Ich stelle mal völlig außer Frage, daß es wichtig und ein Segen ist, daß die moderne Medizin uns heute Mütter- und Säuglingssterberaten beschert, die quasi gen null gehen. Noch nie in der Geschichte der Menschheit haben wir so risikoarm geboren! Das verdanken wir zum einen der Hygiene, zum anderen aber eben auch den Errungenschaften der modernen Medizin.
Dennoch habe ich mich bei meinem dritten Kind bewusst für den "anderen" Weg entschieden.
Ich habe zwei Kinder unter PDA geboren. Ich war Mutter, ich bin mUtter. Aber was Gebären
wirklich heißt, im positiven Sinne, das habe ich erst bei der dritten Geburt erfahren! Die Täler waren tiefer - aber die Berge auch seeeehr viel höher.
Natürlich war ich auch bei meiner dritten Geburt irgendwann an dem Punkt, an dem ich gesagt habe, so, ich habe jetzt fertig, holt mich mal, wenn das hier vorbei ist. Der Punkt, an dem ich bisher in der Klinik eben die PDA wünschte und auch bekam. Ich weiß aber mittlerweile, daß die Geburt ein so feines Zusammenspiel zwischen Mutter und Kind ist, daß die Mutter auf den Schmerz mit Opiat- und wasweißich für Ausschüttungen reagiert, die dann wiederum das Kind unterstützen und beruhigen, für Details frage ich da gern nochmals meine Hebamme. Eine PDA macht da einen kräftigen Schnitt - klick - und das Kind muss allein weitermachen, die Mutter klinkt sich aus.
Eine Verlassenheitsreaktion in der wohl stressreichsten Situation des ganzen Lebens ist die Folge.
Nicht gerade das, was man seinem Kind wünscht und auch nicht gerade das, was auf dem Aufklärungsbogen steht, hm?
Wie gesagt, es gibt Situationen, da ist es einfach notwendig, fertig! Bei meienr ersten Geburt war ich z.B. nach 30 Stunden ohne Schlaf und fast pausenloser Weherei derart entkräftet, ich hätte mir den Arm amputieren lassen, wenn das nur endlich ein Ende gehabt hätte. Die PDA hat mir einige Stunden Schlaf und Erholung gebracht, ohne die ich wohl nicht mehr in der Lage gewesen wäre, spontan zu entbinden. Die Geburt endete übrigens tatsächlich mit der Saugglocke
Aber bei meiner zweiten Geburt hätts vielleicht auch Motivation gebracht. Es war mehr das klassische "ichwillnichtmehrichwillhierweg". Okay, ich kann dann wirklich
sehr eklig werden, aber hätte ich da die Zusammenhänge zwischen mütterlicher und kindlicher Geburt bereits gekannt, hätte ich ohne PDA entbunden, ganz sicher. Bei der ersten Geburt hätte ich mich trotzdem dafür entschieden.
Im Grunde genommen halte ich es also für müßig, sich über Sinn und Widersinn der Schmerzen unter der Geburt zu unterhalten. Sie sind da und, wenn alles im normalen Rahmen läuft, sind sie sinnhaft rein im medizinischen Sinne. Da glorifiziere ich nichts, unsportlich bin ich eh und hab daher auch wenig Extremsporterfahrungen vorzuweisen. Aber ich habe auch erlebt, daß der Hormonflash nach der Geburt am intensivsten war nach der interventionsfreien Geburt

Also für
mich war diese Geburt auch am schönsten
Meine Literaturempfehlung ist von Michel Odent "Es ist nicht egal wie wir geboren werden". Abseits von Religion, Mystik und Polemik klärt er einfach nur auf und zeigt Zusammenhänge, die wir einfach vergessen haben.
Liebe Grüße Alex