Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Moderatoren: Toony, Momolina

Antworten
ananina
ist gern hier dabei
Beiträge: 79
Registriert: 16.04.2009, 01:53
Wohnort: Südbaden

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von ananina »

Zdravo adriafisch,
Du hast recht, so richtig sprechen wird sie kroatisch wohl nie, da ich es selbst ja nimmer so super kann. Das macht mich manchmal ein bisschen traurig. Ich versuche mir in den H* zu treten und öfter kroatisch mit meinen Eltern zu sprechen und lese immer wieder mal wieder die kroatischen Frauenzeitschriften meiner Mama (Und hab manchmal echt Mühe alles zu verstehen :cry: ) Leider halte ich das nicht immer durch und falle immer wieder in das alte Muster zurück...aber ich arbeite dran. Einen italienischen Grosselterntag bzw. -abend haben wir schon. Immer Montags, wenn ich ins Yoga gehe, ist Anika bei meinen Schwiegereltern, weil die praktischerweise im Nachbarort wohnen. Einen kroatischen Grosselterntag müssen wir noch einrichten.
Viele Grüsse an die schöne Adria!
p.s. Wo bist Du denn dort zuhause? Wir kommen aus der Nähe von Zadar.
Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben:
die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.
(Dante Alighieri)


Bild
Benutzeravatar
marscygale
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1584
Registriert: 05.04.2007, 08:55
Wohnort: Marseille

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

Das ist beim Papa von Samy ähnlich. er kann halt, da er in F. aufgewachsen ist und seine Oma manchmal auch die Sprachen gemischt hat, nicht sooo gut arabisch und er denkt halt auch in Französisch.

Wie ist das bei dir? Musst du dich gedanklich umstellen oder kannst du kroatisch ohne ans Übersetzen zu denken, sprechen? Weisst wie ich meine?

Kinder merken, denke ich, ob man die Sprache überzeugend spricht und das wirkt sich dann aus.
Ich wurde hier von der Mutter eines portugiesischen Freundes gefragt, warum ich denn mit Samy deutsch und nicht französisch spreche. Sie selbst hat immer (auch damalige "Gastarbeiter") französisch (ganz doll schlechtes übrigens) mit ihren Kindern gesprochen, um eben zu zeigen, dass sie "integriert" sind und dazugehören. Das ist heute zum Glück etwas anders. Aber ich treffe trotzdem noch MÜtter, die zB. russisch (und sie lebt erst seit 7/8 Jahren hier) nur zu Hause mit ihrem Kind spricht, sobald sie draussen ist, auf französisch.

Ich finde das Quatsch, entweder ich stehe zu meiner Sprache oder nicht. Ausser ich bin schon zweite Generation und bin mir unsicher, das kann ich nachvollziehen.
Grüsse
------------------------------------------------------------------------------------

Kinder achten mehr darauf, was die Eltern tun als was sie sagen. :D
Ulli and the tiger 27.10.06 und dem Vögelchen 03.06.2011.
adriafisch
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 275
Registriert: 26.07.2006, 21:34
Wohnort: HR

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von adriafisch »

marscygale hat geschrieben:sobald sie draussen ist, auf französisch.

Ich finde das Quatsch, entweder ich stehe zu meiner Sprache oder nicht.
:oops: :oops: Ich mache das auch so. "Draussen", d.h. im Geschäft, im Wartezimmer..... spreche ich eigentlich nur kroatisch mit den Kindern. Mich hat das immer soooo abgestossen, wenn türkische Mitbürger in D (bitte, ich möchte jetzt keinen damit schlecht machen) nur türkisch "draussen" geredet haben. Ich habe mir sozusagen geschworen, dass ich genug lernen werde, damit ich alleine zurecht komme. Ich finde, dass zeigt schon, wie weit man sich integrieren will und integriert hat.
Die Chance, dass diese russische Frau, und vor allem die Kinder, zurück in ihre Heimat gehen, ist ja auch sehr gering. Manche Auswanderer wollen ja auch einen richtigen Schnitt machen um der Vergangenheit willen. Manche sehen wahrscheinlich auch nicht, dass eine Sprache die Brücke zu einer anderen Sprache ist. Wer russisch kann, kann fast alle slawischen Sprachen teilweise verstehen. Viele Eltern denken bestimmt nicht daran, dass dies von Nutzen später sein könnte.

@ananina
Wir wohnen in der Nähe von Rijeka. Sprechen deine Eltern Dialekt? Das ist ja noch oft ein zusätzliches Problem....
Benutzeravatar
marscygale
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1584
Registriert: 05.04.2007, 08:55
Wohnort: Marseille

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

Leider spricht man aber nur von Integration, wenns um die sogenannten "minderwertigen" Sprachen geht. Dh. für mich ist es einfacher deutsch mit Samy zu sprechen, da deutsch ja anerkannt ist, genauso wie englisch etc., nicht aber eine kurdische Mutter, die halt kurdisch mit ihrem Kind spricht. Die Beziehung und in welcher Sprache ihc mit meinem Kind spreche, geht doch niemandem was an und zeigt va; nicht, wie integriert ich bin, oder? Wenn ich mich mit deutschen Müttern treffe, sei es im Bus oder im Park, dann spreche ich deutsch. Schliesslich spreche ich mit dieser Person und nicht mit all den anderen, die ringsum auf ihren Plätzen sitzen. Sorry, ich bin extrem, aber ich kämpfe gegen Sprachverlust an und muntere jede Mutter (und freue mich über jede Mutter), die mit ihrem kind ihre Sprache spricht, egal wo und wann, ohne sich schämen zu müssen oder gar rechtfertigen. ich spreche selbst fliessend französisch, sogar fliessender als mancher Franzose, aber meine gefühlte Sprache ist und bleibt deutsch. ich denke da nicht an Vorteile für Samy, sondern an ein Stück meiner Identität, meiner Kindheit, meiner Vergangenheit, die ich ihm wenigstens ein kleines bisschen mitgeben möchte.
Grüsse
------------------------------------------------------------------------------------

Kinder achten mehr darauf, was die Eltern tun als was sie sagen. :D
Ulli and the tiger 27.10.06 und dem Vögelchen 03.06.2011.
Benutzeravatar
marscygale
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1584
Registriert: 05.04.2007, 08:55
Wohnort: Marseille

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

anders ist das natürlich, wenn wir eine gemischte Gruppe sind, dann wird die Sprache gesprochen, die alle verstehen (nur mit Samy spreche ich trotzdem konsequent deutsch :wink: )
Grüsse
------------------------------------------------------------------------------------

Kinder achten mehr darauf, was die Eltern tun als was sie sagen. :D
Ulli and the tiger 27.10.06 und dem Vögelchen 03.06.2011.
Benutzeravatar
chennai
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 7506
Registriert: 04.04.2009, 21:41

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von chennai »

Marscygale, ich mach's genauso wie du, also auch in Gegenwart der flämischen Familie sprech ich mit meiner Tochter deutsch, erst recht in anonymer Gesellschaft also im Laden, auf der Straße oder so.

Mag wirklich sein, dass es da Vorbehalte gibt, bei welchen Sprachen 'man' das gut findet und bei welchen eben nicht. Schade, aber durchaus interessant. Ich kann mir auch vorstellen, dass man einen Schnitt machen will, aber die eigene Muttersprache freiwillig aufzugeben finde ich trotzdem nicht nachvollziehbar. Also vielleicht, wenn man im Kindes- oder Jugendalter ausgewandert ist, aber wenn ich schon 20, 30 Jahre in dieser Sprache gelebt hab und aufgewachsen bin, dann ist das doch MEINE Sprache, oder?

Was ich bisher immer gehört hab, sollte man bei mehrsprachiger Erziehung versuchen, möglichst konsequent zu sein und die Sprachen nicht mischen. Möglichst sollte eine Person deckungsgleich mit einer Sprache sein. Deshalb versuch ich das auch wirklich durchzuziehen. Als Negativbeispiel, eine Freundin von mir wurde von ihrer französischen Mama immer französisch geschimpft, damit das nicht jeder versteht, ansonsten wurde aber eher deutsch gesprochen. Das Mädel musste in der 9. Klasse Französisch beinahe genauso lernen wie unsereins...
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
Benutzeravatar
marscygale
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1584
Registriert: 05.04.2007, 08:55
Wohnort: Marseille

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

Das finde ich traurig mit der Freundin. So ähnlich ist das auch bei meinem Freund, der kann arabisch nicht lesen und schreiben, spricht noch dazu Dialekt, aber ich ermunter ihn immer, mit Samy arabisch zu sprechen. Wenn jemand über Samy sagt, oh, toll zweisprachig, dann erwâhne ich immer, dass er auch ein paar Worte arabisch versteht. da gucken manche dann schonmal anders bzw. schlucken, wenn ich englisch gesagt hätte, hätten sie noch mehr gestaunt.

Samy verbindet mit mir eindeutig das Deutsche und es klappt (fast) hundert % , dass er auf deutsch mit mir spricht.
Also chennai, durchziehen :wink: bin auch fürs konsequent sein.
Grüsse
------------------------------------------------------------------------------------

Kinder achten mehr darauf, was die Eltern tun als was sie sagen. :D
Ulli and the tiger 27.10.06 und dem Vögelchen 03.06.2011.
Benutzeravatar
hajar
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 757
Registriert: 30.04.2009, 23:20
Wohnort: Eichenau

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von hajar »

Hallo ihr alle,

ich häng mich hier mal mit dran. Hab zwar noch nicht alles durchgelesen - ist ja sooo ein langer Thread :) aber das Thema Zweisprachigkeit interessiert mich.

Bei uns ist es so:

Wir haben ausgemacht, dass ich mit unserem Sohn immer deutsch spreche, und der Papa marokkanisch. Noch ist er ganz klein (2 Monate), aber hoffentlich halten wir das durch bis er beide Sprachen gelernt hat. Es war auch nicht ganz leicht für meinen Mann, sich für eine Sprache zu entscheiden, die er mit dem Kind sprechen will, denn er kommt aus Marokko und seine eigentliche Muttersprache ist Berber (tashlaheit), dann kam marokkanisch und arabisch dazu, später französisch, englisch, und dann deutsch... aber es ist wohl am sinnvollsten, wenn der Kleine marokkanisch lernt (wie ich ), damit kann er sich auf jeden Fall mit der ganzen Familie verständigen und auch mit so ziemlich allen Marokkanern...

Wir haben Freunde, wo die Frau Deutsche ist und der Mann Tunesier. Deren Sohn (kommt im Sept. in die Schule) spricht ganz normal deutsch, versteht auch tunesisch-arabisch, aber spricht es kaum. Das finde ich sehr schade. Wobei die Freunde erzählt haben, wenn sie in Tunesien sind, lernt er immer ganz viel dazu und spricht viel besser tunesisch, als wenn sie hier sind. Vielleicht kommt es einfach auch auf die Umgebung an.

Ich bin ja sehr gespannt, wie sich Sulayman mal sprachlich entwickeln wird. Ich wünsche mir ja, dass er beide Sprachen irgendwann fliessend kann... 8)
Da meine Schwiegereltern und die ganze Familie meines Mannes sehr nett sind, bin ich zuversichtlich, dass er sich dort wohlfühlen wird, und hoffentlich gerne marokkanisch lernen wird.

Naja, ich les jetzt einfach mal mit, was ihr so aus euren Erfahrungen berichtet. Kann ja nie schaden!

LG, Eva
Grüße von hajar mit unendlich geliebtem Sohn (03/09)

Danke für eure Hilfe beim Ausmisten!!! Ich bin so frei. :-) Jetzt.
ananina
ist gern hier dabei
Beiträge: 79
Registriert: 16.04.2009, 01:53
Wohnort: Südbaden

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von ananina »

@marscygale: mir geht es genauso - ich muss mich gedanklich schon umstellen, wenn ich kroatisch spreche. Denken tue ich komplett in deutsch. Bin ich in Kroatien geht es nach ein paar Tagen/Wochen besser - dann gräbt mein Gedächtnis viele Begriffe aus, von denen ich dachte, ich hätte sie vergessen. Leider verbringe ich nicht soviel Zeit pro Jahr in Kroatien. Da mein Mann auf Sardinien und bei Neapel enge Verwandte hat (und in CH arbeitet & wenig Urlaub hat :cry: ) wechseln wir uns mit den Verwandtschaftsbesuchen immer ab...
Ich denke auch man sollte zu seiner Muttersprache stehen, inzwischen sehe ich eben schon deutsch als meine "Ersatzmuttersprache" an, da ich hier lebe, hier aufgewachsen bin, hier arbeite, einfach voll integriert bin und wenn man es nicht weiß, merkt man mir nicht an, dass ich "Ausländerin" bin. Viele wundern sich, dass ich noch an meiner kroatischen Staatsbürgerschaft festhalte - rein rational, spräche auch nichts dagegen, sich einbürgen zu lassen, wäre es fast die logische Folge meines Lebenslaufes, aber emotional hänge ich sehr Kroatien und auch wenn es sich blöd anhört, gehört für mich die Staatsbürgerschaft dazu. Denn so sehr ich mich hier auch integriert fühle, ich fühle mich nicht 100%-ig deutsch aber auch nicht 100%-ig kroatisch. Von beidem etwas eben.

@adriafisch: Ja, meine Eltern sprechen Dialekt (dalmatinisch), wenn ich mit meiner Verwandschaft spreche ist das nicht schlimm, da die meisten dort leben, aber wenn ich andere Kroaten kennenlerne habe ich schon Hemmungen, weil ich kein richtiges "Hochkroatisch" kann. War zwar damals in der Jugoslawischen Schule, aber nicht lange, weil meine Eltern mit der Lehrerin nicht klarkamen.
Rijeka, da haben wir immer auf unserem Hin- und Rückweg einen Stop eingelegt, weil ein paar Geschwister meines Vaters dort leben und ich denke immer gerne an unsere Stops in Crkvenica zurück :)
Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben:
die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.
(Dante Alighieri)


Bild
Benutzeravatar
marscygale
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1584
Registriert: 05.04.2007, 08:55
Wohnort: Marseille

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

Ananina, ich denke halt auch, man muss aus reinem Befinden die Sprache sprechen, in der man sich wohlfühlt. Ich singe zB. sehr viel und gerne mit Samy Kinderlieder und da denke ich auch viel an mich und meine Kindheit. Samy hat auch beide Staatsangehörigkeiten deutsch und französisch. Sein Vater hat auch trotz dem er in F. aufgewachsen ist, seine algerische behalten, da ist das so wie bei dir, da hängt er noch dran und fûhlt sich nicht 100% französisch und nicht 100% algerisch. Aber ich glaub, dass muss man auch nicht mehr heutzutage, sich 100% zugehörig fühlen :wink: . Multinationale/kulturelle Identität würde ich sagen.
Grüsse
------------------------------------------------------------------------------------

Kinder achten mehr darauf, was die Eltern tun als was sie sagen. :D
Ulli and the tiger 27.10.06 und dem Vögelchen 03.06.2011.
Antworten

Zurück zu „Unsere Kinder“