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Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 17:35
von Lösche Benutzer 17612
Also wenn mich was wirklich ekelt, dann geht es nicht rein. Ich würge dann auch schnell und mache dicht. Aber wenn das Essen halt nach Pappe schmeckt bekomm ich keinen Brechreiz und esse es halt, auch wenn es nicht schmeckt und ich eigentlich lieber nichts essen würde,
Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 17:39
von Lösche Benutzer 24617
Gab es nicht diesen sehr überspitzten Witz, wo nach 50Jahren Ehe rauskommt, daß die Frau nur IHM zuliebe den Braten gemacht hat, sich regelmäßig stundenlang in der Küche abgemüht hat.....und ER hat den Braten nur gegessen weil sie sich solche Mühe gemacht hat und er sie anerkennen wollte?
Ellen, wenn du es wirklich so sehr bedauerst, und ihr euch so gut kennt, ihr euch echt gern habt, warum kannst du es ihr nicht sagen. Vielleicht würde es euch beiden die Tränen in die Augen treiben? Vielleicht aber würde es euch doch einander näher bringen, nicht? Ist natürlich Ermessenssache. Aber ich finde es einfacher, das zu klären.
Oder vielleicht dürft ihr bei ihr nachwürzen? "Ich mag es halt schärfer, esse generell salziger..." Wäre vermutlich noch nicht einmal eine Lüge.
Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 17:44
von samsara
Ich finde schon, dass es vergleichbar ist im Hinblick auf "ich überwinde mich was zu essen um niemand auf den Schlips zu treten", ich habe es aus Höflichkeit gegessen. Ich kann ja nicht sagen, ich bin gegen Fleisch allergisch und habe damals auch aufgrund meines robusten Magens gedacht, ich ess das jetzt einfach kurz und schmerzlos und diskutiere nicht rum. Irgendjemand aus dem Orchester damals meinte, die Ungarn haben nicht so viel Geld und kaufen extra für die Gäste dann tolles Fleisch, dann war ich sicher nicht diejenige, die so reif war so eine Geste abzulehnen und es zu schaffen, dass sich trotzdem alle ok damit fühlen. Dass es beim ersten Bissen schon so schlimm sein würde habe ich nicht absehen können, ich kannte dieses Ekelgefühl nicht,aber es hat sich definitiv eingebrannt. Ich hatte vermutlich auch die Hoffnung, dass es schlimmstenfalls wie Pappe schmeckt. Und von einem Stück Fleisch sterbe ich ja auch nicht, das war genauso ein "über den Schatten springen" wie wenn ich was anderes essen sollte, was halt nicht meine absolute Leibspeise ist. Kann man ja schon mal machen.
Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 17:47
von Lösche Benutzer 17612
In der Familie sind alle sehr -äh- direkt wenn es um sowas geht. Mein Mann schaltet da komplett um zwischen mir und "fremden" Köchinen. Wäre ja auch schön doof, sonst würde ich das ja nochmal kochen.....
Ja, wir dürfen dort nachwürzen, die " Bei-uns-essen-wir-einfach-sehr-scharf-Geschichte" haben wir schon angebracht. Der komplette restliche Freundeskreis übrigens auch. Ich korrigiere also zu " salzige Pappe". Aber die Wahrheit bringe ich nicht übers Herz, da ihre Familie ( Eltern und Geschwister) ihr das selbige schon gebrochen hat mit der Aussage, sie sei eine schlechte Köchin. Und ich sie danach natürlich wieder aufgebaut habe ....
Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 18:56
von chennai
Ich finde, das Thema ist ein gutes Beispiel dafür, dass es hier keine absoluten Regeln gibt/geben sollte. Weder das Extrem, dass jeder immer das zu essen hat, was auf den Tisch kommt, noch das andere Extrem, dass jeder in allen Situationen ohne Rücksicht auf Verluste und in schonungsloser Ehrlichkeit das Essen auf dem Tisch verschmähen darf, ist für mich erstrebenswert. In welcher Situation man sich in welchem Bereich der Grauzone dazwischen aufhält, muss man einfach gut abwägen. Das ist situations- und personenabhängig, und 100e weitere Faktoren spielen da mit rein. Das zu erlernen und sich in dieser Grauzone souverän zu bewegen gehört für mich zu der Art sozialer Kompetenz dazu, die ich meinen Kindern gerne vermitteln will.
Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 19:18
von MamaMonster
Jetzt musste ich doch mal lesen, was ihr hier so lange diskutiert

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Und da fällt mir gleich eine Anekdote ein. Als Teenager habe ich zwei Mal zusammen mit anderen Jugendlichen Hilfsgütertransporte nach Rumänien in ziemlich abgelegene Gebiete begleitet. Da war klar, dass wir Menschen, die uns bewirten nicht vor den Kopf stossen wollen, dass sie nicht im Überfluss lebten war offensichtlich, gleichzeitig waren wir mit der Gesamtsituation etwas überfordert und wussten oft nicht, wie wir uns verhalten sollen. Und Essen war ein schwieriges Thema. Manche haben extra für uns Nudeln gekauft und gekocht, aber die Marmelade als Sauce war doch gewöhnungsbedürftig. Besonders peinlich war aber, als einmal Hühnersuppe mit gekochten gummiartigen Hühnerfüssen drin serviert wurde. Ich hatte Glück, in meiner Suppe schwamm kein Fuss und die Suppe selbst war sehr schmackhaft. Aber mein Tischnachbar schaffte es einfach nicht, seinen Hühnerfuss zu essen, traute sich aber auch nichts zu sagen, mal abgesehen davon, dass es schwer ist, sich höflich auszudrücken, wenn man keine gemeinsame Sprache spricht. Als die Gastgeberin den Raum verliess und wir kurz allein waren, warf er das Ding schnell aus dem Fenster hinter uns, in der Hoffnung, eine Katze möge es sich schnappen. Die Gastgeberin kam zurück und war plötzlich ganz komisch. Beim Blick zum Fenster war klar wieso - da war ein Fliegengitter am Fenster und da baumelte der Hühnerfuss!
Daraus lässt sich jetzt nichts ableiten, die Situation ist ja nicht grade alltäglich, aber das fällt mir immer ein, wenn es um Essen aus Höflichkeit geht.
Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 19:23
von Yelma
Da hab ich ja was angefangen
Ich koche übrigens einfach nicht mehr für Leute, die in meinem Essen rumpicken, auch nicht für Vegetarier, die das nicht vorher sagen. Ihnen schmeckts nicht, ich ärgere mich, das ersparen wir uns lieber.
Und ja, das ist eine Form von sozialem Umgang. Ich finde, den muss ein Kind aber auch lernen, was bei wem in welchem Umfang ok ist. Kind kann sagen, dass es was nicht mag, ich kann sagen, dass es mich ärgert, wenn rumgestochert wird und dass ich es nicht gut finde, Nahrung zu verschwenden. Ich finde nicht, dass ich da zurücksteckjen muss und dem Kind verheimlichen, dass es mich stört - finde das ehrlich abstrus? Ich sag ja auch wenn mir was wehtut was mein Kind macht?
Ich muss aber auch sagen, für mich ist Essen in erster Linie Nahrung und sollte es in meinen Augen auch sein. Essen emotional aufladen im Sinne von essen, weil es schmeckt finde ich heutzutage ein bisschen ungeschickt. Wenn es geht, möchte ich Trostessen, Frustessen uä vermeiden zu vermitteln.
Ich will ja meinem Kind nix böses, wenn ich möchte, dass es sich ausgewogen ernährt, im Gegenteil. Ich will dass es Gemüse isst, das Kind will nicht... dann versuche ich halt einen Kompromiss zu finden. Muss nicht alles gemocht werden, aber ich bin sicher, man kann was finden, was schmeckt.
Genauso wie mein Kind nicht Zähne putzen mag, ich nicht will, dass es Karies bekommt, also versuchen wir einen Weg zu finden, mit Liedern, mit Ablenkung, etc.
Aber im Endeffekt ist es meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass mein Kind nicht krank wird und das tue ich, wenn ich dafür sorge, dass es nicht nur Schokolade, Müsli oder Nudeln mit Ketchup isst. Einzelne Dinge nicht mögen finde ich normal und da würde ich bei einem Kind auch Rücksicht drauf nehmen.
PS: die die jetzt in meinem Essen rumstochern wurden übrigens alle so erzogen, dass das ok ist. Vielleicht ist bei mir dadurch der Eindruck entstanden, dass das zusammenhängt
PPS: ich hab kein Problem damit, wenn mir jemand sagt, was er nicht mag, dann koche ich das nicht. Aber sich selbst einladen oder fragen, ob man was haben kann und dann drin rum stochern finde ich total unverschämt!
Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 19:23
von Missy
Die Grenze ist für mich dabei überschritten, wo sich irgendjemand etwas in den Mund steckt, was er eigentlich nicht möchte. Egal ob absoluter Ekel oder nur das "Mhh, nicht toll.."-Gefühl.
Ich vermittle meinem Sohn aber, dass es eben Dinge gibt die er gerne isst und andere dafür nicht. Und eben auch andersrum. Und dass man nicht eklig schreit und das Essen abwertet, sondern sachlich bleibt.
Wenn er irgendwann die bewusste Entscheidung trifft, seine Grenzen zu überschreiten, dann ist es für mich natürlich ok. Aber er bekommt von mir nicht das Gefühl vermittelt, dass er das tun muss, um gesellschaftlich und sozial "normalisiert" zu sein.
Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 19:24
von Seifenblasenfrau
MamaMonster, mein Mann und ich haben Tränen gelacht

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?
Verfasst: 11.03.2018, 19:46
von meme2017
Ein guter Freund von mir trinkt keinen Alkohol. Und reist viel in Länder, wo es auch Brauch ist, als Gastgeber z.B. eben jenen anzubieten.
Er sagt, er hat es bis jetzt immer hin bekommen, höflich zu kommunizieren, dass er nichts trinkt.
Am schwierigsten sei es aber in seiner westfälischen Heimat...
Warum geht es mit Alkohol, aber nicht mit essen?
Warum ist es so verwerflich, etwas nicht zu mögen und es auch zu kommunizieren?
Ich sage ja nicht: Dein Essen schmeckt nicht.Sondern
ICH mag das nicht.
Oder z.B. in Bezug auf Fleisch und Fisch:
ICH esse das nicht, danke.
Das ich etwas nicht mag heißt doch nicht automatisch, dass ich es kritisiere. Oder den Menschen, der es gemacht hat.
Das ist doch ein großer Unterschied.
Meme