gesungen, getanzt, gereimt, gegärtnert, mit allen Sinnen erforscht... Im Montessorihaus gibt es auch einen Experimentierraum und einen Kreativraum.
Ich war übrigens früher ganz großer Waldorffan, deshalb kann ich die Liebe zu dieser Ästhetik sehr genau nachvollziehen. Meine Tochter hat ein Holzbaumhaus mit Filzpüppchen und die Babys bekamen natürlich Seidentücher zum Spielen. Aber schon früh habe ich leider auch die eingrenzenden Auswirkungen erlebt und ab da hat ein Umdenken bei mir stattgefunden. Ich kann deshalb auch nicht wirklich neutral bleiben, ich hoffe das ist ok für dich.
Das ist völlig ok für mich, ich seh es ja ähnlich!
Ich war mal glühender Waldorffan, bin sogar ausgebildete Waldorflehrerin (nie praktiziert), aber seit einigen Jahren bestehen Zweifel... und plötzlich hatte ich diesen positiven Zugang zu Montessori, den ich in meiner Ausbildung nicht hatte. Seitdem lese und informiere ich begeistert über Montessori.
Trotzdem fehlt mir da manchmal dieses "Eingehüllte" von Waldorf. Gerade für die kleinen Kinder, bei den Großen braucht es das dann eh nicht mehr. Ich kann gar nicht GENAU bezeichnend was es ist.
Ich glaube aber dass diese Elemente in einer freien (!) Art und Weise ohne weiteres bei Montessori einfließen kann. DAS meinte ich mit "meiner Traumschule". Die ist sicher mehr Montessori als Waldorf. Montessori mit Waldorfelementen eben.
Re: Montessori
Verfasst: 09.02.2014, 21:15
von Talgaro
@ EmiliasGini: Die Erfahrungen bei meinem Kindern reichen leider auch nicht weiter. Aber ich finde die Jahre des Grunderwerbs sehr elementar und finde, sie wirken sich noch sehr lange aus. Mein Großer ist jetzt am Gymnasium und ist immernoch sehr wissbegierig (wenn auch nicht immer auf das, was die Lehrer gerade unterrichten wollen).
Ich kenne aber einen jetzt jungen Mann, der auf der Potsdamer Montessori Schule war, die ja weiter geht und das nach einen ganz kastrophalen Schulstart an einer Waldorfschule. Er hat seine Schule sehr geliebt, war Mitglied einer Schülerband und wurde ein sehr guter Orgelbauer.
@ Nuala: Ich verstehe was du meinst, bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich vereinbar ist. Diese Hülle besteht ja quasi aus gewissen Restriktionen, dem Ausschließen von Dingen/Materialien/Zuständen die nicht ins Konzept passen? Wir haben ja "nur" staatliche Einrichtungen, die sind natürlich auch schon rein finaziell nicht in der Lage, alles so
hübsch anzubieten. Wobei ich finde, dass das wieder andere Vorteile hat. Wir haben eine tolle soziale und kulturelle Mischung in den Gruppen/Klassen, die sich an Privatschulen so nie ergeben und ein großer Gewinn für die Kinder sind.
Re: Montessori
Verfasst: 10.02.2014, 14:13
von meredit
EmiliasGini hat geschrieben:Was mich mal interessiert, ist es wirklich so, dass ALLE Kinder von sich aus, alles lernen wollen? Ich meine, meine Schulzeit war ganz lustig aber Ferien waren mir schon lieber. Ich hätte NIE!!! freiwillig Latein, Russisch, Spanisch etc. gelernt.
Ich glaube nicht, dass alle Kinder von sich aus alles lernen wollen. Es braucht Anreize um das Interesse zu wecken und dann immer wieder "Scheitchen nachlegen, um das Feuer am brennen zu halten" sozusagen. Ich glaube persönlich, dass es nicht wichtig ist, Latein, Russisch usw zu lernen wenn kein Interesse besteht. (Was anderes wenn man z.B. nach Russland zieht, aber dann ergibt sich das Interesse sowieso von selbst). Und warum ich in der Schule Kurvendiskussionen machen musste, frage ich mich bis heute. Habs nie wieder gebraucht und weiß nicht mehr wie es geht - hat mir aber damals eh Spaß gemacht und ich war gut drin. Nur der Sinn?
Ich hab mehrere Montessorischulen von Innen gesehen bloß nicht mit so großen Kindern dass Latein und so schon dabei war. Aber zum Beispiel bei Mathe, da wurde eben das Angebot zu einer bestimmten Sache immer wieder mit verschiedenen Materialien gemacht, um es schmackhaft zu machen. Geklappt hat es dennoch nicht immer, es gab da einige Kinder, die garnichts lernen wollten (12 Jahre alt).
Dann wurde auf die nächsten Versuche gehofft. Es ist auch so, dass sich die Kinder oft gegenseitig mitrissen, Was der eine konnte, wollten seine Freunde auch lernen.
Wenn aber ein Kind von der Montessorischule auf eine "normale" wechselte (was manchmal auch aus finanziellen Gründen der Fall war), dann MUSSTE es das lernen, was der Lehrplan für diese Schulstufe vorsieht. Das wurde dem Kind auch so erklärt. "Du kommst nächstes Jahr auf diese Schule, und dort haben das alle gelernt und die Lehrer werden von Dir auch erwarten, dass du das gelernt hast" oder so ähnlich. Das klappte dann gut und ohne Zwang.
Was ich leider aber auch gelernt habe: es ist nicht überall Montessori drin, wo Montessori draufsteht

hier in Österreich zumindest.
Re: Montessori
Verfasst: 10.02.2014, 21:03
von EmiliasGini
Hmm ja naja, das ist halt so eine Sache. Ich finde irgendwie Allgemeinbildung wichtig und ich finde es auch wichtig, dass man gewisse Dinge lernt auch wenn sie einen nicht interessieren, weil man sie eben evtl. doch braucht.
Ich brauche zum Beispiel Kurvendiskussionen und Vektorrechnung definitiv. Dass ich aber in diese Richtung studiere hätte ich nicht gedacht.
Wenn man nun Medizin studieren will, ist Latein schon hilfreich. Das kann man mit 12 aber einfach noch nicht einschätzen. Ich finde auch den Grundgedanken des Abiturs, nämlich die ALLGEMEINE Hochschulreife. Quasi eine Grundbildung in allen Belangen wirklich gut und richtig. Ich habe auch Sprachen immer gehasst und brauche nun im Job aber sehr viel Englisch. Es kommt sicher drauf an, in welchem Bereich man arbeitet. Bei mir im Büro sind die meisten promoviert und haben auch ein hohes allgemeines Bildungsniveau. Daher fühlt es sich für mich wichtig an. Tatsächlich ist es nicht unbedingt wichtig zu wissen, wer wann Bundeskanzler oder Meister war oder wann welcher Krieg war. Ich finde es aber schon irgendwie wichtig.
Wenn mein Kind nun Künstler oder Maurer werden möchte, dann braucht es bestimmt einige Bereiche der Schule nicht. Ich möchte ihm diese Entscheidung aber nicht schon in der Kindheit anlasten.
Gleichzeitig nervt mich aber die derzeitige Schulsituation wirklich sehr. Die Lehrer sind super nett und bemüht und es wird sogar Recht viel alternativ, klassenübergreifen etc. gearbeitet. ABER und das ist für uns wirklich ein Problem - es gibt ständig Input. Sprachpuppe hier, Rechengeschichte da, hier ein Lied, da ein Spiel. Mein Sohn ist sehr "an" und sehr ehrgeizig. Er will das alles aufnehmen, mitmachen, gut machen. Es fehlt mir die Ruhe sich auf eine Sache längere Zeit zu konzentrieren. Mal an einer Sache zielführend zu arbeiten und nicht alles so "wegzuarbeiten". Aktuell sind es zum Beispiel Schreibübungen. Er möchte die perfekt machen. Wenn er sich verschreibt dann stört ihn das Wort im Text und er möchte alles nochmal machen. Geht aber nicht, weil die übrigen Aufgaben warten. Dadurch setzt er sich unter Druck und macht noch eher Fehler. Obwohl die Hausaufgaben immer sehr gut bestempelt werden ist er täglich unzufrieden, weil sie seinem Anspruch nicht genügen.
Ich kenne es von mir aus dem Studium, früher war der Gedanke am studieren sich eingehend mit einer Sache zu beschäftigen, Fehler zu machen, Dinge in Müll zu werfen und neu anzufangen. Heute ist da so viel Stoff in so wenig Zeit, dass man nur noch huschhusch alles fertig knallt. Wie ätzend das ist, weiß ich (hab als wissenschaftliche Assi gearbeitet).
Eine Idee wäre nur die Grundschule nach Montessori zu machen. Lohnt aber auch kaum für 2 Jahre. Ein bisschen Freiheit in der Pubertät fänd ich aber auch nett. Da drehen ja eh alle durch, da finde ich immer dieses Gegenanprügeln mit Lernstoff völlig sinnfrei. Kennt jemand wen, der nach Klasse 9 der Montessori aufs normale Gymnasium gewechselt hat? Ich weiß, dass es bei Waldorfschülern kaum Probleme gibt. Hatten einige in der Oberstufe die trotz Abimöglicheit an der Waldorfschule aufs normale Gymnasium gekommen sind. Waldorf überzeugt mich aber nicht so. Da ist zwar auch mehr Ruhe drin als in der normalen Schule aber ich kann mich mit dem Grundkonzept nicht so identifizieren.
Hach schwierig. Ich möchte Sohnemann halt die Kindheit erhalten und die Schulzeit angenehm machen, ohne ihm irgendwelche Chancen zu verbauen.
Re: Montessori
Verfasst: 10.02.2014, 21:21
von EmiliasGini
Ach was ich noch sagen wollte - der Blog von "Eltern von Mars" ist wirklich wunderschön. So liebevoll geschrieben und so praktisch umgesetzt ohne dogmatisch zu wirken. Wir haben trotz Regelkita auch einige Sachen (wie die Tabletts oder einige Materialien) genutzt und können das bestätigen.
Re: Montessori
Verfasst: 10.02.2014, 22:10
von Talgaro
Wieso nur 2 Jahre Grundschule? Hier sind das 6 Jahre. Gut mein Großer ist schon früher weg, aber das hatte andere Gründe.